Kustos kommentiert nicht mehr -
Der Blog schweigt wegen "antifaschistischer" Angriffe.

Samstag, 9. Februar 2013

Weggedacht durch Medienmacht

An die Spitze geschrieben ...
Die Brüderle-Affäre bringt immer neue Untaten ans Licht. Die Medien wälzen dafür die Archive, um ihre Kampagne gegebenenfalls mit neuen Brüderles verlängern zu können. Auch wenn die Fundstücke bisher so wenig überzeugen können, wie der Fall Brüderle an sich, gibt es doch einen wirklich herben Vorfall: Im Herbst stand in einem Porträt der CSU-Agrarministerin Ilse Aigner zu lesen: „Bodenständig ist sie geblieben, und dirndltauglich ist sie eh.“ Dass die Autorin dieser Zeilen in der Illustrierten „Stern“ auf den schönen Namen Laura Himmelreich hört, hat die Lawine heuchlerischer Empörung aber nicht dämpfen können. Immer mehr offenbart sich, dass wir es hier tatsächlich mit einem Skandal zu tun haben, doch nicht mit einem sexistischen, sondern mit einem der Medien selbst. Wir sehen, dass die Medien immer weniger Skrupel haben, ihre selbstgestrickte Wirklichkeit den Menschen folgenreich als Wahrheit zu verkaufen. Dabei ist ihnen jedes Mittel recht.

Man denke nur daran, wie einst der Häretiker Thilo Sarrazin in „seriösen“ Zeitungen wegen seines durch eine schwere Krankheit ausgelösten Sprachfehlers verhöhnt wurde. Oder an den Berliner Zoodirektor Blaszkiewitz, gegen den kurz vor Brüderle ein „Aufschrei“ inszeniert wurde, weil er in seinen internen Notizen - eigentlich naheliegend - weibliche Mitarbeiter mit dem zoologischen Kürzel für Weibchen gekennzeichnet hatte. Verbissen macht man aus jeder (Stech-)Mücke eine Elefanten(kuh).

Es geht den künstlich erregten Eiferern dann gleich um alles: Der Gegner muss im Staub liegen, um den eigenen Triumph verspüren zu können. Brüderle und Blaszkiewitz werden deshalb sowohl in ihrem Privatleben angegriffen als auch sollen sie, so die offene oder unterschwellige Forderung, ihre berufliche Existenz verlieren. Für die Betroffenen ist das psychisch katastrophal. Wäre Konrad Kustos Bestandteil der Medienlandschaft des Niedergangs, hätte er deshalb gewiss effektheischend einen Zusammenhang darlegen können zwischen dieser Kampagne und der Tatsache, dass der arme Zoologe sich kurz darauf einen Schädelbruch zuzog.

Fairness ist dabei eher hinderlich. Deshalb nennt der Stern online Brüderle auch in der ursprünglichen Überschrift verletzend „Der spitze Kandidat“. Per Twitter attackiert die Illustrierte gleich die gesamte FDP: „Wir müssen es konstatieren: Die Partei der Chauvis, Grapscher und Herrenreiter kommt immer noch locker über 5 Prozent“, heißt es in einem Tweet. Wer sich auf diese Ebene begibt, hat mit seriösem Journalismus nichts mehr zu tun und zeigt in diesem Fall deutlich, dass es nicht um überparteiliche Information, sondern unter anderem auch um politische Vorlieben geht. Verständlich, denn der vorgebliche Versuch Brüderles, die FDP zu einer Partei der bürgerlichen Vernunft umzugestalten, ist eine enorme Gefahr für das gleichgeschaltete und bürgerferne Agieren der PoCo-Blockparteien und ihrer Hofpresse.

