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Samstag, 22. Dezember 2012

Wahnsinn zu Weihnachten

Nun ist endlich Weihnachten und damit wieder Platz in den Regalen für die Schokoladenosterhasen …und natürlich die Gelegenheit, die Weihnachtsprämie, sollte es sie denn noch gegeben haben, zu verprassen. Aber war da nicht noch was? Ach ja, Glockenklingen, Besinnlichkeit, Familie unterm Weihnachtsbaum, Liedersingen, Schokolade und viele Geschenke. Das mit der Schokolade und den Geschenken hat der Niedergang noch gerne in sein Programm übernommen, um den Rest steht es eher schlecht.

Vor Jahresfrist wurde hier schon darüber geplaudert, wie Weihnachten als Ganzes in der Geschichte und jetzt erst recht immer wieder zur Disposition gestellt wurde. Aber es wäre doch gelacht, wenn es die neue Zeit nicht schaffte, dem Mythos auch im Detail an den Pelzkragen zu gehen. Es geht dabei nicht mehr wie früher „nur“ um das Verbieten, sondern darum, Weihnachten im Sinne einer feindlichen Übernahme den eigenen Interessen gefügig zu machen.

Dafür wird zum Beispiel dem Weihnachtsmann die traditionelle Pfeife aus dem Mund genommen. In der Neuübersetzung eines traditionsreichen Gedichts hat eine kanadische Verlegerin den entsprechenden Passus ,"A Visit from St. Nicholas" einfach politisch korrekt entfernt. In der deutschen Übersetzung von Erich Kästner heißt es hingegen noch kindsverderblich sinnlich: „Im Munde, da qualmte ein Pfeifenkopf, und der Rauch, der umwand wie ein Kranz seinen Schopf." Im Internet gab es die passende sarkastische Antwort: Der Weihnachtsmann müsse noch 30 Kilo abnehmen, denn Übergewicht sei doch auch ungesund.

Solcher Spott hilft dem Weihnachtsmann auch nicht weiter, und man kann darauf warten, dass Rudolf Rotnase, das alte Säufer-Rentier, bald zum Bodenpersonal abkommandiert wird. Doch die PoCos beschränken sich nicht auf den fiktiven Bereich, in dem auch Lucky Luke schon die Kippe aus dem Mundwinkel zensiert wurde, sondern machen auch vor der Realität nicht halt.


In Berlin und Brandenburg gibt es seit 2008 einen Ehrenkodex für kommerzielle Weihnachtsmänner. Bei der Arbeit dürfen sie nicht fluchen, rauchen oder gar trinken. Damit die Restriktion nicht so auffällt, wird als Alibi hinzugefügt, dass sie auch Güte auszustrahlen haben. Gibt es eigentlich schon eine EU-zertifizierte Weihnachtsmann-Güte-Norm? Nun möchte zwar auch Konrad Kustos keinen qualmenden und fluchenden Proleten unter seinem Weihnachtsbaum sitzen haben, doch die neo-moralischen Weltretter gehen noch weiter: Auch wenn dem Mann in Rot-Weiß eine Zigarette angeboten wird, hat er sie auszuschlagen. Das Rauchen ist sogar insgesamt tabu, solange das Kostüm getragen wird - also auch auf der Straße auf dem Weg zur nächsten Darbietung.

Damit immer noch nicht genug der weihnachtlichen Gehirnwäsche. Ein Sprecher der „Weihnachtshelfer“ beeilte sich im Fernsehen zu betonen, dass rauchende Weihnachtsmänner, solange sie weihnachtsdienstlich unterwegs sind, auch über die Tatsache ihres Rauchkonsums im richtigen Leben Stillschweigen zu bewahren hätten. Da entsteht regelrecht das Bild vor Augen, wie kleine Engelchen wie Spionagedrohnen um den Herrn mit der roten Mütze kreisen und bei jedem Verstoß gegen die Rauchdoktrin zum Jesuskind oder einer zeitgemäßeren Kontrollinstitution petzen fliegen. Nicht ausdrücklich geregelt wurde allerdings, wie der Weihnachtsmann sich zu verhalten habe, wenn ihm bei der Bescherung das Kind des Hauses mit einer Fluppe im Mund gegenübertritt...

