Kustos kommentiert nicht mehr -
Der Blog schweigt wegen "antifaschistischer" Angriffe.

Samstag, 6. Oktober 2012

Islam-Tamtam


In Pakistan kippten Anhänger des Islam am Tag der Liebe zum Propheten ganze Schiffscontainer um, der Verkehrsminister setzte ein Kopfgeld auf Beleidiger des Propheten aus (und wurde dafür von der Taliban von deren Todesliste genommen), weltweit randalierten die Massen. Bekanntermaßen war der Anlass für den Aufruhr ein sogenanntes Schmähvideo, das sich über Mohammed lustig machte. Leute wie wir, die weder an Propheten noch an gekreuzigte Gottessöhne oder das Fliegende Spaghettimonster glauben, schütteln sich vor Entsetzen und den Kopf über solche Irrationalität. Doch irrational ist nicht nur, was schlichte Menschen bisweilen in wirtschaftlich und zivilisatorisch schlechtgestellten Ländern tun, sondern auch, wie der aufgeklärte Westen damit umgeht.

  Das geht schon damit los, dass es schon gar nicht so war, wie wir es wahrnehmen sollen. Die effekthascherischen Medien stürzten sich auf die Ausschreitungen und drehten solange am Zoom der Kamera bis in unserer Wahrnehmung eine Gruppe von 15 Schreihälsen zum Volksaufstand wurde. In der Tageszeitung wird eine Wissenschaftlerin zitiert, nach der in Syrien ganze 500, in Jemen 2000 und in Ägypten 2500 Menschen gegen das Mohammed-Video protestiert haben. Wenn man im Umkehrschluss sieht, dass in Ägypten 80 Millionen Muslime die Füße ziemlich stillgehalten haben, wird aus dem Aufstand der islamischen Welt schnell ein Sturm im Wasserglas.

Trotzdem schalteten die USA in Pakistan TV-Spots, um sich für Dinge zu entschuldigen, für die sie nicht verantwortlich sind und die auch überhaupt nicht entschuldigt werden müssen. Man stelle sich nur vor, wie viele Fernsehanstalten davon leben könnten, wenn sich der Staat für jeden medialen Schwachsinn, der täglich passiert, entschuldigte. RTL-Reality-TV, öffentlich-rechtliche Comedy-Sendungen oder Politikerreden - die Auswahl ist immens. Was mag dieser Spot in Pakistan bewirkt haben? Dass Leute, die von diesem Video noch gar nicht wussten, nun glauben, dass die USA wohl etwas zu entschuldigen hat.

Ebenso wenig souverän gestalteten sich die Reaktionen in Deutschland. Überall zeigten sich Friedensfürsten, deren wichtigstes Ziel es war, zerknirscht den Kopf zu beugen, um potentielle Gewalttäter zu besänftigen. Bezeichnend, dass sich im ganzen Land kein Kino und keine Kulturinstitution fand, die den Film zeigte, um überhaupt eine Debatte zu ermöglichen. Sie behaupten, dies aus Rücksichtnahme zu tun, doch sie taten es aus Angst. Zum Glück gibt es das Internet, doch wir werden nicht mehr lange warten müssen, bis Gutmenschen-Hygiene auch hier die Zensur einführt. Die Zensur in den Köpfen der Leute funktioniert sowieso schon erfolgreich. Nach einer Umfrage des ZDF-Politbarometers sind rund die Hälfte der Deutschen (wohl als Opfer unermüdlicher Toleranzpredigten) für ein Verbot des Videos. 22% können sich sogar Gewalt als „Gegenwehr“ vorstellen.

Das Mohammed-Video ist schlecht. Es ist intellektuell schlecht, und es ist handwerklich schlecht. Am besten lässt es sich beschreiben mit einer religiös umgepolten Schülerversion vom „Leben des Brian“. Man stelle sich vor, damals, als der Monty-Python-Film herauskam, hätte sich die britische Königin weltweit bei allen Christen für die Untaten ihrer Untertanen entschuldigen müssen. Kein Mensch muss den Mohammed-Film wirklich sehen, doch es muss nach dem Freiheitsverständnis von Konrad Kustos möglich sein, dass dies jeder überprüfen kann, wenn er denn will.

