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Samstag, 12. Mai 2012

Profitable Propheten

Der Club of Rome hat Maßstäbe gesetzt. Nicht in der vergangenen Woche, als er seine düstere Perspektive für das Jahr 2052 vorlegte, sondern 1972, als er seinen ersten Futurologischen Kongress veröffentlichte. Damals bewiesen die involvierten Wissenschaftler mit dem Selbstbewusstsein, das Wissenschaftlern nun mal eigen ist, dass es 1990 kein Erdöl mehr gebe, wenig später die halbe Menschheit verhungert sei und die Überlebenden unter einer menschgemachten Eiszeit erschauerten. Die genannten neuen Maßstäbe ergeben sich aber nicht aus der Realsatire solcher unprognostizierbaren Prognosen, sondern aus dem paradigmatischen Wandel, den die Studie „Grenzen des Wachstums“ trotzdem weltweit auslöste: Aus kritiklosem Zukunftsoptimismus wurde kritiklose Umwelthysterie, die inzwischen flächendeckend die Freiheit des Denkens und Handelns erodiert.

Damals setzte man also Zeichen, heute klappert man mit der Studie „2052“ dem selbstinduzierten Trend nur noch hinterher. Wissen wir doch längst, dass die Welt am Anschlag lebt, wir zu viele Ressourcen verbrauchen und diese Maßlosigkeit nicht endlos weitergehen kann. Und längst haben wir uns auch einreden lassen, dass sich das Endzeitgefühl hauptsächlich an Partikulärem wie Kohlendioxid und Atomkraft festmacht und nicht an unserem exzessiven Lebensstil.


Beispielhaft war der Tagesschau-Beitrag aus Anlass der Studie. Er begann mit Horrorbildern einer Flut in Pakistan, und die Reporterin Marion von Haaren dichtete dazu an den Haaren herbeigezogene Zusammenhänge zu einem Klimawandel: „Solche Bilder werden wir immer öfter sehen. 2010 litten Millionen Menschen in Pakistan unter den Folgen gewaltiger Überschwemmungen.“ Es ist aber Grundschulwissen, dass die Zunahme der Bevölkerung, dass Not, Gier und der Verlust von Erfahrungswissen Menschen dazu treibt, in klassischen Überschwemmungsgebieten zu siedeln. Wenn es dann mal stärker regnet, kriegen die eben nasse Füße.


Unserer journalistischen Elite geht dieses Grundschulwissen ab, oder es interessiert sie nicht. Für die in Kampagnen und Verkürzungen denkenden Multiplikatoren ist das eben gleich ein Beweis für den Klimawandel. Doch selbst wenn es einen Klimawandel geben sollte und meinetwegen auch noch einen menschgemachten, dann ließe sich das noch lange nicht mit solchen marktschreierischen Bildern und Texten belegen.


Auf dieser Flutwelle der Ignoranz schwimmt nun der Club of Rome mit. Mehr Dürren, mehr Fluten, mehr Insekten und extremes Wetter kündigt er uns an. Hatten wir das nicht schon mal gelesen? Ach ja: in der Bibel. Ideologie bedient sich eben gerne solcher Horrorszenarien egal ob sie religiös oder wissenschaftlich daherkommt. Und wer nicht spurt, kommt in die Hölle. Viele glauben, dass solche Lügengeschichten moralisch erlaubt seien, doch das sind sie nicht, denn irgendwann kommt die Wahrheit an den Tag, und dann stehen kurzfristige Erfolge dem nachhaltigen Verlust an Glaubwürdigkeit gegenüber.


Die Tatsache, dass viele Menschen immer noch den Spukgeschichten der auf den popularitätsmehrenden Kurs eingeschwenkten Wissenschaftler und der Katastrophenlobbies glauben, obwohl es immer noch Erdöl gibt und die neue Eiszeit immer noch nicht ausgebrochen ist, ist schon haarsträubend genug, aber irgendwann wird bei solcher Dreistigkeit auch der Dümmste zum Skeptiker.


Ein bewährter Trick ist, dass man einfach neue Lügen erzählt und so tut, als habe man aus alten Fehlern gelernt. So räumt der Präsident des Wuppertaler Instituts für Klima, Umwelt, Energie, Uwe Schneidewind, also ein direkter Profiteur einer krisengeschwängerten Forschung, ein: „Die Fokussierung auf Rohstoffe war ökonomisch viel zu naiv gedacht.“ Und: „Seit einigen Jahren wissen wir (?) sehr deutlich: Die eigentlichen Begrenzungen sind die Aufnahmefähigkeiten in der Atmosphäre, die Artenvielfalt und andere Faktoren.“


Der schneidig am Wind segelnde Positivist setzt bei seiner Kritik an den Römern sogar noch einen drauf: Die Untersuchung könnte den Wertewechsel von rein ökonomischem zu nachhaltigem Denken unterschätzen: „Die Jugend wird es sich nicht mehr gefallen lassen, dass eine so enge ökonomische Logik wie bislang das Handeln unserer Regierungen weiter bestimmt. Wir werden erstaunt sein, welche Kraft das entfalten kann, ähnlich wie wir überrascht waren von der nordafrikanischen Demokratiebewegung, die keiner vorausgesagt hat.“


Mal ins Deutsche übersetzt heißt das: Das komplexe Gefüge mitteleuropäischen Zusammenlebens wird sich - besonders dank des naiven Engagements der Jugend - bald vollends und doch überraschend dem einseitigen Diktat der Öko-Ideologen beugen, so wie sich Arabien schon jetzt - dank der nordafrikanischen Demokratiebewegung - unter der Knute des Islam beugen muss. Aber recht hat er, so wird’s wohl kommen.


