Kustos kommentiert nicht mehr -
Der Blog schweigt wegen "antifaschistischer" Angriffe.

Sonntag, 25. Dezember 2011

Weihnachten des Wahnsinns

Das Weihnachtsfest musste schon einiges aushalten. Erst haben die Christen es von den Heiden vereinnahmt, dann wollten sie es wieder verbieten, schließlich rückte der Dämon Mammon in den Vordergrund und nun gerät es zunehmend, und das macht es richtig sympathisch, in die Schusslinie der politisch-moralisch korrekten Kämpfer für das selbstgestrickte Gute. Doch der Reihe nach…
Als das Christentum im alten Rom Staatsreligion wurde, funktionierte man kurzerhand die Saturn-Feierlichkeiten zur Feier der Geburt Christi um. Aber in unseren „christlichen“ Weihnachtsbräuchen ist auch sonst nicht viel authentisch christlich. Nimrod, ein mythisch-mystischer vorderasiatischer König zweifelhaften Rufs, könnte der Vorläufer des durch den Kamin rutschenden Nikolaus gewesen sein. Immergrüne Feierbäume gab es schon im alten Ägypten, das Datum der Wintersonnenwende nutzten schon die Druiden und auch vorgeschichtliche Menschenopferer.

Dienstag, 20. Dezember 2011

Beobachtungen 8

Nachts sind Berlins öffentliche Verkehrsmittel voll von jungen Menschen aus allen vorstellbaren Ländern. Sie unterscheiden sich in Sprache, Outfit und vermutlich auch den Zielen, die sie ansteuern. Eigentlich gibt es bei Ihnen nur zwei Gemeinsamkeiten: Wenn sie alleine oder zu zweit reisen, schauen sie die ganze Zeit wie verzaubert auf kleine Geräte, die ihnen die Wirklichkeit ersetzen. In größeren Gruppen halten sie stattdessen Bierflaschen in den Händen und kommunizieren leise und entspannt. Das Interessante daran ist: Diese Bierflaschen sind fast immer voll, die jungen Leute hingegen nie.

Sonntag, 18. Dezember 2011

Schwiriche Wirrsicht

Kürzlich hat sich Udo Lindenberg politisch geäußert: Die Demonstrationen gegen die Banken begrüße er. Da war die Welt dankbar, dass sich hier ein Mann der komplexen Analysen und der vorbildlichen Lebensführung klar positioniert hatte. Er finde die neue deutsche Protestkultur „geil“, fügte er noch erklärend hinzu. Soweit, so na ja. Doch dann fügte er etwas hinzu, was nicht nur wegen des wirren Satzbaus den entschiedenen Protest dieses Blogs hervorrufen muss: „Deutschland ist auf einem guten Weg. … Jetzt müssen wir nur noch das Individuum heiligsprechen, dass jeder Mensch eine absolute Kostbarkeit ist.“ Wie bitte: In einer vom Individualismus zerfressenen Gesellschaft soll das Individuum jetzt auch noch heiliggesprochen werden?

Sonntag, 11. Dezember 2011

Lohn der Intervention

Eine virtuelle Gesellschaft erfindet immer wieder neue Wörter, um missliche Dinge schöner aussehen zu lassen als sie sind. Umsiedlung statt Vertreibung, Lohnangleichung statt Lohnsenkung und Entsorgungspark statt Mülldeponie. ‚Intervention’ ist auch so ein Wort, suggeriert es doch, dass kompetente Kräfte eingreifen, um das Schlimmste zu verhindern. Dabei liegt man mit dem deutschen Terminus ‚Einmischung’ viel näher dran: Leute, die sich einbilden, sie seien kompetent, oder die dies aus Eigeninteresse vorgeben, mischen sich mehr oder weniger ungefragt in die Angelegenheiten anderer Leute ein. Was dabei herauskommt, gehört meistens in den Entsorgungspark. In dieser Woche waren 1000 mehr oder weniger kompetente Leute in Bonn, um über die Folgen der Intervention in Afghanistan nachzudenken. Das konnte nur so erfolgreich enden wie die Rettung des Euro oder wie der Versuch, weggelutschte Bonbons wieder in die Tüte zu stecken.

Sonntag, 4. Dezember 2011

Relativer Rassismus

Die Gruppen der Fußball-Europameisterschaft wurden dann doch tatsächlich ausgelost, obwohl die Sportart wieder einmal gegen alle Regeln des politisch korrekten Fair Play verstoßen hat. Das meinten jedenfalls voller Zorn und Häme die üblichen Sichaufreger von Politik und Medien (wo ist eigentlich noch der Unterschied?). Verursacher war diesmal der 75-jährige offizielle Anführer der Fußballgemeinschaft Sepp Blatter, seines Zeichens Präsident des Weltverbandes FIFA, der es wagte, einmal in seinem Leben die Wahrheit zu sagen. Was war sein „Verbrechen“? Er hat bestätigt, dass es auf dem Fußballplatz häufig und naturnotwendig zu Beleidigungen kommt. Was war sein Fehler? Er hat nicht bedacht, dass manche Wahrheiten wahrer sind als andere.

Sonntag, 27. November 2011

Verkehr verkehrt

Am vergangenen Sonntag ging es hier ziemlich allgemein um die Profiteure einer zu niederen Zielen instrumentalisierten Umwelthysterie. Dabei war die Rede vom großen ideellen und materiellen Schaden, der aus nur scheinbar gutem Willen erwächst. Die neueste, milliardenteure Chaostheorie der Konstrukteure des Niedergangs betrifft in diesem Zusammenhang das Elektro-Auto. Sparsam, umweltfreundlich, zukunftsweisend soll es sein. Da kann ja nichts mehr schiefgehen...