Auch wenn die Reaktion auf das Video in der islamischen Welt in dem Maße entspannter war, wie sie bei uns übertrieben geriet, darf aber nicht vergessen werden, dass sich dort emotionaler Sprengstoff ansammelt. Es gab ihn, den Sturm auf die Botschaften, und es gab Tote und viele Verletzte. Es gab hysterische Aufläufe, und es gab - gewaltfreie - erhebliche Empfindlichkeiten bei den mehr oder weniger integrierten Muslimen in Deutschland.

Statt darauf angemessen zu reagieren, suchen die Medien und Gutmenschen einen Teil der Schuld mal wieder bei uns. Sie schwächen damit unsere moralische Widerstandskraft. Sie ermuntern die Feinde der Freiheit. Sie verkehren Ursache und Wirkung. Sie arbeiten gegen den historischen Vektor des Fortschritts, so es diesen denn im Niedergang noch irgendwo geben sollte. Der Krieg gegen den Irrsinn ist weder zu führen noch zu gewinnen, aber man kann ihn durch Feigheit provozieren. Wer für seine Werte nicht einsteht, wird sie verlieren.

Da kommen die erfreulichen Botschaften eher von den ausländischen Botschaften. Frankreich schloss nach den Übergriffen gegen die amerikanische und deutsche Niederlassung demonstrativ seine Vertretungen in Ländern, in denen für die Sicherheit der Diplomaten nicht garantiert werden konnte. Vor allem aber erfreute die Reaktion der neuen libyschen Regierung, die entschlossen Front gegen bisher kaum kontrollierte Milizen machte.

Im Grunde steht ausgerechnet der zentral gefährdete Westen mit debilem Grinsen vor einem Pulverfass und zündet sich bildlich gesprochen mit so souveräner wie lächerlicher Geste eine Zigarette an. Einen kleinen Absatz ist es den Zeitungen nur Wert, wenn der Iran offen mit dem atomarem Dritten Weltkrieg droht. Sollte Israel weiter über einen Angriff auf den Iran nachdenken, so heißt es dort, werde dieser die USA angreifen. Nach diesem Szenario müssen die Hardliner in Israel jetzt nur noch weiter planen, und die USA werden in den Krieg gezogen, ohne dass Israel selber angreifen muss. Hier ist der Irrsinn nicht mehr in individueller Religiosität begründet, sondern nimmt weltpolitische Dimension an. Und solche Zeichen der Eskalation zwischen dem Islam und dem Rest der Welt mehren sich.

Wenn man sieht, wie wahnsinnig in diesem Kulturkreis teilweise gedacht, geredet und agiert wird, wäre vielleicht in diesem speziellen Fall aus Gründen des bloßen Überlebens sogar die Kustos-Doktrin vom Primat der Nichteinmischung in fremde Länder außer Kraft zu setzen. Wenn aber der Krieg gegen eine von Atomwaffen und anderen Massenvernichtungsmitteln ausgehende Gefahr enttabuisiert wird, ist das natürlich auch ein Freibrief für die Cowboystaaten dieser Welt. Ein schwieriges Thema, aber was ist schon einfach?

Warum sind in den islamischen Ländern emotionale Entgleisungen eigentlich so auffällig häufig und intensiv möglich? Zum einen hat das historische Gründe. Diese Religion der Aggression, der Gewalt und der Intoleranz konnte (trotz aller kulturellen Leistungen des frühen Islam) überhaupt nur aus der Unterentwicklung heraus entstehen und hat nicht von ungefähr das an seinen Entstehungsorten vorher etablierte Christentum ersetzt. Während damals in Europa auf Kooperation setzende Strukturen entstanden, die das Christentum mit seinem Prinzip der Unterordnung unter Autoritäten und mit proklamierten Konfliktvermeidungsstrategien unterstützte, setzten sich anscheinend in Arabien die archaischen Prinzipien des Schwertes, weltanschauliche Unbeweglichkeit und Behinderung der Streitkultur durch. Nicht umsonst hat Mohammed ganz im Gegensatz zu allen anderen großen Religionen persönlich den Machtbereich der von ihm geschaffene Religion mit seinen Truppen und Feldzügen ausgebreitet. Der Islam ist nicht die Ursache, sondern das Ergebnis einer historischen Entwicklung geboren aus Unterentwicklung. In einer fatalen Rückkopplung hat der Islam dann diese Unterentwicklung über Jahrhunderte stabilisiert.

