Kustos kommentiert nicht mehr -
Der Blog schweigt wegen "antifaschistischer" Angriffe.

Samstag, 13. Oktober 2012

Blind Date

Die Welt ist ungerecht, aber anstatt sie gerechter zu machen, wird mit allerhand Ungerechtigkeit dafür gesorgt, dass sie gerechter aussieht. In meinem Buch "Chaos mit System" nenne ich dieses Phänomen die Virtualisierung der Welt. Das hat leider noch nicht viel daran geändert, dass immer wieder politisch Korrekte ihre Stunde gekommen sehen, der Gesellschaft neuen und noch gerechteren Blödsinn unterzujubeln. Jetzt müssen wir auch noch lernen, dass man Diskriminierungen Jobsuchender am besten vermeidet, indem man nichts von ihnen weiß.

Dafür hat nach langem Studieren eine Studie der Antidiskriminierungsstelle des Bundes mittels eines Pilotprojektes festgestellt, dass eine Jobbewerbung ohne Angaben von Namen, Geschlecht, Foto und Nationalität die Chancen von Frauen, Migranten und älteren Arbeitnehmern erhöhen, zu einem Bewerbungsgespräch eingeladen zu werden. Nicht ganz klar ist, was diese Forschung noch bezwecken soll, wo doch schon das PoCo-Instrument „Allgemeines Gleichbehandlungsgesetz“ ausdrücklich festlegt, dass genannte Kriterien nicht mehr in der Bewerbung enthalten sein müssen. Vielleicht sollen solche Bezüge zur Wirklichkeit in Zukunft einfach verbindlich verboten werden können?

Wie auch immer, selbstverständlich erhöht sich für unbeliebte Kandidaten die Chance, zum Vorstellungsgespräch eingeladen zu werden, wenn subjektive oder objektive Negativinformationen weglassen werden. Das gilt nicht nur für Migranten, Frauen und Alte, sondern auch für Hässliche, Debile, Alkoholiker, Kriminelle, Kranke oder sonstwelche armen Schweine, die es im wirklichen Leben schwer haben. Aber was können die sich dann für diesen Termin kaufen?

Denn mit keinem Wort geht aus der Berichterstattung zu diesem Modellprojekt (des Niedergangs) hervor, dass das Verfahren auch die Chancen zu einem Arbeitsvertrag erhöht. Wie wird also die Praxis aussehen: Der Chef, der bisher auch anhand der persönlichen Daten eine Vorauswahl getroffen hat, ob ihm der Kandidat in den Betrieb passt, sitzt mit versteinerter Miene vor der älteren Afrikanerin oder der rumänischen Tunte, schweigt über seine (Vor-) Urteile, und alle sitzen die halbe Stunde ab, bis die Farce beendet ist.

Weil aber die Zeit des Chefs begrenzt ist, hat er andere Kandidaten, die eher in sein berechtigtes oder unberechtigtes (wer auch immer das zu bewerten berechtigt sein mag) Weltbild gepasst hätten, nicht einladen können. Die sind nun die Verlierer wie ebenso das Unternehmen selbst, dem die bestmögliche Auswahl verweigert wurde.

Wie beurteilen Menschen denn andere Menschen beim ersten Kontakt am zuverlässigsten? Über das Gesicht natürlich, das ist ein genetisch festgelegter Überlebensmechanismus. Und Millionen Jahre Evolution will diese „Antidiskriminierungsstelle“ einfach außer Kraft setzen? Es geht doch bei einem neuen Mitarbeiter auch um Ausstrahlung, Sympathie, also Fähigkeiten, die sich nicht in Zeugnissen und Behauptungen definieren lassen.

Darüber hinaus sei die Frage gestattet, wer gerechtermaßen die Kompetenz und Befugnis besitzt, „Diskriminierung“ objektiv definieren zu können und daraus Repressalien ableiten zu dürfen. Letztlich wird hier nach einem verkürzten, eben virtuellen, Weltbild entschieden, in dem alle Menschen gleich, gleich gut und gleich fähig sind. Wohlgemerkt: Es gibt Diskriminierung und das ist bedauerlich, aber es ist immer noch besser als ideologische Korsette zu schnüren, die alles noch schlimmer machen.

Ohne den einengenden politisch-korrekten Kampfbegriff der Diskriminierung kann eine im Grundsatz pauschale Beurteilung von Menschen und Menschengruppen auch verstanden werden als eine erfahrungsorientierte vorstrukturierende Interpretation der Wirklichkeit. Genau so laufen doch alle Entscheidungsprozesse ab: Aus einer diffusen „Erfahrungswolke“ kondensieren sich Erkenntnisse - oft zielführende, manchmal suboptimale und hin und wieder grottenschlechte. Doch wer an bessere verfügbare Alternativen glaubt, der kann auch gleich an Bachblütentherapie und die Verlässlichkeit des Wetterberichts glauben.

