Kustos kommentiert nicht mehr -
Der Blog schweigt wegen "antifaschistischer" Angriffe.

Sonntag, 25. September 2011

Lied-Leid

In der Niedergangsgesellschaft, in der kaum einer noch über Leistung zum Erfolg kommen kann (warum das so ist, steht in meinem Buch „Chaos mit System“ und muss hier aus Platzgründen ausgelassen werden), haben Karriereshows im Fernsehen absolute Konjunktur. Hier kann man noch heraustreten aus der Realität der grauen Masse, aus dem Räderwerk eines unüberschaubaren und zunehmend ungerechten Systems, und zum Star werden. Na ja, die meisten werden dann doch keine Top-Models, Pop-Stars oder Spitzen-Ballerinas – und auch die Krone des Dschungel-Königs, seien wir ehrlich, taugt nicht so recht für den Alltag. Was tatsächlich bleibt ist, dass einige wenige einen gehypten Wettbewerb gewinnen, während viele mitfiebern und dabei am eigenen Realitätsverlust arbeiten.

Sonntag, 18. September 2011

Verschworen verloren

Vor einer Woche wurde weltweit des Anschlags auf das World Trade Center gedacht. Entgegen der zur Schau gestellten Betroffenheit in dem Land, das vor zehn Jahren zum Opfer menschlicher Willkür und fanatischen Handelns wurde, war das für viele Amerikaner anscheinend eine zweischneidige Sache. Wenn man den Umfragen trauen will, glauben nämlich 53% von ihnen, dass die eigene Regierung die Finger im Spiel hatte, und immerhin 28% sind sicher, dass sie offiziell belogen werden. Nur 15% sind überzeugt, dass sich der Anschlag wie berichtet zugetragen habe. Dieser paranoide Zweifel ist nun allerdings viel dümmer als alles, was man den Amerikanern sonst ohnehin zuzutrauen bereit war. Das erfordert ein Entsetzen, das sich mit dem Anschlag selber durchaus vergleichen lässt. Das ist ein mentales 9/11.

Mittwoch, 14. September 2011

Beobachtungen 5

Um mich herum sind viele Freunde schlecht drauf, ja teilweise deprimiert oder diffus aggressiv. Und das sind ausgerechnet die Klugen und Sanftmütigen. Zunehmend verzweifeln sie an der Irrationalität des politischen Handelns und des Verlustes von Kooperation im Alltag. Sie leiden konkret unter dem Niedergang. Doch solange wir nicht hungern oder in den Krieg ziehen müssen, bleibt das bei aller Berechtigung ein Klagen auf hohem Niveau. Ich gönne mir deshalb gerade lieber einen Extrastrahl der Spätsommersonne oder sehe die Kastanien wie Bernstein im Straßenstaub funkeln. Und wenn man den anderen Gebeutelten noch ein Lächeln schenken kann, bekommt man auch mal eines zurück. Die Welt ist immer noch schön - trotz Niedergang.

Sonntag, 11. September 2011

Ekel-Menetekel

Schon klar, dass uns was fehlt. Uns fehlt das Jagen in der Steppe, das Hangeln durch die Bäume, das Hungern, Frieren, die Schmerzen und das frühe Sterben. Wir haben all das durch die Evolution in unseren Genen, nur lässt die Zivilisation diese elementaren Kicks nicht mehr zu. Wir säen nicht mehr; wir ernten nicht, sondern lassen ernten; wir sammeln nicht auf Konten, sondern konsumieren um die Wette. Und die irdische Mutter ernährt uns frei nach Matthäus doch (der Evangelist, nicht der Fußballer). Was bleibt uns vollversorgten Dekadenzkandidaten da noch? S-Bahn-Surfen, Freeclimbing, Skinheads-Beleidigen?

Sonntag, 4. September 2011

Heilsame Halluzinationen

Am vergangenen Sonntag klagte Konrad Kustos hier über die Neigung unserer Institutionen, Krankheiten zu Pandemien hochzujubeln. Doch wurde dort in der Listung die Maul- und Klauenseuche vergessen, die 2001 in Großbritannien einige landwirtschaftliche Betriebe befiel und europaweite Hysterie auslöste. Dabei befällt diese Krankheit weder in relevantem Maße den Menschen noch überlebt sie in gegartem Fleisch. Dieses Versehen soll hier den Aufhänger geben für einen ausnahmsweise nicht ganz ernstgemeinten Beitrag.