Kustos kommentiert nicht mehr -
Der Blog schweigt wegen "antifaschistischer" Angriffe.

Samstag, 29. Dezember 2012

Zensur bei Ben Hur

Spätestens nach dem Massaker in Connecticut festigte sich der Eindruck, dass das kommende Jahr nur noch ein besseres werden könnte. Doch positives Denken ersetzt nicht ebensolches Handeln, und das positive Handeln im Niedergang ist schwierig, wenn die Strukturen der Gesellschaft dem entgegenstehen. Man nehme nur mal ein paar der Maßnahmen, die nach Connecticut ergriffen wurden, um zu erkennen, dass derzeit eher Weltverbesserer als Weltverbesserung angesagt sind. Der Fernsehsender Fox beispielsweise strich unmotiviert zwei Folgen von „Family Guy" und „American Dad!" aus dem Programm. Doch kann Selbstzensur aus Anlass einer Katastrophe alltägliches verantwortliches Denken ersetzen?

Samstag, 22. Dezember 2012

Wahnsinn zu Weihnachten

Nun ist endlich Weihnachten und damit wieder Platz in den Regalen für die Schokoladenosterhasen …und natürlich die Gelegenheit, die Weihnachtsprämie, sollte es sie denn noch gegeben haben, zu verprassen. Aber war da nicht noch was? Ach ja, Glockenklingen, Besinnlichkeit, Familie unterm Weihnachtsbaum, Liedersingen, Schokolade und viele Geschenke. Das mit der Schokolade und den Geschenken hat der Niedergang noch gerne in sein Programm übernommen, um den Rest steht es eher schlecht.

Samstag, 15. Dezember 2012

Remember 20th November

In der Zeitung stand: „Ein 19-Jähriger hat in Berlin seiner Mutter aus ‚Hassliebe' die Kehle mit einem Küchenmesser durchgeschnitten.“ ‚Was?’, werdet Ihr fragen, ‚will Konrad Kustos jetzt mit solchen Themen Quote machen?’. Der Gedanke liegt nahe, nachdem in den vergangenen Wochen komplexe Texte über die Rolle der Frau in der Niedergangsgesellschaft nur eine mäßige Einschaltquote für diesen Blog brachten. Doch in Wirklichkeit geht es diesmal um ein Puzzle aus Schlagzeilen, die in einer einzigen Ausgabe der Berliner Morgenpost standen, nämlich der vom 20. November. Sie zeigen, dass unerfreuliche Vorfälle, die es immer schon gab, nun zur gesellschaftlichen Selbstverständlichkeit werden. Sie zeigen nicht im einzelnen, aber in ihrer Gesamtheit, dass wir nicht nur auf dem Weg in den Abgrund sind, sondern schon ein gutes Stück weiter.

Samstag, 8. Dezember 2012

Bestechend bestechen

Polizeirazzia bei einer angesehenen Tagesszeitung, Hausdurchsuchung bei einem polizeibeliebten Journalisten, Strafandrohung für eine Recherche im Dienst einer guten Sache… Die Berichte in der letzten Woche überschlugen sich quer durch den ganzen Blätterwald. Und dass alles ausgerechnet, nachdem in diesem Blog gerade akute Gefahren für die Pressefreiheit beschrieben wurden. Da scheinen die Verhältnisse klar und jene Pressefreiheiten erneut in Gefahr zu sein. Doch der kybernetische Blick offenbart dann wieder einmal genau das Gegenteil: Die Pressefreiheit ist zwar tatsächlich in Gefahr, doch weder die Polizei noch das System führt zu dieser Gefährdung.

Samstag, 1. Dezember 2012

Ver-fassungslos

Man kann von Eva Hermans Positionen halten, was man mag, doch jetzt muss sie noch einmal herhalten für einen beispiellosen Vorgang in der deutschen Justiz mit unabsehbaren Folgewirkungen. Der jetzt vom Bundesverfassungsgericht abschließend behandelte Fall Herman ist nämlich nur der Katalysator, an dem sich PoCo-Hysterie mit einer institutionellen Umgestaltung unserer Demokratie verbindet. Es geht um die Meinungsfreiheit und die Meinungsvielfalt schlechthin. Aus dem Fall Herman lernten wir schon zuvor, wie skrupellos und erfolgreich andere Positionen als die des tonangebenden Mainstreams bereits unterdrückt werden. Nun hat all das schließlich die höchsten Weihen bekommen: Das Bundesverfassungsgericht hat die Verleumdung von Individuen durch die Medien höchstrichterlich abgesegnet und lässt uns fassungslos zurück.

Samstag, 24. November 2012

Verführung zur Führung

Unter den Leuten, die freiwillig und unentgeltlich für Wikipedia arbeiten, sind weniger als 10% Frauen. Vorausgesetzt, man sieht wie Konrad Kustos diese größte, unabhängigste und fehlerärmste Enzyklopädie aller Zeiten als einen der wenigen Lichtblicke in der Welt des Niedergangs, so stellt sich die Frage: Wollen die Frauen nicht, oder können sie nicht? Wenn aber eine Gruppe so wenig Energie oder Kompetenz aufbringt, freiwillig am Aufbau konstruktiver Strukturen mitzuarbeiten, warum sollte diese Gruppe dann für sich in Anspruch nehmen können, dort gleichgestellt zu werden, wo es persönliche Vorteile zu holen gibt, also beispielsweise bei der Besetzung von Aufsichtsratsposten in Großunternehmen? Genau das soll laut EU-Beschluss jetzt passieren, und obwohl vor einer Woche dazu schon die vordergründigen Fakten gegeneinandergestellt wurden, fehlt noch eine polemische Breitseite gegen die politisch-korrekten Ladenhüter-Philosophien, die diesem dirigistischen Beschluss zugrundeliegen. Nun gut, hier ist sie: Männer und Frauen sehen die Welt anders, fühlen die Welt anders und haben völlig unterschiedliche Fähigkeiten, was diverse „Ungleichbehandlungen“ durchaus legitimiert.

