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Samstag, 22. September 2012

Klimakomp(s)ensation

Internet ist schuld
In Berlin werden jetzt an einigen Bushaltestellen die Bänke beheizt. Das ist dann ein echter Hot Spot, denn hier gibt es auch noch einen Internetanschluss für alle dazu. Wenn aber Bänke im Winter den Leuten im Freien den Hintern heizen, müsste man aus Umweltgesichtspunkten den Verantwortlichen Feuer unter demselben machen. Doch statt dass hier ein Sturm der Entrüstung losbricht, muss sich pauschal das arme Internet als Umweltschänder brandmarken lassen. Jede Google-Suche verbrauche soviel Strom wie eine Stunde Energiesparlampe, sagen aufgeregt manche CO2-Strategen, andere sprechen von 66 Google-Suchen für solch ein erleuchtendes Ereignis. Warum aber muss sich die Propaganda der Klimaretter ausgerechnet gegen das Suchen von Information mittels weltumspannender Datennetze wenden? Immerhin liegt in diesen Netzwerken eine der wenigen Chancen, dem unbeherrschbar werdenden Informationswachstum beizukommen.

So kontraproduktiv ist das eben, wenn ideologische Rechner errechnen, wie Rechner zu rechnen haben. Unbestritten ist, dass Computernetzwerke Energie verbrauchen, so wie alles seit der Erfindung der Zivilisation. Und ebenso unbestritten ist, dass der Umwelt geringerer Verbrauch gut täte - nicht nur der von Strom. Doch in diesem speziellen Fall könnte man beinahe von einem Fluss destruktiver Energien ausgehen.

Schließlich ist offensichtlich, dass vermehrtes Wissen die stärkste Kraft ist, um das Sparen von Energie zu ermöglichen. Ganz profan gesagt: Wenn ich im Internet herausfinde, wo ich ein gesuchtes Produkt kaufen kann, muss ich nicht wie ein Irrer durch die Gegend fahren und danach suchen. Jede Vereinfachung meiner Lebensorganisation, die mir durch Informationen ermöglicht wird (Gesundheit, Wegstrecken, Bildung, Konsum, Verwaltung etc.), spart Energie. Das gilt natürlich genauso für Metaorganismen wie Konzerne, Staaten oder eben das Internet.

Leider wird das Internet, so wie jedes andere mehr oder weniger nützliche Spielzeug, das sich der Mensch zugelegt hat, massenhaft für Mist benutzt, aber dies zu verändern, sollte nicht in den Händen von Politikern oder Öko-Experten liegen, solange wir noch den Anspruch auf eine freie Gesellschaft aufrechterhalten können. Betrachten wir Facebook und Ego-Shooter also eher als die Späne, die beim Hobeln eben anfallen.

Die Umwelt- und Klimapolitik und die ihr vorauseilenden Eiferer schauen aber nur auf Zahlen und auf Themen, die sich gut verkaufen lassen. In ihrem heroischen Kampf gegen das „klimaschädliche Kohlendioxid“ (gäbe es also noch ein anderes, ein klimafreundliches Kohlendioxid?)“unterscheiden sie dann auch nicht groß, ob in (sinnvolles) Energiesparen oder in den Verbrauch von (problematischen) „regenerativen“ Energien investiert wird. Hauptbetroffene sind jedenfalls die kleinen Leute, auf die dann moralischer und ökonomischer Druck ausgeübt wird, auf eine E-Mail zu verzichten, ohne Auto ins CO2-freie Stadion zu kommen, teuren Solarstrom zu verbrauchen oder beim Billigflug in den Urlaub nach Malle Flugablass-Scheine zu kaufen (Die Organisation Atmosfair, bei der unter anderem die Bundesregierung ihre Dienstreisen klimatisch neutralisiert, liefert beispielsweise klimaneutralisierende Solarenergie an 18 indische Großküchen).

Letzteres klingt gut, ist es vielleicht auch. Aber wer weiß schon, wer da alles sein Süppchen kocht. Zum Beispiel wird als Energielieferant verbrauchte Kohle gerne mit Aufforstungen „kompensiert“, doch Kohle ist ein unersetzbares Jahrmillionenerbe, während kein Mensch weiß, wie lange die neuen Bäumchen in Uganda stehen bleiben dürfen. Wer Details zur Problematik lesen will, kann mal ins Greenpeace Magazin schauen. Kompensation ist ein gefährliches Wort, wenn es suggeriert, dass unser übersteigerter Energieverbrauch überhaupt kompensierbar ist.

Apropos ablass-korrekter Urlaub: Der Teilzeitmusiker Farin Urlaub ist umweltfreundlich, bis die Ärzte kommen. Er macht kein Licht an, „wenn es nicht notwendig ist“, und benutzt keine Klimaanlage (und spart sich auf seiner Homepage trotz Abitur bei „Rhythmus-Gitarre“ sogar das zweite H, schüttel…). Die Tatsache, dass Trinkwasser für die Toilettenspülung benutzt wird, macht dieses Vorbild für die Massen „fürchterlich wütend“. Wahrscheinlich weiß der Aushilfsarzt nicht, dass die Wasserwerke die Kanalisation mit Trinkwasser spülen müssen, um sie vor der Verschlammung zu bewahren, weil Leute wie Urlaub auf dem Klo das Klima retten wollen. Da ist also auch bei den Ärzten Tote Hose angesagt.

Die heiße Luft, die um das Klima und das Klimawandel-Mantra gemacht wird, trägt mehr zur Erwärmung bei als das ganze CO2. Vielleicht sollte Herr Urlaub nicht nur nicht mehr in Urlaub fahren, sondern besser keine Zwiebeln mehr essen? Und kauft er bald Ablassscheine für seine Blähungen? Überhaupt Ablasshandel: War da nicht schon mal was mit einer weltumspannenden Ideologiebewegung, die sich über seelenrettende Schuldverschreibungen finanzierte? Damals folgte die Reformation, wann kommt die Klima-Reformation?

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