Kustos kommentiert nicht mehr -
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Samstag, 23. Februar 2013

Reich-lich arm

Franz Beckenbauer gehören 150 Millionen Euro. Die hat er sich verdient als guter Fußballspieler und geschickter Vermarkter seines Ruhmes. Obwohl er oft dummes Zeug redet, schätzen die Leute seine Authentizität. Ähnliches gilt für andere Superreiche wie die beiden Aldi-Familien, die jede sogar 16 bzw. 17 Milliarden Euro auf der hohen Kante haben. Eine Neiddiskussion wäre hier völlig unangebracht, denn die Albrechts haben einst die Zeichen der Zeit erkannt und gesetzeskonform eine Marktlücke geschlossen. Ganz nebenbei haben sie dabei, wie es eine funktionierende Marktwirtschaft tun sollte, durch Schaffung einer Konkurrenzsituation die Lebenshaltungskosten der Massen reduziert. Das Problem liegt auf einer anderen statt einer personifizierten Ebene: Die Einkommen der Reichen und der Armen klaffen in der Summe, also strukturell, immer weiter auseinander und offenbaren, dass die Welt nicht mehr im Gleichgewicht ist.

Als der Brite Rupert Hoogewerf seine jährliche Liste der asiatischen Superreichen auf Weltgeltung ausweitete, stellte er fest, dass er schon 2012 statt der auf Dollarbasis angepeilten 50 Zehnermilliardäre sogar 83 auflisten musste. Der Mexikaner Carlos Slim hat es mit Telekommunikation, Bergwerken und Banken auf 55 Milliarden Dollar gebracht und sich damit an die Spitze der reichsten Reichen aller Zeiten gesetzt. Bill Gates konnte da mit 50 Milliarden nicht ganz mithalten. Was waren das für Zeiten, als Forbes noch seine Liste bloßer Milliardäre herausgab.

Hoogewerf bilanzierte nüchtern, dass erst vor wenigen Jahren die Verzehnfachung des Eigentums der wirklich Reichen vonstatten ging. Also genau in der Zeit, in der die ganze Welt von Wirtschaftskrisen redete und die Menschen unter zunehmender Armut und Arbeitslosigkeit stöhnten. Geht diese Anreicherung von Vermögen ohne Bereicherung von anderen? Besonders in Asien, wo für viele weiterhin oder gerade jetzt der Reis zum sattessen fehlt, ist dieses Phänomen dynamisch. 1999 gab es in China gerade einmal 50 Menschen mit mehr als sechs Millionen Dollar Vermögen, doch zwölf Jahre später waren es schon 271 Chinesen mit dem fast 200fachen, nämlich mindestens einer Milliarde Dollar Privatbesitz.

Es mag das Abendland beruhigen, dass die Superreichen über der 10-Milliarden-Grenze zu einem Drittel in den USA leben und 17 in Europa, darunter sieben Deutsche. Beruhigt sind damit aber nur jene, die in Fußballtabellendimensionen denken, wer tiefer blickt, fragt sich, wo das Geld eigentlich herkommt. Entweder es wird gedruckt oder anderen weggenommen.

In den letzten dreißig Jahren kletterte das Einkommen des ärmsten Fünftels der US-Amerikaner um 18%, das der bürgerlichen Mitte um 40 Prozent und das des einen Prozents der Reichsten um unglaubliche 275%. Die Schere klafft also immer weíter, nur um irgendwann den Lebensfaden unserer Gesellschaft zu durchschneiden.

Das ist natürlich kein isoliertes amerikanisches Problem. In Deutschland stieg die Zahl der Euro-Milliardäre in einem Jahr von 108 auf 115. Selbst das „Manager Magazin“ stellt den Zusammenhang her, dass die Wirtschafts- und Schuldenkrise ein guter Nährboden für großen individuellen Reichtum Weniger zu sein scheint. Nur die Schleckers haben sich verzockt und müssen jetzt mit popeligen 40 Millionen auskommen, während das Gemeinwesen die von Schleckers Großmannssucht produzierten Tausenden von Arbeitslosen durchfüttert.

Und dieses Beispiel zeigt schon den Zusammenhang: Gewinne werden privatisiert und Verluste sozialisiert. Was der Mehrwert-Produzierende vom Arbeiter bis zum Mittelstandsunternehmen schafft, wird ihm über Steuern, Inflation und gesamtgesellschaftlichen Substanzentzug in einem unerträglichen Maße wieder entzogen. Diese Werte gehen in Form von Subventionen, Insolvenzgeschenken und Steuererleichterungen an das Phantom „Wirtschaftswachstum“ und seine Diener. Über andere, weitaus infamere Mechanismen der Umverteilung wird hier in den nächsten Wochen noch des öfteren gesprochen werden.

