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Samstag, 24. November 2012

Verführung zur Führung

Unter den Leuten, die freiwillig und unentgeltlich für Wikipedia arbeiten, sind weniger als 10% Frauen. Vorausgesetzt, man sieht wie Konrad Kustos diese größte, unabhängigste und fehlerärmste Enzyklopädie aller Zeiten als einen der wenigen Lichtblicke in der Welt des Niedergangs, so stellt sich die Frage: Wollen die Frauen nicht, oder können sie nicht? Wenn aber eine Gruppe so wenig Energie oder Kompetenz aufbringt, freiwillig am Aufbau konstruktiver Strukturen mitzuarbeiten, warum sollte diese Gruppe dann für sich in Anspruch nehmen können, dort gleichgestellt zu werden, wo es persönliche Vorteile zu holen gibt, also beispielsweise bei der Besetzung von Aufsichtsratsposten in Großunternehmen? Genau das soll laut EU-Beschluss jetzt passieren, und obwohl vor einer Woche dazu schon die vordergründigen Fakten gegeneinandergestellt wurden, fehlt noch eine polemische Breitseite gegen die politisch-korrekten Ladenhüter-Philosophien, die diesem dirigistischen Beschluss zugrundeliegen. Nun gut, hier ist sie: Männer und Frauen sehen die Welt anders, fühlen die Welt anders und haben völlig unterschiedliche Fähigkeiten, was diverse „Ungleichbehandlungen“ durchaus legitimiert.

Erst vor wenigen Tagen ergab die Analyse von Stepstone, einer Agentur für Führungskräfte, dass die Gehaltsdifferenz zwischen Frauen und Männern überdurchschnittlich groß sei. In der Branche Marketing und Vertrieb verdienen männliche Fach- und Führungskräfte beispielsweise mit durchschnittlich 66.000 Euro 50% mehr als die weiblichen Kollegen. Im Bereich Finanzen und Controlling gibt es noch ein Gefälle von 70.000 zu 52.000 Euro. Nun werden die Damen nicht verhungern, aber ungerecht wirkt das erstmal schon.

Ausgerechnet Silvana Koch-Mehrin, die FDP-Euro-Abgeordnete, die ihre Doktorarbeit unstrittig nicht ohne fremde (männliche?) Hilfe zustande brachte, meldete sich deshalb zu Wort und forderte entgegen der Position ihrer Partei Frauenquoten, übrigens mit einer bemerkenswerten Begründung: Die FDP müsse für die Quote sein, weil sie auch in der Partei und ihren Hierarchien eine solche brauche als Anreiz für Frauen, ihr beizutreten. Also nicht eine politische Überzeugung oder das Gefühl einer Berufung soll zum politischen Engagement führen, sondern die Chance auf eine schnellere Karriere. Wirtschaftspolitisch fordert sie „Quoten mit Sanktionen“; Sanktionen gegen betrügerische Doktorarbeiten findet sie aber wohl weiterhin doof.

Wenn Frau Koch-Mehrin die Quote fordert, heißt das natürlich noch nicht, dass eine solche automatisch schlecht ist. Warum die Quote wirklich kontraproduktiv ist, wurde ja hier vor sieben Tagen zu erklären versucht, im besonderen Fall der Frauen in Führungspositionen kommt aber noch ein besonderer Wirkungszusammenhang hinzu, für den ich etwas kybernetischer ausholen muss.

Im Kapitalismus wie im Sozialismus ist die Führung eines Apparats im Idealfall die Spitze eines pyramidalen Unterbaus. Ob Bürger, Angestellte oder Genossen: Viele Menschen mit Fachkompetenz schaffen ein Reservoir von Kompetenz, aus dem in der (aus verschiedensten Gründen manchmal auch gar nicht verwirklichbaren) Theorie die Besten an die Spitze steigen. Wenn aber Frauen, aus welchen Gründen auch immer, in einer Branche kaum vertreten sind, bedeutet die Quote die Verkürzung der Auswahlmöglichkeiten auf einen unvernünftig kleinen Pool.

Vivian Reding von der EU kann sich aufregen und regulieren, so viel sie will: Im Bau- und Ingenieurswesen oder in den Handwerksberufen waren und sind Frauen Exoten. Ebenso in der Landwirtschaft und in der Unternehmensberatung zu denen auch Wirtschaftsprüfer und Steuerberater gezählt werden. Bei Unternehmern und Geschäftsführern beträgt der Männeranteil rund 75 Prozent. Das ist die gesellschaftliche Basis, auf der sich Aufsichtsräte herausbilden, um die es bei der EU-Doktrin ja zunächst geht.