Sonntag, 20. November 2011

Erträgliche Umwelt

Leute, die durch die Gegend laufen, und sagen, dass sie am liebsten der Umwelt den Garaus machen würden, sind relativ selten. Die Welt zu erhalten, auf der wir leben, ist derart abstrakt gesehen ein Thema, über das es keine zwei Meinungen geben dürfte. Gerade deshalb ist es so erfolgversprechend, auf dem üppig sprießenden Feld der Umweltbesorger persönliche Ernten einzufahren. Aber nur für den, der es schafft, aus all den naturgegebenen Umweltfreunden wie Du und ich herauszuragen. Das ist nicht einfach, denn fantasielos, wie Karrieristen sind, fällt ihnen meist nur die Übertreibung des Problems und die Verkürzung der Zusammenhänge ein. So wird aus Umwelt-Engagement innerhalb dieser Strukturen schnell Umwelt-Fundamentalismus. Und wie wir wissen, kreiert Fundamentalismus am Ende nach dem Aktivistentum den Terrorismus.

Sonntag, 13. November 2011

Kunst verhunzt

"Wenn's anfängt durch die Decke zu tropfen"
Es gibt eine neue Fettecke! Die alte war ja schon 1986 einer putzenden Kulturbolschewistin zum Opfer gefallen. 40.000 Mark musste damals, als ein gesunder Menschenverstand fünf Kilo zum Kunstwerk deklarierte ranzige Butter entsorgt hatte, das Land Nordrhein-Westfalen in zweiter Instanz an den geistigen Erben der deutschen Nachkriegskunstinstanz, Joseph Heinrich Beuys, bezahlen.
Weil Künstler bekanntlich kreativ sind, ist die neue Ecke nun keine Ecke mehr und auch nicht aus Fett, sondern eine verkalkte Plastikwanne.

Donnerstag, 10. November 2011

Beobachtungen 7

Plötzlich drei Grad tagsüber und Lichtverhältnisse wie in Mordor. Na ja, irgendwann musste es ja so kommen. Wenigstens liegt das am wenigsten am Niedergang, sondern an der Jahreszeit. Erstaunlicherweise kriegt diesen ruppigen Wechsel manch einer nicht mit, oder besser manch eine. Junge Mädchen im Frühling des Lebens schaukeln scharenweise ihre Dekolletes unter knappen Hemdchen weiter durch die Gegend als gäbe es nicht schon seit Wochen Schokoladenweihnachtsmänner bei Aldi. Statt Schmunzeln oder Stirnrunzeln soll das Anlass sein, mal wieder über kybernetisches Denken nachzudenken.

Sonntag, 6. November 2011

Milliarden-Monopoly

Das Geld für Griechenland ist aufgebraucht, bevor es ausgegeben ist, der Rettungsschirm genauso und natürlich auch alle anderen Schirm-Hebel und Krückstöcke. So weit, so schlecht. Aber im Windschatten der Milliarden-Jonglage findet auf mehreren Ebenen noch ein anderes Spiel statt und das heißt „Umverteilung“. In der Kurzanleitung geht das so: Europäische Länder leben über ihre Verhältnisse und Deutschland und ein paar andere Dumme bezahlen das. Warum ist das eigentlich so, und warum wird dagegen nichts unternommen?

Sonntag, 30. Oktober 2011

Verstockte Aufstocker

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Im Ringen um den Euro und das vereinte Europa purzeln beinahe täglich die Milliardenrekorde. Nur gut, dass alles in Euro gerechnet wird, sonst würden wir noch viel mehr durcheinanderkommen. Einen Vorteil hat der Euro also doch. Allein Griechenland braucht zur Schuldendeckung nach neuesten Additionen, die zuvor scheinbar keinem der Politiker und Experten möglich waren, 360 Milliarden Euro. Es können aber auch 551 Milliarden Euro werden, heißt es. Also, da sollten wir jetzt nicht kleinlich werden, schließlich kann man ja mit dem „Hebel“ aus Milliarden auch Billionen machen.

Sonntag, 23. Oktober 2011

Neuro Euro

Konrad Kustos versteht nicht viel von internationalen Wirtschaftsstrukturen. Das hat er gemeinsam mit all den Wirtschaftsexperten, deren Aufgabe es ist, diese komplexen Abläufe zu interpretieren und im Interesse der Allgemeinheit zu steuern. Im Gegensatz zu Konrad Kustos haben die aber eine ganz andere Selbstwahrnehmung. Aufwertung, Abwertung, Rettungsschirm und Schuldenschnitt – selbstbewusst jongliert man mit Milliarden, als sei es Monopoly-Geld, selbstgerecht verkündet man immer originellere Rettungspakete, als könne man das Einmaleins und die Schwerkraft gleichzeitig durch das Murmeln von Absichtserklärungen außer Kraft setzen oder aushebeln wie es ja wohl demnächst heißen muss. Konrad Kustos hat jedoch, obwohl oder weil ihm das Fachwissen abgeht, ein kybernetisches Gespür dafür, wenn Absurdes als alternativlose Losung ausgegeben wird.

Sonntag, 16. Oktober 2011

Anschluss Ausschluss

Wenn Ihr Euch schon mal gefragt habt, warum es Euch dauernd passiert, dass Ihr in einer Telefonwarteschlange verhungert, dass Ihr die dringend erwartete Post nicht bekommt, weil der Absender nachhaltig die Adresse falsch schreibt, oder dass die Autowerkstatt nur die Sachen repariert, die schon vorher funktioniert haben (diese Aufzählung bitte beliebig ergänzen), dann habe ich eine gute und eine schlechte Nachricht für Euch: 1) Ihr seid nicht allein. 2) Daran wird sich nichts ändern.
Was die meisten bisher wohl für persönliches Pech halten, ist ein zwangsläufiges Strukturelement der Niedergangsgesellschaft. Aus vielen Gründen, die ich in meinem Buch beschreibe, kommt Chaos ins System, wird systematisch Chaos erzeugt. Je weniger die Strukturen in der Lage sind, zivilisatorische Aufgaben zu erledigen, desto mehr müssen die Verantwortlichen behaupten, sie hätten alles im Griff. Sie hoffen sogar, mit diesen virtuellen Leistungs“beweisen“ die Düpierten überzeugen zu können, dass alles in bester Ordnung sei.

