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Samstag, 17. November 2012

Aussicht auf Aufsicht

Quelle: toonpool.com
Frauenfreundlichkeit geht auch anders: Vor wenigen Jahrzehnten forderte die Verkehrserziehungssendung „Der 7. Sinn“ von männlichen Autofahrern Rücksichtnahme auf das weibliche Geschlecht, weil dies seine Fahrzeuge nicht wirklich unter Kontrolle habe und den Rückspiegel vornehmlich zum Schminken nutze. Heute wird Rücksichtnahme anders interpretiert: Weil es im Job für Frauen viele Ungleichbehandlungen und Vorbehalte gab und gibt, soll nun mit Gewalt statt mit Verstand Gerechtigkeit auf Erden geschaffen werden. EU-Justizkommissarin Viviane Reding hat sich ihren Lebenstraum erfüllt und gegen massive Widerstände auch in der eigenen Organisation eine Frauenquote in Aufsichtsräten durchgesetzt. Wem sie damit letztlich nutzt, muss allerdings kybernetisch hinterfragt werden…

Bis 2020 sollen laut EU-Kommission Aufsichtsräte zu 40 Prozent mit Frauen besetzt sein (derzeit sind es rund 14). Das bedeutet nebenbei gesagt im Umkehrschluss: Die viel wichtigeren Vorstände sind vorerst nicht betroffen, doch der Einstieg in den Dirigismus ist vollzogen. Staatliche Autorität, die die Konzerne normalerweise bei allerlei Untaten gewähren lässt, regiert, wenn es denn in den Nationalstaaten auch so umgesetzt wird, in unternehmerische Entscheidungen hinein und zwingt den Betroffenen zumindest theoretisch das Risiko auf, nicht das optimal verfügbare Personal auszuwählen.

In der Sache war Reding vor drei Wochen noch von anderen Kommissarinnen zurückgepfiffen worden. Jetzt sieht ihr Gesetz vor, dass Firmen Frauen bei gleicher Qualifikation den Vorrang geben müssen, wenn ihre Aufsichtsräte nicht schon zu mindestens 40% weiblich besetzt sind. Bei Zuwiderhandlung sollen die Mitgliedsstaaten Geldbußen verhängen oder die Besetzungen für ungültig erklären.

Wie geht das eigentlich konkret zusammen? Als Unternehmenschef könnte ich doch immer behaupten, die weibliche Qualifikation sei nicht ausreichend gewesen, und mich damit um diese Quote herumdrücken. Oder bekommen wir gleich einen eigenen Qualifikationskontrollapparat mitgeliefert? Oder können die Mitgliedsstaaten je nach Laune und politischer Vorliebe willkürlich den Unternehmen reinreden? Das wäre ein Bruch demokratischer und marktwirtschaftlicher Prinzipien - natürlich nur, um in Verkehrung der Prioritäten „der guten Sache“ zu dienen.

Obwohl es mit der demokratischen Legitimation so eine Sache ist. Wenn man Freiheit und Gerechtigkeit ausklammert und sich alleine auf Mehrheitsentscheidungen beruft, könnte das ja Legitimation genug sein. So wollen laut Umfrage (von Frau Reding zitiert) 75% der Europäer eine solche gesetzliche Regelung. Danach halten es auch 88% für inakzeptabel, dass Frauen immer noch nicht dieselben Chancen bekommen, „obwohl sie genauso kompetent sind wie Männer“. Man kann sich vorstellen, wie suggestiv die Frage für diese Antwort formuliert war.

Aber was hier so demagogisch selbstverständlich behauptet wird, ist der eigentliche Kern der Debatte. Eignen sich Frauen gleichermaßen für die Führung von Wirtschaftsunternehmen, und, wenn ja, wie will man diese Kompetenz beweisen oder gar messen? Könnte man überhaupt Kompetenz messen, dann wären die real existierenden männlichen Chefs nicht mehrheitlich die korrupten Vollpfeifen, die sie sind. Oder wieder im Umkehrschluss: Wenn die Männer kontraproduktive Versager sind, welchen zusätzlichen Schaden könnten die Frauen dann noch anrichten?

