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Samstag, 21. Juli 2012

Neue Freiheit hat Freizeit

Manch einer verliert seine Freiheit in einer Beziehung, aber in China hat kürzlich einer seine Freiheit wegen einer Beziehung verloren. Wegen Rowdytums wurde der Mann verhaftet, weil er vor 28 Jahren seine damals noch nicht gefreite Frau umarmt hatte. Der unerhörte Vorfall war übrigens von den Eltern der Braut angezeigt worden. Solchen Sexismus darf eine sozialistische Gesellschaft natürlich auch nach einem halben Menschenalter nicht ungesühnt lassen Dabei interessierte es die Gerechtigkeitsjäger auch nicht, dass das entsprechende Gesetz seit 1997 abgeschafft ist.

"Wir befolgen nur das Gesetz", sagte der örtliche Polizeidirektor. Eine Freilassung wegen der besonderen Umstände komme nicht infrage. Schließlich, so die im selben Maße freiheitliche Presse, sei der Fall ein erfolgreiches Beispiel in der landesweiten Kampagne, alte Ermittlungsfälle endlich aufzuklären. Wahrscheinlich ist der Mann inzwischen selbst in China wieder frei, doch die Bedrohung der freien Entfaltung ist damit weder beendet noch auf totalitäre Länder beschränkt.

Andere Fälle, diesmal aber weniger institutionalisiert, gab es bei Konrad Kustos’ Freiheit hat Freizeit schon am 20. Mai 2011 zu lesen:

Freiheit ist anerkanntermaßen ein hohes Gut. Getoppt wird es im Ansehen unserer Kultur höchstens noch vom Frieden, wobei den Wenigsten bewusst ist, dass Freiheit immer wieder unfriedlich erkämpft werden muss – gegebenenfalls auch mit härteren Bandagen. Vielleicht wird das bei uns auch deswegen so selten belichtet, weil wir hierzulande seit Jahrzehnten eine seltene Synthese der beiden F-Wörter erleben. Seit Jahrzehnten können wir ohne Kanonendonner ins Bett gehen (falls der Nachbar nicht wieder seine Heimkinoanlage aufgedreht hat) und genießen gleichzeitig unsere Freiheit. Oder etwa doch nicht?

Es gibt viele Varianten der Freiheit. Meinungsfreiheit, Versammlungsfreiheit, individuelle Freiheit, Hamburger Freiheit u.s.w., und während tatsächlich das Individuum immer mehr mehr oder weniger machen kann, was es will, ohne reglementiert zu werden, sieht es bei Verstößen gegen herrschende Ideologien schon ganz anders aus.

In Berlin beispielsweise hatten sich kürzlich rund 100 Ewiggestrige der Nationalen Volksarmee zu einem Treffen in der Kantine des Tierparks getroffen. Ein geeigneter Ort, wie ich finde, denn so erhielt der Ost-Zoo eine pflegeleichte neue Spezies und bekam sogar noch Geld dafür. Zu dem Kostümfest der Ehemaligen war sogar der einstige Verteidigungsminister Kessler erschienen. Man nutzte also das Recht, dessen Verhinderung die Anwesenden einst so vehement verteidigt hatten: Man versammelte sich in Freiheit.

Denkste! Die Geschäftsführung der Berliner Zoos schickte sowohl dem privaten Pächter der Cafeteria als auch dem zuständigen Mitarbeiter eine Abmahnung, denn man hätte, durch sie besser informiert, natürlich die Veranstaltung verhindert. Dass da der Senat seine Finger im Spiel hatte ist angesichts der öffentlichen Aufregung möglich, spielt aber auch gar keine Rolle.

Die Begründung dieser klassischen Institution tierischer Unfreiheit war nämlich für sich bezeichnend: Der Zoo stehe allen offen. Platz für Systemträger von Diktaturen, Verfassungsfeinde und extreme Gruppen gebe es aber auf keinen Fall. Und ich dachte bisher, wir hätten eine Rechtsprechung, der es obliegt, zu entscheiden, wer sich jenseits demokratischer Toleranz bewegt oder nicht. Nun übernahmen das ein paar Affen im Zoo gleich mit. Entsprechende Anweisungen wolle man demnächst verteilen, und bei Missverhalten würden juristische Schritte eingeleitet und Kündigungen ausgesprochen. Damit wurde sicher der krampfenden Truppe von 100 alten Männern ein gewaltiger Schlag versetzt.

Ein anderer Sieg an der Freiheitsfront wird aus England gemeldet. Dort hatte ein baptistischer Straßenprediger gegen alle möglichen Laster (nicht die gleichnamigen Fahrzeuge, was bei einem Straßenprediger ja hätte naheliegen können, oder seine eigenen) gewettert. Statt in den Himmel kam er aber ins Gefängnis, denn eine Passantin provozierte ihn mit einer gezielten Nachfrage dazu, auch Homosexualität als Sünde zu bezeichnen. Und was bei einem Raubüberfall nie vorstellbar wäre geschah: Ein anwesender Polizist konnte das grauenerregende Verbrechen der freien Meinungsäußerung mit einer Festnahme sühnen. Interessant, dass sich der Gesetzes(?)hüter im Anschluss als Verbindungsmann für Homosexuelle bei der örtlichen Polizei entpuppte. Allerhand übrigens, was sich im kleinen Workington schon alles für Institutionen etabliert haben.

Auf der Metaebene kann man zwischen den Zeilen der kurzen Zeitungsmeldung lesen, dass sich jenseits der staatlichen Institutionen auf kleinster Ebene zunehmend totalitäre Netzwerke der Gutmenschen bilden. Bespitzelung, Provokation, Verdammung des Andersdenkenden. Da wollte der kleine Prediger die Sünder verdammen, und die Eiferer von der anderen Seite sind ihm zuvorgekommen. Vielleicht war sein Fehler, dass er nur seine Meinung sagen wollte, während die anderen ihn ins Gefängnis bringen wollten, also dass er für seine Überzeugungen eintrat, während die anderen gegen die Überzeugungen eines anderen vorgingen. Mit fanatischem Eifer verfolgen solche Totalitären der neuen Art ihre zu Recht oder Unrecht bestehende Rechthaberei auf Kosten dessen, wofür sie einzutreten vorgeben: der Freiheit.

Wer glaubt, dass man die Freiheit verteidigt, indem man den - im Rahmen der Gesetze operierenden - Feinden der Freiheit eine solche nicht gewährt, schafft totalitäre Verhältnisse. Nur dass es (noch) nicht staatlich sanktioniert ist, sondern einem ideologischen Manipulationsapparat überlassen wird. Die schärfste Waffe dieser neuen Zensur ist die Political Correctness, hier gerne PoCo genannt. Dabei hatte doch ausgerechnet die Kommunistin Rosa Luxemburg schon vor rund 100 Jahren so schön formuliert „Freiheit ist die Freiheit des Andersdenkenden“ (womit sie aber auch nur die Freiheit anderer Kommunisten meinte). Wirkliche Freiheit bedeutet, öffentlich sagen zu dürfen, was man denkt und fühlt, und das muss über das hinausgehen können, was die Meinungs(macher)mehrheit vorschreibt. Wir sollten in dieser Sache den eingangs erwähnten Frieden aufkündigen.

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