Samstag, 17. November 2012

Aussicht auf Aufsicht

Quelle: toonpool.com
Frauenfreundlichkeit geht auch anders: Vor wenigen Jahrzehnten forderte die Verkehrserziehungssendung „Der 7. Sinn“ von männlichen Autofahrern Rücksichtnahme auf das weibliche Geschlecht, weil dies seine Fahrzeuge nicht wirklich unter Kontrolle habe und den Rückspiegel vornehmlich zum Schminken nutze. Heute wird Rücksichtnahme anders interpretiert: Weil es im Job für Frauen viele Ungleichbehandlungen und Vorbehalte gab und gibt, soll nun mit Gewalt statt mit Verstand Gerechtigkeit auf Erden geschaffen werden. EU-Justizkommissarin Viviane Reding hat sich ihren Lebenstraum erfüllt und gegen massive Widerstände auch in der eigenen Organisation eine Frauenquote in Aufsichtsräten durchgesetzt. Wem sie damit letztlich nutzt, muss allerdings kybernetisch hinterfragt werden…

Samstag, 10. November 2012

Essen ist menschlich

Die Formel für gesunde Ernährung.
Je länger die Menschen leben, je sicherer dieser Leben wird, desto hysterischer wird ihre Angst, diese Qualität aufs Spiel zu setzen. Dafür nehmen Autofahrer dann Tempo-30-Zonen-Terror in Kauf, Eltern bringen die Kinder fast bis zum Abitur in die Schule und jede Erdbebenwarnung in Peru lässt hier den Adrenalinpegel in die Höhe schnellen. Die Besserwisser, die stattdessen lieber S-Bahn surfen oder Free-climben sind kein Gegenbeweis, sondern nur eine Bestätigung des Phänomens in seiner exzessiven Umkehrung. Und natürlich ist das Essen - als wohl unsere wichtigste Verhaltensweise - in den Focus dieser (Über-)Lebensparanoia gerückt. Wenn dabei alles so wäre, wie es scheint, dann wäre das Essen inzwischen ja geradezu lebensgefährlich.

Samstag, 3. November 2012

Dick ist doof


Der dickste Mann der Welt wog 570 Kilo, jetzt hat er 230 Kilo abgenommen. Beeindruckend. Würde Konrad Kustos versuchen 230 Kilo abzunehmen, wäre er schon nach einem Drittel der Distanz verschwunden. Die wenigsten kommen auf die Idee oder in die Lage, so viel abzunehmen. Nach Erhebungen des Robert-Koch-Instituts haben zwei von drei Männern in Deutschland Übergewicht und jede zweite Frau. Unabhängig von diesen individuellen Schicksalen kommt es auch für die Gemeinschaft dicke: Übergewichtige belasten das Gesundheitssystem laut einer Studie mit 17 000 000 000 Euro. Und auch hier stellt sich die übliche Frage: Wie konnte das passieren, und was machen wir nun?

Samstag, 27. Oktober 2012

Austreten statt Ausreden

Quelle: toonpool.com
Beginnen wir heute mit einem so schönen wie richtigen Zitat. „Für Millionen Menschen sind die Aussichten auf einen Arbeitsplatz noch immer zu schlecht, die Kluft zwischen Armen und Reichen ist noch immer viel zu groß.“ Und weil’s so schön ist, noch eins drauf: „Ohne größere Gerechtigkeit und Gleichheit ist das Wachstum nicht nachhaltig.“ Der Kamm in der Suppe ist nur, wer das gesagt hat, nämlich Christine Lagarde die Direktorin des Internationalen Währungsfonds und Jim Yong Kim, seines Zeichens Weltbankpräsident und gelernter Arzt, also die beiden mächtigsten Vertreter der beiden mächtigsten Finanz-Institutionen, die dafür sorgen, das die Finanz- und Wirtschaftstrukturen der Welt so bleiben, wie sie sind. Dafür können wir uns also ungefähr so viel kaufen, wie demnächst für den Euro, nämlich gar nichts.

Samstag, 20. Oktober 2012

Friede, Freude, Eurokuchen

In nur vier Monaten hat die rechtsradikale griechische Partei "Goldene Morgendämmerung" ihre Umfragewerte auf 14% verdoppelt. Die Linksradikalen sind schon bei 30%. Das Pulverfass Europa glimmt, wir werden weiter unten noch darauf zurückkommen. Währenddessen werkelt man gewohnt einvernehmlich auf höchsten europäischen Ebenen an neuen Methoden, die Augen vor der Realität zu verschließen. Immerhin haben sich Merkel und Hollande am Donnerstag auf ihrem soundsovielten Krisengipfel mal öffentlich gezankt, heraus kam aber wieder nur ein fauler Kompromiss, nach der die Bankenaufsicht zügig eingeführt werden soll, aber eben nicht völlig ohne Vorbereitung, wie es die zum Lager der Hasardeure übergelaufenen Franzosen wollten. Jetzt wird also erst mal ein „Rechtsrahmen“ erarbeitet, bevor das virtuelle europäische Geld des Rettungsschirms ESM direkt an die Pleitebanken durchgereicht wird, damit das Schuldenkonto der jeweiligen Länder nicht mehr belastet werden muss. Das klingt nur solange gut, wie man zu den Lügnern gehört oder zu denen, die belogen werden wollen.

Samstag, 13. Oktober 2012

Blind Date

Die Welt ist ungerecht, aber anstatt sie gerechter zu machen, wird mit allerhand Ungerechtigkeit dafür gesorgt, dass sie gerechter aussieht. In meinem Buch "Chaos mit System" nenne ich dieses Phänomen die Virtualisierung der Welt. Das hat leider noch nicht viel daran geändert, dass immer wieder politisch Korrekte ihre Stunde gekommen sehen, der Gesellschaft neuen und noch gerechteren Blödsinn unterzujubeln. Jetzt müssen wir auch noch lernen, dass man Diskriminierungen Jobsuchender am besten vermeidet, indem man nichts von ihnen weiß.

Samstag, 6. Oktober 2012

Islam-Tamtam


In Pakistan kippten Anhänger des Islam am Tag der Liebe zum Propheten ganze Schiffscontainer um, der Verkehrsminister setzte ein Kopfgeld auf Beleidiger des Propheten aus (und wurde dafür von der Taliban von deren Todesliste genommen), weltweit randalierten die Massen. Bekanntermaßen war der Anlass für den Aufruhr ein sogenanntes Schmähvideo, das sich über Mohammed lustig machte. Leute wie wir, die weder an Propheten noch an gekreuzigte Gottessöhne oder das Fliegende Spaghettimonster glauben, schütteln sich vor Entsetzen und den Kopf über solche Irrationalität. Doch irrational ist nicht nur, was schlichte Menschen bisweilen in wirtschaftlich und zivilisatorisch schlechtgestellten Ländern tun, sondern auch, wie der aufgeklärte Westen damit umgeht.