Jedoch geht es erstens immer noch schlimmer, und zweitens ist jede Gutmenschenquote an sich ein destruktives Faktum, wie schon in einem anderen Post zu einem anderen Thema hier zu lesen stand. Fazit damals: Quoten sind per Definition ungerecht und stellen sich gegen das Leistungsprinzip. Sie schaffen Nischen für Karrieristen, Inkompetenz (meistens in Personalunion) und Faulpelze.

Familienministerin Kristina Schröder hat sich bisher mannhaft gegen die Quote gewehrt. „Die Bundesregierung ist der Meinung, dass Brüssel uns keine Quote vorschreiben kann“, sagte sie, was uns wundert, wo uns doch Brüssel schon allerhand vorschreiben konnte. Der Frauenquote liege „kollektivistisches Denken“ zugrunde, legte sie sogar noch überdeutlich nach. Schröder setzt auf eine „Selbstverpflichtung“ der Unternehmen, nennt das Flexiquote, und kein Mensch weiß, was das eigentlich sein soll. Sie verschafft uns gegen den europäischen Dirigismus damit zwar einen Zeitgewinn, aber ab jetzt werden Wetten angenommen, dass auch diese Anti-EU-Position bald bröckeln wird.

Schon jetzt gibt es nicht nur bei der politisch korrekten Opposition Widerstand, sondern auch aus den eigenen Reihen. Etwa von MdB Marco Wanderwitz, ja DEM Wanderwitz, der Nomen est Omen schon den Verkauf griechischer Inseln zur Schuldentilgung und Stefan Raab nebst Lena für das Bundesverdienstkreuz vorgeschlagen hat. Mal pro, mal contra für dicke Bäuche brachte er gleichermaßen eine Kinderlosensteuer und eine Strafgebühr für Übergewichtige ins Gespräch. Bei solchen Typen könnte man geradezu eine Frauenquote für den Bundestag fordern, die immer so hoch sein müsste, dass Leute wie Wanderwitz dort nicht auf den hinteren Bänken Atemluft verbrauchen können.

Mit dem wanderwitzigen Opportunisten haben derzeit mehr als 22.000 UnterstützerInnen (sic!) eine „Berliner Erklärung“ unterschrieben, in der „Politikerinnen und Politiker“ (sic!), darunter auch Arbeitsministerin Ursula von der Leyen, eine Frauenquote von zunächst 30% für Aufsichtsräte großer Unternehmen als „ersten Schritt“ fordern. „Damit die Maßnahme Wirkung entfaltet, wollen wir flankierend Fristen und empfindliche Sanktionen regeln. Die Quote für Aufsichtsräte kann aber nur der Anfang sein!“, drohen die überparteilich Gerechten.

Die Forderung nach mehr PoCo-Dirigismus begründet frau/man unter Berufung auf ungenannte Studien auch mit „wirtschaftlicher Vernunft“. „In gemischten Führungsgremien können Frauen und Männer zu besseren Entscheidungen kommen, gemischte Teams steigern den wirtschaftlichen Erfolg von Unternehmen.“ Über den Erfolg solcher gemischten Teams können vielleicht individuelle Erfahrungen berichten, aber mit Sicherheit keine Studien, da die Erfolgsparameter bei unterschiedlichen Betrieben und Anforderungen gar nicht einheitlich zu definieren sind. Fakt ist, dass sich eine Quote zwar mit vielen Argumenten widerlegen, aber mit keinem rationalen Argument außer dem der Gleichbehandlung an sich begründen lässt.

Unabhängig davon, wird mit der Quote ein weiter kybernetischer Themenkreis der Möglichkeiten und Notwendigkeiten von Interessen und Fähigkeiten ausgeklammert, über den hier in der nächsten Woche noch ausführlich geschrieben werden wird. Heute bleiben wir mal bei den Formalien.

