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Samstag, 5. Januar 2013

WasserschEU

Die mit allen Wassern gewaschene Europäische Union hat uns schon mit vielen Dingen überrascht. Mit Butterbergen und Finanzlöchern, mit einer Förderung für Schneekanonen auf Bornholm und mit dem Austausch bewährter Leuchtmittel gegen so giftigen wie dysfunktionalen Ersatz. Nun setzt sie zum neuen Schlag (ins Wasser) gegen den Menschen und seinen gesunden Menschenverstand an. Duscharmaturen und Brauseköpfe sollen Par Ordre De Multi vom freien Durchfluss befreit werden. Wasser sei eine kostbare Ressource wenigstens in Süditalien, und da die EU bekanntermaßen für Gerechtigkeit steht, wird die neue Regelung auch im feuchten Deutschland eingeführt, wo regelmäßig Keller im steigenden Grundwasser absaufen.

Nach einem vertraulichen „Arbeitsplan" der EU-Kommission, von dem „Die Welt“ kürzlich berichtete, soll die bestehende „Ökodesign-Richtlinie" spätestens 2014 auf neue Produkte ausgeweitet werden, darunter „wasserbezogene Produkte, zum Beispiel Duschköpfe und Wasserhähne", aber auch Fenster, Boiler, Kabel, Stromzähler und „Anwendungen zur Aufbewahrung von Wein", also Flaschenkühlschränke. Zu erwarten steht also, dass wir künftig nicht mehr mit einer Brause duschen, sondern mit einem Tröpfler, und dass es doppelt so lange dauern wird, bis das Waschbecken voll ist.

Diese neue europäische Zwangsmaßnahme ist aus so vielen Gründen absurd, dass man gar nicht weiß, wo man mit den Gegenargumenten anfangen soll. Vielleicht beim Bedarf für den Ver(ge)walt(ig)ungsakt, denn der beträgt in Deutschland und anderen Ländern Mitteleuropas genau null. Weltweit werden jährlich etwa 646 Kubikmeter Wasser pro Person genutzt; hierzulande hingegen nur 195, also lediglich 30% des globalen Durchschnitts. Ohnehin ist der Haushaltsverbrauch praktisch vernachlässigbar, denn von 1000 Litern Wasser werden dort überhaupt nur rund 30 Liter verbraucht, die gewaltige Mehrheit hingegen bei der Energieerzeugung.

In den entwickelten Ländern ist Deutschland mit rund 130 Litern beim Haushaltsverbrauch pro Tag und Person knapp hinter Belgien Zweiter in der Liga der Wassersparer. Parallel dazu steigt der Grundwasserspiegel im Lande kontinuierlich und inzwischen teilweise bedrohlich - und das, obwohl uns die Propheten der Klimaerwärmung noch vor wenigen Jahren prophezeiten, dass die große Dürre kurz bevorstehe. Weil aber von interessierten Kreisen das Wasser zur Umweltressource hochgejubelt wurde, sinkt der individuelle Verbrauch der braven Deutschen weiter von Jahr zu Jahr.

Die Enthaltsamkeit beim Wasserverbrauch führt schon jetzt dazu, dass die Wasserwerke Milliarden Kubikmeter Trinkwasser dazu benutzen müssen, ihre Rohrleitungssysteme zu spülen, um sie vor Verstopfungen und Verkeimungen zu schützen. Niedrige Strömungsgeschwindigkeiten im Rohrnetz oder gar Stagnationsphasen fördern außerdem die Korrosion und erhöhen die Konzentration von Eisen, Zink und Kupfer im Trinkwasser. Ebenso kann es zu farblichen oder geruchlichen Beeinträchtigungen des Wassers kommen.

Selbst ohne die EU wird beim Wasser schon lange in die falsche Richtung gesteuert. Beispielsweise wird die Nutzung von Regenwasser gefördert, was durch energieaufwändigen Bau von entsprechenden Anlagen mit umweltbelastenden Materialien eine negative Umweltbilanz bekommt. In einer schon zehn Jahre alten und wohl leider in Brüssel nicht gelesenen Studie heißt es dazu: „Dabei wird eine der größten ‚Nachhaltigkeitssünden’ begangen: Zwei erneuerbare Ressourcen werden mittels eines enormen Aufwandes nicht erneuerbarer Ressourcen lediglich ausgetauscht.“

Und da sind wir beim nächsten Punkt des Wahnsinns. Wasser ist keine Ressource, die verloren gehen kann. Durch natürliche Prozesse wie Filterung im Boden oder Verdunstung wird sie der Umwelt immer wieder aufs Neue zur Verfügung gestellt. Die natürliche Filterung ist so effektiv, dass die Wasserwerke nur 10% ihres Etats auf die Wasseraufbereitung verwenden müssen; der Löwenanteil geht für Bau und Unterhaltung der Rohrleitungen drauf, die nun Dank EU-Weitsicht zu verschlammen drohen.

