Kustos kommentiert nicht mehr -
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Sonntag, 22. Januar 2012

Stromabwärts

"Umweltfreundlich!"
Alternative Energie tut not, aber welche? Die Windenergie spargelt schönste Landschaften bei niedriger Effizienz und hoher betriebsbedingter Anfälligkeit zu, die nachwachsenden Rohstoffe fressen Tropenwälder und wachsen mit Hilfe von Umweltgiften, Wasserkraft erzeugt Unterspülungen und Schlammlawinen, Geothermik verursacht Erdbeben - und alles zusammen leidet darunter, dass Energie immer noch nicht befriedigend gespeichert werden kann. Da sieht doch die Photovoltaik, die die Sonnenenergie nutzbar macht, wie der sichere Sieger aus. Hat ausgesehen, muss es nun aber heißen: Bei einer Solarfirma nach der anderen geht in Deutschland das Licht aus, weil jeder fromme Glaube an eine nicht so locker zu realisierende Sache irgendwann mit der Realität konfrontiert wird.

Im Dezember haben die Solarmodulbauer Solon und Solar Millennium Insolvenz beantragt. Früher hieß das, sie sind pleite. Solar Millennium konnte sich wenigstens noch die millionenschwere Abfindung eines 74-Tage-Vorstandsvorsitzenden leisten. Viele andere Betriebe sind hoch verschuldet und arbeiten verlustreich. Sie legen Werke still, jedenfalls in Deutschland, während die weiterarbeitenden ausländischen Werke von der deutschen Förderung profitieren wie etwa bei Q-Cells in Malaysia.

Deutschland liefert sich einen nicht gewinnbaren Kampf mit staatssubventionierten und auf Sozialstandards pfeifenden Produzenten in Schwellenländern wie China. Deren Massenproduktion lässt die Preise purzeln. Und weil in diesem Fall durchaus diskutierbarer Protektionismus zugunsten der deutschen Produktion unter Global-Playern pfui ist, geht den Deutschen eben der Saft aus. Ein Modul-Produzent, Solarworld, prüft nun wenigstens eine Antidumping-Klage bei der EU.

Die Gloriole der Umweltfreundlichkeit eignet sich allerdings bestens dafür, auch hierzulande bei den Arbeitsbedingungen die Sau rauszulassen. Leiharbeiter dürfen für 7,30 Euro an die Maschinen, Festangestellte tun es für 1800 brutto und stehen dann oft in 12-Stunden-Schichten unter Strom. Während die Produktion der Module mit der ausländischen Konkurrenz nicht mitkommt, hat man also wenigstens bei den globalisierten Arbeitsbedingungen die Nase vorn. Nicht von ungefähr stehen 80 Unternehmen mit 18.000 Beschäftigten auf der To-do-Liste der IG Metall um Tarifverträge oder wenigstens Betriebsvereinbarungen durchzusetzen.

Um unrealistische Umweltziele zu erreichen und einen Massenmarkt zu beackern, der längst verloren ist, subventioniert der Staat, also der Bürger, die potemkinsche Wirtschaft durch überhöhte Vergütungen für Solarstrom, die auf den Strompreis umgelegt werden. Der Öko-Staat tritt mit seiner Politik wie ein Monopolist auf und diktiert überhöhte Verbraucherpreise. Damit sorgt er für das etwas längere Überleben überlebensunfähiger Unternehmen. Unternehmen, die versuchen konkurrenzfähig zu sein, indem sie bezahlen wie in der dritten Welt, anstatt auf Forschung und Qualität zu setzen. Nur 2,5 % der Milliardenumsätze gehen in die Forschung für wettbewerbsfähige Produkte.

18 Milliarden Euro kostet das hehre Ziel der sauberen Energie nach offiziellen Zahlen den Stromverbraucher allein durch die 2011 errichteten Photovoltaikanlagen, denn die Kosten werden direkt auf den Strompreis aufgeschlagen. Nimmt man alle Förderungen zusammen, ist bereits die 100-Milliarden-Grenze überschritten. Umgerechnet sind das 200 Euro mehr im Jahr für eine dreiköpfige Familie.

Wie Volkswirtschaftstudenten (hoffentlich) im ersten Semester lernen, setzt die Aussetzung von Marktgesetzen durch Förderprogramme den Markt außer Kraft. Im konkreten Fall bezahlt also das weltweite Solarland Nr. 1, also Deutschland, über seinen künstlich erzeugten Markt den Produktionszuwachs asiatischer Staaten, besonders China, die ohne die deutschen Gewaltaktionen gar keine Abnehmer für ihre Module fänden. 70 Prozent der in Deutschland verbauten Module kommen nicht aus einheimischer Produktion.

Das Modell funktioniert so abstrakt, wie es sich nur Politiker weitab jeder Realitätsverbundenheit ausdenken können. Jedes Dorf, jeder Privatmensch kann nach dem Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) der Bundesregierung Photovoltaikstrom ins öffentliche Netz einspeisen und erhält dafür über 20 Jahre garantiert einen Kilowattstundenpreis vergütet, der den offiziellen Marktpreis für Strom um ein Vielfaches übertrifft. Die Dimensionen der Schieflage zwischen Machbaren und Gemachten in Zahlen: 3 bis 4 Cent kostet Kohle- oder Atomstrom an den Strombörsen. Für Photovoltaikanlagen, die heute ans Netz gehen, sind bis zu 24,34 Cent pro Kilowattstunde fällig - mehr als das Siebenfache!. Wer seinen selbstgemachten Strom selber verbraucht, erhält noch gutes Geld dazu. Zum Vergleich: Für Windstrom werden neun Cent vergütet.

