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Samstag, 7. Juli 2012

Neue Kosmetik statt Athletik

Wenn der Spitzenfußball, wie hier vor zwei Wochen beschrieben, zu einer großen Feierveranstaltung mutiert, in der sich alle als eine große Familie fühlen wollen, werden andere Meinungen nicht mehr geduldet. Italiens Stürmer Cassano war so ein Partymuffel, der naiv oder provokativ äußerte, dass er hoffe, dass in seiner Mannschaft AC Mailand keine Schwulen spielten. Dieser Cassano(va) wäre einige Zeit vor der Europameisterschaft beinahe an einem Herzfehler gestorben; vielleicht war es ihm deshalb egal, was weltliche Instanzen über sein Denken denken. Doch am Ende war auch er glatt gebügelt genug, dass es ihm hoch offiziell „unheimlich leid“ tat.

Ohne Anlass lief schon vor der EM ganz homogen die Propagandamaschine der Verbände an. Unter dem Schlagwort „Respect“ wurde dem harmlosen Fernsehzuschauer vorauseilend Respekt eingeprügelt. Immer wieder Werbespots, Banner, Fahnen und Aufdrucke auf den Sponsorentafeln, die den Leuten ihre nicht vorhandene Fremdenfeindlichkeit austreiben sollten. Als wenn es in dieser Gesellschaft nicht andere Probleme gäbe, die viel virulenter sind: Armut, Hunger, Angst um den Arbeitsplatz, Vereinsamung, Verdummung, Gewalt.


Wenn einer so powert, dann liegt der Verdacht nahe, dass es nicht die Sache ist, die es nötig hat, sondern der, der powert. Und es ist mehr als ein Verdacht, dass mit aufgebauschten Problemen sogar der Blick auf die wirklichen Probleme kaschiert werden soll. Natürlich gibt es Idioten, die Bananen aufs Feld werfen oder den Affenruf anstimmen, aber die sind von der Masse völlig isoliert. Ihnen diese mediale Bedeutung zu verleihen, stärkt eher den Anreiz für ihr Tun.


Von diesen politisch-korrekt motivierten Kampagnen profitiert nur der Initiator, und zwar materiell und ideell. Realität wird dabei durch Virtualität ersetzt. Andere böse Beispiele für geistiges und körperliches Unvermögen gab es bei Konrad Kustos’ Kosmetik statt Athletik schon aus Anlass der Frauen-Fußball-WM am 26. Juni 2011 zu lesen:


Celia Okoyino da Mbabi ist Nationalspielerin und zwar, wie der Name schon nahelegt, in einer deutschen Mannschaft. Genauer gesagt ist sie deutsche Fußball-Nationalspielerin, und weil die Weltmeisterschaft in Deutschland bevorsteht, durfte sie die erste Runde im Pokalwettbewerb der Fußball-Männer-Mannschaften auslosen. Das ist eigentlich eine feine Sache, allerdings ist sie das wegen der besonderen Umstände genau nicht. In einer Gesellschaft der politisch korrekten Gleichheit, in der Männer und Frauen, Schwarze und Weiße, Freunde und Feinde, Gute und Schlechte und alle anderen denkbaren und undenkbaren Gegensätze zwar nicht gleich sind, aber gleich sein müssen, wird diese WM nebst ihren Begleiterscheinungen zum Lehrstück für kollektive Gehirnwäsche.


In der Marketinggesellschaft wird außerdem alles vorher „gelabelt“ und gehofft, dass die Versprechungen hinterher schnell vergessen sind. Ein „Sommermärchen reloaded“ wird also von den Offiziellen in Anspielung auf das kollektive Glücksgefühl bei der Männer-WM 2006 verkündet – wohlgemerkt bevor ein einziger Ball gerollt ist, bevor man weiß, wie man die Stadien der Weltstädte Sinsheim, Bochum oder Wolfsburg bei Spielansetzungen von Australien gegen Äquatorial-Guinea vollkriegen will, bevor die Zuschauer so richtig begriffen haben, was Frauen-Fußball eigentlich für ein Gemurkse ist.