Dienstag, 2. Oktober 2012

Beobachtungen 11

Das Ampelmännchen gilt als Symbol für forsches Voranschreiten, jedenfalls das männliche, das grüne Exemplar. Dennoch kann eine Verkehrsampel ein prima Exempel für Immobilität sein. Oder auch für Paradoxien im Leben, etwa wenn Radfahrer mit derselben Verlässlichkeit über rote Ampeln sausen, wie es regnet, wenn man den Regenschirm vergessen hat - aber das nur nebenbei. Hier geht es um ein Erlebnis an der Kreuzung der Friedrichstraße mit der Mittelstraße in Berlin-Mitte, wo derzeit Studien zu treiben sind, wie Menschen ihre kostbare Individualität der Unterordnung unterordnen. Man lernt daraus, dass die Wahrheit auch im Bezirk Mitte nicht in den Extremen von Richtig und Falsch, sondern irgendwo in der Mitte liegt.

Samstag, 29. September 2012

Un-Vermögenssteuer

Quelle: http://de.toonpool.com
250 Milliarden Euro werden in Deutschland jährlich vererbt, großteils in Form von Immobilien. Kein Wunder, denn die, die reichlich haben, werden immer reicher. Je höher die Einnahmen desto höher die Einnahmenzuwächse. Die 50% der Bürger mit geringerem Einkommen verfügen nur über ein Prozent des gesamten Nettovermögens, dafür teilen die oberen zehn Prozent eine volle Hälfte dieses Nettovermögens unter sich auf. Gleichzeitig schwinden die Besitztümer der öffentlichen Hand. In den zehn Jahren seit 1992 sank das Nettovermögen des Staates um 800 Milliarden Euro. Da scheint die Forderung nach einer sozialen Umverteilung und einer Vermögenssteuer nahezuliegen, doch kybernetisch gesehen ist natürlich alles ganz anders.

Samstag, 22. September 2012

Klimakomp(s)ensation

Internet ist schuld
In Berlin werden jetzt an einigen Bushaltestellen die Bänke beheizt. Das ist dann ein echter Hot Spot, denn hier gibt es auch noch einen Internetanschluss für alle dazu. Wenn aber Bänke im Winter den Leuten im Freien den Hintern heizen, müsste man aus Umweltgesichtspunkten den Verantwortlichen Feuer unter demselben machen. Doch statt dass hier ein Sturm der Entrüstung losbricht, muss sich pauschal das arme Internet als Umweltschänder brandmarken lassen. Jede Google-Suche verbrauche soviel Strom wie eine Stunde Energiesparlampe, sagen aufgeregt manche CO2-Strategen, andere sprechen von 66 Google-Suchen für solch ein erleuchtendes Ereignis. Warum aber muss sich die Propaganda der Klimaretter ausgerechnet gegen das Suchen von Information mittels weltumspannender Datennetze wenden? Immerhin liegt in diesen Netzwerken eine der wenigen Chancen, dem unbeherrschbar werdenden Informationswachstum beizukommen.

Samstag, 15. September 2012

Euro-Gericht richtet es nicht

Eine neue Studie hat ergeben, dass man ganz Berlin für 239 Milliarden Euro kaufen kann. Damit sind natürlich die Immobilien gemeint, die Politiker kosten extra. Fast dieselbe Summe, nämlich 190 Milliarden Euro, ist jetzt mit Billigung des Bundesverfassungsgerichts durch EU-Gremien von deutschen Staatskonten abbuchbar, ohne dass Deutschland dazu gefragt werden muss. Das sollte uns natürlich nicht weiter irritieren, denn wenn von Deutschland mehr Geld gefordert wird, und das wird es werden, dann sind in bekannter Praxis weitere Zahlungen schnell auf den Weg gebracht. Dieses Deutschland handelt nicht so, wie es die Deutschen wollen, sondern wie es seine demokratisch gewählten Politiker in Opposition dazu wollen. Die Schere zwischen dem Volkswillen und dem Volksvertreterwillen wird immer größer, die Demokratie schafft sich ab.

Montag, 10. September 2012

Nach-Gedacht: Paralympics

Die Zeitung schrieb über Gänsehaut-Atmosphäre in vollbesetzten Arenen, eine Metropole voller fröhlicher Menschen und einen begeisterten Präsidenten: „Die Londoner haben uns das Gefühl gegeben, dass die Paralympics das zweite Olympia waren. Und zwar nicht in der Reihenfolge, sondern nebeneinander stehend.“ Diese Wahrnehmung wollen wir dem Präsidenten des Deutschen Behindertensportverbandes lassen, aber wie schon zu Beginn der Spiele in diesem Blog angesprochen, scheint hier trotz aller Freude über die Leistungen der Aktiven vieles durch die virtuelle Brille betrachtet. Wenn alles perfekt zu sein behauptet wird, muss geradezu etwas faul sein.

Samstag, 8. September 2012

Energie-Wände

Unsere schöne neue Welt kennt den Zwang zum „ökologischen“ Benzin, zu „energiesparenden“ Leuchtmitteln und nun auch den Zwang zur ökologischen Haussanierung. Appelle an Vernunft und Marktwirtschaft sind im Wahn der Klima-Clowns out, „gutmeinender“ Zwang ist in. Nun werden - mithilfe des eigens für die Energiewende umgeschriebenen Baugesetzbuches - zunehmend die Hausbesitzer genötigt, ihre Häuser ökologisch umzubauen. Das ist aber nicht nur teuer, sondern je nach Bauzustand oft auch absurd. Ein Eigenheim energetisch zu sanieren kostet nach Betroffenenaussagen durchschnittlich 70.000 Euro. Das amortisiert sich trotz Förderung dann in rund 35 Jahren - bis dahin ist das Dämmmaterial aber längst wieder von der Wand gefallen. Kommt „dämmen“ denn von „dämlich“?

Donnerstag, 6. September 2012

Nach-Gedacht: Beschneidung


Manchmal kann man gute und schlechte Dinge an ihrer Dynamik unterscheiden. Gut Ding will Weile haben, und es ist leichter eine Sandburg zu zertreten als sie aufzubauen. So gesehen kann man die Eile, mit der Berlin auf die Beschneidungsdiskussion reagiert hat, auch als Bestätigung der erst am Sonntag in diesem Blog geäußerten Kritik an der archaischen Praxis sehen. Noch bevor der bundesdeutsche Gesetzgeber Gelegenheit gefunden hat, sich landesweit dem Druck rückwärtsgewandter Religionsgemeinschaften zu beugen, schafft die Hauptstadt innerhalb ihrer Mauern als erstes Bundesland vollendete Tatsachen.