Sonntag, 9. Oktober 2011

Beobachtungen 6

Immer wieder zu beobachten sind nicht zu beobachtende, weil nämlich fehlende Wörter in den Posts von Konrad Kustos. Das liegt nun nicht daran, dass dafür nicht genug Platz wäre oder der Autor mit dem Schreiben ganzer Sätze Probleme hätte (hat). Leider gibt es aber eine unheimliche Verweigerungshaltung des Blogspot-Systems hinsichtlich mancher Links. Wir bitten, das zu entschuldigen, und arbeiten unverdrossen gegen dieses Chaos mit System.

Radio Gaga

Konrad Kustos mag kein Radio, und wenn er hassen könnte, würde er dieses Medium wahrscheinlich sogar hassen. Einst als erstes elektrisches Massenmedium angetreten, die Welt zu informieren, kümmert es sich heute vornehmlich um das Deformieren im Zuge des Niedergangs. Während TV-Konsum voraussetzt, dass man sich für bestimmte Sendungen mehr oder weniger aufmerksam vor die Kiste setzt und welchen Inhalt auch immer konsumiert, ist das beim Radio gar nicht möglich. Es dient seinem Wesen nach der besinnungslosen Dauerberieselung, meist im Hintergrund und entsprechend tückisch.

Sonntag, 2. Oktober 2011

Laut Maut

Die ganz Alten unter uns kennen noch die zahnschmerzenverursachende Fernsehquizsendung „Erkennen Sie die Melodie“ aus den 60er und 70er Jahren. Es galt dort Opern- und Operettenmelodien zu erraten, präsentiert von einem zum Sujet passenden Moderator Ernst Stankovski. Die gute Nachricht war: Niemand war gezwungen, das Geknödel einzuschalten.

Sonntag, 25. September 2011

Lied-Leid

In der Niedergangsgesellschaft, in der kaum einer noch über Leistung zum Erfolg kommen kann (warum das so ist, steht in meinem Buch „Chaos mit System“ und muss hier aus Platzgründen ausgelassen werden), haben Karriereshows im Fernsehen absolute Konjunktur. Hier kann man noch heraustreten aus der Realität der grauen Masse, aus dem Räderwerk eines unüberschaubaren und zunehmend ungerechten Systems, und zum Star werden. Na ja, die meisten werden dann doch keine Top-Models, Pop-Stars oder Spitzen-Ballerinas – und auch die Krone des Dschungel-Königs, seien wir ehrlich, taugt nicht so recht für den Alltag. Was tatsächlich bleibt ist, dass einige wenige einen gehypten Wettbewerb gewinnen, während viele mitfiebern und dabei am eigenen Realitätsverlust arbeiten.

Sonntag, 18. September 2011

Verschworen verloren

Vor einer Woche wurde weltweit des Anschlags auf das World Trade Center gedacht. Entgegen der zur Schau gestellten Betroffenheit in dem Land, das vor zehn Jahren zum Opfer menschlicher Willkür und fanatischen Handelns wurde, war das für viele Amerikaner anscheinend eine zweischneidige Sache. Wenn man den Umfragen trauen will, glauben nämlich 53% von ihnen, dass die eigene Regierung die Finger im Spiel hatte, und immerhin 28% sind sicher, dass sie offiziell belogen werden. Nur 15% sind überzeugt, dass sich der Anschlag wie berichtet zugetragen habe. Dieser paranoide Zweifel ist nun allerdings viel dümmer als alles, was man den Amerikanern sonst ohnehin zuzutrauen bereit war. Das erfordert ein Entsetzen, das sich mit dem Anschlag selber durchaus vergleichen lässt. Das ist ein mentales 9/11.

Mittwoch, 14. September 2011

Beobachtungen 5

Um mich herum sind viele Freunde schlecht drauf, ja teilweise deprimiert oder diffus aggressiv. Und das sind ausgerechnet die Klugen und Sanftmütigen. Zunehmend verzweifeln sie an der Irrationalität des politischen Handelns und des Verlustes von Kooperation im Alltag. Sie leiden konkret unter dem Niedergang. Doch solange wir nicht hungern oder in den Krieg ziehen müssen, bleibt das bei aller Berechtigung ein Klagen auf hohem Niveau. Ich gönne mir deshalb gerade lieber einen Extrastrahl der Spätsommersonne oder sehe die Kastanien wie Bernstein im Straßenstaub funkeln. Und wenn man den anderen Gebeutelten noch ein Lächeln schenken kann, bekommt man auch mal eines zurück. Die Welt ist immer noch schön - trotz Niedergang.

Sonntag, 11. September 2011

Ekel-Menetekel

Schon klar, dass uns was fehlt. Uns fehlt das Jagen in der Steppe, das Hangeln durch die Bäume, das Hungern, Frieren, die Schmerzen und das frühe Sterben. Wir haben all das durch die Evolution in unseren Genen, nur lässt die Zivilisation diese elementaren Kicks nicht mehr zu. Wir säen nicht mehr; wir ernten nicht, sondern lassen ernten; wir sammeln nicht auf Konten, sondern konsumieren um die Wette. Und die irdische Mutter ernährt uns frei nach Matthäus doch (der Evangelist, nicht der Fußballer). Was bleibt uns vollversorgten Dekadenzkandidaten da noch? S-Bahn-Surfen, Freeclimbing, Skinheads-Beleidigen?

Sonntag, 4. September 2011

Heilsame Halluzinationen

Am vergangenen Sonntag klagte Konrad Kustos hier über die Neigung unserer Institutionen, Krankheiten zu Pandemien hochzujubeln. Doch wurde dort in der Listung die Maul- und Klauenseuche vergessen, die 2001 in Großbritannien einige landwirtschaftliche Betriebe befiel und europaweite Hysterie auslöste. Dabei befällt diese Krankheit weder in relevantem Maße den Menschen noch überlebt sie in gegartem Fleisch. Dieses Versehen soll hier den Aufhänger geben für einen ausnahmsweise nicht ganz ernstgemeinten Beitrag.