Die Niedergangsgesellschaft hat es sich zum Ziel gesetzt, dieses unverzichtbare Erfahrungswissen durch Regeln, verkopfte Generalannahmen und politische Zielverstellungen zu ersetzen. Sie muss an dieser Hybris scheitern - und sie scheitert derzeit fortwährend daran, ohne dass ein Lerneffekt einsetzt.

In dem Zusammenhang sei gleich mal eine Lanze für das sogenannte Vorurteil gebrochen. Kein anderer Begriff ist so sehr ein Opfer von (falschen) Vorurteilen geworden. Das Vor-Urteil ist nichts anderes als ein vorläufiges Urteil, das gefällt wird, bevor alle Entscheidungsprozesse abgeschlossen sind. So aber funktioniert eben das menschliche Denken: Erst wird eine These formuliert, die dann möglichst optimiert oder falsifiziert wird. Und es ist nicht gesagt, dass das vom Intellekt bearbeitete endgültige Urteil richtiger ist als das intuitiv gewonnene Vorurteil. Beide haben keinerlei Ansprüche auf objektive Richtigkeit.

Im gängigen Sprachgebrauch allerdings wird immer wieder das wichtige individuelle und gesamtgesellschaftliche Erfahrungswissen diskriminiert und bestenfalls als Juniorpartner des Intellekts toleriert. Das ist ein finsteres Erbe der Aufklärung und ihrer Arroganz. So wird dann auch politisch korrekt ignoriert, dass Männer und Frauen unterschiedliche Fähigkeiten in das große Miteinander einbringen und dass es für Migranten aus weniger entwickelten Ländern sehr wahrscheinlich ist, dass sie sprachliche, schulische oder kulturelle Defizite haben (was ja durch andere Qualitäten ausgeglichen werden könnte).

Defizite sind bedauerlich, aber nicht durch Antidiskriminierungspathos behebbar. Richtig wäre der Appell und die gesellschaftliche Einübung, Erfahrungswissen nicht unflexibel einzusetzen, sondern das eigene Weltbild durch Infragestellen der Grenzen immer wieder zu erweitern. Dazu ein Beispiel: Konrad Kustos hat eine Ein-Zimmer-Wohnung im Problembezirk Berlin-Neukölln, die er vermietet. Da er stets offen für Neues ist, hat er schon an deutsche Männer und Frauen, an alt und jung und an Migranten vermietet. Er hat dabei gelernt, dass die Migranten die freundlichsten und zuverlässigsten Mieter sind. Wäre er aber per PoCo gezwungen gewesen, Migranten zu bevorzugen, wäre ihm diese freie Erkenntnis nie möglich gewesen.

Aus einer Einschränkung von Freiheit entsteht eine Unfreiheit, die die Demokratie gefährdet. Menschliches Miteinander über Gesetze zu regeln und nicht über Moral, Verantwortung, soziale Kontrolle und Kommunikation darf immer nur der letzte Ausweg sein. Antidiskriminierungsgesetze stellen sich sogar automatisch gegen die Werteordnung des Grundgesetzes, die die allgemeine Handlungsfreiheit, die Freiheit der wirtschaftlichen Betätigung und die eigene Überzeugung ausdrücklich unter Schutz stellt.

Staatlichen Regeln fehlt die nötige Feinabstimmung in komplexen zwischenmenschlichen Prozessen. Wenn also Frauen und Migranten unter besonderen Schutz gestellt werden, was ist dann mit den Kranken, den Kindern, den Schwachen? Werden nun die diskriminiert? Darf im Bewerbungsschreiben überhaupt noch der Bildungsgang beschrieben werden, darf nach Fähigkeiten gefragt werden? Müssen die Namen im Zeugnis geschwärzt werden, oder darf das Zeugnis gleich ganz weggelassen werden? Dürfen sich Männer als Tänzer im Stripclub bewerben und 60-Jährige als Fußballer bei Bayern München? Müsste nicht strenggenommen der Chef auch das Bewerbungsgespräch mit einer Augenbinde führen?

Nein, konsequent gehandelt müsste das Bewerbungsgespräch ganz entfallen und die Bewerber müssten nach Losentscheid oder Warteliste ausgewählt werden. Nur mit völliger Blind- und Taubheit ist Diskriminierung wirklich zu vermeiden. Jedwede Funktionalität natürlich erst recht. So weit sind wir noch nicht, aber wir sind tatsächlich auf dem Weg dahin. Und Justitia, die Personifikation der Gerechtigkeit, trägt im Abendland schon lange eine Augenbinde.

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