Fußball ist nicht von ungefähr die Königin aller Spielsportarten. Athletik, Ästhetik und ja: Kybernetik kommen hier wie nirgends sonst zusammen. Dass Frauen endlich daran teilhaben dürfen, nachdem ihnen dies bis vor nicht allzulanger Zeit als „unweiblich“ verwehrt wurde, ist ein Segen – dass dies (unter anderem) im Öffentlich-rechtlichen Fernsehen zur Schau gestellt wird, eben nicht. Jeder Mann und die meisten Frauen, die selbst Fußball gespielt haben, wissen, dass die unterschiedlichen körperlichen Voraussetzungen die Dynamik des ursprünglich von und für Männer erfundenen Spiels bei Frauen nicht ermöglichen. Der Fußballfan, der sich das mangels Alternativen ansieht, meint zu spüren, dass die Damen mit Bleiwesten unter den Trikots und mit Widerhaken statt Stollen an den Schuhen spielen.


Wenn die (National-)Torhüterin sich nach dem Ball hechtet und, statt den Ball aus dem oberen Eck zu holen bloß in das untere plumpst, wenn die Mittelfeldregisseurin sich um die eigene Achse dreht, um den öffnenden Pass zu spielen, und dabei einen Radius beansprucht wie mein heimischer Rasensprenger, wenn beim Zweikampf die Äquivalentin von Berti Vogts nicht nach dem Ball, sondern nur hoffnungsvoll irgendwo in dessen ungefähre Position tritt, dann sind all das Folgen einer anderen Körperlichkeit. Und es sieht selbst auf höchstem Niveau zumindest für den Männerfußball-Gewohnten in der Regel erbärmlich aus.


Noch erbärmlicher sind aber die Versuche der Medien und der Verantwortlichen, dies zu vertuschen. Das kürzliche Champions-League-Endspiel (natürlich müssen auch die Frauen eine Champions League haben) zwischen Potsdam und Lyon vor 14 000 Zuschauern war ein erbärmliches Getrete, das den Kommentator aber zu immer neuen Lobeshymnen inspirierte. So läuft das eben in einer Gesellschaft der durch Gutmenschen legalisierten Verfälschung der Wirklichkeit. Und fragt man Zuschauer, so kommen so wesentliche Argumente wie „Hier wird wenigstens nicht auf den Rasen gespuckt.“ Ja, wenn die Männer so behäbig rennen würden, brauchten sie auch nicht zu spucken.


Wenn es nichts Gutes über das Spiel zu sagen gibt, holen die Realitätsverdränger eben etwas weiter aus: „Sie sind attraktive junge Frauen, emanzipiert und selbstbewusst, die nie ohne Make-up den Fußball-Platz betreten“, hieß es Pfingsten in der Welt am Sonntag. Und weiteres Erstaunliche: Sie beschäftigten sich auch „mit Politik und Psychologie“ und „sie könnten auf jedem Laufsteg mithalten“. Unbenommen, aber wenn sie berechtigterweise ins Fernsehen wollen, sollten sie sich genau in einer solchen Disziplinen bewerben.


Früher traten Frauen-Spitzenmannschaften noch manchmal gegen 15-jährige Jungs aus unteren Ligen an und wurden mit zweistelligen Niederlagen nach Hause geschickt. Heute unterbindet das Vermarktungsinteresse oder der weibliche Stolz solche unfairen Vergleiche. Das ist auch nur konsequent in einer virtuellen Gesellschaft, wo nicht die Leistung zählt, sondern der verkündete Anspruch an deren Stelle tritt.


Dennoch wird die Frauen-WM auch ein Erfolg werden, und das hat zwei Gründe: Deutschland ist Favorit und Deutschland ist ein Feierland. Wenn also die Event-Fußballfans beiderlei Geschlechts, die seit Jahren immer mehr auch die (Männer-)Stadien füllen und Abseits für eine Biermarke halten, hoffen können, dass es deutsche Siege gibt, werden sie zur Stelle sein. Dann können sie wieder komisch angemalt singend und besoffen durch die Straßen rennen, deutsche Fahnen schwenken und vor Glück weinend in die zahlreichen Mikrofone stammeln. Und damit auch gar nichts schiefgeht, haben die Offiziellen die Veranstaltung in eine Jahreszeit gelegt, in der nirgends ein Mann in Ballnähe gesehen wird. „Konkurrenz verklebt das Geschäft“, mag man sich gedacht haben.


„Ich hoffe auf ein Volksfest“, räumt dann auch das weibliche Beckenbauer-Plagiat Steffi Jones ein, „vielleicht steht ja mehr noch als der reine Fußball der Partycharakter im Vordergrund.“ Recht hat sie. Dort, wo es noch mehr um Fußball geht – in Italien und Holland beispielsweise – spielt dessen Frauen-Variante übrigens keine große Rolle. 5:0 haben unsere Mädels die beiden Nachbarn jeweils abgeledert. Wer sich darüber freuen kann, der möge es tun.

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