Sonntag, 28. August 2011

Hysterische Heil-Suche

Prognosen gehen gerne in die Hosen. Das wissen wir nicht erst, seit der britische Premierminister 1934 ausrief: "Glauben sie mir, Deutschland ist unfähig, einen Krieg zu führen" oder seit Albert Einstein ausführte: "Es gibt nicht den geringsten Hinweis, dass Atomenergie jemals nutzbar sein wird". Schon viel aktueller, nämlich im Juni 1989, glaubte dann der spätere Bundeskanzler Gerhard Schröder sagen zu müssen: "Nach vierzig Jahren Bundesrepublik sollte man eine neue Generation in Deutschland nicht über die Chancen einer Wiedervereinigung belügen. Es gibt sie nicht." Und weniger fahrlässig, aber genauso doof lautete das Urteil der Plattenfirma Decca über die Beatles von 1962. "Uns gefällt Ihr Sound nicht. Gitarrengruppen sind von gestern."

Mittwoch, 24. August 2011

Beobachtungen 4

Normalerweise kann man Konrad Kustos mit Rap-Musik in Rekordzeit auf den Baum jagen. Jetzt bin ich aber über einen jungen Österreicher oder vielmehr dessen Rap-Lyrik gestolpert, die mein (musikalisches) Weltbild mal wieder ins Wanken bringt. Zu beinahe hypnotischer Musik hat Kilez More ein künstlerisches Manifest zur Klimalüge verfasst. Das dazugehörige Video wartet mit ausdrucksstarken Bildern auf. Schaut mal rein: http://www.youtube.com/watch?v=AybBEuIpy44&feature=player_embedded#t=319s
Auch in anderen Liedern setzt sich der junge Mann erstaunlich hellsichtig mit dem System des Niedergangs auseinander. Dass er dabei manchmal mit Freimaurerverschwörungstheorien aufwartet, sei seiner Jugend zugeschrieben. Schließlich formuliert er doch selber so treffend skeptisch: „Lasst Euch keinen Eisbären aufbinden."

Sonntag, 21. August 2011

Gesänge des Grauens

Am Mittwoch spielte der FC Bayern München daheim gegen den FC Zürich um den Einzug in die Hauptrunde der Champions League. Gomez traf fast alles, also die Luftlöcher, den Rasen und den Gegner, nur nicht das Tor. Der Ball kreiselte mit hohem Tempo und war am Ende der Stafette wieder beim Torwart. Der Rasen war schön grün, wurde uns aber zu oft durch pomadige Fußballer des Blickes entzogen. Aus dem Einstieg ersieht man, dass es hier schon wieder um Fußball geht, wenn auch diesmal um den der Männer, und nicht um ein gender-maingestreamtes Schaulaufen wie bei der Frauen-Weltmeisterschaft im ausgefallenen Hochsommer. Es geht diesmal also um das wirkliche Leben, und darauf kommt es ja in diesem Blog im Grunde an.

Sonntag, 14. August 2011

Paul verkehrt

In meinem Buch über den Niedergang unserer Gesellschaft gibt es ein Paul-Prinzip. Ich habe das erfunden, um einen Begriff dafür zu haben, dass das berüchtigte Peter-Prinzip ausgedient hat, nach dem jeder Chef solange in der Betriebshierarchie aufsteigt, bis er nur noch Mist macht. Im fortgeschrittenen Niedergang ist es nämlich erforderlich, von Anfang an Mist zu machen, um überhaupt aufsteigen zu können. Warum das so ist, kann hier aus Platzgründen nicht abgehandelt werden, dafür aber – sprunghaft wie wir sind - ein ganz anderes Paul-Prinzip.

Von welchem Paul wir reden? Na, nicht von dem Erfinder des Christentums, also bleibt nur der Krake übrig, der Fußballdeutschlands Niederlage gegen Spanien vorausgesehen hatte. 35.000 Euro für den Leichnam des inzwischen verschiedenen Propheten bot das spanische Städtchen Car-ball-ino, das den englischstämmigen Paul einst zum Ehrenbürger kürte. Beim Tod des Weichtiers hatte übrigens die BBC eigens ihr Programm unterbrochen; da soll mal einer sagen, öffentlich rechtliche Programme würden nicht mit der Zeit schwimmen.

Sonntag, 7. August 2011

Prima Klima

Ende Juli, also mitten in einem schon wieder ausgefallenen Sommer, meldete der Deutsche Wetterdienst, das erste Halbjahr sei deutlich zu warm ausgefallen. Das klang logisch, denn wir hören ja von überall, dass es eine Klimaerwärmung gibt. Warum sollten wir uns also von einigen Skeptikern und unserer eigenen Wahrnehmung das Frieren verleiden lassen? Und um Ostern herum, gab es ja wirklich eine Art Sommer. Was man mit Statistik so alles machen kann.

Sonntag, 31. Juli 2011

Wirklicher Wandel

„Berlin ist, wenn engagierte Menschen auf die Straße gehen, um die Welt zu verbessern", so lautete kürzlich eines der täglich erscheinenden Lesermottos in einer Berliner Tageszeitung. Der 21-jährige Student hätte besser noch hinzufügen dürfen, wie denn die Welt im Detail zu verbessern sei. Schließlich sind früher die Menschen auf die Straße gegangen, um Hexen zu verbrennen, Schwule zu lynchen und Nazis zuzujubeln. Und auch heute gibt es nicht nur in Hameln Rattenfänger, die nur darauf warten, positive Energien der Menschen für kontraproduktive Ziele zu missbrauchen.

Sonntag, 24. Juli 2011

Rad Rat

Linear gedacht, ist alles so einfach. Für den Autofahrer, dass Radfahrer rücksichtslose Verkehrshindernisse sind, und für den Radfahrer, dass Autofahrer mit der Macht ihrer PS und ihres Maschinengewichts gefährliche Verkehrsmachos sind. Und da beide akzeptieren, dass es zu der Regel auch Ausnahmen gibt, kommen sie sich dabei, uneinsichtig wie sie sind, auch noch uneinseitig vor. Nicht nur der Umstand, dass der Fußgänger als ungefragtes Opfer dieses Konflikts immer wieder und immer mehr den Kürzeren zieht, zwingt mich heute zu ein paar kybernetischen Gedanken auf diesem undankbaren Feld ideologischer Vollsperrungen, sondern die Tatsache, dass es nun in Berlin eine anonyme Plakataktion gibt, die sich gegen rücksichtsloses und gefährliches Verhalten sogenannter „Kampfradler“ richtet.

