Kustos kommentiert nicht mehr -
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Samstag, 1. September 2012

Schneidloses Beschneiden

„Die spinnen, die Römer“, meinte einst ein bekannter Hinkelsteinträger. Doch das ist ein Vorurteil, lieber Obelix. Immerhin verbot der römische Kaiser Hadrian 132 n. Chr. die Beschneidung kleiner Jungen. Das beweist mehr Vernunft und Zivilisiertheit, als es offenbar in der Gesellschaft des Niedergangs erwartet werden kann. Zwar hatten sich ein paar unserer (sonst gerne PoCo-liberal richtenden) Juristen zuletzt aufgemacht, der jahrzehntelang tolerierten Barbarei einiger ewig gestriger Religionsgemeinschaften den Garaus zu machen, doch sie hatten die Rechnung nicht mit deutscher Toleranz und deutscher Büßerethik gemacht. Es ist also anscheinend an der Un-Zeit, unser Rechtsverständnis dem Unrecht anzupassen - planen wir doch schonmal die Beschneidung kleiner Mädchen oder die Legalisierung des Ehrenmords.

  Bei den Mädchen müssten wir uns aber im Zuge der politisch korrekten Unterwerfung unter archaische Unrechtssitten noch überlegen, ob nur die Schamlippen oder auch der Kitzler abgeschnitten werden sollen oder ob man die Vagina sicherheitshalber gleich zunäht, wie es afrikanische Bräuche fordern, die wir natürlich keineswegs verletzen wollen. Schließlich dürfen wir uns auf keinen Fall dem Urteil aussetzen, intolerant, rassistisch oder minderheitenfeindlich zu sein. Dann lieber zulassen, dass jungen wehrlosen Menschen von in diesem Falle orthodoxen Juden und Moslems Gewalt angetan wird.

Der Leser dieses Blogs wird erstaunt feststellen, dass Konrad Kustos diesmal erst gar nicht versucht, das kybernetische Einerseits-Andererseits eines Problemfeldes zu beschreiben, wie es sonst seine Art ist. Manchmal gibt es eben nur ein „Einerseits“; nur merkwürdig, dass die Lenker unseres Staates und unserer Moral dennoch das „Andererseits“ für sich entdeckt haben. Zuerst hatte das Landgericht Köln im Mai die Zirkumzision, also die Beschneidung des männlichen Sexualorgans, als Körperverletzung eingestuft, welche durch eine religiöse Motivation und den Wunsch der Eltern nicht gerechtfertigt werde und die nicht zum Wohle des Kindes sei. Schlimm genug, dass wir alle dem Treiben solange tatenlos zugesehen haben, doch im Juli forderte daraufhin der deutsche Bundestag mit den Stimmen von CDU, SPD und FDP die Bundesregierung auf, im Herbst 2012 „einen Gesetzentwurf vorzulegen, der sicherstellt, dass eine medizinisch fachgerechte Beschneidung von Jungen ohne unnötige Schmerzen grundsätzlich zulässig ist“.

Um diese unrechtmäßige Beschneidung der Justiz durch die Politik moralisch zu untermauern wurde am 23. August noch eine Sitzung des Deutschen Ethikrates nachgeschoben. Fazit: Eine Beschneidung geht in Ordnung, wenn sie nur sauber und möglichst schmerzfrei geschehe. Ein Kirchenrechtsexperte, der dem Justizministerium den künftigen Gesetzestext wohl auch formulieren wird, sagt schon jetzt: "Die Waage kippt in diesem Fall durch die hohe Bedeutung der Religionsfreiheit, die besonderen Schutz genießt.“ Eine Religionskrähe kratzt der andern eben kein Auge aus. Wir können also sicher sein, dass wir spätestens zum Fest der Beschneidung des Herrn am 1. Januar gesetzlich verankert haben, dass man Menschen verstümmeln kann, wenn es nur im religiösen Interesse (fremder Kulturen) liegt.

Zur Einstimmung in die Problematik gibt es unter diesem Link ein paar Bilder für harte Nerven, nach denen jeder geistig gesunde Mensch begriffen hat, dass es in diesem Fall keine Waage gibt, die sich irgendwohin neigen kann. Seit langem ist in Deutschland die körperliche Züchtigung in der Erziehung verboten, d.h. auch die kleine Schelle, die den Reifeprozess des Nachwuchses anstoßen könnte, sollte dieser einmal dauerhaft gegen elementare Spielregeln verstoßen. Stattdessen soll die Beschneidung legalisiert werden, die für die jungen Menschen unvergleichlich weitergehende und längerfristige körperliche und psychische Folgen hat.

Die Eichel verliert beispielsweise durch ständigen Kontakt mit der Luft sowie dem Reiben an der Kleidung an Empfindlichkeit. Schon vorher aber werden durch den Eingriff zahlreiche Nervenenden zerstört. In einer Studie klagten 55% der befragten Beschnittenen eine Unempfindlichkeit der Eichel, 38 % sprachen von übermäßig notwendiger Stimulation für einen Samenerguss. Weitere Klagen waren auffällige Narben und Schmerzen bei der Erektion.