Zu dieser Form des Journalismus passt das Fallenstellen. Ich setze hier mal die Kenntnis voraus, dass Frau Himmelreich ein Jahr lang Brüderle treu folgte, sogar in seinem Dienstwagen mitfuhr, kurz: ein Vertrauensverhältnis aufbaute, um ihn dann auf Weisung ihrer Vorgesetzten in die Pfanne zu hauen. Selbst der SPD-Politiker Sebastian Edathy kommt nicht umhin zu sagen: „Es zeugt für mich von einem merkwürdigen Berufsverständnis, als Journalistin um Mitternacht an einer Hotelbar ein offizielles Gespräch mit einem Politiker führen zu wollen".

Bevor der Niedergang auch die Medien deformierte, war es unter Journalisten selbstverständlich, privat Geäußertes nicht zu verwerten. Das hatte auch den guten Grund, dass man durch das gepflegte Vertrauen bei seinen journalistischen Arbeiten auf ein größeres Hintergrundwissen zurückgreifen konnte. Doch unter dem Zeichen der schnellen Verwertbarkeit von allem und jedem ist solche Nachhaltigkeit unmodern geworden. Das Verhältnis von Politikern zu Journalisten wird vom Jahre 1 n. Brü. an von Misstrauen, Feindseligkeit, eingeschränkter Kommunikation und Verklemmtheit geprägt sein.

Was hätte der legendäre „Washington Post"-Journalist Ben Bradlee, der mit Präsident John F. Kennedy durchs Nachtleben von Washington zog, alles Sensationelles schreiben können - allerdings nur einmal. So wie jetzt Frau Himmelreich, die als Journalistin geopfert wurde, aber sicherlich demnächst in einem steuerfinanzierten Auffangbecken des Systems, beispielsweise einer Parteienstiftung oder einer Gewerkschaftsorganisation, ihr Auskommen finden wird.

Weil Brüderle auf die Attacken souverän reagierte, indem er sie ignorierte, hat die Himmelreich statt eines erhofften Erfolges die Arschkarte, und der Politiker könnte trotz nach der Kampagne verschlechteter Umfragewerte unter der Gesamtbevölkerung profitieren. Viele Nichtwähler könnten, gerade wegen der offensichtlichen Intrige, jetzt gerade die FDP wählen. Beruhigend, wenn der PoCo-Journalismus dadurch diesmal an der Vernunft scheitert sollte.

Aber der Hintergrund der Stern-Attacke ist natürlich nicht nur politisches Kalkül, sondern vor allem Resonanzgeilheit und der Versuch, Führerschaft innerhalb der veröffentlichten Meinung auszuüben. Solche Ambitionen wirken umso grotesker, so sich doch moderne Medien hauptsächlich durch das Abschreiben voneinander definieren.

Auch hier hat der Fall Brüderle Paradigmencharakter. Die Unmenge um die Wette sendender und ohnehin meist belangloser Talkshows stürzen sich geradezu zwanghaft auf dieses adäquat belanglose Thema und bestrahlen wehrlose Zuschauer flächendeckend, obwohl das Interesse der Adressaten naturgemäß in engen Grenzen bleibt. Der Informationswert dieser Sendungen kann schließlich nicht weit über die Nullmarke hinausgehen, wenn doch das Thema schon dort verharrt.

Das hindert die modernen Medienmacher nicht daran, im Stile einer kollektiven Gehirnwäsche immer weiter zu machen. Zwangsverordnet entwickeln sich so bei den Medienrezipienten Verbindungen im Gehirn bei Themen, die ihnen eigentlich aus gutem Grund am Arsch vorbeigehen. Unter der Dauerberieselung halten sie am Ende einen Handkuss für eine Vergewaltigung. Dazu später noch etwas mehr.

Das Niveau der Brüderle-Diskussionen war dann in der Tat bisher erbärmlich, wobei das nicht nur den Medien vorzuwerfen ist, sondern auch dem schlichten Denken der vielen prominenten Gäste. Es wurde konfrontativ diskutiert, obwohl das Thema, wenn überhaupt, nur in der Differenzierung hätte interessant werden können. Also indem man gefragt hätte, wo denn der Sexismus beginne, welche Bedeutung Konventionen haben oder welche psychologischen oder politischen Metaebenen in einen solchen „Aufschrei“ involviert sind. Da blieben die Talk-Gäste blass, entsprachen dabei aber der Steuerungsunfähigkeit der Moderatoren.