Montag, 18. Juli 2011

Beobachtungen 3

Immer mehr Baumscheiben in Berlin werden jetzt – zumindest im Sommer – zu hübschen Blumenbeeten. Baumscheiben, das sind keinesfalls in Scheiben geschnittene Bäume, sondern das Drumherum von Straßenbäumen, und sie wurden bisher höchstens als Hundetoilette oder als Fahrradparkplatz genutzt. Nun beginnen Anwohner oder Geschäftsinhaber dieses „Terra Incognita" zu nutzen, um die Umwelt zu verschönern. Das ist schön, aber es ist auch viel mehr als das: Es ist ein Zeichen, dass es in einer Welt des Niedergangs auch gegenläufige Tendenzen gibt. Während also der Staat, um Geld zu sparen, ganze Parks verwahrlosen lässt, kreiert hier bürgerliches Engagement ein Stück (Gegen-) Kultur. Und sowohl der Ansatz als auch das Ergebnis zeigt einen weiteren Umstand, der uns in diesem Blog sicher noch beschäftigen wird: Unbeirrt von gelehrten Ästhetik-Päpsten, die uns erklären wollen, dass alle Schönheit, und mithin alle Anschauungen über die Welt an sich, eine individuelle, nicht verallgemeinerbare Sache sei, können Menschen mit einfachsten Mitteln Dinge von kollektivem Nutzen schaffen. Merke: Nicht nur Beete mit Mustern sind Musterbeete.

Sonntag, 17. Juli 2011

Peinliche Pillen

Die Bundesärztekammer ist so etwas wie das Zentralkomitee der Ärzte und als solches dem Wohlergehen der Ärzte so verpflichtet wie das Zentralkomitee der Kommunistischen Partei den Kommunisten. Wohlgemerkt also nicht denen, für die sie vorgeben, tätig zu sein: den Menschen allgemein. Der Eid des Hippokrates wird eben immer mehr zu einem Ei des Kolumbus für Profiteure und zu einem Medienfake hinter dem sich ungesunde Interessen verstecken - neben monetären durchaus auch psychologische, aber dazu vielleicht ein anderes Mal.
Diese Bundesärztekammer also hat den verstärkten Einsatz von Scheinpräparaten, sogenannten Placebos, empfohlen. Zugrundegelegt wird die weit verbreitete Illusion, dass der Glaube an die Heilkraft mehr bewirken kann als eine richtige Medizin. Dies mag zwar insofern eine nachdenkenswerte Aussage sein, dass möglicherweise richtige Medizin häufiger schädlich als nützlich ist, doch bekommt ein Placebo dadurch noch lange keine Heilkraft.

Sonntag, 10. Juli 2011

Fürst Forst

Karl Marx hat einst so griffig gesagt, die Philosophen hätten zwar die Welt ausgiebig interpretiert, aber nun käme es darauf an, sie zu verändern. Im historischen Rückblick schien dabei das Problem gewesen zu sein, dass es mit dem Verändern nicht so recht geklappt hat, wie vom ollen Marxen gedacht. Doch das viel tieferliegende Problem in seinem Postulat wurde dabei schlicht übersehen: Schon bei den Philosophen fängt das Problem an, denn sie waren mit ihrer Weisheit nicht nur nicht am Ende, sondern bestenfalls am Anfang.
Höchst unzureichend haben sie nämlich die Welt interpretiert. Manche wollten nur auffallen, manche versteckten sich hinter kaum verständlichen Formulierungen, andere stellten die Kausalität auf den Kopf, ohne dass es einer gemerkt hätte und wieder andere verbohrten sich in Detailansichten und ließen den Rest der Welt außer acht. Manchmal ein kluger Satz und dann 200 Seiten Gefasel.

Sonntag, 3. Juli 2011

Feine Freunde

Es gab mal eine Zeit, da hatten die Eltern Sorge, dass ihre Kinder – vertieft in Rollen- und Zivilisationsspiele zu lange vor dem Computer sitzen. Die Zeiten sind vorbei: Erstens macht sich kaum noch einer Sorgen, was mit dem Nachwuchs passiert. D. h. Sorgen macht man sich schon, aber man unternimmt nichts dagegen, weil das Kind ja auch seine Persönlichkeitsrechte hat und man schließlich noch ein eigenes Leben mit Karriere und Vergnügen zu leben hat. Behütetes Aufwachsen in der Familie statt im Kindergarten ist so beinahe schon suspekt geworden. Als die in der Tat etwas merkwürdige Eva Herman 2007 forderte, das Bild der Mutter in Deutschland auch wieder wertschätzen zu lernen, wurde sie jedenfallls mit ein paar Zitatfälschungen kurzerhand zur Nazi-Schlampe umformatiert. Zweitens aber, sind die Zeiten vorbei, in denen die Jugend sich um den Aufbau virtueller Zivilisationen Gedanken machte. Heute geht es stattdessen um den zivilisationsfreien Aufbau virtueller Freundschaften.

Sonntag, 26. Juni 2011

Kosmetik statt Athletik

Celia Okoyino da Mbabi ist Nationalspielerin und zwar, wie der Name schon nahelegt, in einer deutschen Mannschaft. Genauer gesagt ist sie deutsche Fußball-Nationalspielerin, und weil die Weltmeisterschaft in Deutschland bevorsteht, durfte sie die erste Runde im Pokalwettbewerb der Fußball-Männer-Mannschaften auslosen. Das ist eigentlich eine feine Sache, allerdings ist sie das wegen der besonderen Umstände genau nicht. In einer Gesellschaft der politisch korrekten Gleichheit, in der Männer und Frauen, Schwarze und Weiße, Freunde und Feinde, Gute und Schlechte und alle anderen denkbaren und undenkbaren Gegensätze zwar nicht gleich sind, aber gleich sein müssen, wird diese WM nebst ihren Begleiterscheinungen zum Lehrstück für kollektive Gehirnwäsche.
In der Marketinggesellschaft wird außerdem alles vorher „gelabelt" und gehofft, dass die Versprechungen hinterher schnell vergessen sind. Ein „Sommermärchen reloaded" wird also von den Offiziellen in Anspielung auf das kollektive Glücksgefühl bei der Männer-WM 2006 verkündet – wohlgemerkt bevor ein einziger Ball gerollt ist, bevor man weiß, wie man die Stadien der Weltstädte Sinsheim, Bochum oder Wolfsburg bei Spielansetzungen von Australien gegen Äquatorial-Guinea vollkriegen will, bevor die Zuschauer so richtig begriffen haben, was Frauen-Fußball eigentlich für ein Gemurkse ist.