Nur weil die Quote das falsche Mittel ist, heißt das nicht, dass Frauen im Berufsleben und erst recht auf dem Weg in Führungspositionen nicht benachteiligt werden. So lagen im Jahr 2010 die Einkommen weiblicher Führungskräfte (anscheinend der mittleren Ebenen) 30% unter denen der Männer, ermittelte das Statistische Bundesamt. Ähnlich sieht die Lücke bei Technikern (30%) und allgemein bei Akademikern (28%) aus. Im Schnitt über alle Beschäftigtengruppen verdienten Frauen 22% weniger als Männer. Das Kleingedruckte relativiert allerdings: Bei vergleichbarer Tätigkeit und Ausbildung verringert sich der Unterschied auf rund 8%. Wie viel die Zahlen Wert sind, also ob die restlichen Prozente nicht in einer Messunschärfe begründet liegen, erschlösse sich uns erst, wenn wir die (möglicherweise) erfassten Details abfragten, also beispielsweise, ob wirklich vergleichbare Berufsgruppen und Hierarchien verglichen wurden.

Wesentliche Gründe für Einkommensunterschiede sind die schlechteren Löhne in frauendominierten Branchen sowie die Tatsache, dass Frauen häufig mehr in Teilzeit arbeiten. Ganz an der Spitze aber, also da, wo sich Frau Reding gerade umtut, ist offenbar genug für alle da: Nach einer Untersuchung der Beratungsfirma HKP wird in den Vorständen der größten börsennotierten Konzerne die Bezahlung nicht nach Frau oder Mann unterschieden.

Zum Verständnis der Lage muss natürlich noch eine ungerechte Behandlung von Frauen allgemein von der jener in Führungspositionen unterschieden werden, was oft unterbleibt, aber aus unserer täglichen Anschauung können wir dennoch vermuten, dass die herrschenden Männer Frauen aus ihrer „Burschenschaft“ eher heraushalten wollen, es sei denn, sie hätten „zwischenmenschliche Interessen“ (deren grundsätzliche Bedeutung wohl in keiner dieser Begründungsstatistiken erfasst wird).

Viviane Reding wird also die grundsätzlichen Zahlen nur wenig un-schönen müssen, wenn sie vorrechnet, dass trotz 60% weiblicher Universitätsabsolventen derzeit nur 12% der Aufsichtsratsmitglieder Frauen sind. Nun werden ja weder Uniabsolventen noch -absolventinnen gleich nach dem Studium Aufsichtsratsmitglieder, aber dennoch ist das eine unangenehme Zahl.

Frauen haben bekanntermaßen zudem das objektive „Problem“, dass sie in ihrem besten Alter oft dem biologischen Imperativ nachgeben und gebären. Das ist nicht nur für ihr eigenes Vorankommen hinderlich, sondern wirkt sich auch auf die Bereitschaft, sie zu engagieren oder zu protegieren, negativ aus.

Tatsache aber scheint bei aller gebotenen Skepsis gegen Gutmenschenpositionen zu sein, dass Frauen seltener als Männer ihren Mann stehen dürfen. Ob dies die Forderung nach einer Quote rechtfertigt und ob diese praktisch und ökonomisch machbar und erfolgreich wäre, ist dagegen schon sehr zweifelhaft. Ein entscheidender Grund, die Quote zu scheuen wie der Teufel das Weihwasser wird jedoch konsequent totgeschwiegen und dem geduldigen Leser gleich präsentiert.

Natürlich wäre es für eine sich positiv entwickelnde Gesellschaft wünschenswert, neue Muster zu erproben. Deswegen wären Frauen gerade heute in den Spitzen der Institutionen wichtig wie nie zuvor. Doch welche Frauen würden diese neuen Impulse setzen können? Etwa die, die sich in einem zweifelhaften Männersystem mit zweifelhaften Methoden an die Spitze gearbeitet haben? Die ihre Weiblichkeit und ihre speziellen weiblichen Fähigkeiten konsequent der gewalttätigen Ellbogengesellschaft angepasst, untergeordnet haben, die womöglich noch härter, noch ungerechter, noch verlogener sein mussten, um ihre Frauennachteile zu kompensieren?