Für dieses Medienmanko gibt es sicherlich mehrere Gründe. Die Dürftigkeit der derzeit agierenden Journalisten, ergibt sich einerseits aus dem Zeitgeist und andererseits aus ihrer journalistischen Sozialisation. Journalisten werden rekrutiert als oberflächliche Allzweckwaffen mit niedrigen Lohnvorstellungen, jederzeitiger Verwendbarkeit und beliebiger inhaltlicher Ausrichtbarkeit. Das wiederum ergibt sich natürlich aus der Weltanschauung und der Unternehmenspolitik der Medienkonzerne.

Es funktioniert nicht wirklich als Entschuldigung, wenn nicht nur die Medien von Verrohung und Verblödung betroffen sind, sondern auch die Politik und Gesellschaft. Erschütternd etwa, wenn und wie der Wehrbeauftragte des Bundestags synchron zu Brüderle und opportun zu den Sexismusbekämpfern dem Thema in seinem Jahresbericht Raum gibt. 50 Vorkommnisse mit „sexuellem Bezug“ listet er dramatisch auf, was angesichts der Größe der Truppe doch eigentlich lächerlich wenig ist. Als herausragendes Beispiel wird aber auch noch geschildert, dass ein Zugführer über die Brüste zweier Soldatinnen (wenn auch keineswegs despektierlich) gescherzt habe. Und stolz wird verkündet, diese Vorfälle seien „angemessen geahndet“ worden. Strafen für Witze - es gruselt.

Als Politiker noch Persönlichkeiten waren, hatten sie ein teilweise erschreckendes privates Auftreten: Brandt, Wehner, Strauß. Doch in den Medien war das kaum ein Thema, weil es damals noch um politische Inhalte ging. Und ist es wirklich Zufall, dass ausgerechnet dann, wenn ein Politiker beginnt, relevante politische Positionen zu formulieren, er mit einer ideologischen Rufmordkampagne konfrontiert wird? In keinem Falle sagt jedenfalls seine plumpe Anmache etwas über seine politischen Qualitäten aus.

So sehr Brüderle zu alt ist, um den Freier zu spielen, so sehr ist er auch alt genug, aus einer Generation zu stammen, in der manchmal noch die Wahrheit oder spontan Gedachtes einfach so herausgelassen wurde. Das ist natürlich eine Qualität, die auch mal nach hinten losgehen kann, doch die Aufgabe der Medien, wenn sie sich noch als Anwalt ihrer Konsumenten verstünden, wäre es, genau die anderen zu entlarven - die Blender, die Täuscher, die Phrasendrescher, eben die Politiker der neuen Prägung.

Doch nach dieser Medienattacke werden sich auch die restlichen Brüderles auf die Zunge beißen und aus dieser Virtualität heraus ebenfalls irrational handeln. Wenn niemand sich mehr eine Blöße geben kann, kann es auch keine Ehrlichkeit mehr geben. Und ohne Ehrlichkeit leidet die Funktionalität. So wird ein zuerst nur unangenehmes Phänomen zu einem Fehler im System.

Die Medien füllen so auf destruktivste Art und Weise mit heißer Luft das Winterloch, ein Loch, das überhaupt erst entsteht, weil soviele wesentliche Themen ausgeblendet werden. Selbstverständlich interessieren sich die Menschen für Klatsch, und es ist nichts falsch daran, dieses Bedürfnis zu bedienen. Schlimm ist nur, dass dieser Klatsch nun von politisch(korrekt)en Aasgeiern instrumentalisiert wird, die nicht für konstruktive politische Positionen stehen, sondern für ideologisches Wohlverhalten, das ihrer Durchschnittlichkeit entspricht.