Im Ergebnis bilanziert der „Armuts- und Reichtumsbericht“ der Bundesregierung, dass das deutsche Volksvermögen zwar zwölf Billionen Euro beträgt, dieses Vermögen aber sehr ungleich verteilt sei. Die gesamte untere Hälfte der Volksgemeinschaft verfügt danach nur über 1% des gesamten Nettovermögens.

Da weiß man dann auch gleich, wofür die EU geschaffen wurde. Die Milliarden-Schulden, die gerade generiert werden, schwächen zwar die ökonomische Substanz der Völker, kurbeln aber die Geschäfte der Superreichen und – noch viel schlimmer – der Großkonzerne an. Die Lawine, die so losgetreten wird, trifft zwar am Ende wohl alle, aber bis dahin haben die Lawinenschubser deutlich mehr Spaß als jene, die die Lawine unter sich begräbt. Gesetzliche Regelungen sind da keine Lösung, weil erstens der Gesetzgeber längst seine Befugnisse an die wahren Mächtigen abgetreten hat und weil zweitens Dirigismus zu Lügen und Korruption führt sowie persönliche Anreize kappt und damit den Markt nur noch weiter destabilisiert.

So läuft schwungvoll die Umverteilung von arm nach reich, begleitet von einem Propagandaapparat, der uns vorgaukeln soll, dass dies alles ein gerechtes und zwangsläufiges Ergebnis der Marktwirtschaft sei. Mitnichten. Marktwirtschaft verteilt gerecht Leistung und Ertrag, Aufwand und Nutzen, Können und Erfolg eben weil dies die Definition eines funktionierenden Marktes ist.

Deshalb gönnen wir ja auch Beckenbauer seine Millionen, weil er eben einer ist, der 1970 im Halbfinale der Weltmeisterschaft in Mexiko mit ausgekugeltem Arm weitergespielt hat, um seine Mannschaft nicht im Stich zu lassen, weil er also Leistung und Erfolg noch in einen natürlichen Zusammenhang gestellt hat. Beckenbauer schuf einen, wenn auch ideellen Mehrwert, die meisten der anderen Reichen profitieren lediglich von einem dysfunktionalen und unmoralischen System der Umverteilung. Sie schaffen zur eigenen Bereicherung „Chaos mit System“.

Kommentare:

  1. Es ist wie bei einer magnetischen Flüssigkeit, bei der das Geld dorthin fließt, wo schon Geld ist, und von denen weicht, die ohnehin schon wenig haben. Am Ende wird es 400-800 Superreiche geben, denen die ganze Welt gehört, und der Rest der Menschheit wird ihnen "gehören". Natürlich nicht offensichtlich und verschachtelt im einem komplexen Geflecht aus Firmen, Banken und Dienstleistern, aber am Ende des Tages eben doch genau so.

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  2. Tja, und nun? Was wird der Kybernetiker vorschlagen?

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  3. Um es richtig zu verstehen müsstest Du schon mein Buch lesen. In einer unzulässig verkürzten Form lautet die Antwort: Die Mechanismen des Niedergangs - vor allem Informationskatastrophe und Dekadenz - sind höchstwahrscheinlich unaufhaltbar. Es gilt, den Prozess zu verlangsamen und Schutzgebiete der Zivilisation zu schaffen, die vielleicht Kernzellen eines Neuanfangs werden können. Auch das wird nicht gelingen, solange wir unser lineares Denken, das der Neuzeit unangemessen ist und zudem durch die Aufklärung ideologisiert, gegen ein kybernetisches Denken eintauschen. Was das genau bedeutet? Da muss ich wieder auf mein Buch verweisen, sonst würden wir sogar hier mittels Oberflächlichkeit den Niedergang weiter befeuern.

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  4. Ein schöner Kommentar, den ich fast unkommentiert unterschreiben möchte. Den Mechanismen der EU, die diesen Entwicklungen nichts entgegenstellt, sie sogar fördert, misstraue ich inzwischen auch immer mehr. Gegen den Spengler'schen Unterton des unvermeidbaren Untergangs möchte ich aber Leopold Kohrs Ansatz der regionalen, kleinteiligen Strukturen stellen, der, auf die Wirtschaft übertragen, keine solche Ansammlung von Dutzenden von Milliarden Dollar zulassen würde.

    Auf der politischen Ebene freue ich mich auf 2014, wo voraussichtlich 2 westeuropäische Nationen die etablierten Groß-Strukturen der EU in Frage stellen werden, Schottland und Katalonien. Die Milliardäre werden darüber lachen, aber es ist immerhin ein Anfang. Falls das Kapital die "demokratischen" Staaten wirklich völlig unterwandert hat, ist das Schaffen neuer Strukturen eine oder zwei Ebenen darunter der einzige Weg.