Samstag, 1. September 2012

Schneidloses Beschneiden

„Die spinnen, die Römer“, meinte einst ein bekannter Hinkelsteinträger. Doch das ist ein Vorurteil, lieber Obelix. Immerhin verbot der römische Kaiser Hadrian 132 n. Chr. die Beschneidung kleiner Jungen. Das beweist mehr Vernunft und Zivilisiertheit, als es offenbar in der Gesellschaft des Niedergangs erwartet werden kann. Zwar hatten sich ein paar unserer (sonst gerne PoCo-liberal richtenden) Juristen zuletzt aufgemacht, der jahrzehntelang tolerierten Barbarei einiger ewig gestriger Religionsgemeinschaften den Garaus zu machen, doch sie hatten die Rechnung nicht mit deutscher Toleranz und deutscher Büßerethik gemacht. Es ist also anscheinend an der Un-Zeit, unser Rechtsverständnis dem Unrecht anzupassen - planen wir doch schonmal die Beschneidung kleiner Mädchen oder die Legalisierung des Ehrenmords.

Samstag, 25. August 2012

Arm dran


Das Jahr 2012 ist ein Jahr der sportlichen Höhepunkte. Olympische Spiele in London, Fußball-Europameisterschaft, diverse Weltmeisterschaften und eine Schach-Olympiade. Und es gibt auch noch, ebenfalls in London, die Paralympics als Juniorpartner der Olympischen Spiele. In 22 Disziplinen von Rollstuhlfechten bis Boccia treten Menschen an, denen das Schicksal mehr oder weniger übel mitgespielt hat. Sie zeigen, dass sie mit Willenskraft Leistungen vollbringen, dass sie Spaß und Erfolg haben können. Sie praktizieren ein Stück Integration und versuchen Normalität zu leben. Doch Konrad Kustos wäre nicht Konrad Kustos, wenn er nicht auch da Chaos mit System entdecken würde.

Samstag, 18. August 2012

Neuer Lampen-Alarm

Im September ist es soweit, die Glühlampe ist Geschichte. Das EU-Glühlampenverbot gilt dann für alles, was mehr verbraucht als 10 Watt. Dann werden wir noch mehr stolpern, kneisten und geduldig warten, bis das Licht die Dinge relevant erhellt. Selbst die Niedergangs-Experten in der EU scheinen inzwischen zu erkennen, dass sie bei den Lampen nicht die Hellsten waren. So sprach ein Europaabgeordneter inzwischen vom Nichtbewusstgewesensein der Tragweite und von blindem Kopieren australischer Alibi-Gesetze. Ändern wird sich durch die späte Erkenntnis am Missstand natürlich nichts. Immerhin wurde ein neuer Markt eröffnet, und viele Leute verdienen viel Geld an den neuen PoCo-Funzeln.

Samstag, 11. August 2012

Neues peinliches Schlucken

Der australische Rat für Bildungsforschung hat kürzlich ermittelt, dass viele Schüler glauben, Joghurt wachse auf Bäumen. Nun erstaunt das Kenner des Niedergangs nicht besonders, auch nicht dass immerhin knapp 20 Prozent der Kinder zwischen zehn und zwölf Jahren dachten, Nudeln würden aus Tieren gewonnen und Rührei stamme von Pflanzen. Drei Viertel der Befragten gab an, dass Baumwolle von Tieren stamme – wahrscheinlich gewonnen bei der jährlichen Baumschur.

Samstag, 4. August 2012

Neue Forst-Fürsten

Freundschaft ist ein hohes Gut und deshalb auch ein Statussymbol. Als Gregor Gysi, Michel Friedman und andere Prominente sich also im ZDF zur Talkshow versammelten, brüsteten sie sich mit ihrer Freundschaftsfähigkeit auch vor manchen natürlichen Feinden auf dem Stuhl gegenüber. Einig war man sich, dass man in Freundschaften Geduld und Toleranz einzubringen habe. Doch eine der Anwesenden hatte sehr spezielle Vorstellungen von dieser Toleranz.

Samstag, 28. Juli 2012

Neue Medien Katastrophen

Man kann ziemlich sicher auf das Wetter wetten, nämlich, dass der Wetterbericht nicht stimmen wird, weil die Voraussagen bestenfalls erst dann eintreffen, wen es für den Nutzer nicht mehr relevant ist. In verzweifelten Wunsch des Niedergangs, Unerklärbares erklärbar zu machen, glauben dennoch die meisten an das moderne Kaffeesatzlesen. Dabei liegt der Fehlerhaftigkeit in dem Falle nicht nur eine unbeherrschbare Komplexität der Natur zugrunde, sondern auch bewusste politische Verfälschungen.

Samstag, 21. Juli 2012

Neue Freiheit hat Freizeit

Manch einer verliert seine Freiheit in einer Beziehung, aber in China hat kürzlich einer seine Freiheit wegen einer Beziehung verloren. Wegen Rowdytums wurde der Mann verhaftet, weil er vor 28 Jahren seine damals noch nicht gefreite Frau umarmt hatte. Der unerhörte Vorfall war übrigens von den Eltern der Braut angezeigt worden. Solchen Sexismus darf eine sozialistische Gesellschaft natürlich auch nach einem halben Menschenalter nicht ungesühnt lassen Dabei interessierte es die Gerechtigkeitsjäger auch nicht, dass das entsprechende Gesetz seit 1997 abgeschafft ist.

Samstag, 14. Juli 2012

Neue feine Freunde

Das Internet ist ein gefährlicher und feindseliger Ort - so wie die ganze Welt. Kein Wunder, dass man sich da sicherheitshalber bei Facebook mit einer dicken Schicht schützender Freunde umgeben möchte, doch auch das kann nach hinten losgehen, wie der Fall des 43-jährigen Herrn Mindermann zeigt, der mit einer 15-jährigen Minderjährigen rumgefacebookt hatte.

Samstag, 7. Juli 2012

Neue Kosmetik statt Athletik

Wenn der Spitzenfußball, wie hier vor zwei Wochen beschrieben, zu einer großen Feierveranstaltung mutiert, in der sich alle als eine große Familie fühlen wollen, werden andere Meinungen nicht mehr geduldet. Italiens Stürmer Cassano war so ein Partymuffel, der naiv oder provokativ äußerte, dass er hoffe, dass in seiner Mannschaft AC Mailand keine Schwulen spielten. Dieser Cassano(va) wäre einige Zeit vor der Europameisterschaft beinahe an einem Herzfehler gestorben; vielleicht war es ihm deshalb egal, was weltliche Instanzen über sein Denken denken. Doch am Ende war auch er glatt gebügelt genug, dass es ihm hoch offiziell „unheimlich leid“ tat.