Kommen die Frauen, die mit Empathie, Zuhören und Vermittlungskunst und anderen sanften Qualitäten, mit Kooperation, Kommunikation und Offenheit gegenüber menschlichen Dingen aufwarten können, an die Spitze dieses Systems? Wollen sie da überhaupt hin? Erst recht in einem immer grausamer und ungerechter werdenden System? Ist der Drang in die Führungsrolle und zur Macht nicht eher eine männliche Eigen- wenn nicht sogar Unart?

Sinnvolle Veränderungen durch weibliche Qualitäten wird es nicht an der Spitze und schon gar nicht durch eine nicht auf realen gesellschaftlichen Bedingungen fußende Zwangsmaßnahme geben. Wie bei allem müssen die Veränderungen von der Basis ausgehen. Die Frauen also, die jetzt antreten, hohe Positionen mit dem Steigbügel der Quote einzunehmen, sind nicht die, die wir dort brauchen. Da ist Frau Reding irgendwie der lebende Beweis.

Kommentare:

  1. Quote ist doof. Frauen müssen aber auch selbst wollen, wie im Artikel gesagt. Dort sehe ich das ganz große Problem. Es ist nämlich auch äußerst bequem, sich als Hausfrau oder auch "nur" dazu verdienende Ehefrau einzurichten. Auch zu DDR-Zeiten wollten viele Frauen nichts aus sich machen, obwohl es ihnen oft hinterhergetragen worden ist. Es reichte auch ihnen, etwas dazuzuverdienen. Ich denke, hier wirken noch alte Konventionen und Traditionen, die von Mutter auf die Tochter und wieder weiter getragen werden. Es gibt noch viel zu viele Frauen, die bewusst oder auch unbewusst das Bild der Unterordnung in sich tragen. Das kommt immer wieder zum Vorschein, wenn solch Mist, wie Wörterbuch Frau-Mann, Mann-Frau herausgebracht wird. Das kommt nicht aus dem luftleeren Raum. Solange Frau nicht lernt, zu formulieren, was sie wirklich will und nur um den heißen Brei herumredet - mal salopp formuliert - wird sie in keine Führungsposition kommen, aber auch keine wirklich ausfüllen können. Ich denke auch, dass zuviel Gewese um Empathie gemacht wird. Dahinter wird sich verkrochen. Jeder Mensch hat die, mehr oder weniger, abhängig von Erziehung und gesellschaftlichen Langzeitentwicklungen, die schon vor Urzeiten begannen, und sicherlich auch abhängig von den Genen, vermute ich mal. Wenn ich mir z.B. anschaue, dass Frau bis in die 70er Jahre (von ehemaligen Kolleginnen erzählt)den Mann frage musste, bevor sie ein eigenes Konto eröffnen durfte, wirkt das noch lange in die heutige Generation hinein. Das offene Gebaren heutiger junger Mädchen ist da nur als Äußerlichkeit zu bewerten und hat nich unbedingt mit wirklicher Emanzipation etwas zu tun. An dieser können aber auch wirklich nur Männer und Frauen vereint arbeiten. Ich hoffe, dass ich ausdrücken konnte, was ich denke. Das ist bei diesem Thema nicht ganz einfach. Es kommen dann oft zu viele Missverständnisse auf. Dabei möchte ich betonen, dass ich nichts gegen Hausfrauen habe. Sie haben ihre Welt gewählt und wenn sie es wirklich selbstbestimmt getan haben, dann ist das okay. Nur, wer kann von sich wirklich behaupten, irgendetwas selbstbestimmt gewählt zu haben? Aber das ist ein anderes Thema.

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  2. Ich hab's verstanden (;-))und stimme in fast allem zu. Nur scheint mir die Rolle der Gene oder auch der sozialevolutionären Prägung viel bedeutender. Dazu gibt es dann nächsten Sonnabend die Fortsetzung...

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