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  5. Die Regionalisierung, die Du ansprichst, ist in jeder Hinsicht ein wichtiges Element zur Redemokratisierung (solange es dann dort nicht zu Bürgerkriegen kommt). Das wird aber am Niedergang an sich nichts ändern, denn der ist letztlich weder politisch noch wirtschaftlich verursacht, sondern liegt begründet in der Unverträglichkeit der menschlichen Natur mit dem technisch-wissenschaftlichen Komplex, den die Menschheit geschaffen hat. Schau noch mal ins Buch unter dem Stichwort "Informationskatastrophe". Deshalb ist Spengler gegenüber Konrad Kustos auch ein Optimist, weil der noch an ein zyklisches Auf und Ab glaubte.

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  6. Meines Wissens nach, beträgt das Bruttosozialprodukt der Menschheit pro Jahr ca. 50 Billionen Euro. Gemeint sind hier alle Dienstleistungen und geschaffenen Warenwerte zusammen gerechnet. Der Finanzderrivatemarkt hat ein Volumen von ca. 500 bis 1000 Billionen Euro, das sind eine halbe bis eine Billiarde! Man kann leicht einsehen, dass diese unfassbar großen Geldsummen mit ihren Zinsen und Zinseszinsen die komplette Menschheit leersaugen. Doch mein Punkt ist ein anderer: die Forbes Liste führt nicht die reichsten Menschen auf, Adlige fehlen, Ölscheichs und auch einige Bankster, Rohtschild zB. Diese sind mit Sicherheit bereits Multibillionäre. In sofern sind die Multimilliardäre kleine Fische. Es gab auch schon reichere Menschen in der Vergangenheit als die heutigen Multimilliardäre. Der Grund liegt in der relativen Wertlosigkeit des heutigen Fiat Geldes.

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  7. Konrad Kustos hat ein großes Buch geschrieben!
    Auch ich neige dazu, Spengler noch als Optimisten zu bezeichnen.
    Alle genannten Fehlentwicklungen treffen global mehr oder weniger fast jede Nation und alle Völker.
    Es fällt schwer, angesichts dieser Malaise den Humor und die Freude am Leben nicht zu verlieren. Aber Glücklichsein ist eben kein verbrieftes Recht und wohl auch nicht der letzte Sinn unseres Daseins. Und einen eigentlichen Sinn des Lebens gibt`s wohl ohnehin auch nicht.

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  8. Vielen Dank für die Anerkennung und die Welteinschätzung. Nur beim Schlusssatz muss ich widersprechen. Zwar hat die Evolution in der Tat nichts vorgesehen außer sich selbst, doch wenn wir unsere menschliche Existenz isoliert betrachten, kann doch unser Lebenssinn nur Glück und Zufriedenheit heißen. An meinem Auto klebt der Sticker: "The meaning of life is to live it." Das Leben ist wunderschön trotz Niedergang - und wenn es "nur" ein Sonnenaufgang ist.

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  9. Hochverehrter Herr Kustos, das Leben ist alles andere als wunderschön! Ein Sonnenaufgang oder -untergang ist eine beeindruckende Beobachtung für denjenigen, der sich daran erfreuen kann, aber eben nicht mehr. Sie haben aber insofern Recht, dass jeder das Beste daraus machen muss, aus eben diesem Leben.
    Kleine hässliche Anekdote: Ich war mal auf einem chinesischen Markt. Da wurde Katzen und Hunde lebendig gekocht. Und dann hat man diesen armen Viechern bei lebendigem Leib die Haut abgezogen. Ich werde das nie vergessen. Nein, das Leben ist überhaupt nicht schön. Prima ist es jetzt für mich, der diesen Kommentar bei einem guten Glas Weißwein schreibt. Ansonsten ist es ein Empfinden von Freude unter Ausblendung der Realität. Albert Schweitzer hat in seiner Kulturphilosophie "Ehrfurcht vor dem Leben" geschrieben: "Es gibt nur Leben inmitten von Leben, das leben will." Das trifft es!

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    1. Können wir uns darauf einigen, dass das Leben schön sein kann? Das "Empfinden von Freude", das Sie zitieren, ist doch nichts anderes. Dass die Welt/Realität oft/meist grausig ist, hat damit nur indirekt zu tun. Die Evolution hat uns als wichtigstes Steuerungsmittel das Lustempfinden mitgegeben. Wir wollen atmen, essen, lieben, weil die Evolution das so will und uns dafür mit entsprechenden Wohlfühlhormonen ausstattet. Warum sollten wir das nicht genießen können, jedenfalls solange man uns lässt?

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