Noch kleiner wird der Pool für Frauenkompetenz, wenn das Arbeitsvolumen von Frauen betrachtet wird. Zwar haben sich die weiblichen Beschäftigungszahlen in den letzten 20 Jahren denen der Männer stark genähert, doch gilt das nur für Arbeitsverhältnisse an sich, aber nicht deren Dauer. Frauen arbeiten zum großen Teil in Teilzeitbeschäftigungen und geringfügigen Beschäftigungsverhältnissen, und da hat sich seit 1991 kaum etwas getan.

Aber die Quoten und anderweitigen Gender-Mainstreaming-Ansprüche wurden davon unbeeindruckt unermüdlich hochgeschraubt. Absurd ist dabei die in den einschlägigen Kreisen tatsächlich artikulierte Vorstellung, man müsse nur mehr Spitzenjobs schaffen, dann werde sich der Unterbau schon danach richten. Indem man das Symbol an der Spitze austauscht, kann man vielleicht aus einer Kirche eine Moschee machen, aber nicht die Kompetenzpyramide auf den Kopf stellen.

Nur jeder 500. Beschäftigte auf dem Bau ist beispielsweise weiblich. Umgekehrt dominieren unter Erziehern, in der Kosmetikbranche und in der Krankenpflege die Frauen. Ihr Anteil liegt dort bei mehr als 90 Prozent. Das mag mancher bedauern, aber es ist diese Realität, aus der die Führungskräfte hervorgehen - und Realität ist es auch, dass es mehr Bau- als Friseurkonzerne gibt, die dann Aufsichtsräte zu bestellen haben. Auch in der Umkehrung scheint es wenig sinnvoll, wenn „sachferne“ Männer den Vorsitz in Verbänden von Pflegeeinrichtungen oder Sozialstationen führen. Und wäre es dann nicht auch hier so falsch wie politisch korrekt, nach einer Gender-Mainstreaming-Quote zu rufen?

Die Frage bei sowohl der ungleichen Verteilung an der Basis als auch an der Spitze ist doch, wer wie und warum in welchen Job kommt. Dazu gibt es zwei Theorien: a) Die Männer verhindern die Selbstverwirklichung von Frauen und b) Alles hat einen praktischen Grund. Nun ist nicht bekannt, dass sich Frauen um die Arbeit im Straßenbau, bei der Müllabfuhr oder im Stahlwerk reißen. Genauso wenig wie die Männer nach Jobs in der Altenpflege oder im Friseurgewerbe schlangestehen. Die eine Jobsorte ist hart und schmutzig, die andere mental herausfordernd und schlecht bezahlt. Das deutet wohl eher auf Theorie b) hin.

Es geht also um Fähigkeiten und Möglichkeiten, und die hat die Evolution aus gutem Grund aufgeteilt. Die Männer mussten kämpfen und jagen, die Frauen das Feuer hüten und die Kinder aufziehen. Das war kein Produkt patriarchalischer Gewalt (die es durchaus gibt und immer gegeben hat), sondern eine konstruktive Spezialisierung und ein objektiver Überlebensmechanismus. Warum sollten diese Prägungen plötzlich aus unseren Genen verschwinden, nur weil ein paar Männer den Computer erfunden haben, zum Mond geflogen sind und sich die Aufklärung ausgedacht haben?

Hormone und andere körpereigene Cocktails sorgen dafür, wer fürsorglicher und kommunikativer sein kann und wer tatkräftiger, entscheidungsfreudiger und risikobereiter ist. Die letzteren Eigenschaften, also die der Männer, qualifizieren vielleicht nicht besonders zur Führung, aber sie ermöglichen diese erst. Das Männersystem dieser Gesellschaft ist nicht zufällig entstanden.

Das männliche Testosteron zwingt den Mann zur Höchstleistung, was ihm in der industriellen Gesellschaft, die die von der Evolution noch vorgesehenen Ruhepausen wegrationalisiert hat, dann eine höhere Sterberate verschafft. Männer kämpfen, sie ziehen in den Krieg, sie bringen öfter sich und andere um. Männer sind sach- und machtorientiert, sie streben ferne Ziele und wollen den Kurs auch für andere vorgeben, weil sie glauben, den richtigen Weg zu kennen. Frauen sind auf Ausgleich bedacht, lassen andere Meinungen eher gelten, sie bewahren das Vorhandene und das Bewährte, geben dem allmählichen Wachstum eine Chance. Ihre Machtstrategien sind indirekter und sanfter, sie setzen eher auf Verführung denn auf Führung. Alle diese Einordnungen sind natürlich globaler Natur und können im Einzelfall bis ins totale Gegenteil umschlagen, was nichts an ihrer grundsätzlichen Richtigkeit ändert.