Zum anderen haben die islamischen Empfindlichkeiten psychologische Gründe. Weil diese Kultur aufgrund ihres Wesens zum Stagnieren verdammt ist und deshalb mitansehen muss, wie andere, eigentlich noch weniger entwickelte Länder und Kulturen erfolgreicher agieren, wächst ein kollektives Minderwertigkeitsgefühl. Dies führt wie bei der Katze, die sich in den Schwanz beißt, zu einer immer stärkeren Fixierung auf das ideologische Konstrukt, das die eigene Überlegenheit weiter per Definition „garantiert“.

Wie in allen reduzierten Lebensmodellen werden einfache Antworten in komplexen Situationen gesucht. Solche Antworten können nur falsch sein. Unter anderem werden in der unterbewussten Erkenntnis, dass doch etwas falsch läuft, Feindbilder gesucht und gefunden, damit aus der unterbewussten Erkenntnis keine bewusste werden kann. Man nennt sowas in anderem Zusammenhang auch Verfolgungswahn.

Die daraus resultierende Aggressionen wenden sich dann wie im Falle des Mohammed-Videos im Grunde nicht gegen den Verursacher des scheinbaren Frevels, sondern gegen den ganzen Kulturkreis, aus dem er kommt. Während es einerseits ein todeswürdiges Verbrechen ist, sich über den Propheten lustig zu machen, ist es in diesem eingeschränkten Selbstverständnis denkbar oder gar die Pflicht der Gläubigen, darauf mit Mord und Totschlag zu reagieren.

Die immer stärker sichtbar werdende Gewaltbereitschaft in den betroffenen Regionen wird durch die Religion legitimiert und ist letztlich nur ein Ausdruck der Hilflosigkeit im Umgang mit der eigenen Situation. In der Beleidigung des Propheten sehen die Menschen nur zu gerne eine Beleidigung ihrer selbst. Die längst erlittene Niederlage im Kulturvergleich wird virtuell zur moralischen Überlegenheit umgedeutet. Und wer im Begriff ist, das Spiel zu verlieren, greift gern auch zu unfairen Methoden und Gewalt.

Eine solche unfaire Methode ist, vor der Welt den unfair Behandelten herauszukehren. Deshalb kommen ein selbstgerechter weltanschaulicher Führungsanspruch und ein selbstgemachtes weltschmerziges Mitleidsszenario zu einer unheiligen Liaison zusammen. Die geistigen Führer der islamischen Welt haben dabei natürlich auch eine sehr weltliche Strategie im Kopf. In einer globalen politischen Situation, in der sich ein Konflikt zwischen den herrschenden entwickelten Ländern und den abhängigen unterentwickelten Ländern immer mehr abzeichnet, hoffen sie, sich in einer kommenden Weltrevolution an die Spitze der Machtpyramide setzen zu können.

Auch wenn Deeskalation natürlich eine feine Sache ist, bleibt es die Aufgabe der rational denkenden Menschen, für ihre Position, für das was sie eben besser wissen, einzutreten. Ein Zurückweichen des Westens wird eine archaische Kultur wie der Islam niemals als freundliche Deeskalation, sondern als Schwäche verstehen und als Aufforderung, den scheinbar erfolgreichen Weg des Konflikts weiterzugehen.

Umgekehrt liegt die Chance, das Konfliktpotenzial zu mildern, ausgerechnet in der Kampfbereitschaft. Im Bewusstsein einer vorhandenen Hierarchie der Qualität der Ideale müssen die aufgeklärten Länder ihre Werte hier wie dort aktiv vertreten, um damit den Menschen in den vom Islam in geistiger Unfreiheit gehaltenen Volksgruppen und Regionen die Chance zu geben, sich weiterzuentwickeln. Auf dieser Basis sollte diesem lebendigsten Untoten unter den Weltanschauungen friedlich der historisch längst verdiente Frieden zu bringen sein.