Die Operation hat ein hohes Komplikationsrisiko, das zwischen 2 und 10% geschätzt wird. Auch Todesfälle insbesondere nach der Beschneidung von Neugeborenen, bei denen schon geringer Blutverlust Lebensgefahr bedeutet, hat es gegeben. Einer US-amerikanischen Untersuchung zufolge sterben in den USA jährlich schätzungsweise rund 117 neugeborene Jungen an den Folgen von Beschneidungen, das sind erhebliche 1,3 % aller Todesfälle in dieser Gruppe.

Durch die Beschneidung kann es zu Harnverhaltung mit akutem Nierenversagen kommen oder zu einer Entzündung der Nierenkörperchen. Fehlbildungen sind möglich, etwa ein Schrumpfpenis. Und sollten sich einige Frauen freuen, dass sie ausnahmsweise mal nicht betroffen sind: Nach einer Studie kommen auf sie beim Verkehr mit Beschnittenen Orgasmusprobleme, vaginale Beschwerden und die Behinderung des natürlichen Gleitmechanismus zu.

Und auch die Psyche des Jungen leidet nach Ansicht von Psychologen. Die Beschneidung berge das Risiko, dass das Kind bewusste und/oder unbewusste psychische Traumata erleide. Schmerzen, Stress sowie erlebter Kontrollverlust können sich negativ auf seine psychische Entwicklung auswirken. Es bestehe die Gefahr posttraumatischer Belastungsstörung.

Eine solche Operation ist eben kein Ohrlochstechen. Laut den Leitlinien der Deutschen Gesellschaft für Kinderchirurgie zur Behebung einer Vorhautverengung ist eine Vollnarkose erforderlich. Spätestens wenn man weiß, dass manche Eltern sogar aus „ästhetischen“ Gründen solche Gräueltaten verüben lassen, sollte man das gesetzliche Verbot fordern.

Ganz anders sieht das die Weltgesundheitsorganisation WHO, die flächendeckende Beschneidungen als eine Maßnahme gegen Aids in Afrika fordert. Dabei wird ein solcher Nutzen bisher nur vermutet, viele Fachleute sehen das Risiko einer Operation unter hygienisch unzureichenden Bedingungen als höher an. Angesichts der Kosten sprechen die Kritiker von „verschwenderischem Wahnsinn“. Vielleicht wäre doch gleich die Kastration das Mittel der Wahl für die weltfremden Wirtschaftler, denn das verringerte das Ansteckungsrisiko drastisch.

Das neue Multikultigesetz ignoriert, dass sich Deutschland 1990 nach der UN-Kinderrechtskonvention verpflichtete, „alle wirksamen und geeigneten Maßnahmen zu treffen, um überlieferte Bräuche, die für die Gesundheit der Kinder schädlich sind“, abzuschaffen. Es ignoriert auch das deutsche Grundrecht auf körperliche Unversehrtheit inklusive der Misshandlung von Schutzbefohlenen. Stattdessen werden mit der Beschneidung demnächst auch legal Menschenrechte beschnitten. Sie und damit auch wir legalisieren die Quälerei unschuldiger, hilfloser, ausgelieferter Menschen mit religiöser Rechtfertigung und nennen das zynisch Religionsfreiheit.

Dieses Verhalten unserer gewählten Führer hat natürlich einen Grund. Man weicht vor dem Unrecht zurück, um sozialen und politischen Konflikten auszuweichen. Aus normalen Halsabschneidern werden dadurch Schwanzabscheider. Außerordentlich heftig hatten nämlich türkische und israelische Politiker, die anscheinend nichts Wichtigeres zu tun haben, auf die Kölner Rechtsprechung reagiert. So schrieb der sogar noch als Reformer geltende türkische Europaminister Egemen Bagis bestens platziert in der Süddeutschen: „Die Türkei beobachtet mit Verwunderung, dass die ungestörte Religionsausübung in Deutschland nicht mehr vorbehaltlos gewährleistet ist. Dass ein deutsches Gericht die Beschneidung als Körperverletzung erklärt und die Beschneidung als Straftat ansieht, muss als offener Angriff auf die Religionsfreiheit der muslimischen und jüdischen Gemeinden gewertet werden.“ Was für ein bezeichnender Schulterschluss der Erzfeinde. Im Zweifel treten sie gemeinsam gegen die Zivilisation an.

