Kustos kommentiert nicht mehr -
Der Blog schweigt wegen "antifaschistischer" Angriffe.

Sonntag, 31. Juli 2011

Wirklicher Wandel

„Berlin ist, wenn engagierte Menschen auf die Straße gehen, um die Welt zu verbessern", so lautete kürzlich eines der täglich erscheinenden Lesermottos in einer Berliner Tageszeitung. Der 21-jährige Student hätte besser noch hinzufügen dürfen, wie denn die Welt im Detail zu verbessern sei. Schließlich sind früher die Menschen auf die Straße gegangen, um Hexen zu verbrennen, Schwule zu lynchen und Nazis zuzujubeln. Und auch heute gibt es nicht nur in Hameln Rattenfänger, die nur darauf warten, positive Energien der Menschen für kontraproduktive Ziele zu missbrauchen.

Sonntag, 24. Juli 2011

Rad Rat

Linear gedacht, ist alles so einfach. Für den Autofahrer, dass Radfahrer rücksichtslose Verkehrshindernisse sind, und für den Radfahrer, dass Autofahrer mit der Macht ihrer PS und ihres Maschinengewichts gefährliche Verkehrsmachos sind. Und da beide akzeptieren, dass es zu der Regel auch Ausnahmen gibt, kommen sie sich dabei, uneinsichtig wie sie sind, auch noch uneinseitig vor. Nicht nur der Umstand, dass der Fußgänger als ungefragtes Opfer dieses Konflikts immer wieder und immer mehr den Kürzeren zieht, zwingt mich heute zu ein paar kybernetischen Gedanken auf diesem undankbaren Feld ideologischer Vollsperrungen, sondern die Tatsache, dass es nun in Berlin eine anonyme Plakataktion gibt, die sich gegen rücksichtsloses und gefährliches Verhalten sogenannter „Kampfradler“ richtet.

Montag, 18. Juli 2011

Beobachtungen 3

Immer mehr Baumscheiben in Berlin werden jetzt – zumindest im Sommer – zu hübschen Blumenbeeten. Baumscheiben, das sind keinesfalls in Scheiben geschnittene Bäume, sondern das Drumherum von Straßenbäumen, und sie wurden bisher höchstens als Hundetoilette oder als Fahrradparkplatz genutzt. Nun beginnen Anwohner oder Geschäftsinhaber dieses „Terra Incognita" zu nutzen, um die Umwelt zu verschönern. Das ist schön, aber es ist auch viel mehr als das: Es ist ein Zeichen, dass es in einer Welt des Niedergangs auch gegenläufige Tendenzen gibt. Während also der Staat, um Geld zu sparen, ganze Parks verwahrlosen lässt, kreiert hier bürgerliches Engagement ein Stück (Gegen-) Kultur. Und sowohl der Ansatz als auch das Ergebnis zeigt einen weiteren Umstand, der uns in diesem Blog sicher noch beschäftigen wird: Unbeirrt von gelehrten Ästhetik-Päpsten, die uns erklären wollen, dass alle Schönheit, und mithin alle Anschauungen über die Welt an sich, eine individuelle, nicht verallgemeinerbare Sache sei, können Menschen mit einfachsten Mitteln Dinge von kollektivem Nutzen schaffen. Merke: Nicht nur Beete mit Mustern sind Musterbeete.

Sonntag, 17. Juli 2011

Peinliche Pillen

Die Bundesärztekammer ist so etwas wie das Zentralkomitee der Ärzte und als solches dem Wohlergehen der Ärzte so verpflichtet wie das Zentralkomitee der Kommunistischen Partei den Kommunisten. Wohlgemerkt also nicht denen, für die sie vorgeben, tätig zu sein: den Menschen allgemein. Der Eid des Hippokrates wird eben immer mehr zu einem Ei des Kolumbus für Profiteure und zu einem Medienfake hinter dem sich ungesunde Interessen verstecken - neben monetären durchaus auch psychologische, aber dazu vielleicht ein anderes Mal.
Diese Bundesärztekammer also hat den verstärkten Einsatz von Scheinpräparaten, sogenannten Placebos, empfohlen. Zugrundegelegt wird die weit verbreitete Illusion, dass der Glaube an die Heilkraft mehr bewirken kann als eine richtige Medizin. Dies mag zwar insofern eine nachdenkenswerte Aussage sein, dass möglicherweise richtige Medizin häufiger schädlich als nützlich ist, doch bekommt ein Placebo dadurch noch lange keine Heilkraft.

Sonntag, 10. Juli 2011

Fürst Forst

Karl Marx hat einst so griffig gesagt, die Philosophen hätten zwar die Welt ausgiebig interpretiert, aber nun käme es darauf an, sie zu verändern. Im historischen Rückblick schien dabei das Problem gewesen zu sein, dass es mit dem Verändern nicht so recht geklappt hat, wie vom ollen Marxen gedacht. Doch das viel tieferliegende Problem in seinem Postulat wurde dabei schlicht übersehen: Schon bei den Philosophen fängt das Problem an, denn sie waren mit ihrer Weisheit nicht nur nicht am Ende, sondern bestenfalls am Anfang.
Höchst unzureichend haben sie nämlich die Welt interpretiert. Manche wollten nur auffallen, manche versteckten sich hinter kaum verständlichen Formulierungen, andere stellten die Kausalität auf den Kopf, ohne dass es einer gemerkt hätte und wieder andere verbohrten sich in Detailansichten und ließen den Rest der Welt außer acht. Manchmal ein kluger Satz und dann 200 Seiten Gefasel.

Sonntag, 3. Juli 2011

Feine Freunde

Es gab mal eine Zeit, da hatten die Eltern Sorge, dass ihre Kinder – vertieft in Rollen- und Zivilisationsspiele zu lange vor dem Computer sitzen. Die Zeiten sind vorbei: Erstens macht sich kaum noch einer Sorgen, was mit dem Nachwuchs passiert. D. h. Sorgen macht man sich schon, aber man unternimmt nichts dagegen, weil das Kind ja auch seine Persönlichkeitsrechte hat und man schließlich noch ein eigenes Leben mit Karriere und Vergnügen zu leben hat. Behütetes Aufwachsen in der Familie statt im Kindergarten ist so beinahe schon suspekt geworden. Als die in der Tat etwas merkwürdige Eva Herman 2007 forderte, das Bild der Mutter in Deutschland auch wieder wertschätzen zu lernen, wurde sie jedenfallls mit ein paar Zitatfälschungen kurzerhand zur Nazi-Schlampe umformatiert. Zweitens aber, sind die Zeiten vorbei, in denen die Jugend sich um den Aufbau virtueller Zivilisationen Gedanken machte. Heute geht es stattdessen um den zivilisationsfreien Aufbau virtueller Freundschaften.