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Dienstag, 20. Dezember 2011

Beobachtungen 8

Nachts sind Berlins öffentliche Verkehrsmittel voll von jungen Menschen aus allen vorstellbaren Ländern. Sie unterscheiden sich in Sprache, Outfit und vermutlich auch den Zielen, die sie ansteuern. Eigentlich gibt es bei Ihnen nur zwei Gemeinsamkeiten: Wenn sie alleine oder zu zweit reisen, schauen sie die ganze Zeit wie verzaubert auf kleine Geräte, die ihnen die Wirklichkeit ersetzen. In größeren Gruppen halten sie stattdessen Bierflaschen in den Händen und kommunizieren leise und entspannt. Das Interessante daran ist: Diese Bierflaschen sind fast immer voll, die jungen Leute hingegen nie.
Anscheinend sind die Bierflaschen nicht zum Trinken da, sondern ein Teil der Etikette. Man trägt sie wie Handschuhe oder kleine Geräte, die die Wirklichkeit ersetzen. Unter dem Strich wird in den Berliner Bussen und Bahnen sowas wie eine große stille Party gefeiert, wo alle gut drauf sind, aber keiner nervt. Eines der wenigen schönen Gegenmodelle zum Niedergang also.
Nun gibt es ja anscheinend auch einige wenige Leute, die sich irgendwo zulaufen lassen und dann die Verkehrsmittel aufsuchen, um dort einen Unschuldigen krankenhausreif zu schlagen. Deshalb sollen nun - und nicht nur in Berlin - alkoholische Getränke im öffentlichen Nahverkehr verboten werden. Und genau da sind wir wieder beim Niedergang angekommen: Unfähig, die komplexe Wirklichkeit verstehen zu wollen, wird Nichtkausales verbunden und werden falsche Entscheidungen getroffen. Die gestörten Gewalttäter werden sich dadurch nicht aufhalten lassen, und die friedliche Gegenkultur des „Bottlewear“ wird zerschlagen. Man möchte zu heulen anfangen - oder zu trinken….



1 Kommentar:

  1. Und in München hat man ja gesehen was ein ein Verbot für Auswirkungen haben kann.Aber Protest wurde hier mit Vandalismus gleichgesetzt.Auf den Füllzustand der Bierflaschen werde ich mal achten.Auf jeden Fall hat sich das Feierabendbier bei der arbeitenden Bevölkerung durchgesetzt.Man muss ja nicht alles verbieten, aber die Flaschen könnten mitgenommen werden! Dirk Ludwig

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