Donnerstag, 23. Juni 2011

Beobachtungen 2

Nur kein Neid. Nein, die Rede ist diesmal (noch) nicht von der deutschen Frauenfußballnationalfrauschaft und ihrer Trainerin Silvia, sondern von reichen Leuten. Wer Leistung bringt soll dafür jedenfalls auch Geld bekommen, und auch wenn einer mit dem richtigen Dreh Milliarden machen kann, ist das doch eine feine Sache. Nur kein Neid eben. Heute aber meldet der „Weltreichtumsbericht", dass die Zahl der Reichen jedes Jahr, kaum irritiert von Wirtschaftskrisen, wächst und wächst.

Sonntag, 19. Juni 2011

Unlahme Langsamkeit

Bisher sind in diesem Blog Phänomene beschrieben und hoffentlich einigermaßen erfolgreich entzaubert worden, die als Teilmengen des Niedergangs gelten können. Es galt, wie in meinem Buch „Chaos mit System", den Blick für die alltäglichen Absurditäten zu schärfen. Heute soll es mal andersrum sein: Es gibt schließlich auch solche Phänomene, die dem Niedergang Paroli bieten, und über die zu reden, dürfte den Blick gleichermaßen schärfen. Beispielsweise gibt es gesellschaftliche Strukturen, die noch funktionieren, nützliche Technologien, die sich weiterentwickeln und Rudimente von Sozialverhalten. Ansonsten wäre ja auch nicht „bloß" der Niedergang zu beklagen, sondern der bereits vollzogene Untergang.
Beginnen wir diesmal mit der Langsamkeit als einem zu erhaltenden Wert.

Donnerstag, 16. Juni 2011

Beobachtungen 1

Eine laue Sommernacht am Kreuzberger Urbanhafen ist wunderschön. Junge Menschen sitzen fröhlich unter mächtigen Trauerweiden und hielten – wenn sie einen von beiden kennten – den Niedergang für eine Erfindung von Konrad Kustos. Etwas mehr darüber wissen die Anwohner des dichtbesiedelten Kreuzberg, die durch die naheliegende Partylocation Admiralbrücke schon genug geprüft sind. Um am nächsten Tag statt nur Müll auch noch etwas Park sehen zu können, haben die Gebeutelten Müllbeutel im Abstand von jeweils wenigen Metern an die Pfosten des niedrigen Zauns gehängt.

Als der Morgen anbricht,
sind die jungen Leute voll, die Tüten leer und eine Flaschengirlande auf der Kaimauer verschafft Berlin eine Skyline der besonderen Art. Hätte es die Tüten nicht gegeben, müsste man von bloßer Faulheit ausgehen, doch so offenbart sich eine ganz neue Dimension der Dekadenz: Es gibt anscheinend bei diesen durchaus netten und friedlichen jungen Leuten keinerlei Sinn mehr dafür, was die Folgen ihres Tuns, das Eingreifen in die Sphäre der Mitmenschen, das Zerstören von Umwelt und Verursachen von Kosten für die Gemeinschaft betrifft. Soziale Verantwortung ist höchstens noch ein virtuelles Phänomen. Vielleicht treffen wir den Nachwuchs demnächst wieder – bei einer Anti-AKW oder Anti-Kriegs-Demo.