Eine Untersuchung einer großen Kraftfahrzeugversicherung hat ermittelt, dass jeder vierte Mann unter 30 Jahren Verkehrsregeln, die er nicht für nötig erachtet, ignoriert. Bei gleichaltrigen Frauen sind es nur 17 %. Man kann sicher sein, dass die Studie „schönt“, und der Unterschied noch weit größer ist. Männer haben also auch eher das Selbstbewusstsein, sich über enge Regeln zur Durchsetzung von Zielen hinwegzusetzen, was eben oft genug auch in die Hose geht.

Während sie fremde Führung (und sei es die durch Verkehrsregeln) permanent in Frage stellen, ordnen sich Frauen eher unter – und das lässt sich in dieser Komplexität ebensowenig an- oder aberziehen wie das Erkennen von roten Ampeln jenseits einer 20-Meter-Distanz. Hier machen die Gene und ihre Agenten, die Hormone, den Unterschied, und der lässt sich auch durch die aufgeklärteste Gleichmachergesellschaft nicht wegtherapieren. Körperliche Unterschiede sind eher offensichtlich, Einstellungen und Verhaltensweisen vielleicht erst beim zweiten Hinsehen. Eine Mühe, die sich die PoCo-Apologeten gar nicht erst machen.

Auch der Blickwinkel auf die Dinge unterscheidet sich bei Mann und Frau erheblich, wobei es uns gewöhnlich schwerfällt, den des jeweils anderen Geschlechts überhaupt wahrzunehmen, weil wir jeder in einem anderen Realitätstunnel leben. Das macht es den Gleichmachern auch so leicht, ihre Gleichheitsideologie zu „vermarkten“.

Dabei schien doch am Anfang alles so einfach: „Alle Menschen sind gleich, werden aber nicht gleich behandelt. Das zu ändern ist Menschenpflicht.“ Dieses Dogma der Aufklärung ist so tief in unserem Weltbild verankert, dass alle möglichen Trittbrettfahrer die konsequente Schlussfolgerung aus der leider falschen Prämisse nutzen, um daraus eigene materielle oder moralische Vorteile zu schlagen. So werden Kindern Wahlrechte zugesprochen und Persönlichkeitsrechte für Primaten gefordert, erheblich geistig Behinderte werden ins Regelschulsystem integriert, ... von Testlesern zensiert :-(..., – und eben Männern wie Frauen werden Aufgaben zugewiesen, die letztere aufgrund der evolutionär begründeten Spezialisierung der Geschlechter nur schlechter, unter erheblichen Mühen oder mit Identitätsverlusten ausüben können.

Wie toll wäre es, wenn Frauen mit ihren Qualitäten mehr an der Gestaltung der Welt teilhaben könnten. Die beiden Sichtweisen könnten zum gemeinsamen Nutzen in einen konstruktiven Dialog treten. Doch die Männer als Gestalter der großen Strukturen werden die Macht vielleicht mit anderen Frauen, aber nicht mit anderen Sichtweisen teilen. Deshalb ist die Quote so fatal: Sie sorgt dafür, dass jene Frauen an der Macht beteiligt werden, die sich aufgrund besonderer hormoneller Strukturen oder einer geschlechtsfremden Sozialisation in die Nähe der Spitze des Männerapparates gekämpft haben und die nicht für die eigentlichen, so wertvoll anders ausgerichteten Qualitäten stehen.

In den Männerdisziplinen werden aber auch die dominantesten Frauen immer einen Nachteil haben und dies gegebenenfalls mit weiterer Selbstentfremdung, aber auch mit besonderer Rücksichtslosigkeit und Unehrlichkeit auszugleichen versuchen. Psychologische Studien haben beschrieben, dass Mädchen aufgrund ihrer körperlichen Unterlegenheit schon auf dem Schulhof Machterwerb grausamer und intriganter betreiben als Jungs. Die Quote sorgt dafür, dass nun auch noch die Inkompetenteren in dieser Negativauswahl zur Spitze vorstoßen können.

Das System, in dem zu leben wir gezwungen sind, krankt grundsätzlich und zunehmend daran, dass sich gerade die moralisch Minderbemittelten beiderlei Geschlechts in den Machtstrukturen festsetzen und dadurch alternative, kybernetischere Denkweisen in Randbereiche gedrängt werden. In der Frauenfrage tritt dieser Effekt gleich doppelt auf: Wer in den Saal der Macht eintreten will, muss nicht nur seine moralischen Bedenken, sondern auch einen wichtigen Teil seiner Weiblichkeit an der Garderobe abgeben. Mit der Quote wird deshalb unter dem Deckmantel der Fortschrittlichkeit die wahre Kompetenz der Hälfte der Menschheit von jedem Einfluss ferngehalten.

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