Deshalb ist es auch ein Irrsinn, dass die Verbraucher überproportional zu den Erstellungskosten für den Verbrauch zur Kasse gebeten werden. Sinnvoll wäre eine Grundgebühr für die generelle Bereitstellung von Trinkwasser, wie sie bei anderen Dienstleistungen von Strom bis Telefon selbstverständlich ist. So aber wird ausgerechnet hier, wo Sparsamkeit mehr oder weniger überflüssig ist, der Verbraucher angehalten, den Verbrauch einzuschränken und Eigenproduktion über Brunnen und Zisternen zu betreiben - mit den oben beschriebenen Folgen für erhebliche Zusatzkosten des Versorgers, die natürlich direkt an die Verbraucher weitergeleitet werden.

Nun schickt sich die EU an, diese Probleme noch zu vergrößern und dabei gleichzeitig unsere Lebensqualität autoritär zu verringern. Sie kann das, weil das ganze Konstrukt EU so funktioniert, dass regional unterschiedliche Anforderungen einem globalen Prinzip unterworfen werden. Sie kann das auch, weil die politische Konstruktion demokratische Prinzipien außer Kraft setzt. So wird die neue Wasserdirektive ohne eine Legitimation durch das europäische Parlament und erst recht natürlich ohne die der Landesparlamente in Kraft treten.

Selbst der sonst praktizierte Schauparlamentarismus wird also ausgehebelt und damit ein weiterer Schritt zur Bürokratendiktatur gemacht. In der Ökodesign-Richtlinie ist eine Selbstermächtigung der EU-Kommission enthalten, nach der beliebige Erweiterungen der Produktliste nicht legislativ abgesichert werden müssen. Stattdessen wird Gesetz, was ein Regelungsausschuss aus Vertretern der Mitgliedsstaaten und interessierter Verbände beschließt.

Und hier zeigt sich erstmals der wahre Hintergrund der Attacke. Die Rede ist von „interessierten Verbänden“. Wie schon beim inzwischen selbst von verantwortlichen EU-Politikern als Irrtum eingestandenen Anschlag auf die Glühbirne geht es letztendlich um die Ankurbelung der Wirtschaft mittels künstlich geschaffener „Bedürfnisse“. Für die Volkswirtschaft ist das aber so sinnvoll wie das Graben von Löchern bei anschließendem Wiederzuschütten derselben. Es wird gesellschaftliche Arbeit aufgewendet, ohne den gesellschaftlichen Reichtum zu erhöhen. Das kann auf Dauer nicht gut gehen.

Jedenfalls nicht für die Allgemeinheit - für Sanitärfirmen und die Hersteller von Armaturen ist es eine waschechte Geldwaschanlage auf Verbraucherkosten. Schätzungen gehen davon aus, dass mit der Maßnahme ein Investitionsvolumen von zehn Milliarden Euro erzeugt wird. Deswegen gibt es auch Beifall von Seiten der Industrie: „Grundsätzlich erleichtert die Ökodesign-Richtlinie die Einführung neuer umweltfreundlicher Produkte", verlautbarte schon der Bundesverband der Deutschen Industrie. Weil aber die Richtlinie derzeit auch die Industrie selber treffen würde, schob ein BDI-Umweltexperte nach, was bei Fernsehern und Haushaltswaschmaschinen vielleicht sinnvoll sei, gelte für im Industriebereich eingesetzte Investitionsgüter natürlich noch lange nicht. Wir können davon ausgehen, dass diese „Gesetzeslücke“ noch im Interesse der produzierenden Wirtschaft geschlossen wird.

Bisher heißt es, die neue Richtlinie solle nur bei Neubauten und Modernisierungen angewendet werden. Auch hier zeigt aber das Beispiel Glühbirnen, dass schon bald mit Verboten und Anordnung gearbeitet werden wird. Spekulieren lässt sich, ob die EU- Kommission eine prozentuale Senkung des Wasserverbrauchs pro Land fordern wird, was in Deutschland, wo wie gesehen schon erheblich am Wasserverbrauch gespart wird, bedeutete, dass hier erneut und weit über andere Länderquoten hinaus gespart werden müsste. Bei Konrad Kustos zuhause kommt jedenfalls ohnehin schon zuwenig Wasser aus der Dusche, also wird er sich wohl nun eine Badewanne anschaffen müssen - falls die nicht auch gleich mitverboten wird.

Kommentare:

  1. Dass die EU, die soviel Dreck am Stecken hat, sich gegen gründliches Waschen ausspricht, kann nun wirklich nicht verwundern.