Sonntag, 12. Juni 2011

Medien-Katastrophen

Die katastrophale Berichterstattung der Medien über Katastrophen verschiebt unsere Wahrnehmung. Sie unterstellt, dass nur der Mensch dafür verantwortlich sein könne, wenn die Natur sich ausgerechnet jetzt so außer Rand und Band zeige. Ganz genau: In der Steinzeit wurde schließlich auch jedes menschliche Fehlverhalten zeitnah von einem Steinzeitgott mit Blitz oder Dürre bestraft, warum sollte das jetzt anders sein? Dass Menschen sich gegenüber der Größe der Natur zu wichtig nehmen und eine egozentrische Kausalität voraussetzen hat also nicht nur Tradition, sondern auch evolutionäre Wurzeln.
Das Neue an diesem neuen Schuldgefühl ist, dass es flächendeckend als berechtigt verkündet wird und dass ökonomische Interessen fatal auf eine kollektive Büßermentalität treffen. Natürlich ist es unerträglich, was der Mensch der Natur, ebenfalls seit der Steinzeit, antut. Brandrodung, Übernutzung, Kahlschlag, Ressourcenverschwendung. Ganze Völkerwanderungen wurden ausgelöst, weil Menschen auf der Suche nach Glück und Sicherheit ihre natürlichen Lebensbedingungen zerstörten. Aber nun sollen große Naturereignisse wie Stürme und Überschwemmungen, am besten noch Vulkanausbrüche und Erdbeben, auf dieses fatale Wirken zurückzuführen sein? Solche Horrorszenarien mögen vielleicht teilweise als heilsame Warnungen gut gemeint sein, doch eine heilsarme Beleidigung des Intellekts sind sie alle.
Als wenn es früher nicht Katastrophen ganz anderen Kalibers gegeben hätte. 1900 zerstörte ein Hurrikan die texanische Stadt Galveston und hinterließ 8000 Tote. Anfang dieses Jahrhunderts folgten Erdbeben in San Franzisko (3000 Tote und 250 000 Obdachlose), in Messina mit folgendem Tsunami (83 000 Tote), Tokio und Yokohama (150.000 Tote und 1,5 Millionen Obdachlose). Bei einem Tornado in den USA 1925 kamen 2000 Menschen ums Leben. Und so geht es weiter durch das Jahrhundert – auch noch ohne Klimawandel und Gottlosigkeit.
Seit den sechziger Jahren des 20. Jahrhunderts habe sich aber die Anzahl der Naturkatastrophen verdoppelt und der daraus entstandene Schaden verfünffacht, meldet nun das Internet. Donnerwetter, deutliche Zahlen, aber wo kommen sie her? Die Münchener Rückversicherungsgesellschaft, weltgrößter Versicherer von Versicherungen, ist überall aktiv, Katastrophen und Klimawandel herbeizureden, und finanziert entsprechende Szenarien in großem Maßstab. Kein Wunder, denn die Ängste der Menschen und auch der durch das Katastrophengerede verunsicherten Versicherungsmanager füllen ihre Kassen.
Eine christliche Katastrophenstatistik-Seite im Internet meint ergänzend: „Ein weiteres deutliches Indiz für die Klimaveränderung sind vor allem die seit einigen Jahren fast regelmäßig wiederkehrenden Hochwasserkatastrophen in Mitteleuropa.“ Ja, wir erinnern uns an die Mulde, die Elbe, die Oder, und wir erinnern uns auch an New Orleans: Überall dort kam es zu Tragödien, weil Menschen gesiedelt haben, wo so etwas früher oder später passieren musste, nämlich in von der Natur als Überschwemmungsland „vorgesehenen“ Gebieten. Insofern ist der Mensch tatsächlich Verursacher der Katastrophen, aber nicht indem er die Naturereignisse verschuldet, sondern indem er diesen Gelegenheit gibt, fatale Schäden anzurichten.
Das Ausmaß beziehungsweise die statistische Relevanz dieser Vorfälle wird von den Kassandraten gemessen an Toten und Sachschaden. Wahlweise zitieren die Zeitungen dann für Entwicklungsländer die Menschenopfer und in wohlhabenden Ländern die Sachschäden – umgekehrt sieht das nämlich in der Regel schon viel harmloser aus. Bei uns kann eben viel mehr als früher kaputtgehen, während dort, der Überbevölkerung geschuldet, immer mehr Menschen in gefährlichen Gebieten siedeln.
Einigermaßen verlässliche Messungen bei Stürmen gibt es erst seit den 60er-Jahren, weil früher den Meteorologen öfter mal das Messgerät vom Wind weggeblasen wurde. Immerhin stehen statistisch bei Hurrikanen der Stärke 5 tatsächlich für die Jahre 2000 bis 2010 rekordverdächtige acht Stück in den Büchern. Aber wenn man nach vergleichbaren Werten sucht, sind es gerade die 60er mit auch schon sechs, dazwischen (3/3/2) war es ziemlich ruhig. Das zeigt also keine Tendenz, sondern ist eine statistische, zufällige Häufung, die aber großartig ausgeschlachtet wurde. Würde man jetzt die Jahre zwischen 2004 und 2007 (7), sowie 2008 und 2011 (0) vergleichen, könnte man auch titeln: „Hurrikane von der Erde verschwunden“.
Aber auch an diesen Zahlen wird gedreht. Wetteraufzeichner nehmen sich schon mal die Freiheit, die Kriterien für Sturmstärken zu ändern, damit die Schaubilder schöner aussehen. Doch liegen der Verzerrung unserer Wahrnehmung nicht nur gehässlichte Daten zugrunde, sondern auch unsere subjektiven Erfahrungen. Fast täglich gibt es in der Tagesschau nach den üblichen Merkel-Katastrophen noch eine Naturkatastrophe zur Entspannung nachgereicht. Früher gab es dazu kein Bildmaterial, jetzt ist bei jedem Geschehen ein Privatmensch mit Aufzeichnungsgerät in der Nähe, dessen Bilder er dann an die Medien versilbert. Und früher hörten die Leute Radio, und da sind Flutwellen lange nicht so spannend.
Wer weiß schon noch, dass 1975 ein Taifun einen chinesischen Staudamm sprengte und die folgende Flutwelle weitere 62 Staudämme zerstörte? Wer erinnert sich an die 231 000 Toten? Sehr gut wissen wir stattdessen noch über den Hurrikan Andrew von 1992 Bescheid, der schon im Medienzeitalter blies. Ratet mal die Zahl der Toten? Rund 50.
Oder mal anders ausgedrückt: 2004 starben 230 000 Menschen in Asien bei einem Tsunami, weil die Küsten zu dicht besiedelt sind. Warum ist dieses Ereignis wohl in unserem Bewusstsein untrennbar mit Thailand verbunden, obwohl der Schaden dort mit 8000 Toten gegenüber den Nachbarländern verhältnismäßig gering war? Weil aus dem Urlaubsland viele Touristen mit ihren Videokameras nachhaltige Bilder liefern konnten.
Angesichts solcher medialen Verwir(r)belungen stimmt nur eines hoffnungsvoll: Als Welt online 2010 schon im November das Rekordjahr der Naturkatastrophen ausrief und nicht einmal versuchte, nachvollziehbare Zahlen oder Fakten dazu zu liefern, gab es in den Leserkommentaren eine durchgängige und massenhafte Empörung über die Verdrehung der Realitäten. Die Leser  bewiesen mit kritischen Analysen des Textes und seiner Methoden Kompetenz und Sensibilität. Zum Glück scheint von den Stürmen im Wasserglas beim Mediennutzer oft nur ein laues Lüftchen anzukommen.

Sonntag, 5. Juni 2011

Feder-Fehden

Konrad Kustos, der alte Spießer, hat einen Garten. In seinem Alter ist das sowieso gut so, und in einer Welt des Niedergangs ist es geradezu eine Überlebensnotwendigkeit, an einem solchen Ort Natürlichkeit und Normalität zu finden. In einem Garten versuchen keine Eierköpfe schlauer zu sein als die Natur - höchstens der Gärtner, und der sieht dann schon, was er davon hat. Kürzlich saßen nun diese zwei Gartenrotschwänze auf dem Pflaumenbaum und sangen so schön, wie sie aussahen: rote Brust, pechschwarzer Kopf mit einem großen weißen Fleck obendrauf. Bei jedem Tschilpen schüttelten sie ihre Körper, weil es eine war Lust zu leben. Dabei wussten sie nicht einmal, dass gute Menschen sie gerade zu Vögeln des Jahres erklärt hatten - was auch immer das bedeuten mag.