Kommentare:

  1. Wem nutzt die Aufruhr um das Schmähvideo? Dabei ist das Erscheinungsdatum zu beachten. Es wurde exakt am Jahrestag des Terroranschlags auf das World Trade Center in New York veröffentlicht. Eine bemerkenswerte Koinzidenz. "Man kann sich vorstellen, dass der kriminelle Kopte, in anderem, als im eigenen Auftrag handelte. Zumindest traut man den Fundamentalisten im Lager der US-Republikanern und in der israelischen Regierung zu, die unerwartete Schützenhilfe politisch auszunutzen - was sie auch tun." (J.Augstein)

    Handelt es sich hier um eine gezielte Provokation des milititärisch-industriellen Komplexes in den Vereinigten Staaten und Israels? Ist das Video zum Zeitpunkt von westlicher Wachstumsschwäche vielleicht Teil der psychologischen Kriegsvorbereitung?

    Tatsache ist, dass es solche Unruhen geben muss, weil ansonsten dieser Komplex in Legitimationsschwierigkeiten geräte. Wenn man sich die neuesten Zahlen von SIPRI anschaut, wonach 1,7 Billionen Dollar allein in 2011 weltweit für Rüstung ausgegeben wurde, und wenn man erkennt, dass es offenbar jedes Jahr mehr wird, dann greift man sich natürlich an den Kopf. 1,7 Billionen, das ist etwa das GDP von Italien. Einfach unglaublich. Si vis pacem, para bellum, lautet der Spruch der Militärbegeisterten. Aber das ist natürlich völlig idiotisch. Als ich in Indien war und die Gastfreundschaft und Offenheit der Leute genoss, habe ich mir damals gedacht, warum wir eigentlich diesen Leuten nicht irgendwas Nützliches schenken, ein Aufwindkraftwerk, Infrastruktur etc. Also Sachen, die wir gut herstellen können und die das Leben der Leute erleichtern. Einfach so, ohne eine Gegenleistung zu erwarten. Aus purer Freundschaft sozusagen.Man kann sich nicht vorstellen, was für eine Anerkennung un
    d einen Respekt wir bei diesen Leuten genießen würden. Man könnte da Urlaub machen und würde auf Händen getragen werden. Vom ersten bis zum letzten Tag. Wir würden in diesem Fall auf absolut nichts verzichten, weil ja die Militärausgaben keiner Sau irgendwas nützen. Ob wir jetzt unsere Steuern für Panzer und Raketensysteme ausgeben oder ob wir dafür im Jemen Auwindkraftwerke bauen, das ist immer dieselbe Summe. Nur im letzteren Fall hätten wir wirklich was davon, weil wir eine bombastische Anerkennung genießen würden. Endlich mal Stolz auf unsere Nation an der richtigen Stelle. Je generöser das Ganze, umso mehr Vertrauen und Zuneigung würde entstehen zwischen den Völkern. Ich weiß das, weil ich die Leute einfach kenne. Dass man in der internationalen Politik auf diese einfachen Gedanken bis heute nicht gekommen ist, zeugt von einer unglaublichen Dummheit insbesondere der Medienschaffenden, welche die Zusammenhänge nicht erkennen und jeden Brocken dankbar aufgreifen,
    mit dem sich Einschaltquote oder Auflage realisieren lässt. Ich verkaufe meine Zeitung, mein Magazin, meine Sendung gut, also bin ich. Das ist die Losung unserer Medienspießer. Keiner merkt, in was für einem fürchterlich fremdbestimmten Szenario er eigentlich agiert...

