Kustos kommentiert nicht mehr -
Der Blog schweigt wegen "antifaschistischer" Angriffe.

Sonntag, 18. September 2011

Verschworen verloren

Vor einer Woche wurde weltweit des Anschlags auf das World Trade Center gedacht. Entgegen der zur Schau gestellten Betroffenheit in dem Land, das vor zehn Jahren zum Opfer menschlicher Willkür und fanatischen Handelns wurde, war das für viele Amerikaner anscheinend eine zweischneidige Sache. Wenn man den Umfragen trauen will, glauben nämlich 53% von ihnen, dass die eigene Regierung die Finger im Spiel hatte, und immerhin 28% sind sicher, dass sie offiziell belogen werden. Nur 15% sind überzeugt, dass sich der Anschlag wie berichtet zugetragen habe. Dieser paranoide Zweifel ist nun allerdings viel dümmer als alles, was man den Amerikanern sonst ohnehin zuzutrauen bereit war. Das erfordert ein Entsetzen, das sich mit dem Anschlag selber durchaus vergleichen lässt. Das ist ein mentales 9/11.

Der eine oder andere Leser in Deutschland, wo ebenfalls 90% der Bevölkerung Zweifel an den Wahrheiten des Anschlags haben, mag sich nun wundern, dass in einem Blog, der gegen die herrschende Lügenmentalität des geistigen Überbaus und für eine überlebensnotwendige Skepsis der Beherrschten eintritt, solche elementare Skepsis so elementar gescholten wird. Doch was sollte es nutzen, konventionellen Dummheiten und Verdummungen abzuschwören, wenn wir uns dann erlauben, wild und gegen jeden gesunden Menschenverstand unkonventionell drauflos zu spekulieren? Noch dazu, wenn sich dahinter eine fatale menschliche Eigenschaft zeigt, die die Krise der Zivilisation unentwegt verschärft. Doch dazu später mehr.
Skepsis bedeutet nämlich nicht ungesundes Misstrauen, sondern Durchdenken von Verdachtsmomenten. Wenn aber Verschwörungstheoretiker behaupten, der amerikanische Geheimdienst CIA habe die Twin Towers selbst gesprengt oder der böse kapitalistische und obendrein jüdische Besitzer der Gebäude habe nur die Versicherungssumme kassieren wollen, wird das Denken jedenfalls durch fahrlässiges Behaupten ersetzt.
Natürlich haben die Verschwörungstheoretiker auch Argumente. Beispielsweise sagen sie zu Recht, Stahl schmelze erst bei 1200 Grad und Flugzeugbenzin brenne nur mit 650 Grad. Also, so folgern sie völlig zu Unrecht, müsse mit Sprengladungen gearbeitet worden sein. Oder sie versichern, man sähe doch auf Filmaufnahmen Explosionen in den unteren Etagen. Nun zeigen diese Filmaufnahmen zwar auch, dass tatsächlich Passagierflugzeuge in die Häuser flogen, doch dies dient nicht der griffigen Legende und interessiert die Berufsparanoiden schon nicht mehr.
Ihre Argumentationsketten jedenfalls klingen oft deshalb in sich schlüssig, weil sie einen Raum sich selbst beweisender Behauptungen erzeugen, der Fakten, Logik und Vernunft einfach aussperrt. In unserem Beispiel wird unterschlagen, dass Stahl durchaus schon bei 650 Grad seine Stabilität verliert und dass der Luftdruck der zusammenbrechenden Türme natürlich auch in den unteren Geschossen gewaltige Kräfte entfesseln musste.
Wer sich da aber auf Argumentationen einlässt, hat schon verloren. Wie wenig man gegen in sich schlüssige Wahngebilde argumentieren kann haben Religionen, Faschismus, Kommunismus und jene ausreichend bewiesen, die in Justin Bieber die Zukunft der populären Musik sehen. Um sich nicht in den Sog solcher Pseudorealitäten ziehen zu lassen, fragt man lieber nach dem Sinn der Konstruktion. Warum also sollte der CIA glauben, dass er mit solch einer Aktion angesichts ganzer Armeen erforderlicher Bombenleger unentdeckt davonkommt? Oder dass keiner der Beteiligten gegen ein stattliches Zeitungshonorar auspackt? Oder dass irgendein Nutzen den gewaltigen Schaden übersteigen könnte.
Unabhängig Denken heißt, alle verfügbaren Informationen inklusive Lebenserfahrung und Intuition gleichzeitig und möglichst vorurteilsfrei miteinander in Verbindung zu bringen. In meinem Buch „Chaos mit System“ nenne ich das „Kybernetisches Denken“ und es wird dort als eine der wenigen vorhandenen Qualitäten beschrieben, dem Zusammenbruch der Zivilisation noch entgegenwirken zu können. Was die Verschwörungstheoretiker tun, ist das genaue Gegenteil: Sie flüchten in ein Denkschema, in dem eine unzureichende Menge unzureichend gesicherter Behauptungen scheinbare Erkenntnis zimmert.
Wäre das ein Problem dieser verschwindend geringen Menge von ein paar Millionen Paranoiden auf der Welt, wäre der Post jetzt hier zu Ende. Ist er aber nicht, weil unsere gesamte Gesellschaft unter dem Phänomen beschränkter Denkgebäude leidet. Je komplexer die Wirklichkeit durch den Fortschritt wird, desto mehr wächst die Sehnsucht nach einfachen Zusammenhängen. Und wenn es diese nicht mehr gibt, werden sie eben von Rattenfängern erfunden. Deren Geschäft floriert um so besser, weil die Menschen spüren, dass sie überall belogen werden, und dann gern dem Dyslogismus folgen, dass sie auch dann belogen werden, wenn das gerade mal nicht geschieht.
Um ein paar aktuelle Beispiele zu geben: Jeder, der noch den Namen seiner Mutter schreiben kann und der die Gabel nicht zum Schneiden benutzt, weiß doch zumindest tief in seinem Inneren, dass alle Parolen über eine Rettung Griechenlands innerhalb der EU, die auch den wirtschaftlich gesünderen Ländern langfristig nutzen könne, ein Phantom beschreiben. Oder dass das Zusammensperren unterschiedlich alter Schüler in jahrgangsübergreifenden Klassenverbänden ohne erhebliche Mehrausstattung an Finanzen und Kompetenz ins Fiasko führen muss. Dennoch wird solch Absurdes allüberall gesagt und praktiziert, weil es wie die Mär vom CIA und den Twin Towers einfach genug gestrickt und in einem geschlossenen Gedankengebäude verankert ist. Das eigentliche Problem dabei ist, dass wir es dabei nicht mehr mit ein paar irren Internetautoren zu tun haben und auch nicht mit Millionen denkfauler Mitläufer, sondern mit dem geistigen und politischen Überbau unseres Zusammenlebens.
„Integration von Millionen gettoisierter und perspektivloser Ausländer und Migranten klappt schon, wenn man nur richtig will.“ „Mit Zertifizierungen und Quotenregelungen bringt man Qualität in betriebliche Abläufe.“ „Durch Verzicht auf Notengebung stärkt man schulische Leistungen.“ „Unternehmensförderung und Steuererleichterungen, also Umverteilung von arm nach reich, kurbelt die Wirtschaft an.“ U.S.W. Die Aufzählung hanebüchener Vergewaltigungen des gesunden Menschenverstandes durch Medien und eine sich selbst gleichschaltende Parteienlandschaft könnte hier bis zum Südpol fortgesetzt werden, und sie wird uns an anderer Stelle noch detaillierter beschäftigen.
Hier bleibt festzuhalten, dass die nicht mehr auf persönlichen, überschaubaren Erfahrungen basierende Überinformiertheit der Moderne zu Desorientierung führt , die durch die Flucht in scheinbar schlüssige, verfälschend einfache Konstruktionen psychologisch kompensiert wird. Sobald die Lügen nicht mehr erkennbar sind, scheint es doch egal, in welcher Lüge man es sich bequem macht. Solange diese Denkweise auf Individuen beschränkt bleibt, ist das bedauerlich, aber in gewissen Grenzen gesamtgesellschaftlich zu kompensieren. Wenn aber der Staat von solchem Dummdenk infiziert ist, wird damit eine Metaebene erreicht. Die Realität wird dann einfach mit der Kompetenz der geistigen und politischen Elite für ungültig erklärt. Das heißt: Die Demokratie schafft sich ab – und nicht nur die.

