Kustos kommentiert nicht mehr -
Der Blog schweigt wegen "antifaschistischer" Angriffe.

Samstag, 15. September 2012

Euro-Gericht richtet es nicht

Eine neue Studie hat ergeben, dass man ganz Berlin für 239 Milliarden Euro kaufen kann. Damit sind natürlich die Immobilien gemeint, die Politiker kosten extra. Fast dieselbe Summe, nämlich 190 Milliarden Euro, ist jetzt mit Billigung des Bundesverfassungsgerichts durch EU-Gremien von deutschen Staatskonten abbuchbar, ohne dass Deutschland dazu gefragt werden muss. Das sollte uns natürlich nicht weiter irritieren, denn wenn von Deutschland mehr Geld gefordert wird, und das wird es werden, dann sind in bekannter Praxis weitere Zahlungen schnell auf den Weg gebracht. Dieses Deutschland handelt nicht so, wie es die Deutschen wollen, sondern wie es seine demokratisch gewählten Politiker in Opposition dazu wollen. Die Schere zwischen dem Volkswillen und dem Volksvertreterwillen wird immer größer, die Demokratie schafft sich ab.

  Und während die Einparteienregierung mit ihren vielen bunten Unterabteilungen sowieso mit einer Stimme spricht, setzte Gregor Gysi, der sich und seine Linke hier als Opposition hätte profilieren können und müssen, in nicht zu überbietendem Zynismus am Mittwoch noch einen drauf: Das Bundesverfassungsgericht habe mit seiner Entscheidung die Rechte des Parlaments gestärkt. Na, bei einer Einparteienregierung fühlt sich der kleine Blender doch gleich wieder zuhause. Doch seine Aussage unterschlägt, dass schon vor dem Richterspruch der einzige funktionale Unterschied zwischen Regierung und Parlament die Zahl der darin sitzenden Halsabschneider war.

In einem ausführlichen Kommentar hat in dieser Woche ein Anonymus Konrad Kustos vorgeworfen, nicht über diese fatale Europolitik zu schreiben. Das stimmt nicht ganz denn hier, hier, hier , hier und hier ist eigentlich schon alles Wesentliche gesagt worden. Richtig ist allerdings, dass in diesem Blog das Thema in letzter Zeit gemieden wurde. Ich gestehe, dass ich die Dinge, die da vor unser aller Augen ablaufen, als so niederschmetternd empfinde, dass ich einfach nicht mehr darüber nachdenken wollte.

Nur gut also, dass unser Anonymus seinen eigenen Kommentar verfasst hat, den ich den Lesern dieses Blogs nun als Gastbeitrag nahebringe, auch wenn nicht alles Gesagte mit Konrad Kustos’ Positionen übereinstimmen mag. Von mir aus kann dieses Beispiel auch Schule machen - also her mit den klugen Texten.

Werter Herr Kustos,

Sie haben ein so kluges und weises Buch geschrieben, dass Ihnen meine aufrichtigste Bewunderung sicher ist. Nur eines vermisse ich ein wenig: Gedanken zum Geldsystem, was gewiss ein weites Feld ist. Benennen wir die Problematik ganz kurz: Ein ungedecktes Geldsystem mit durch Notenbanken vorgegebenen zwangssozialistischen Zinsen! Ein wunderbares Werkzeug der Macht mit allen dadurch entstehenden Verzerrungen und Verwerfungen.

Nehmen wir als Beispiel die Aktionen der EZB (unbegrenzter Ankauf von Staatsanleihen etc.). Das ist, um einen Song-Titel von ACDC zu zitieren, mittelfristig der „Highway to Hell". Evolutionsbiologisch ist der Mensch aber auf einen kurzen Zeitraum von rund zwei Wochen gepolt. Das kann er überschauen, und damit ist er nicht einmal schlecht gefahren. Dieser Umstand wird aber leider auch bei der Taktik des Establishments und der Systemlinge eingeplant. Jedes kleine Wegnehmen von Freiheit, jede weitere Zwangsmaßnahme wird kurz angetestet. Und wenn sich keiner wehrt, dann wird es halt gemacht. Und das währt in aller Regel ein wenig mehr als zwei Wochen. Der EZB-Gruppenchef, Jean-Claude Juncker, hat sich übrigens entsprechend geäußert.

Dazu ein kleines Beispiel: In Italien sollen nächstes Jahr nur noch Bargeld-Zahlungen bis 50 Euro erlaubt werden. Was für ein absurd lächerlicher Betrag! Verkauft wird das den Schafen mit dem Argument, man wolle die Geldwäsche bekämpfen: Mäh, mäh...Man will nichts anderes als die Freiheit bekämpfen und die totale Kontrolle einführen. Und die sogenannten Gutmenschen und Allparteiensamtpfotensozialisten schreien dazu wie üblich "Hurra"!

Ich empfehle dringend die Lektüre von Stefan Zweig: „Erinnerungen eines Europäers". Abgesehen von einem großartigen Lektüre-Genuss kann man die anschaulichen Beschreibungen eines Zeitzeugen mitverfolgen, der Europa schon einmal in den Abgrund taumeln sah (und dieses Mal wird es nicht nur Europa sein). Wir gehen teuflischen Zeiten entgegen. Und wie immer ist der Staat der schlimmste aller Teufel. Ich weiß, dass diese Erkenntnis besonders Deutsche schmerzt, denen Ordnung weit über Freiheit und Gerechtigkeit geht, was absurd ist angesichts des Elends, dass Staaten und politische Systeme in Deutschland angerichtet haben.