Nun ist ja nicht alles schlecht bei den Club-Römern, und anlässlich der dogmatischen Schneidewind-Energie möchte man sie doch fast in Schutz nehmen. Beispielsweise haben sie in ihre neue Studie, die schließlich auch nur bescheiden bis 2052 Geltung beansprucht und nicht bis 2100 wie die Erststudie, eine soziale Komponente eingearbeitet. Angesichts schwindender Absatzmärkte und größerer Konkurrenz werde es in den klassischen Industriestaaten zu sozialen Spannungen und Verteilungskämpfen kommen.


Das ist in der Tat die eigentliche Grenze des Wachstums, die uns die lediglich subjektiv oppositionelle, tatsächlich aber affirmative Ökobewegung mit ihren CO2-Nebelschwaden im Auftrag der an Macht und Besitzstand Hängenden verschleiern will. Und bevor die soziale Klimakatastrophe kommt, wollen die, die im Staat das Sagen haben, mittels sozialer Kälte möglichst viel Macht und Besitz auf ihre Seite umverteilen. Perfide und genial, wie da das Protestpotential des Volkes auf Nebensächlichkeiten oder Phantasiegefahren umgeleitet wird.


Doch selbst wenn alle Wirtschaftsbosse plötzlich Altruisten würden, stünden wir machtlos der eigentlichen Katastrophe gegenüber: dem gleichermaßen ökologisch und ökonomisch tödlichen Bevölkerungswachstum. Und da wird Konrad Kustos wirklich ärgerlich über den Club of Rome. Entgegen allen bisher geltenden Schätzungen behaupten sie, das Wachstum der Weltbevölkerung werde 2040 bei acht Milliarden einen Höhepunkt erreichen und danach sinken. Der Chef der Abteilung Bevölkerungsschätzung und -prognosen der Vereinten Nationen nannte dies schlicht „kompletten Unsinn“.


Welche Absicht treibt also den Club, so an den Zahlen zu drehen? Ich kann nur mutmaßen, aber es scheint auf der Hand zu liegen, dass sich in der Organisation der Elitedenker hauptsächlich Gutmenschen tummeln. Wohl wissend, dass sich das Bevölkerungswachstum in Asien und Afrika - wenn überhaupt - nur unter Hinzunahme von politischem und wirtschaftlichem Druck der noch am Drücker sitzenden Industriestaaten eindämmen ließe, untertreiben sie hier im Interesse der „armen Unterprivilegierten“ wie sie umgekehrt in derem Interesse an anderen Faktenfronten schamlos übertreiben. So werden nach seriöseren Schätzungen 2050 allein in Afrika und Asien sieben Milliarden Menschen leben - natürlich auch in Überschwemmungsgebieten, mit übernutzten Anbauflächen, mit Autoabgasen und rauchenden Schornsteinen sowie ohne ausreichendes sauberes Trinkwasser. Und diese Leute werden sich auf den Weg nach Europa machen….


Was der Club of Rome da von sich gibt, klingt nett und human, ist aber kontraproduktiv. Menschen produzieren, konsumieren, verbrauchen und erzeugen Abfall. Das belastet die Umwelt. Mehr Menschen erhöhen diesen Zyklus signifikant. Überhaupt gibt es nur zwei Parameter für eine menschgemachte Umweltbelastung: Mehrverbrauch jedes Einzelnen sowie Mehrverbrauch durch mehr Einzelne.


Wir erfahren täglich neue Kampagnen, dass wir unseren individuellen Verbrauch zu mäßigen haben. Wir frieren in umweltschädlichen Elektroautos, huschen durch finstere, umweltschädlich energiespar-beleuchtete Flure, verbrauchen üppig teure und umweltschädliche Windenergie, während parallel die (körperlich und ökonomisch gesehen) ungezügelte Fortpflanzungslust irgendwie unter Menschenrecht oder unveränderlich gebucht wird. Gibt es ein Menschenrecht auf unbegrenzte Vervielfältigung?


Eine Heuschrecke ist ein putziges Tier, viele sind eine Plage. Wir erzeugen eine Menschenplage und versuchen am falschen Ende zu korrigieren. Das ist so, als würde man versuchen, die Heuschrecken auf Diät zu setzen. Dummerweise stellt man nämlich fest, dass Fressen für Heuschrecken ein evolutionärer Zwang ist. Ebenso wird der Mensch als Masse alles konsumieren und verbrauchen, was ihm in die Finger kommt, egal was Gutmenschen ihm anderes erzählen oder welche Öko-Revolutionen uns noch drohen.


