Kustos kommentiert nicht mehr -
Der Blog schweigt wegen "antifaschistischer" Angriffe.

Sonntag, 6. Mai 2012

Jubel Jubiläum

In der Ukraine geht es vielen Leuten nicht so gut. Ohne Freiheit macht das Leben keinen Spaß, vor allem aber ist es uneffektiv. Das merkt jetzt auch Frau Timoschenko - und wenn es weit genug weg ist, merken es auch die Freiheitskämpfer unserer Politiker-Garde. Dann sind sie ganz aufgeregt und kommen auf lustige Ideen, etwa die, eine Milliardenveranstaltung wie die Fußball-Europameisterschaft zu verlegen. Logistische, technische und finanzielle Probleme einer solchen Entscheidung wären unabsehbar und unlösbar, aber windschnittig fordern kann man ja mal im virtuellen Universum, in dem die leben. Übrigens wurden nichtmal die Olympischen Spiele von 1936 verlegt. Über solche Absurditäten der Entscheider in der Niedergangsgesellschaft hätte Konrad Kustos einiges zu posten, aber nicht heute, denn heute gibt es Wichtigeres.

Die Ukraine als Aufreger wäre diesmal aus zwei Gründen nicht so schick gewesen. Zum einen ist das ein Thema, das zwar im Moment aufregend scheint, aber aus gewissem zeitlichen Abstand betrachtet eher irrelevant ist. Mit Abstand sieht man, dass die Welt sich weiter dreht, auch wenn Frau Merkel verärgert ist, Herr Putin die Presse unterdrückt oder Thailand überschwemmt wird. Entscheidend sind die Strukturen, die all das verursachen, und bei der Suche nach diesen Strukturen hat „Kustos kommentiert“ leider ein ziemliches Alleinstellungsmerkmal. Der zweite Grund für die heutige Themenwahl ist dagegen viel leichter nachzuvollziehen: Dieser Blog wird heute ein Jahr alt!


Ein Jahr, rund 70 Texte, 100 Kommentare und 15.000 Klicks - vergleicht man mit anderen Blogs, ist das eine bescheidene Bilanz, aber erstens zeigt die Kurve nach oben und zweitens kommt es ja (nicht nur) auf die Masse an. Hier sollen Qualitäten des Hinterfragens von scheinbar eindeutigen Wahrheiten gepflegt werden, und in Zeiten des Niedergangs sind eben auch in der Gegenöffentlichkeit des Netzes wahre Wahrheiten oft Ladenhüter. Und sie sind angesichts der unübersichtlichen Masse zirkulierender Information schwer bis zu den Wahrheitssuchenden durchzuboxen.


Dieser Blog ist auch immer noch ein lernender. Die Frage für Autor und Verleger ist immer wieder, welche Themen interessieren und gleichzeitig wieviel Massenkompatibilität sich mit dem Anspruch von Konrad Kustos verträgt. Klar, mit Euro und Atomkraft schnellen die Einschaltquoten sofort in die Höhe, Medien und Verkehr hingegen lassen die Leser eher kalt. Dabei sind die Medien ein entscheidendes Strukturelement der gesellschaftlichen Entwicklung, und beim Thema Verkehr lassen sich Gesetzmäßigkeiten des Niedergangs besonders anschaulich darstellen. Immerhin haben auch „unsexy“- Texte wie der besinnliche Weihnachtspost oder derjenige über die Bedürfnisse von älteren Menschen durchaus erfreulichen Zuspruch gefunden.


Konrad Kustos steht angesichts dieser Sachlage jede Woche erneut vor Mephistoles zum Rapport: Soll er kurzfristigen Erfolg anstreben oder konsequent auf Nachhaltigkeit setzen? Ich versuche derzeit noch einen Schaukelkurs von Teasern und Bedeutsamen, um jedem etwas zu bieten, wobei ich mich während des Schreibens auch immer gegen den Sog zum Plakativen, Verkürzenden oder aufgesetzt Kritischen stemmen muss. Draufhauen macht durchaus mehr Spaß als immerwährendes Abwägen. Es ist zudem auffällig, wie schnell der Autor bereit ist, die Schere im Kopf anzusetzen. Womit geht man zu weit und verprellt die Leser? Verhindert vielleicht etwas die Weiterverlinkung auf wichtige Seiten? Kann man sich überhaupt verständlich machen?