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  2. Dieser total versüfften elitären Clique muß endlich so der Kopf gewaschen werden, daß auch deren Gedanken eine klare Kontour erhalten. Da wir aber keinen direkten Zugriff auf diese Bande haben, müssen wir bei unseren Parlamentariern anfangen. Denn da sitzt das Übel, und ich werde bei dem Gedanken vor Freude schon ganz GRÜN im Gesicht. MANN/FRAU Wählt einfach Anders.
    Weck von mir aus die Schaben.
    Piz Buin

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    1. Lieber Piz, was schlägst Du denn vor zu wählen: Pest oder Cholera?

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  3. Wahrlich! Wasser als sparsame Ressource ? Hat jemand mit gesunden Menschenverstand schon einmal einen Wasserhahn am Himmel gesehen?Zynischer gehts nicht mehr,hier heißt es endgültig Aufwachen!
    Wir als Volk haben immer die Möglichkeit des Widerstandes,nur Mut gegen diese Gangster an Wall-Street!
    Anonymus,Occupy your Heard !

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  4. Wir werden von Geisteskranken regiert.

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  5. Nun, dem Grundtenor des Artikels muss man ja zustimmen - die deutsche Hauptstadt versinkt so langsam im Sumpf (im realen, nicht nur im politischen Sinn), seitdem der Wasserverbrauch beständig sinkt. Kenne da einen Kollegen aus dem Umland mit Fischzucht im Keller...

    Allerdings übergeht K.K. die Energieeinsparung, die sich durch weniger zu erhitzendes Wasser beim Duschen ergibt. Wenn ein Duschkopf dank Luftbeimischung bei weniger Warmwasserverbrauch ein unverändertes Duschgefühl liefert, ist das eine gute Sache. Die Kaltwasser-Flatrate ist aber eine gute Idee, unser alter Vermieter hatte das sogar umgesetzt, wenn auch mehr aus Faulheit.

    Interessante Zahlen übrigens im Artikel. Selten, dass ein Journalist Zahlen liefert, die sich ohne Rückgriff auf externe Quellen auf Konsistenz prüfen lassen. Meistens fehlt eine wichtige Größe, oder ist in einer der beliebten Elefanten-Fußballfelder-Einheiten angegeben (Exkurs - warum wird der Luftdruck bei der Wettervorhersage eigentlich nicht in Elefanten pro Fußballfeld angegeben, wäre doch anschaulich).
    Nur schade, dass die Angabe, nur 30 von 1000 Litern würden in Privathaushalten verbraucht, sich mit den 130 Litern pro Tag, also 47,5 Kubikmetern / Jahr beisst, die rund 1/4 der 195 Kubikmeter Gesamtverbrauch ergeben. Aber wahrscheinlich fehlt der 30 nur eine Null, kann ja passieren.

    Und den EU-Kampf gegen die Glühbirnen, im Artikel gleich zweimal erwähnt, finde ich nach wie vor gut. Die aktuelle Generation der LED-Lampen ist so hell und leuchtet so angenehm, dass selbst ein ausgewiesener Kritiker der Energiesparlampen, der vor kurzem unser bescheidenes Heim besuchte, nicht erkannte, dass die Lampen in den Deckenspots KEINE Halogenlampen sind. Seinen Vorschlag, schnell noch Halogenlampen auf Vorrat zu kaufen, konnte ich mit einem von mir sehr genossenen "Nö, warum" kontern...

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    1. Lieber Dingodog, nix Null vergessen: Deutlich unterscheide ich zwischen Gesamt-Wasserverbrauch und Haushaltsverbrauch, na, kann man schon mal überlesen. Zu den Luftduschen: Dass das derselbe Effekt wie Wasser wäre, ist eine so reine wie falsche Behauptung. Höchstens bei sehr hohem Wasserdruck könnte das überhaupt diskutabel sein - und wer hat den schon. Ansonsten braucht es einfach Wasser, um nass zu werden, weil man von Luft nicht nass wird. Und zu Deinem Dyslogismus mit den Halogenlampen: Nur weil Deine LEDs blenden wie Halos, was zu meiner Verwechselung führte, sind sie doch noch lange keine Alternative zur Glühbirne.

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  6. Bester Konrad, was ist ein Dyslogismus? Überfordert einen armen Naturwissenschaftler. Ich sehe es im Übrigen umgekehrt - Glühbirnen sind keine Alternative zu LED-Lampen...

    Ich hatte verstanden, dass der Gesamt-Wasserverbrauch in D die 195 Kubikmeter pro Jahr ist, und dass die 1000 Liter sich auf diesen beziehen. Die 30 kann nur richtig sein, wenn die 1000 etwas völlig anderes beschreiben, z.B. auch das Wasser, das durch die Wasserkraftwerke fließt. Ich denke, das wird in der Regel nicht als "Verbrauch" gezählt. Damit wären wir wieder bei den "schwebenden" journalistischen Zahlenangaben, und die Maßeinheit "Schwimmbad" würde sich anbieten (sorry, das war wieder Dingodog-Logik...)

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