Was derzeit passiert, mag in unserer Mikro-Perspektive langsam erscheinen. Menschheitsgeschichtlich betrachtet rasen wir aber in Turbo-Geschwindigkeit auf einen Abgrund ungeheuren Ausmaßes zu. Das derzeitige Geldsystem ist ein treuer Wegbegleiter und Vorbereiter dieses kommenden Elends.

Selbst die Schweiz, eine ehemalige Insel der Freiheit, wird nach allen Regeln der Kunst geschleift und zu einem international willfährigen Vasallen gemacht. Und die nichtsahnenden Bürger schreien wieder: Mäh! Endlich gehe es an die Gelder der Diktatoren, Verbrecher und Steuersünder ran. Haben diese Leute eine Ahnung davon, wieviele dieser Gelder in Delaware (USA, besonders Drogengelder), GB, Singapur und anderen Plätzen liegen...? Ich weiß, wovon ich rede. Die Schweiz muss in Wirklichkeit geschleift werden, weil die Volksdemokratie dort gewissen Figuren ein Dorn im Auge ist. Wo kämen wir auch hin, wenn das Volk zu entscheiden hätte...

Ich bin mittlerweile der Ansicht, dass wir in nur zwei bis fünf Jahren unsere Heimat- und Aufenthaltsländer nicht mehr wiedererkennen werden. Der Abgrund der Unfreiheit tut sich gähnend auf. Die dünne Schicht der Kultur, die uns von der Barbarei trennt, ist hauchdünn. Wehe, wenn sie reißt. Manchmal reichen zwei fehlende warme Mahlzeiten, um Menschen zu Tieren zu machen; wobei wir den Tieren mit diesem Vergleich immer wieder Unrecht antun. Ich hoffe sehr, ich täusche mich, aber ich sehe dafür moralisch und makroökonomisch wenig Anhaltspunkte.

1 Kommentar:

  1. Dem Anonymus kann man auch als relativer Gutmensch nur zustimmen - abgesehen davon, dass mich zur Zeit beschnittene oder nicht beschnittene Paralympioniken nicht so sehr interessieren, trifft er den Nagel auf den Kopf, was das heimliche Schleifen der Freiheit und der Ersparnisse der Bürger angeht. Die Nachricht mit der 50-Euro-Bargeldgrenze in Italien ist zwar falsch (der Termin ist jetzt auf 2014 verschoben und höhenmäßig auch nicht festgelegt), aber mir war durchaus entgangen, dass dort schon seit Ende 2011 eine 1000-Euro-Grenze gibt. Wobei die Italiener sich auch ganz bestimmt daran halten...

    Die Euro-Krise ist vielleicht zu komplex, um sie in einem Blog, der nicht speziell Wirtschaftsthemen gewidmet ist, einigermaßen vollständig zu behandeln, geschweige denn in einem Kommentar. Sie betrifft uns aber alle so sehr, dass dies doch nötig ist.

    Als Ansätze möchte ich deshalb ein paar Schlagworte bzw. Beobachtungen in den Raum stellen. Erstens die "financial repression", die Kombination von niedrigen Sparerträgen und hoher Inflation, die die Schulden der Staaten auf Kosten der Ersparnisse der Bürger abbaut. Was das für künftige Rentnergenerationen bedeutet, sollte jedem klar sein. Die Methode ist bewährt - nach dem Zweiten Weltkrieg wurden so die Schulden abgebaut.

    Dann die Ablösung des Bargelds, die die Bürger überwachbarer macht und es vereinfacht, "spezielle finanzielle Maßnahmen" durchzuführen. Aber actio = reactio, das zeigt der Blick auf den Bitcoin- und Goldkurs. Gerade letzterer in Kombination mit den halbversteckten Goldimporten Chinas und der zukünftigen Währungspolitik dieses Landes ist auch einiger Gedanken wert.

    Und als letzter Punkt der zugegeben kryptischen Aufreihung der Hinweis, dass Austritte aus dem Euro vielleicht nicht in Form mancher EU-Staaten kommen werden, sondern, rechtlich einfacher, weil nie eingetreten, in Form von Bundesstaaten oder Provinzen. Man höre nur nach Katalonien mit 1,5 Millionen Demonstranten, oder lausche dem Grummeln der Südtiroler, oder wundere sich über ein Buch eines altgedienten CSU-Kämpen, Wilfried Scharnagel, mit dem Titel "Bayern kann es auch allein".

    Alles Ansätze für Diskussionen, die in den meisten offiziellen Medien so nicht stattfinden. Natürlich auch Ansätze für Verschwörungstheorien, aber auch das 20. Jahrhundert hat oft genug gezeigt, dass völlig irrwitzige Ideen und Pläne nur zu real werden können. Man versetze sich nur mal ins Jahr 1912 und versuche, einem Einheimischen dieses Jahres das 20. Jahrhundert zu erklären. Der hätte einen auch für völlig irre gehalten, oder?

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