Den Teilzeitarbeitern vom Nordpol in der Fiktion dürfte ein rauchfreier Arbeitsplatz sogar gefallen, denn wie sehr hat es sie immer genervt, durch rauchende Kamine zu rutschen, um ihre Geschenke ablegen zu können. In der Realität allerdings ist ein Geschenkeverteiler auf Nikotinentzug eine eher unerfreuliche Vorstellung. Könnte man ihm nicht wenigstens, rein wegen der Optik, eine Pfeife geben, aus der Seifenblasen kommen?

Stillschweigend ist dem archaischen Gesellen schon vorher die Rute aus der Hand genommen worden, denn die passt nicht zur antiautoritären Gangart der Toleranzgesellschaft. Strafen für kindliche Regelverstöße als Erziehungsmaßnahme? Wo kämen wir denn da hin? Fehlverhalten von Kindern ist schließlich in der PoCo-Sicht immer nur auf ein vorangegangenes Fehlverhalten der erziehenden Erwachsenen zurückzuführen. Genau deshalb gibt es die Geschenke heutzutage auch sozusagen blanko, also ohne vorherigen Nachweis eines kooperativen Verhaltens des Nachwuchses.

Wohlgemerkt: Nach Zigaretten stinkende, fluchende und besoffene Weihnachtsmänner will kein Mensch sehen, aber es gibt sie ja auch kaum. Warum müssen hier Regelapparate geschaffen werden, die die Betroffenen bis in das Privatleben und in ihre freie Meinungsäußerung verfolgen? Schlimm genug, wenn auf dem bunten Teller Bioschokolade liegt.

Schlimm genug auch, wenn in Deutschland in allen Bundesländern außer den drei Stadtstaaten sowie Sachsen und Schleswig-Holstein gesetzliche Tanzverbote an Heiligabend gelten. Ist denn Weihnachten eine Trauerveranstaltung? Sollten die Leute nicht selber entscheiden können, ob sie auch am 365. Tag des Jahres Party machen wollen, statt mal unter dem Weihnachtsbaum zur Ruhe zu kommen? Vielleicht reicht es ihnen dann doch irgendwann, nachdem sie auf der betrieblichen Weihnachtsfeier schon so erfolgreich gesoffen und fremdgeknutscht haben.

Warum wird überhaupt vieles so eng gesehen, was Spaß macht und keinem wirklich schadet? Da machen sich die Baumschützer von Robin Wood Gedanken, dass in Deutschland am Heiligabend 29 Millionen gefällte Tannen in den Wohnungen stehen werden. Könnten die nicht auch mal daran denken, dass dafür vielleicht 60 Millionen Menschen ein paar Stunden in eine alternative Welt mit ein wenig mehr Frieden und Besinnung eintreten? Vielleicht können diese 60 Millionen dann am Rande ihres Bewusstseins spüren, dass in ihrem sonstigen Leben etwas fehlt, das irgendwann mal da war oder das jetzt da sein sollte. Wem würden diese Tannen im Forst, den es überhaupt nur gibt, weil man damit auch mal Geld verdienen kann, vergleichsweise nützlich sein? Wenn es irgendwo noch genug Wald gibt, dann doch wohl in Deutschland.

In einem Besserwissertext für Kinder heißt es vorwurfsvoll, zehn Millionen Gänse würden geschlachtet - aber dafür sind die Federviecher doch überhaupt erst ins Leben gebracht worden! Ohne den Menschen hätten sie nicht das Privileg einer Existenz, selbst wenn ihre Massenhaltung natürlich zu kritisieren ist. Aber wenn die Deutschen am Heiligabend trocknes Brot äßen, würde es den Gänsen, so es sie denn gibt, keinen Deut besser gehen. Wer wollte den Gänsen vorzuschreiben wagen, dass es ihnen besser ginge, wenn sie nicht existierten. Zusätzlich wird auch gemeutert, dass das Gänseunwesen der Umwelt und natürlich dem Klima schadet. Mensch, Leute, dafür schmeckt es aber auch!

Bei soviel Weinerlichkeit lobe ich mir noch die heiliganarchische Santarchy-Bewegung. Die zelebrieren konsequent den Niedergang mit einem Anti-Weihnachten, mit Flash-Mob, Saufen und öffentlicher Ruhestörung. Nicht nett, aber wenigstens nicht politisch korrekt. Übel asozial, aber wenigstens ehrlich und konsequent.

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