Bei einem Post wurde das besonders deutlich. Weil der ein Tabuwort/Tabuthema enthielt, flog er trotz aller Ausgewogenheit aus einem Newsticker, der für die Verbreitung von Kustos’ Botschaft immer noch zentrale Bedeutung hat. Da fragt sich der Verfasser dann schon, ob es opportun ist, dieses Thema nochmal gegen den Strom der Zensur aufzugreifen. Mit jeder Anpassung verschwindet schließlich ein Stück Identität, aber ohne jede Anpassung geht vielleicht auch der Erfolg aller Mühen verloren.


Ohnehin kann das letztlich hinter allem stehende Anliegen, die Welt und ihre Interpretation aus einer neuen Sichtweise, nämlich der kybernetischen, zu betrachten, in der Kürze eines (dennoch eigentlich schon zu langen) Posts nur schwer gelingen. Eigentlich sind die Posts eher Zusatztexte zu der großen zusammenhängenden Theorie, die in dem Buch „Chaos mit System" beschrieben wird. Zu schade, dass die Netznutzer oft glauben, sie seien mit den Bruchstücken der Internetkommunikation ausreichend informiert. Also: „Chaos mit System" ist immernoch durch einen schlichten Klick in der rechten Spalte dieses Blogs oder hier zu bestellen.


Ein weiteres Problem, mit dem sich Euer geneigter Autor zu beschäftigen hat, ist der zu betreibende Aufwand. Wie eine kleine Zeitungsredaktion muss Konrad Kustos die Weltlage scannen, auswerten, sammeln, sortieren und durchdenken. Das Schreiben ist da der kleinste Teil. Nicht zu vergessen das Verifizieren der über die Medien aufgenommenen Informationen, denn wie wir wissen, wird da gefälscht, geschummelt und weggelassen bis der Arzt kommt.


Aber auch der menschliche Fehlerfaktor ist bei aller Sorgfalt niemals auszuschließen. Einmal wäre beinahe ein Titel doppelt verwendet worden - und die sehr wahrscheinlich haufenweise existierenden unerkannten Fehler rauben den Schlaf. Deshalb bitte ich um Nachsicht bei allen Missgeschicken, die durchrutschen: Wo gehobelt wird, da fallen Späne. Ich freue mich über jede Korrektur in Kommentarform.


Umgekehrt ertappe ich mich immer wieder, wie ich mich vom Faktenwust der Medien ansaugen lasse, obwohl die Kernaussage in diesem Blog doch gerade ist, dass Fakten nur begrenzt weiterhelfen und oft sogar den Blick auf die Wirklichkeit verstellen. Eigentlich sollen hier tagesaktuelle Vorgänge nur der Aufhänger sein für die Beschreibung philosophischer und anderer Zusammenhänge. Davor habe ich mich im vergangenen Jahr wohl zuviel gedrückt.


Wie auch immer: Dieser Blog ist enorm zeitaufwendig, und ich würde mich über entlastende Gastkommentare, die die Botschaft des vernetzenden Denkens in sich tragen, sehr freuen. Dankbar wäre ich natürlich auch, wenn Posts, die Euch gefallen, auf anderen Seiten des Internets und in entsprechenden Threads angesprochen, empfohlen oder zitiert würden. Solche Verweise wirken sich in unserer Einschaltstatistik manchmal enorm aus. Die Einbindung in andere kritische Seiten lässt leider manchmal die Distanz zu Esoterikern, Verschwörungstheoretikern oder anderen Wirrköpfen, die sich in der Szene bewegen, unangemessen schrumpfen, doch da passen wir im Grunde gründlich auf.


Was auch im neuen Jahr gleich bleiben wird, ist das Gegendenstrichbürsten, das Infragestellen von Eingefahrenem und die Opposition zur Arroganz des Mainstreams. Und es bleibt das Bemühen, das mit einer angemessenen Lockerheit rüberzubringen. Wie schade, dass die wenigsten merken, wieviel Liebe oft in die Links eingearbeitet wird, die möglichst keinen bloß erklärenden, sondern eher einen überraschenden, absurden oder humorvollen Charakter haben.


Erstaunlich übrigens, wer alles „Kustos kommentiert“ liest. Zufällig outet sich da mal ein berühmter Schriftsteller oder auch der unbekannte Buchhändler um die Ecke. Erstaunlich aber auch, wer aus dem fernsten Bekanntenkreis dabei ist - oder wer alles aus dem engsten Freundeskreis noch nie reingeschaut hat. Jetzt jedenfalls bin ich mal gespannt, wie dieses Meta-Thema heute angenommen wird. Wie gesagt: Wir lernen ja alle noch.

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