Kommentare:

  1. Grandioser Text, Herr Kustos!
    Dass Sie nicht dem Dyslogismus folgen, wenn wir fast überall belogen werden, dann auch bei 9-11, beeindruckt mich. Es unterscheidet Ihren Blog auf sehr angenehme Weise von denen vieler anderer, die ebenfalls die Verlogenheit der politischen Klasse und die dazu passende Gleichschaltung der Medien sowie die negative Auslese anprangern. Diese Blogger schießen dann eben auch einmal über das Ziel hinaus, was man nicht allzu übel nehmen sollte. Dass dies bei Ihrem Blog nicht geschieht, spricht für Qualtität und Intelligenz.

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  2. Laut einem großen Philosophen gilt: Auch wenn man paranoid ist, heisst das nicht, dass "sie" nicht doch hinter einem her sind. Oder übersetzt: Auch wenn die dummen Massen überall Verschwörungen wittern, kann es dennoch sein, dass vieles in der Welt durch kriminelle Organisationen oder Verschwörungen gelenkt wird. Das ist nur eine Frage der Definition von "Verschwörung". Ich rechne nicht mit gut organisiertem Verbrechen, aber schlecht organisiertes taucht öfter auf, als man denkt, siehe z.B. die Ostsee-Werften und viele Bauprojekte. Das spricht natürlich gegen 9-11 als Verschwörungstheorie, da hier doch ziemlich gut organisiert wurde, selbst ohne die mögliche Verschwörung in der Verschwörung zu berücksichtigen.

    Dagegen werde ich bei dem, was in den USA als Tea Party und in Europa als Anti-PC-Bewegung (Politically Correct, nicht Personal Computer..) herumschwirrt, den Verdacht nicht los, das es sich dabei um eine übergeordnete Verschwörung handelt, mit dem Ziel, Begriffe und Gedanken in den Schmutz zu ziehen und Verwirrung zu stiften, gerade bei den "young angry men" der in den 80ern und 90ern groß gewordenen. Bei der Tea Party scheint das ganz gut belegt zu sein, wenn man sich deren Finanzquellen ansieht.

    Ich bin bloß froh, dass jetzt unter dem Jolly Roger eine neue Bewegung entsteht, die dieses Potenzial kreativer und interessanter abfängt, als es die alten Herren der rechtspopulistischen Miniparteien vermögen, und die auf einen nationalistischen oder auch nur nationalen Blickwinkel weitgehend verzichtet.

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