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  2. Tja, die Welt könnte viel schöner sein, aber ob wir das erreichen, indem wir überall Blumen pflanzen? Klar, würden sich die Leute freuen, wenn wir ihnen was Gutes tun, aber weder hier noch da sind die Leute, die sich freuen, mit denen identisch, die schließlich Waffen kaufen oder Kriege anfangen. Im Gegenteil, die Mächtigen würden sich freuen, dass sie nun gar keine Blumen mehr pflanzen müssen, und gleich einen Panzer mehr kaufen (vom Steuergeld derjenigen, die sich über unsere Geschenke freuen. Und mal nebenbei: Es gibt auch sinnvolle Waffen: die, die schützen vor Leuten, die nicht kommen, um Blumen zu pflanzen, und die, die man braucht, um das Böse (z.B. Hitler) zu bekämpfen. Die Freiheit ist ein uneingeschränkt zu schützendes Gut, der Frieden nicht.

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  3. Ich widerspreche dem anonymen Cui-bono-Kommentar schon beim ersten angeblichen Faktum: Das, was vom "Schmähvideo" am 11.09. auf Youtube hochgeladen wurde, waren Ausschnitte im Rahmen einer radikalislamischen Talkshow.

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  4. Eben, in meinen Augen eine werblich-propagandistische Punktlandung. Aber wir befinden uns in einer Verschwörungstheorie freien Zone, darum sorry für mein um-die-Ecke-denken.

    Trotzdem stimmt der Satz: Das erste, was in einem Krieg stirbt ist die Wahrheit.

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  5. Wie jetzt, verstehe ich das mit der "werblich-propagandistischen Punktlandung" richtig?

    Erst soll dieser koptische Knallkopp vom "Militärisch-Industriellen Komplex" gesteuert worden sein, und nun aber, nachdem die Fakten gegen diese Sicht sprechen, plötzlich die andere Seite in der Gestalt des Islamisten Chaled Abdallah?

    Hauptsache, der "MIK" steht dahinter?

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  6. Diesen Beitrag muss ich erklären. Durch ein Lob von einem Leser des Handeslblatts - es ging dort um Rentenfragen - landete ich auf Kustos Welt. ;-) Nachdem ich die aktuelle Kolumne von Kustos über das Mohammed-Video gelesen hatte, erinnerte ich mich an einen Briefwechsel mit meinem Bruder über das Thema. Ich fand seinen Vorschlag, wie man den Konflikt deeskalieren kann toll. Weil ich wissen wollte, wie andere auf seine Geschenkidee reagieren, habe ich mir ohne seine Erlaubnis einzuholen erlaubt unseren Briefwechsel hier zu veröffentlichen. Weil mein Bruder wie ich am Anfang Schwierigkeiten mit der Kommentarfunktion der Seite hat, veröffentliche ich seine Antwort unter meinem Pseudonym. Hier kommt Tobi Teil 1:

    Wenn man sich dieses Video anschaut, glaubt man erstmal nicht, wie man darauf so emotional reagieren kann. Es ist schlicht d o o f! Einfach nur doof. Der Vergleich mit "Das Leben des Brian" ist ebenso doof. Letzteres ist ein Kunstwerk, ein echtes Kunstwerk, ohne wenn und aber. Aber das hier? Und Kampfbereitschaft gegenüber dem Islam? Was für eine alberne Idee. Das sozioökonomische Sein bestimmt das Bewusstsein. der olle Satz von Charlie stimmt immer noch. Wir haben hier genug Ideologien, mit denen wir uns herumschlagen sollten, der Islam ist so ungefähr das Letzte, was ich als bedrohlich empfinden würde. Religionen sind für mich im Kern alte Sprachen, sie bewahren die Erinnerung an eine bessere Zeit und sind ein Aufstand gegen das Ungemach einer Welt, in der sich alles nur noch um Macht, Besitz und Unterwerfung dreht. Dass sie dabei oft selber die Geisteshaltung ihrer Widersacher angenommen haben, ändert nichts daran, dass sich in ihren Metaphern das Bewusstsein einer ganz anderen Welt erhalten hat. Am Faszinierendsten finde ich eigentlich die Figur des Engels, die im Islam, im Christentum und im Judentum vorkommt. Einfach phantastisch, auch unter ästhetischen Gesichtspunkten. Über dieses Thema könnte ich dir einen Roman erzählen, so aufregend ist das. Ich habe nicht diesen aufgeklärt-mitleidigen Blick auf die Religionen der außerdem eine gute Portion Verachtung enthält. Es gab einmal ein ästhetisches Schlüsselerlebnis, das ich hatte, als ich einmal in Norditalien in einem kleinen Museum war und mir Bilder von lokalen Malern aus dem 16. und 17. Jahrhundert ansah. Auf einem Bild war eine junge Frau zu sehen, die in einer schier unnachahmlichen Kopfbewegung den Blick nach oben richtete. Damals dachte ich, ich werd nicht mehr. Ich hätte nicht für möglich gehalten, dass Bilder so sprechen können. Mir war klar, ich stand vor einem Dokument, das mehr als 1000 Worte zeigte, wie die Leute damals fühlten und die Welt erlebten. Es war einfach unglaublich. Die Leute waren damals bis in die Haarspitzen von Religion durchdrungen und der Maler gab einfach nur der schier grenzenlosen kindlichen Naivität einen Ausdruck. Ich kann mich über so etwas nicht erheben, weil ich mich dann ja auch über Kinder erheben müsste, was ich nicht tue und nicht kann.