Das bezahlt also ausnahmsweise mal nicht der Steuerzahler, sondern „bloß“ der Verbraucher. Sein Solarstrombeitrag, also der Preisaufschlag auf den regulären Strompreis von ca. 21,50 Cent pro Kilowattstunde, liegt allein schon gleichauf mit dem Strombörsenpreis, nämlich seit Jahresanfang bei 3,592 Cent. Subventionsverfechter machen gelten, dass die Einspeisungsvergütung kontinuierlich sinkt, nur sinkt sie eben weitaus langsamer als die rasant verfallenden Preise für Photovoltaikanlagen (siehe oben).

Nun könnten sich jene unter den deutschen Umweltfreunden, denen die deutsche Volkswirtschaft egal ist, ja dennoch freuen, dass immer mehr Solarstrom erzeugt wird. 7500 Megawatt Solarstrom wurden 2011 zusätzlich erzeugt. Das ist soviel wie sieben große Atomkraftwerke schaffen - aber nur, wenn die Sonne auch scheint. Auf Volllast können die Photovoltaikanlagen aber im mit Sonnenschein nicht gerade verwöhnten Deutschland gerademal 750 von 8760 Jahresstunden laufen. Von 25.000 möglichen Megawatt wurden am letzten Donnerstag ganze 800 aus den Paneelen geholt.

Wie beim Wind sind also konventionelle Reservekraftwerke nötig, die zusätzlich kosten. Und wenn die Sonne mal scheint, wird der Strom vielleicht gerade gar nicht gebraucht. Dumm, dass man vergessen hat, parallel Speichermöglichkeiten zu schaffen und zu erforschen.

Solarstrom wird so zumindest bei uns unbestritten zur teuersten aller Ökostromarten. 50% der Beihilfen für Ökostrom fließen hierhin, und 20% der Ausbeute sind das Ergebnis. Nun sagt Umweltminister Röttgen, der weitere Ausbau solle begrenzt werden, doch das ist immer wieder versprochen worden, aber ebenso sonnenklar an der Solarlobby gescheitert. Auch die angekündigten kontinuierlichen Kürzungen der Förderung über das Jahr hinweg sind ein alter (Sonnen-)Hut, wurden aber schon 2011 trotz Überproduktion nicht umgesetzt.

Damit die uneffektiv produzierenden Modul-Produzenten nun weiter uneffektiv produzieren können, reicht der Strompreistrick nicht mehr aus, weshalb jetzt zusätzlich erhebliche Kredite im Gespräch sind. Warum neue Schulden Schuldenmacher auf den rechten Weg zurückführen sollen war normalen Menschen schon beim Euro-Rettungsschirm schwer zu vermitteln.

Dinge müssen natürlich wachsen können, sonst geht es schief. Selbstverständlich muss der Staat wie ein guter Gärtner auch mal eine Wachstumshilfe geben, doch hier geschieht es so brachial wie einst bei der DDR-Bodenreform oder bei den riesigen umweltschädlichen Monokulturen der USA. Am Ende sinkt die Qualität und die Quantität der Produktion, man hat jede Menge Ungeziefer am Hals und sitzt schlimmstenfalls inmitten von nichtendenwollenden Staubstürmen.

Die nötige Nachhaltigkeit ist derzeit in der deutschen Energiepolitik aus populistischen Gründen nicht zu erwarten. Bei ungebremsten Wachstumsphilosophien und ideologischem Fortschrittsoptimismus geht das Augenmaß verloren. Konrad Kustos könnte das Solarstromdesaster ja sogar durchaus recht sein, denn er glaubt schon lange, dass sinnvolle Umweltpolitik nur über eine Verteuerung umweltbelastender Konsumgüter zu machen ist. Doch sollte das Mehrbezahlte dann an die Allgemeinheit zurückfließen, beispielsweise in Form einer Ökokonsumsteuer, statt es Pleitefirmen und den Chinesen hinterherzuschmeißen. Wir müssen auch diese Sache viel kybernetischer oder wenigstens lockerer angehen, sonst heißt es bald frei nach Ilja Richter: „Strom aus, Spott an!“

Kommentare:

  1. Ganz aktuell: Nun wollen Inder mit Sitz in den Arabischen Emiraten den insolventen Berliner Modulhersteller Solon kaufen. Ob die wohl die aufgelaufenen 400 Millionen Euro Schulden übernehmen? Oder die 800 Beschäftigten?

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  2. Sonnenenergie ist kostenlos und steht unendlich zu Verfügung!
    Wer hier über die Anschubförderung meckert scheint sich nicht bewußt zu sein, daß die vorhandenen fossilen Ressourcen bald zu Ende sind. Die Preise für Öl und Gas werden überdimensional steigen! 2011 wurden ca. 20 Milliarden kwh Sonnenstrom in Deutschland erzeugt! Vollkommen CO2 frei.....
    Das ist Zukunftstechnologie, einige begreifen das scheinbar erst etwas später.

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  3. Einige haben natürlich tatsächlich keine Ahnung. Ich vermute aber, mit obigen Kommentar ist der Verfasser dieses Blogs gemeint. Ich gebe zu, keine Ahnung zu haben im Sinne von Nichtwissen, was nun die Erde rettet und was den Weltfrieden bringt. Deshalb bemühe ich mich auch, viele Fakten und vorder- wie hintergründige Überlegungen zu den vielen Für und Wider in meine Posts einzubauen. Anonym hat es da natürlich leichter: Er hat Ahnung, er weiß, was gut ist, und dass CO2 böse ist (woher weiß er das eigentlich so genau?). Ich muss mir also weiter den Kopf zerbrechen und Anonym nicht, weil er weiß, dass Sonnenenergie kostenlos ist. Cool.

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