Samstag, 30. Juni 2012

Klima-Müll


Berlin bekommt jetzt eine „Klimatonne“. Das ist auch gut so, denn dann können wir unser Klima, dass uns seit mindestens 2005 statt der versprochenen Erwärmung meist kaltes und schlechtes Wetter verschafft, eben mal in die Tonne treten. Oder hat dann jeder eine Tonne zuhause, wo er ein bisschen Klima rauslassen kann, wenn das mal knapp werden sollte? Gut gedacht, aber weit gefehlt: Mit der Klimatonne ist eine Mülltonne gemeint, die das private Geldverdienen mit Hilfe unserer Umweltfreundlichkeit optimieren soll. Dabei kommt - nicht nur in Berlin - jeder Euphemismus und jede Übertreibung recht, selbst wenn sie noch so albern ist. Denn bei der Tonne ist noch lange nicht Schluss, wenn es um die Knebelung der Wirklichkeit im Dienst der „guten“ Sache geht.

Samstag, 23. Juni 2012

Frustball total

Aus der Europameisterschaft der schönsten Nebensache der Welt wird mehr und mehr die Europameisterschaft der unschönen Nebensächlichkeiten der Welt. Fußballfunktionäre und Medien lassen keine Gelegenheit aus, sich zu profilieren, während die Spieler vordringlich Ihren Egotrip optimieren. Währenddessen feiern die Zuschauer eine Party nach der anderen, ohne so richtig verstehen zu wollen, was da auf dem Platz passiert. Kein Wunder, dass die Spiele eher spannend als schön sind, und dass das Fußballspiel hier mal wieder als lebendiges Beispiel für den umfassenden Niedergang herhalten muss.

Samstag, 16. Juni 2012

Verdiente Verdiener

Deutschland produziert zu teuer, die Lohnnebenkosten sind zu hoch, die Gehälter erst recht und die Rente ist nicht mehr bezahlbar- mit diesen Parolen aus dem reichhaltigen Sprachschatz der Umverteiler von Volksvermögen mussten wir uns hier in letzter Zeit häufig herumschlagen. Nun aber rechnet uns das Statistische Bundesamt mit harten Zahlen das vor, was wir kybernetisch schon immer gewusst haben: Die Wirtschaft produziert immer effektiver und will dafür immer weniger bezahlen.

Samstag, 9. Juni 2012

Schuld und Sühne

Etwas kopflos sind uns unsere Großkopfeten schon immer vorgekommen. Nicht in den Kopf will Konrad Kustos aber der Umgang mit dem Fall Orhan S. Schließlich hat der junge Mann und Vater von acht Kindern in dieser Woche seine Frau, weil sie sich von ihm trennen wollte, nicht nur erstochen, sondern ihr anschließend auch noch den Kopf abgetrennt, und kommt nun vielleicht straffrei davon. Dass er dabei „Allah, Allah“ gerufen haben soll, tut hier ebenso wenig zur Sache wie der Umstand, dass auch noch ein Fuß dranglauben musste. Entscheidend ist ein Rechtssystem, das Unrecht nicht mehr zu einer angemessenen Rechenschaft zieht.

Donnerstag, 7. Juni 2012

Nach-Gedacht: Fraglicher Frühling


Als Chefin der Grünen fühlt sich Claudia Roth berufen, weltweit für die Freiheit zu kämpfen (außer in Deutschland, wo das Regelwerk von ihr gern enger gezurrt wird). Nun war sie in Libyen und konnte sich persönlich vom Erfolg des Freiheitskampfes der Araber überzeugen: Eine Miliz besetzte mit einem Panzer den Airport Tripolis und verhinderte ihr planmäßiges Entschweben.

Samstag, 2. Juni 2012

Wild auf Bild

So erfolgreich der Marsch durch die Institutionen auch war, den die Studentenbewegung der 60er-Jahre nach ihrem politischen Scheitern als Ausweichziel ausgab, mindestens ein Sieg konnte noch nicht gefeiert werden: Die Bild-Zeitung erscheint immer noch. Dabei hatten doch schon damals die naseweisen Jungintellektuellen beschlossen, dass Springer und besonders sein Flaggschiff Bild grundböse und schnellstmöglich zu eliminieren sei. Zwar ist nun Axel Springer tatsächlich tot, doch Bild erfreut sich bester Vitalität. Was für eine Provokation, wenn der Springer-Verlag zum 60er-Jubiläum am 23. Juni nun auch noch 41 Millionen Gratisausgaben der Bild in alle deutschen Briefkästen zu befördern ankündigt. Da wurde es mal wieder Zeit, im Namen der guten Sache gegen die Meinungs- und Pressefreiheit anzugehen.

Samstag, 26. Mai 2012

Sarrazins Eurotik

Da haben sich zwei Parteien gefunden: Wenn Sarrazin sich räuspert, bricht Mainstream-Politikern der dekorative Hassschweiß aus. Also räuspert er sich eben gerne ebenso publikumswirksam. Diese Tragikkomödie des Niedergangs ist aber nicht nur peinlich, sondern symptomatisch für vieles, was falschläuft. Diesmal erzählt uns Sarrazin, der alte Zahlenhexer, in seinem neuen Buch „Europa braucht den Euro nicht“ allerhand Sachen, die wir schon eine ganze Weile wussten. Immerhin: Vielleicht lässt seine Popularität noch einige Euro-Gefolgsmenschen konvertieren - was aber auch nichts hilft, solange den Mächtigen die Anzahl ihrer Gegner völlig egal ist. So entlarvt die Reaktion auf Sarrazin viel mehr über das neue Friedensreich Europa als dessen Argumente.

Samstag, 19. Mai 2012

Experten Exkremente

Obwohl sie es nicht nur zum ersten weiblichen britischen Regierungschef gebracht hat, sondern auch soeben zu einer berührenden Verfilmung ihrer Lebensgeschichte, konnte Margaret Thatcher natürlich auch irren. Ein Recht, von dem sie ausführlich Gebrauch gemacht hat, nicht nur als sie 1974 sagte „Es wird noch viele Jahre dauern - und dies nicht zu meiner Lebenszeit - bevor eine Frau britischer Premierminister wird". Experten, Fachleute, Spezialisten, Verantwortliche – sie alle können irren, sollten es aber möglichst nicht. Schlimm wird es, wenn sie fahrlässig, böswillig oder in Überschätzung ihrer Fähigkeiten oder Möglichkeiten ihre Schlüsselposition missbrauchen.