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  7. von Tobi Teil 2:
    Du meine Güte! Jetzt stellen Sie mich als netten Phantasten dar, der leider nur die Realitäten der Welt nicht sieht während Sie für sich den guten Pragmatismus und politischen Realismus beanspruchen. Wie wäre es mit ein bisschen politischer Bildung? Die Idee von den „guten“ Waffen und dem Schutz vor bösen, militärisch aktiven Mächten ist so alt wie Methusalems Bart. Damit wurde von jeher die Aufrüstung begründet. Es hat nicht funktioniert und kommen Sie mir bloß nicht mit den Atomwaffen und deren friedenssichernde Wirkung. Das ist schlicht ein Märchen. Daß der kalte Krieg uns davor bewahrt hat, in einen warmen überzugehen, kann nur ein Ignorant annehmen. Es war der pure Zufall und nicht der kalte Krieg selber. Aber Sie können natürlich gerne weiter die Story vom Bösen erzählen und weiter verbreiten sowie die Story vom militärischen Schutz davor. Und dann mal abwarten, wie sich die Dinge weiter entwickeln werden. Natürlich ist Hitler nicht gekommen, um Blumen zu pflanzen, aber er ist auch nicht aus dem Nichts entstanden. Der Vater und die Mutter von Hitler hatten die Namen „Mangel“, „existentielle Not“, „Verlust an Perspektiven“, „Demütigung“, „Angst“ und „Entbehrung“. Dass wir heute in Europa relativ friedliche und „freie“ Leute geworden sind, hat übrigens auch etwas damit zu tun, dass sich bei den Siegermächten die Einsicht durchgesetzt hat, dass die Durchsetzung brutaler Reparationsforderungen oder gar der industrielle Abbau (siehe Morgenthau-Plan) keine den Frieden und die Freiheit begünstigende Lösung war. Soviel hatte man aus Versailles gelernt. Dabei war der Marshall-Plan nicht einmal ein Geschenk, sondern nur ein auf fairen Konditionen beruhender Kreditvertrag. Das waren doch nicht die Waffen, die amerikanischen Raketen oder sonst irgendeine fürchterliche Militärdrohung, die uns dazu gebracht haben, friedlicher und freier zu werden! Denken Sie mal darüber nach!

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  8. Mit den vielen Tobis komme ich durcheinander. Tobi eins sieht die Welt mit anderen Augen, was völlig OK ist, Tobi 2 hat in allen Punkten recht - außer im eigentlichen. Natürlich beruht der Krieg auf allen möglichen Prozessen, was aber keineswegs rechtfertigt zu behaupten, er könne nicht auch im schlimmsten Falle die ultima ratio sein. Das ist ein willkürlicher und falscher Umkehrschluss. Und nebenbei: Wenn man schreibt "Denken Sie mal darüber nach!", hat man nicht genug Vertrauen in die eigenen Argumente. Das ist jedenfalls keins.

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