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Sonntag, 30. Oktober 2011

Verstockte Aufstocker

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Im Ringen um den Euro und das vereinte Europa purzeln beinahe täglich die Milliardenrekorde. Nur gut, dass alles in Euro gerechnet wird, sonst würden wir noch viel mehr durcheinanderkommen. Einen Vorteil hat der Euro also doch. Allein Griechenland braucht zur Schuldendeckung nach neuesten Additionen, die zuvor scheinbar keinem der Politiker und Experten möglich waren, 360 Milliarden Euro. Es können aber auch 551 Milliarden Euro werden, heißt es. Also, da sollten wir jetzt nicht kleinlich werden, schließlich kann man ja mit dem „Hebel“ aus Milliarden auch Billionen machen.

Bei diesem niedergangsadäquaten Zaubertrick wird das Geld des Rettungsschirms benutzt, um als Versicherungseinlage für viel größere Beträge zu dienen. Man tut dabei so, als werde es nur wenige Fälle geben, in denen es zum Staatsbankrott kommt. Wenn aber schon Griechenland ausreicht, um den Rettungsschirm zu zerfetzen, liegt das Ausfallrisiko für diese Versicherung leicht nachrechenbar bei glatten 100%. Würde eigentlich eine normale Versicherung ein 100-prozentiges Verlustrisiko absichern?


Außerdem, so heißt es weiter, zahlen ja diesmal nicht die Länder oder die kleinen Leute den Schaden, sondern die Banken. Auch das ist natürlich eine Lüge, noch dazu eine mit einer äußerst kurzen Halbwertszeit. Fast im selben Atemzug versicherte Kanzlerin Merkel nämlich, man werde das Nötige tun, um eine Rekapitalisierung angeschlagener Finanzhäuser sicherzustellen. „Man“, das heißt dann eben der Steuerzahler.


Falls so viele Steuern überhaupt gezahlt werden können, wie es kostet, das sinkende Schiff Europa weiterdümpeln zu lassen. Und damit die Banken das Geld haben, Griechenland mit einem Schuldenerlass (die Rede ist von „nur noch“ 50-60% der griechischen Schulden) durchzufüttern, sollen die ihr Kapital um 100 Milliarden Euro aufstocken. Wie stockt man denn sein Kapital seriös auf, wenn man keine Gegenwerte hat oder bekommt? Drucken muss das Geld doch immer noch der Staat…


Konrad Kustos hat ja nach eigenem Bekunden im ersten Teil dieser Euro-Post-Trilogie nicht viel Ahnung von komplizierten Wirtschaftsprozessen, aber eine naive Frage sei ihm gestattet: Was ist eigentlich aus diesen Maastrichter Stabilitätskriterien geworden, mit denen den skeptischen Deutschen die EU und der Euro als krisensicher verkauft wurde? Danach sollten Länder, deren jährliche Neuverschuldung mehr als 3% des Bruttoinlandsprodukts beträgt oder deren Schuldenstand auf über 60% des BIP steigt, hohe Strafen zahlen und ein Ermittlungsverfahren vor dem Europäischen Gerichtshof bekommen. Wurden diese Kriterien heimlich, ohne nationale oder parlamentarische Kontrolle abgeschafft, oder haben diese geschickten Griechen, Spanier, Italiener, Franzosen, Portugiesen und wie sie alle heißen die arme EU einfach nur geschickt übers Ohr gehauen? Na, macht nichts, dafür werden ihnen jetzt die Schulden erlassen.


Die Eurokrise offenbart im übrigen über all diese unsäglichen Vorkommnisse hinaus eine viel tieferliegende Krise der Weltwirtschaft. Es zeichnen sich hier genau die Prozesse ab, die ich in meinem Buch „Chaos mit System“ beschrieben habe: Die hochentwickelte, globalisierte Gesellschaft ist schlichtweg nicht länger lebensfähig und geht an ihrer eigenen Komplexität zugrunde. Doch die, die an der Macht sind, wollen und können das natürlich nicht einsehen. Sie betreiben stattdessen mit immer komplexeren Plänen Konkursverschleppung.


Das Pferd ist tot und soll den ganzen Hofstaat schnell nach Hause bringen. Alternativen dazu unterliegen dem Denkverbot. All die virtuellen Lösungsangebote haben eines gemeinsam: Sie verlagern und verschieben Schulden, um noch höhere Schulden aufhäufen zu können. Konrad Kustos wünscht ihnen dabei viel Glück, denn wenigstens solange bleiben auch seine Ersparnisse noch einigermaßen existent. Wer aber nach dem Zusammenbruch, der so sicher ansteht wie Ebbe und Flut, noch irgendwie klarkommen muss, bekommt dadurch eine immer schwerer werdende Erblast aufgebürdet.


Ach ja, einen Vorschlag, wie wir vielleicht das Schlimmste noch abwenden könnten, hätte ich noch: Aber erst in einer Woche in diesem Theater. Vorerst dann das letze Mal zum Thema Euro-Wirtschaft - versprochen.


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