Mittwoch, 16. Mai 2012

Beobachtungen 10


Diesmal sind es gleich drei in kurzer Folge gemachte Beobachtungen, aber sie gehören alle zu einem Thema. Vordergründig geht es ums Radfahren und um Radfahrer, aber es geht diesmal nicht um überfahrene rote Ampeln oder das Fahren ohne Licht, sondern um ein Phänomen dahinter. Lest selbst:

Samstag, 12. Mai 2012

Profitable Propheten

Der Club of Rome hat Maßstäbe gesetzt. Nicht in der vergangenen Woche, als er seine düstere Perspektive für das Jahr 2052 vorlegte, sondern 1972, als er seinen ersten Futurologischen Kongress veröffentlichte. Damals bewiesen die involvierten Wissenschaftler mit dem Selbstbewusstsein, das Wissenschaftlern nun mal eigen ist, dass es 1990 kein Erdöl mehr gebe, wenig später die halbe Menschheit verhungert sei und die Überlebenden unter einer menschgemachten Eiszeit erschauerten. Die genannten neuen Maßstäbe ergeben sich aber nicht aus der Realsatire solcher unprognostizierbaren Prognosen, sondern aus dem paradigmatischen Wandel, den die Studie „Grenzen des Wachstums“ trotzdem weltweit auslöste: Aus kritiklosem Zukunftsoptimismus wurde kritiklose Umwelthysterie, die inzwischen flächendeckend die Freiheit des Denkens und Handelns erodiert.

Sonntag, 6. Mai 2012

Jubel Jubiläum

In der Ukraine geht es vielen Leuten nicht so gut. Ohne Freiheit macht das Leben keinen Spaß, vor allem aber ist es uneffektiv. Das merkt jetzt auch Frau Timoschenko - und wenn es weit genug weg ist, merken es auch die Freiheitskämpfer unserer Politiker-Garde. Dann sind sie ganz aufgeregt und kommen auf lustige Ideen, etwa die, eine Milliardenveranstaltung wie die Fußball-Europameisterschaft zu verlegen. Logistische, technische und finanzielle Probleme einer solchen Entscheidung wären unabsehbar und unlösbar, aber windschnittig fordern kann man ja mal im virtuellen Universum, in dem die leben. Übrigens wurden nichtmal die Olympischen Spiele von 1936 verlegt. Über solche Absurditäten der Entscheider in der Niedergangsgesellschaft hätte Konrad Kustos einiges zu posten, aber nicht heute, denn heute gibt es Wichtigeres.

Samstag, 28. April 2012

Top Job

Noch nie gab es in Deutschland so viele Menschen in Lohn und Brot - das behauptet jedenfalls die Bundesvereinigung Deutscher Arbeitgeberverbände (BDA). Das mit dem Lohn wollen wir mal glauben, aber auch Brot? Trocken Brot, wenn man genauer hinschaut. Im Überschwang einer zyklischen Hochphase der Wirtschaft sammeln sich allerhand Trittbrettfahrer des Niedergangs: Lohndrücker, Sozialdemonteure und andere Reformer, um mit dem Aufschwung das zu machen, was in der Rezession sowieso passiert: Druck auf die kleinen Leute auszuüben.

Sonntag, 22. April 2012

Abgaben-Angeber


Deutschland boomt. Nicht nur ein Wachstum der Bevölkerung, steigende Investitionen in Zukunftstechnologien, mehr Deutsche unter Beschäftigung als jemals zuvor und zwei Billionen Euro Staatsverschuldung stehen in den Statistiken, sondern jetzt auch eine durch den Boom verursachte steigende Abgabenlast. Das klingt nicht sozial gerecht, also soll es von den Verantwortlichen nach bewährter Methode wegretouschiert werden. Dummerweise fällt das diesmal schwer, denn durch die Inflation sind gleichzeitig auch noch die Nettoreallöhne gesunken.

Sonntag, 15. April 2012

Statistik im Stau

Verkehrsminister Ramsauer macht sich gerne mit unmodernen Positionen unbeliebt, was ihn bei Konrad Kustos geradezu beliebt macht. Leute, die gegen den Mainstream-Verkehr fahren, sollten schon wegen dieser „bewusstseinserweiternden“ Funktion von uns Skeptikern ein paar Ampeln auf Grün geschaltet bekommen – selbst wenn sie bei ihrer Fahrt auch mal in Sackgassen landen können. Diesmal ist sein Versuch zu loben, der Verkehrssicherheit nicht weiter mit der populären Verbots- und Verregelungspraxis, sondern mit derzeit so unpopulären wie umso notwendigeren Themen, beispielsweise einem „Appell an Verstand und Verantwortungsbewusstsein“, zu dienen. Hintergrund des ganzen ist die diesjährige Zunahme von Verkehrsunfällen mit Personenschaden, die von Statistikern des Niedergangs zu Horrorszenarien aufgeblasen wurde und auf eine weitere Demontage von Freiheit zielt.


Sonntag, 8. April 2012

Oster Poster

Zu Ostern wird uns wieder ein Ei ins Nest gelegt: Wir kriegen eine „Demografiestrategie“. Die Nestbeschmutzer, die das planen, sitzen in der Regierung und streiten sich gerade, ob das Unternehmen mit oder ohne Demografiesteuer für die gesamte arbeitende Bevölkerung ab 25 Jahren einhergehen soll. Sicher können wir schon jetzt sein, dass, egal wie das ausgeht, es auf unsere Kosten sein wird.

Dienstag, 3. April 2012

Nach-Gedacht: Solarstrom

Als hier im Januar der Post zum Thema Solarstrom erschien, hätte man noch witzeln können: „Wie geht’s dem Solarstrom? Na, so la(r)la(r).“ Doch jetzt ist mit Q-Cells der vierte große Produzent in Deutschland insolvent, und für diese Industrie, in die Staat und Bürger Milliarden an Förderung investiert haben, bricht die Eiszeit an.