Der israelische Innenminister Eli Jischai hat die Bundeskanzlerin inzwischen aufgefordert, sich für das Recht auf Beschneidungen einzusetzen und am Ende unverhohlen mit Konsequenzen gedroht. „Als stellvertretender Ministerpräsident, Innenminister und Vorsitzender der größten religiösen Partei, aber vor allem als Jude wende ich mich an Sie mit der Bitte, dies zu beenden“. Juden in Deutschland dürften nicht gezwungen werden, sich zwischen der Einhaltung nationaler oder göttlicher Gesetze entscheiden zu müssen. Unverhohlen wird damit gefordert, dass in einem deutschen Rechtsstaat göttliche Gesetze gelten, obwohl hier seit mindestens 1919 eine Trennung von Kirche und Staat praktiziert wird.

Das stört auch den türkischstämmigen Medizinethiker Ilhan Ilkilic, seines Zeichens Mitglied der Deutschen Ethikkommission, nicht daran, dreist zu behaupten, der Ethikrat hätte deshalb für die Beschneidung votieren müssen, weil „es keine angemessene Situation sei, wenn in Deutschland aufgewachsene Muslime sich durch das Kölner Urteil kriminalisiert fühlen müssten“. Er betonte zynisch, dass das Menschenrecht da klare Grenzen setze.

Ohne Schneid beim Beschneiden wird sich mit solcher Menschenrechtsauffassung nun unser Staat wohl mit breiter Unterstützung durch seine Volksvertreter anschließen. Der soziale Frieden, der auf Kosten Wehrloser erreicht werden soll, wird aber ein scheinbarer sein. Nicht umsonst hatte schon Freud postuliert, dass zu seiner Zeit die Juden unter anderen deshalb gehasst würden, weil die Beschneidung in der Psyche der Menschen mit der Kastration gleichgesetzt werde. Ein Unrecht duldender Frieden kann nicht von Bestand sein.

Dennoch setzen kurzsichtige Politiker auf die Quälerei mit religiöser Rechtfertigung, um es menschenfreundlich auch den Unmenschen Recht zu machen und ihnen das genehme Recht zu machen. Nur gut, dass so wenige Indianer in Deutschland leben. Sonst käme auch noch das Skalpieren auf die To-Do-Liste des deutschen Rechtsstaats.

Das Verhalten von Bundestag und „Ethik“rat weist dabei weit über die Verletzung und Verstümmelung wehrloser Kinder hinaus. Es gibt archaischen religiösen Vorstellungen Macht über einen fortschrittlichen Rechtsstaat. Das wird beispielsweise Folgen haben für die Zwangsverschleierung und Entrechtung von Frauen, die Integrationsbereitschaft allgemein und die Akzeptanz von Ehrenmorden. Wenn denn die Religionsfreiheit über mühsam erkämpfte Rechtsposition triumphieren kann, können wir doch gleich auch die Hexenverbrennungen wieder einführen. Oder doch wenigstens die Kreuzzüge….

Kommentare:

  1. Also um so verwunderlicher ist es, dass männliche Vertreter israelitischer und arabischer Stämme tausende Jahre überlebt haben. Der deutsche Hypochonder - er lebe hoch.

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  2. Hallo PeWi,
    manchmal lohnt dann doch ein erklärender Satz. Ich verstehe Deinen Kommentar nämlich nicht. Meinst Du also, wenn Du von Hypochondern redest, dem Wortsinn nach dass wir uns Beschneidungen nur einbilden? Und denkst Du, männliche Vertreter der genannten Stämme könnten (mit oder ohne Beschneidung)aussterben und dennoch die Frauen (mit künstlicher Befruchtung?) überleben? Oder meinst Du schlicht, dass das mit der Beschneidung alles nicht so schlimm ist? Dann hast Du mich nicht verstanden, dass es hier wie so oft ums Prinzip geht. Bibelsprüche dürfen keine Rechtfertigung für Gewalt an Unschuldigen sein; alles andere empfinde ich als zynisch.

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  3. Anmerkung:

    Für (beschneidungsfreudige) Gläubige wurde doch der menschliche Körper von Gott gemacht. Kurz nach der Geburt wird dieser Körper gleich verändert, durch die Beschneidung. War das Werk ihres Gottes nicht gut genug? Darüber sollten die Beschneidungsfans , nicht nur die, einmal Nachdenken. Wo steht das Gott die Beschneidung gewollt hat?

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  4. Wikipedia weiß Rat; der Quatsch steht tatsächlich in der Bibel, und es geht um die Besiegelung eines Bundes von Gott und Menschen: "Exponiert wird der Bund aber erstmals im Zusammenhang mit Verheißung und Erwählung der Stammväter genannt (Abrahamsbund oder Väterbund). Gott schloss mit Abraham einen Bund. Als Zeichen des Bundes wurde die Beschneidung alles Männlichen eingesetzt. (Gen 15; 17) Er wird in der Tradition zum bedeutendsten Bundesschluss, da mit ihm die besondere Erwählung des Volkes Israel begründet wird. Darin wird auch laut Bibel Israels Bedeutung für das Heil der anderen Völker begründet."

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