Laut Familienministerium nennt eine Studie von 2004 Zahlen, wonach 58% der Frauen schon mindestens einmal sexuell belästigt wurden, 42% davon am Arbeitsplatz. Das ist schlimm, aber was hat das mit Brüderle zu tun? Ein solcher Eindruck wird erst von den Medien suggestiv und destruktiv in den Köpfen der Menschen vermengt - und ebenso ist es in den Köpfen der Journalisten ungesund vermengt. Die Zahlen verschweigen nämlich, wie die Fragen dazu formuliert waren und was der Begriff „belästigt“ eigentlich bedeuten soll.

Die gleiche Form von instrumentalisierter Statistik könnte vorliegen, wenn es heißt, 90% der Deutschen meinten, Brüderle müsse sich entschuldigen, „wenn die Vorwürfe wahr seien“. (Nanu? Der Sachverhalt ist doch unstrittig.) Nur 25% sprechen von einem unverzeihlichen Ausrutscher, dafür fordern 45% einen Rücktritt. Jede Wette übrigens, dass 90 von diesen 45% gar nicht wissen, welchen Posten Brüderle überhaupt innehat. Trotzdem sind das so beeindruckende wie bedrückende Zahlen, denn sie könnten darauf hinweisen, dass die Menschen ihre natürliche Abwehrkraft gegen Medienmanipulationen einzubüßen beginnen.

Noch vor nicht allzu vielen Jahren hätte das Volk mehrheitlich über die Debatte geschmunzelt. Aus eigener Lebenserfahrung hätte es gewusst oder intuitiv erkannt, dass hier nur eine Mediensau durchs globale Dorf getrieben wird. Doch im Zuge des Verlustes der eigenen Erfahrungswirklichkeit durch den Informationsoverkill des Niedergangs werden die Massen anscheinend viel leichter zum Opfer der neuen, mediengesteuerten Ersatzwirklichkeit. Manipulation und Instrumentalisierung durch Medien statt individueller Eigenständigkeit und funktionierender Skepsis wird so möglich. Eine Entwicklung mit Konsequenzen für die Demokratie, die in ihrer Bedeutung gar nicht absehbar sind.

Kommentare:

  1. Vielen Dank für den Artikel. Es ist schön zu sehen, dass es noch Menschen gibt, denen der Zeitgeist und die alles erstickende politische Korrektheit nicht die Gehirnwindungen verstopft haben. Vielleicht ist ja noch nicht alles verloren.

    Als der ehemalige New York Times-Herausgeber John Swaiton Mitte des 19. Jahrhundert seine Abschiedsrede hielt, ließ er denkwürdige Worte fallen: “So etwas wie eine freie Presse gibt es nicht. Sie wissen es, und ich weiß es. Nicht einer unter Ihnen würde sich trauen, seine ehrliche Meinung zu sagen. Die eigentliche Aufgabe des Journalisten besteht darin, die Wahrheit zu zerstören, faustdicke Lügen zu erzählen, die Dinge zu verdrehen und sich selbst, sein Land und seine Rasse für sein tägliches Brot zu verkaufen. Wir sind Werkzeuge und Marionetten der Reichen, die hinter den Kulissen die Fäden in der Hand halten. Sie spielen die Melodie, nach der wir tanzen. Unsere Talente, unsere Möglichkeiten und unser Leben befinden sich in den Händen dieser Leute. Wir sind nichts weiter als intellektuelle Prostituierte.“

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    1. Vielen Dank für das Lob. Mir ist aber auch wichtig, dass die Medien trotz all der ihnen innewohnenden Problematik, die Du ansprichst, in den letzten zehn Jahren noch einmal einen wesentlichen Qualitätssturz erlebt haben. Als ehemaliger Journalist habe ich das schmerzlich miterlebt.

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