Sonntag, 1. April 2012

Verkehr(te)s Recht

Welcher Autofahrer unter Euch hat schon mal ein Temposchild übersehen und ist dann (nach Maßgabe dieses Schildes) deutlich zu schnell gefahren? Wen hat dabei sogar die Radarfalle geblitzt? Euch alle? Dann habt Ihr noch mal Glück gehabt, denn Ihr seid knapp an einem Gerichtsverfahren vorbeigeschrammt, Ihr seid auch nicht vorbestraft und schon gar nicht im Gefängnis. Das wird aber demnächst anders sein, wenn Ihr Prof. Dr. Gerrit Manssen und die ihn stützende proto-totalitäre Gutmenschen-Mentalität nicht stoppt, die aus den ehrenwertesten Gründen an die Substanz der freiheitlichen Gesellschaft geht. „Gefängnis für Raser“ ist sein Credo, und damit schüttet er das Kind mit dem Bade aus. Natürlich will nicht nur er nicht leichtfertig Tote und Verletzte im Straßenverkehr riskieren, aber seine Vorschläge sind so ehrenwert wie ein Ehrenmord.

Freitag, 30. März 2012

Nach-Gedacht: Schlecker

Nun geht also Schlecker entweder den Weg der marktwirtschaftlichen Gesundung oder den alles Irdischen. So weit, so gut. Aber die Tradition der Misswirtschaft soll nicht abreißen.


Sonntag, 25. März 2012

Regeln in der Radarfalle

In den USA gibt es einen neuen Trend: das hektisch blinkende Stoppschild an unbedeutenden Kreuzungen. Diese visuelle Umweltverschmutzung beginnt bei jedem anfahrenden Auto sein nervendes Tun und das pro Auto gleich viermal (rechts, links, oben, unten). Das ist natürlich gut gemeint, aber es entspringt einem nicht nur in Amerika wuchernden, als Sicherheitsdenken getarnten Regelwahn. Kybernetisch gesehen bewirkt es das Gegenteil des Proklamierten, denn alle anderen, noch nicht blinkenden oder heulenden Stoppschilder werden dadurch in der Wahrnehmung der Autofahrer auto-matisch an Bedeutung verlieren. Auf der Metaebene schließlich bedeutet das umsichgreifende Regulieren um jeden Preis aber auch einen elementaren Verlust von Freiheit.

Sonntag, 18. März 2012

(P)fusch Fake Fukushima

Die Kraft der Strahlen
Pastorin Nora Steen brachte soviel Betroffenheit rüber, wie es eben nur ein evangelischer Pastor oder hilfsweise ein grüner Bundestagsabgeordneter vermag (falls das noch unterschieden werden muss). Sie hatte aber auch allen Grund, wollte sie doch in ihrem Debüt als Wort-zum-Sonntag-Kommentatorin die ein Jahr zurückliegende Erdbeben-Tsunami-Atom-Katastrophe und somit 19.000 Tote beweinen. Tat sie dann aber doch nicht, denn die 19.000 Toten waren ihr kein Wort wert. Stattdessen bramarbasierte sie über verstrahlte Sandkästen, Mütter mit Geigerzählern und unbewohnbare Landstriche. In diesem verstrahlten Kommentar voller Glauben statt Wissen kolportiert sie Folgen der Atomkatastrophe, die es so von Anfang an nur in den Medien und in Verlautbarungen anderer interessierter Kreise gegeben hat. Und da war sie an diesem Gedenktag nicht die einzige.

Sonntag, 11. März 2012

Die Banken danken


Schuldenschnitt für Griechenland, na gut, sollen sie doch ihre Akropolis behalten. Aber die kürzlich beschlossenen 530 Milliarden Euro frisch gedrucktes Geld als Bankenbonus sind ein anderes, grundsätzlicheres Kaliber. Lohnt es da überhaupt noch, EU und Euro beim Weg in den Abgrund weiter schreibend zu begleiten? Und wenn ja, wie lange soll das so gehen, wenn nun anscheinend alle paar Monate Milliarden in den Sand gesetzt werden? Keine Ahnung, dieser Blog hat schließlich keine Stabilitätskriterien. Die allerdings hat die EU, wenngleich sich bisher in der Geschichte dieser Umverteilungsorganisation noch niemand daran halten musste. 530 Milliarden Euro also sind es diesmal, die notleidenden Banken von der Europäischen Zentralbank (EZB) für ein paar Peanuts zur Verfügung gestellt werden. Besonders notleidend sind die Banken in Südeuropa, besonders viel bezahlen bekanntlich die Deutschen. Dafür nehmen sie normalerweise teure Kredite bei Banken auf, damit die Banken billige Kredite an Pleitebanken vergeben können. Klingt nicht nur irre, ist es auch. Doch diesmal ist alles ganz anders.

Sonntag, 4. März 2012

Demografen-Demagogie



Bevor uns eine mysteriöse Klimaerwärmung einen kalten Winter nach dem anderen bescherte, bevor uns baufällige Atommeiler einen Strahlenschauer nach dem anderen den Rücken runterjagten, und bevor wir ernsthaft fürchten mussten, dass rechtsradikale Horden demnächst die Macht in Deutschland übernehmen, hatten wir ganz andere Sorgen. Wir sorgten uns, dass die Überbevölkerung die Welt aus den Nähten platzen lassen könnte, dass sie die Lebensgrundlagen dieses einzigen verfügbaren Planeten zerstören könnte, dass sie zu einer unbeherrschbaren Lawine anschwellen könnte. Das ist vorbei: In Umfragen zu den dringendsten Problemen landet das Thema Überbevölkerung inzwischen zuverlässig unter ferner liefen. Vielleicht gehört es zur menschlichen Natur, sich bei den wirklich schlimmen Dingen die Bettdecke über die Ohren zu ziehen?

Dienstag, 28. Februar 2012

Beobachtungen 9

Wenn Konrad Kustos sich keine Gedanken mehr machen will, geht er ins Kino. Und wenn er zu sehr in Gedanken ist, schreibt er sich auch mal die falsche Kodenummer für die im Internet bestellten Karten auf. Das wäre ja kein Problem, hätte er vor der Kinokasse ein Smartphone dabei, um die entsprechende E-Mail aufzurufen, aber wer dauernd von neuen Informationskatastrophen und alten Werten schreibt, hat so ein Ding natürlich bisher erfolgreich verweigert.
Not macht erfinderisch. Kurzerhand drei Jugendliche angesprochen, die im benachbarten Einkaufszentrum rumlungern, wie es in "Chaos mit System" so ausführlich beklagt wurde. Die zücken höflich und freundlich das Smartphone, helfen bei der Bedienung und schauen bei der Pin-Eingabe so vorbildlich weg, wie eine ausgebildete Aldi-Verkäuferin.
Das heißt jetzt nicht, dass Konrad Kustos vom eigenen Glauben abfällt. Der Niedergang ist trotzdem überall - aber eben nicht überall. Gut zu wissen.