Der Club verschweigt also aus „humanen“ Gründen die Brisanz, warum aber verschließen auch alle anderen die Augen, besonders die, die etwas zu sagen haben? Warum gibt es in keinem relevanten Maßstab Warnungen oder Konzepte zur Eindämmung des Bevölkerungswachstums, die über halbgare Entwicklungshilfeprojekte hinausgehen? Weil das ganze System unserer wirtschaftlichen Kooperation auf Wachstum setzt. Noch schlimmer: Weil es anscheinend ohne eine tiefgreifende Regulation gar nicht anders funktionieren kann. Da hat der Club of Rome nun endlich mal mit einer Warnung recht, auch wenn er den Faktor Überbevölkerung sträflich kleinredet. Doch für die Entscheider dieser wahren Welt jenseits des Öko-Zirkus’ ist ungeachtet solcher Widerworte die einfachste oder sogar die einzige vorstellbare Methode, das desaströse Wachstum aufrechtzuerhalten, permanent neue und mehr Verbraucher zu erzeugen - koste es, was es wolle.


In meinem Buch "Chaos mit System" zitiere ich den bekannten Evolutionsbiologen Richard Dawkins („Das egoistische Gen“), der schon in den 60er-Jahren ein (un)schönes warnendes Szenario entworfen hat. Damals betrug die Bevölkerung von Lateinamerika 300 Millionen Menschen. Wüchse sie mit derselben Rate weiter, so rechnete der Wissenschaftler hoch, stünden dort nach 500 Jahren alle Menschen dichtgedrängt nebeneinander, nach 1000 Jahren in einer Million Schichten übereinander und schon nach 2000 Jahren hätte der Menschenberg mit Lichtgeschwindigkeit wachsend den Rand des bekannten Universums erreicht.


Soweit wie in diesem provokanten Gedankenexperiment wird es nicht kommen, denn vorher wird die Erde nur noch ein Schlackenhaufen sein, auf dem sich brutalste Verteilungskämpfe abspielen. Über Klimaerwärmung wird dann kein Mensch mehr reden. Die Clubberer selbst hatten übrigens 1972 von 15 Milliarden zu erwartenden Menschen gesprochen und gewarnt. So kann man sich irren - oder lernen zu verschweigen.



Kommentare:

  1. Ein feiner Kommentar zum damaligen wie heutigen Club of Rome. Allerdings habe ich das mit dem Trend der wieder schrumpfenden Weltbevölkerung schon vor Jahren woanders gelesen; das ist nicht auf Club-Mist gewachsen, und die Quelle, die ich leider gerade nicht aus dem Gedächtnis kramen kann, habe ich als eine Seriöse in Erinnerung. Vielleicht fällt sie mir demnächst noch ein, dann liefere ich sie nach.

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  2. Der Club of Rome hat einen "Futurologischen Kongress" veröffentlicht? Bisher kannte ich nur den von Stanislaw Lem, und mit etwas Googlen habe ich noch eine Band aus den Achzigern unter diesem Namen gefunden. K.K. meint sicher "The Limits to Growth"? Und die Aussagen dieses Reports lesen sich doch etwas anders als oben beschrieben. Da reicht schon (aufgrund des fortgeschrittenen Abends) ein kleiner Abstecher zu Wikipedia (deutsch und englisch). Das Problem ist, dass wissenschaftliche Aussagen wie "unter der Vorraussetzung, dass kein neues Öl mehr gefunden wird und der Verbrauch so weiterwächst wie bisher, werden die Ölvorräte 1990 zu Ende gehen" von Nichtwissenschaftlern gerne zu "1990 geht das Öl aus" verkürzt werden.

    Interessant, dass das australische Forschungsinstitut CSIRO 2008 den Prognosen des Club of Rome im Rückblick eine gute Genauigkeit bestätigt - die Australier sind nicht als Gutmenschen und klimaschonende Weicheier bekannt.

    Bei Polemiken gegen Wissenschaftler sollte man etwas vorsichtiger sein, was deren Aussagen betrifft - sie sind selten in einen Satz zu pressen, ohne an Wahrheitsgehalt zu verlieren.

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  3. Du hast natürlich vollkommen recht, Dingodog. Manchmal greife ich bei meiner Recherche auf Kurzfassungen zurück, die dem Ganzen nicht automatisch gerecht werden. Wollte ich aber anders handeln, müsste ich ein Büro mit 10 Leuten beschäftigen. Nennen wir das Procedere mal Mut zur Lücke, und der Versuch, trotzdem richtige Schlüsse zu ziehen, scheint ja zumindest hier gelungen, sonst hättest Du dazu auch was gesagt. Das mit dem Futurologischen Kongress sollte übrigens ein Wortspiel mit dem Lem-Roman und dem dem CoR-Bericht verausgegangegen futurologischen Kongress sein. Ich wusste nicht, dass Dingos Korinthen kacken...;-)

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