Sonntag, 29. Mai 2011

Quoten-Idioten

Das Schicksal konnte diese Geschichte nicht besser schreiben: Ausgerechnet der französische Fußball-Nationaltrainer Laurent Blanc (dt.= Weiß) trat kürzlich einen "Rassismus-Skandal" los. Er und seine weißen Funktionärskollegen hatten leise darüber nachgedacht, wie man den Einfluss von (nichtweißen) Afrikanern und Arabern auf den französischen Spitzenfußball begrenzen könne. Eine 30%-Quote war ihnen eingefallen, mit der die Anzahl der "Übersee"-Franzosen in Sportschulen und Leistungszentren begrenzt werden sollte, um die Chancen der nichtmigrierten Franzosen zu verbessern. Trotz sechs Siegen der Equipe Tricolore in Folge wurde daraufhin von den auch in Frankreich (bei solchen Themen) hochsensiblen Medien Blancs Kopf gefordert.
Nun war das Überlegen, die französische Nationalmannschaft ein bisschen französischer aussehen zu lassen, sicherlich nachvollziehbar und angesichts des mit rund zehn Prozent Anteils der Migranten an der Gesamtbevölkerung weit unter der geforderten Kappungsgrenze von 30 Prozent und damit auch irgendwie begründbar. Doch letztlich war das Ansinnen bloß unverschämt und schwachsinnig. Schwachsinnig, weil es Frankreich vielleicht um begnadete Fußballer bringen könnte, und unverschämt, weil es Bürger, die eine Leistung bringen wollen und können, vom Erfolg ausschlösse.

Dienstag, 24. Mai 2011

Freiheit hat Freizeit

Freiheit ist anerkanntermaßen ein hohes Gut. Getoppt wird es im Ansehen unserer Kultur höchstens noch vom Frieden, wobei den wenigsten bewusst ist, dass Freiheit immer wieder unfriedlich erkämpft werden muss – gegebenenfalls auch mit härteren Bandagen. Vielleicht wird das bei uns auch deswegen so selten belichtet, weil wir hierzulande seit Jahrzehnten eine seltene Synthese der beiden F-Wörter erleben. Seit Jahrzehnten können wir ohne Kanonendonner ins Bett gehen (falls der Nachbar nicht wieder seine Heimkinoanlage aufgedreht hat) und genießen gleichzeitig unsere Freiheit. Oder etwa doch nicht?
Es gibt viele Varianten der Freiheit. Meinungsfreiheit, Versammlungsfreiheit, individuelle Freiheit, Hamburger Freiheit u.s.w., und während tatsächlich das Individuum immer mehr mehr oder weniger machen kann, was es will, ohne reglementiert zu werden, sieht es bei Verstößen gegen herrschende Ideologien schon ganz anders aus.

Freitag, 6. Mai 2011

Lampen-Alarm

Wenn berechtigte Sorgen übertrieben werden, nennt man das wahlweise Paranoia oder Hysterie. Wie nennt man es dann, wenn unbewiesene Behauptungen so dreist übertrieben werden, dass der normale gesunde Menschenverstand sich außerstande sieht, nicht darauf hereinzufallen? Wie wäre es mit „Niedergangsdefätismus“? Wie auch immer ist das eine der Methoden der neuen Destruktivität, an die wir uns gewöhnen müssen. Dahinter steht die Aufkündigung des Vertrauens in das selbst erfahrene Wissen zugunsten des unhinterfragbaren Wissens von Experten, das jedem Scharlatan die Schranken unserer Wahrnehmung öffnet.
Ein Klassiker dieser real existierenden Virtualität ist das Thema Energiesparlampen, die vorgeblich einer vorgeblich menschverursachten Klimaerwärmung entgegenwirken können sollen. Ich werde hier nicht noch einmal wie in meinem Buch „Chaos mit System“ detailliert auf die Fülle von Lügen und Nachteilen für Konsumenten eingehen, mit der die EU-Bürokratie für die Industrie auf Kosten ihrer Bürger zwangsweise einen neuen Markt erschlossen hat. Es gilt jedoch, den Wissensstand zu aktualisieren und den Sinn zu schärfen, wie „Manipulation für den guten Zweck“ funktioniert.

Voll verkabelt

Nein, hier ist nicht der Platz mit Verspätung eine Kernkraftnutzungsdiskussion loszutreten.  Es wäre allerdings wohl die einzige in diesem Land, denn wo wird sonst schon diskutiert? Alle sind sich einig – von den grünen Neoliberalen bis zu den schwarzen Linksopportunisten. Von den Medien bis zu den (zu vielen der) repräsentativ Befragten. Dank der staatlich verordneten Massenhysterie bin ich jedenfalls vom vorsichtigen Kernkraftskeptiker zum moderaten Kernkraftverteidiger mutiert.
Wenn Dinge nicht mehr offen diskutiert werden können, weiß ich, dass Niedergangsprozesse am Werk sind – und deren Wirkung ist in jedem Falle schlimmer als jede Atomkatastrophe. Wenn wir nicht in der Lage sind, Entscheidungen nach kollektiver Debatte zu fällen, muss der gesellschaftliche Geigerzähler nicht nur in Bezug auf die Demokratie, sondern für die Zukunft der ganzen Zivilisation rattern. Dann sind Werte gestorben, die für das Überleben unverzichtbar sind.
 „50 Helden sind dem Tod geweiht“, meldete die Hamburger Morgenpost Mitte März und zitierte einen Münchner Strahlenbiologie-Professor, dass in Fukushima eingesetzte Aufräumarbeiter alle innerhalb der nächsten Wochen sterben werden. Anfang Mai gab es (zum Glück) immer noch keinen Toten. Für die Medien mussten daher in einem riesigen Aufriss zwei tote Mitarbeiter, die bereits bei beim Erdbeben oder dem Tsunami gestorben waren, als Kraftwerksopfer herhalten. „Rettungskräfte suchen verstrahlte Opfer“ titelt der Focus, und keiner der Leser erfährt danach, ob ein verstrahltes Opfer gefunden wurde oder eben dass keine Opfer gefunden wurden. Das wäre ja auch keine echte Meldung in einer Niedergangsgesellschaft.