Sonntag, 26. Februar 2012

Kinder-Krieger


Da haben aber kürzlich die CDU/CSU-Nachwuchspolitiker für Aufsehen gesorgt. Eine geburtenfördernde Zusatzsteuer fordern sie, die jeder zahlen muss, der sich nicht durch Kinderkriegen einen Ablass besorgt. Ein Prozent vom Einkommen für alle über 25 ist angedacht. Mit diesem Versuch, den Klapperstorch zu bestechen, soll nicht nur dem von Demografen prognostizierten Aussterben der Deutschen begegnet, sondern auch dem angeblich aus demografischen Gründen notleidenden Sozialsystem auf die Sprünge geholfen werden. Sprünge macht allerdings nur diese Argumentation, denn kybernetisch betrachtet, erweist sich der Vorschlag als untaugliches und unberechtigtes Mittel, welches obendrein Freiheitsrechte ignoriert und die menschliche Würde mit Füßen tritt.

Sonntag, 19. Februar 2012

Sakramente vor der Rente



Die Welt wird immer komplizierter, und die Wissenschaftler sollen uns helfen, sie zu verstehen. Soweit die Theorie. Die Praxis ist, dass Spezialisten sich gerne solange auf die Antwort konzentrieren, bis sie die Frage aus den Augen verloren haben. Das ist so eine Art Peter-Prinzip für das intellektuelle Genre. Ganz aktuell hat das Max-Planck-Institut, dem wir immerhin so segensreiche Erfindungen wie den MP3-Player verdanken, herausgefunden, dass die Menschen immer älter werden. Gratulation dazu. Leider meinten die Gelehrten im selben Atemzug, der Welt und ihren Politikern die Anweisung mitgeben zu müssen, das Renteneintrittsalter baldmöglichst auf 72 Jahre anzuheben. Wie bitte? Demografen maßen sich die Kompetenz an, eine komplexe sozialpolitische Frage mit dem Rechenschieber zu beantworten? Das ist Hybris in einer völlig neuen Dimension. Die Frage drängt sich auf, wer bei dieser Studie wohl die Drittmittel bezahlt hat?

Sonntag, 12. Februar 2012

Kirchhof oder Friedhof


Bisher herrschte an kritischen Stimmen über die Zukunft des Euro in Deutschland, jedenfalls soweit es die Mächtigen und Einflussreichen betrifft, absolute Kirchhofsruhe. Ausgerechnet Ferdinand Kirchhof, seines Zeichens Vizepräsident des Bundesverfassungsgerichts, blieb es vorbehalten, den ersten Stein zu werfen: Mehr direkte Demokratie in Euroland fordert er und meint damit Volksabstimmungen über sowohl den Euro selbst als auch über gewisse europäische Verträge. Wir werden sehen, ob das auf die Nachbeter der herrschenden Gesundbeter Eindruck machen wird. Ein Segen wäre es.

Sonntag, 5. Februar 2012

Eurokraten-Paten

Vor einer Woche ging es an dieser Stelle um ruinöse Drogeriewaren, und diesmal geht es um einen desaströsen Persil-Schein. Nicht nur einen für vergangene Missetaten, sondern praktischerweise einen, in den Versagen und Betrug für die Zukunft gleich eingebaut wird. Einen Weißwascher für ein Konstrukt, das unsere Zukunft mehr verändern wird, als es auf die ersten, ohnehin schon erschreckenden Blicke erkennbar ist. Die Rede ist vom ESM, dem „Stabilitätsmechanismus“ für die Eurozone, der nicht nur ein verzweifelter Versuch ist, die europäische Konkursverschleppung zu intensivieren, sondern auch ein Anschlag auf die Demokratie an sich. Ein Terrorakt von oben, der unsere politischen Denk- und Verhaltensweisen nachhaltig verändern wird.

Sonntag, 29. Januar 2012

Schlecker-Wecker

Hier wird oft über die schlimmen Dinge des Niedergangs berichtet, aber diesmal gibt es eine gute Nachricht: Schlecker ist pleite. Möglicherweise winkt die völlige Zerschlagung der einst größten deutschen Drogeriemarktkette, die seit den 70er Jahren für negative Schlagzeilen von Mitarbeiterausbeutung über ein zweifelhaftes Warensortiment bis hin zum aggressiven Ausbreitungswahn gesorgt hat. Doch der Niedergang der Gesellschaft wäre nicht der Niedergang, den wir kennen, wenn er sich nicht auch prächtig in der Schlecker-Abwicklung entwickeln könnte.

Sonntag, 22. Januar 2012

Stromabwärts

"Umweltfreundlich!"
Alternative Energie tut not, aber welche? Die Windenergie spargelt schönste Landschaften bei niedriger Effizienz und hoher betriebsbedingter Anfälligkeit zu, die nachwachsenden Rohstoffe fressen Tropenwälder und wachsen mit Hilfe von Umweltgiften, Wasserkraft erzeugt Unterspülungen und Schlammlawinen, Geothermik verursacht Erdbeben - und alles zusammen leidet darunter, dass Energie immer noch nicht befriedigend gespeichert werden kann. Da sieht doch die Photovoltaik, die die Sonnenenergie nutzbar macht, wie der sichere Sieger aus. Hat ausgesehen, muss es nun aber heißen: Bei einer Solarfirma nach der anderen geht in Deutschland das Licht aus, weil jeder fromme Glaube an eine nicht so locker zu realisierende Sache irgendwann mit der Realität konfrontiert wird.

Sonntag, 15. Januar 2012

Fraglicher Frühling

Wahl der Qual.
Nun haben sie fertiggewählt in Ägypten. Wahlen sind demokratisch, verhindern Alleinherrschaften und haben sich bei uns bestens bewährt. Sie sind einfach toll, weil sie zum Grundkonsens unseres Zusammenlebens gehören. Noch besser sind Wahlen allerdings, wenn bei ihnen auch Demokraten Demokraten wählen. Da sieht es nun in Ägypten, einem der einflussreichsten Länder Arabiens, schon schlechter aus: rund 40% für die offiziell als moderat-islamistisch eingestufte Partei der Muslimbrüder, mehr als 20 Prozent für die radikale Partei des Lichts. Insgesamt eine dramatische Mehrheit islamistischer Kräfte. Da staunen unsere Medien, hatten sie doch seit Monaten den Aufbruch der Araber in eine Zeit der Freiheit bejubelt, und nicht nur in Ägypten geht der Schuss nun nach hinten los.