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Dienstag, 2. Oktober 2012

Beobachtungen 11

Das Ampelmännchen gilt als Symbol für forsches Voranschreiten, jedenfalls das männliche, das grüne Exemplar. Dennoch kann eine Verkehrsampel ein prima Exempel für Immobilität sein. Oder auch für Paradoxien im Leben, etwa wenn Radfahrer mit derselben Verlässlichkeit über rote Ampeln sausen, wie es regnet, wenn man den Regenschirm vergessen hat - aber das nur nebenbei. Hier geht es um ein Erlebnis an der Kreuzung der Friedrichstraße mit der Mittelstraße in Berlin-Mitte, wo derzeit Studien zu treiben sind, wie Menschen ihre kostbare Individualität der Unterordnung unterordnen. Man lernt daraus, dass die Wahrheit auch im Bezirk Mitte nicht in den Extremen von Richtig und Falsch, sondern irgendwo in der Mitte liegt.

  Konrad Kustos mag Regeln, besonders jene, die nicht in Gesetzbüchern stehen, sondern die sich aufgrund ihrer Funktionalität im Alltag durchgesetzt haben. Sie helfen das Zusammenleben einfacher zu machen; je mehr sich daran halten umso einfacher wird es. Weil aber diese Regeln nicht zu jeder Situation passen, ist immer ein Anpassungsprozess mit der Realität erforderlich. Wenn man beispielsweise normalerweise bekleidet durch die Gegend läuft, heißt das nicht, dass am FKK-Strand nicht das Gegenteil eine gute Idee sein könnte.

An besagter Berliner Kreuzung nun wird heftig gebaut. So heftig, dass dort so gut wie keine Autos mehr entlangfahren können oder wollen. Sicherheitshalber wurde dennoch eine Ampel aufgestellt, die verlässlich von Rot auf Grün und zurück schaltet. Und das mit Folgen: Wie die Pawlowschen Hunde stehen nun bei Rot die Fußgängermassen an den Rändern der so autoleeren wie schmalen Straße und warten darauf, dass das Ampelmännchen den Weg frei gibt. Erst dann setzt sich die Menschenmenge - Junge und Alte, Touristen und Einheimische, Eilige und Flaneure - wie eine Herde Lemminge in Bewegung.

Kann es ein schöneres Beispiel dafür geben, dass der menschliche Verstand und menschliche Regeln etwas miteinander zu tun haben? Dass Regeln nicht Funktionalität garantieren, sondern immer wieder in aller gebotenen Vorsicht überprüft werden müssen? Dass jede Situation eigene Regeln erfordern kann, notfalls sogar ganz neue? Hätten die Rotgläubigen ihren eigenen Kopf und ihre eigenen Augen benutzt, hätten sie sich vergewissern können, dass kein Auto die Straßenquerung stören könnte. Es hätte bei der anschließenden Grünphase kein Stoßen und Drängeln gegeben, und der schmale Bürgersteig hätte plötzlich für alle ausgereicht.

Die Kreuzung bietet ein Lehrstück des Zusammenspiels von Kollektivität und Individualität. So sehr diese Gesellschaft unter überbordender Individualität leidet, so wenig kann das im Umkehrschluss heißen, grundsätzlich darauf verzichten zu müssen. Wer, wenn nicht der verantwortungsbewusst denkende und handelnde Mensch sollte dafür sorgen können, dass Regeln immer wieder auf ihre Alltagstauglichkeit überprüft werden. Wüssten wir in dieser komplexen Welt wirklich immer Regeln für richtiges und falsches Handeln, sollte man sie mit aller Macht durchsetzen. Wir wissen es aber nicht.

1 Kommentar:

  1. Die Irren sind diejenigen, die einer solchen Situation eine unsinnige Ampel in Betrieb lassen, nicht bitte allein die Lemminge ......

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