Kustos kommentiert nicht mehr -
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Sonntag, 23. Oktober 2011

Neuro Euro

Konrad Kustos versteht nicht viel von internationalen Wirtschaftsstrukturen. Das hat er gemeinsam mit all den Wirtschaftsexperten, deren Aufgabe es ist, diese komplexen Abläufe zu interpretieren und im Interesse der Allgemeinheit zu steuern. Im Gegensatz zu Konrad Kustos haben die aber eine ganz andere Selbstwahrnehmung. Aufwertung, Abwertung, Rettungsschirm und Schuldenschnitt – selbstbewusst jongliert man mit Milliarden, als sei es Monopoly-Geld, selbstgerecht verkündet man immer originellere Rettungspakete, als könne man das Einmaleins und die Schwerkraft gleichzeitig durch das Murmeln von Absichtserklärungen außer Kraft setzen oder aushebeln wie es ja wohl demnächst heißen muss. Konrad Kustos hat jedoch, obwohl oder weil ihm das Fachwissen abgeht, ein kybernetisches Gespür dafür, wenn Absurdes als alternativlose Losung ausgegeben wird.

Ihm fällt auf, dass nach den Experten die Vertreter der Aktuellen Kamera oder wie die Nachrichtensendungen der demokratischen Medien so alle heißen, weiter murmeln. Vor allem lassen sie murmeln, nämlich die obengenannten Experten und Politiker. Schön demokratisch dürfen alle Parteien sich äußern, sie werfen sich Beschimpfungen an den Kopf, streiten über Äußerlichkeiten und sagen doch alle nur dasselbe. Grundsätzlicher Widerspruch, also ob Deutschland tatsächlich den nun aber wirklich allerletzten Rettungsschirms in Höhe von 440 Milliarden Euro mit einem Anteil von nur noch 211 Milliarden Euro mittragen sollte, findet nicht statt.


Selbst im Parlament, wo die Abgeordneten, nämlich die von den herrschenden Strukturen hierhin Abgeordneten sitzen, müssen Abweichler notfalls niedergebrüllt werden. Wer aus den geschlossenen Reihen der gleichgeschalteten Demokratie ausbricht wie der CDU-Bundestagsabgeordnete Bosbach vor der Rettungsschirmabstimmung, erlebt, wie CDU-Kanzleramtsminister Pofalla die Arschbombe macht und ihn vor versammelter Mannschaft anbrüllt: „Ich kann deine Fresse nicht mehr sehen.“ Nach der Aufgabe der Pluralität kommt eben die Arroganz der Macht. Und nach dem Verlust der Argumentationsfähigkeit die Keule.


Mit überwältigender Mehrheit hat der Bundestag, der eigentlich die Meinung des Volkes weise und pluralistisch wiedergeben sollte, einen finalen Rettungsschirm beschlossen, der von den anstehenden Krisengipfeln ruckzuck zum vorfinalen erklärt und um das zehnfache aufgeblasen werden dürfte. Schade, dass man das Wort „verantwortungslos“ nicht steigern kann.


Während der Bundestag sich Sorgen macht, dass nun selbst er, obgleich willfähriges Gremium, bei den Schuldengipfeln ausgehebelt wird, hielten schon vorher nur 34 Prozent der deutschen Bevölkerung die Rettungsschirmerei laut einer Emnid-Umfrage für richtig. Deshalb glauben nun auch laut Focus 78% nicht mehr den Europa-Versprechungen der Regierung. Mittlerweile mehr als 70% haben zudem das Vertrauen in den Euro verloren – und das nach Jahrzehnten einer auf Hochtouren laufenden Propagandamaschine. Mehr als 50% misstrauen der ganzen politischen Konstruktion EU und ebenso viele wollen die DM zurück.


Das interessiert die Politiker nicht wirklich, obwohl die Wählerschaft zumindest von SPD, FDP und sogar der Linken sich gerade mehrheitlich für die Rückkehr der DM ausgesprochen hat. Ihnen geht es schließlich um übergeordnete Ziele – um den europäischen Frieden beispielsweise. Dafür kann man schon mal die wirtschaftliche Existenz der vom Wähler anvertrauten Nation aufs Spiel setzen, und wohl nicht nur die. Das mit dem Frieden ist natürlich nur eine weitere ideologische Nebelkerze, denn was sollen konstruierte Wirtschaftskrisen mit dem Frieden zu tun haben? Worum es in Wirklichkeit geht, wird uns in diesem Blog demnächst beschäftigen, heute soll „nur“ die Frage nach dem Zustand unserer Demokratie im Mittelpunkt stehen.


Wenn Demokratie die Abwesenheit von physischer Meinungsunterdrückung bedeutet, dann geht es ihr in Deutschland blendend. Wenn es aber um eine pluralistische Meinungsbildung und deren Umsetzung geht, darf schon jetzt nicht mehr gefragt werden, in welchem Zustand die Demokratie ist, sondern ob es sie überhaupt noch gibt. Und das betrifft nicht nur die Eurofrage, sondern ebenso die Bildungspolitik, das Strafrecht oder die Migrationspolitik.


Jedenfalls ist Fakt, dass trotz der genannten eindeutigen Umfragen keine der einflussreichen Parteien für eine Position der Euroskepsis steht oder wenigstens eine interne Diskussion dazu führt. Dass ausgerechnet die FDP als ursprüngliche Triebkraft des Eurowahns aus Angst vor dem totalen Verlust ihres Einflusses einige Widerworte leistet, ist immerhin ein, wenn auch wahrscheinlich trügerisches, Hoffnungszeichen.


Sonst gibt es nichts Relevantes: keine oppositionellen Vereinigungen, keine kritische Boulevardpresse, keine gesellschaftlich relevanten Gruppen, keine Parteineugründungen - und das vorhandene freie Protestpotential rennt dann tatsächlich zu einer kleinen Gruppe von Piratenfreaks ohne Konzept und Kompetenz. Das alles zeigt, dass die Demokratie nicht nur an der Spitze todkrank ist. Auch dem Bürger ist seine Souveränität schon längst aberzogen worden, und er erschöpft seine Energien bestenfalls auf Nebenkriegsschauplätzen wie der Energiedebatte oder im Kampf für Radfahrstreifen.


Der Unterschied zur DDR liegt eigentlich nur noch darin, dass man eine andere Meinung vertreten darf. Doch hat es das System einer neuen Unfreiheit geschafft, schlichtweg diese Meinungen abzuschaffen. Da, wo noch kritische Gedanken gegen die Generallinie aufkeimen, setzen die unermüdlichen Manipulationsapparate mit Parolen von Frieden, Toleranz und Freibier für alle an. Das ist genau der Unterschied von Orwells „1984“ zu Huxleys „Brave New World“: In der Gesellschaft des Niedergangs ist die Unterordnung inzwischen „freiwillig“.

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