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Samstag, 30. März 2013

Der Mangel in der Mangel

Drahtseilakt
Jedes dritte deutsche Unternehmen sieht in fehlenden Fachkräften die größte Gefahr für die eigene wirtschaftliche Entwicklung - und zwar schon für die nächsten Monate. Diese Statistik ist so absurd, dass es dafür nur zwei mögliche Erklärungen gibt: Paranoia oder arglistige Täuschung. Weil es soviel Wahnsinn selbst in der Welt des Wahnsinns nicht geben kann, bleibt nur Variante B. Und so trommelt die Propaganda des Konzernkapitalismus ihre Mär von einem notwendigen Wachstum, das immer mehr Fachkräfte erfordert, unters Volk. Das wird gerne wissenschaftlich mit Zahlenkolonnen und bunten Kurven untermauert, doch komisch, dass sich rund um Konrad Kustos stattdessen die arbeitslosen Akademiker häufen. Vielleicht, weil sie sich sperren, fachfremde oder unterbezahlte Arbeit anzunehmen? Oder weil sie mit Mitte Vierzig schon zu alt sind? Was sagen uns dann aber die 2222 jungen Berliner, die im vergangenen Juni nach erfolgreichem Abschluss ihrer Berufsausbildung den Weg zum Arbeitsamt antreten mussten?

Zur selben Zeit ergab eine Allensbach-Studie, dass jeder zweite Berliner Student sich Sorgen macht, seine beruflichen Chancen könnten sich verschlechtern. Bundesweit sind immerhin noch 41% der Studierenden besorgt, wenn sie an ihre Jobaussichten denken. Alles Panik? Unsinn, denn wer wüsste besser als die jungen Leute selbst, wie es in ihren Berufsfeldern aussieht? Doch das Meinungsmachungsinstitut Allensbach weiß Rat: „Angesichts der labilen Verfassung der Weltwirtschaft zweifeln viele Studierende offenbar an der Nachhaltigkeit des derzeitigen Akademiker- und Fachkräftebedarfs in Deutschland." So wird aus dem objektiven Phänomen mangelnder Berufsaussichten ein subjektives kreiert und die Verantwortung bei den Individuen abgeladen.

Einen wesentlichen wirklichen Grund liefert man versehentlich gleich mit. Das wichtigste Kriterium der Jungakademiker sei nämlich mit 70% die Sicherheit. Vorbehalte gegen einen befristeten oder heimatfernen Arbeitsplatz seien groß. Die neue Elite will sich also weder ausbeuten oder in Abhängigkeit halten lassen noch will sie sich beliebig durch die Welt schieben lassen. Das sind angemessene Erwartungen in einer zivilisierten Gesellschaft, ebenso wie die von den Befragten nachrangig genannten „Entfaltungsmöglichkeiten“.

Es geht also auch um Würde und Lebensqualität, doch mit der hat der Postkapitalismus wenig am Hut. Das merken als erstes die Nichteliten. „Wenn ich groß bin, werde ich Hartz IV“, lautet der desillusionierte Berufswunsch des prekären Nachwuchses. Denn auch das haben die Allensbacher herausgefunden: 55% der unter 30-Jährigen aus einfachen sozialen Schichten und mehr als ein Drittel aller Bundesbürger halten einen sozialen Aufstieg für unmöglich, selbst bei großen individuellen Leistungen. Und ahnt der Leser schon, womit diese Desillusioniertheit „wissenschaftlich“ begründet wird? Nicht mit einer realistischen Einschätzung der Situation seitens der Betroffenen natürlich, sondern, na klar, mit der Verwirrtheit der Befragten angesichts der Situation der Weltwirtschaft. Wenn die Umfrage nicht das ergibt, was sie ergeben soll, wird das Gewünschte eben erst rein- und dann rausinterpretiert.

Entsprechend sieht dann auch die Problembewältigung aus. Nicht eine bessere Ausbildung oder mehr berufliche Entfaltungsmöglichkeiten werden als Lösung verkauft, sondern frühkindliche Konditionierungsverfahren, die den Nachwuchs psychologisch aufrüsten, auf dass er den Konkurrenzkampf zu Seinesgleichen besser aufnehmen kann. ‚Mehr Kita, weniger Eltern’ ist einer der Vorschläge. Das System des Niedergangs wird als Kausalquelle für eine pessimistische Sicht einfach ausgeblendet. Das ist dreist. Vielleicht ist ein früher Konkurrenzkampf in der Kita ja wirklich „effektiv“ für ein Ellbogensystem, doch Konrad Kustos glaubt, dass Geborgenheit und kindliches Glückserleben nicht nur eine Voraussetzung für gefestigte Persönlichkeiten ist, sondern auch für nachhaltigen Erfolg.

Weil man aber selbst nicht so richtig an solche Optimierungsparolen glaubt, sollen nun Fachkräfte aus aller Welt angeworben werden. Mit Indonesien, Vietnam und Tunesien führt die Bundesagentur für Arbeit bereits Gespräche. Dann werden also kulturell Entwurzelte die Arbeit machen, während die Deutschen bei eben dieser Agentur nach Hartz IV anstehen werden. Doch Halt, wenn es wirklich einen Facharbeitskräftemangel geben sollte, stimmte das ja so nicht. Wenn…

Irgendwie ist dem Gedankenformatierungsapparat eine von ihm selbst beauftragte Studie entglitten. Das Bundesinstituts für Berufsbildung hat mit mehreren Partnern, darunter dem Fraunhofer Institut, untersucht, wie viel Facharbeiter denn wirklich gebraucht werden. Dabei kam es zu erstaunlichen Ergebnissen. „Für spezielle Qualifikationen und in einzelnen Regionen kann es schon heute einen Fachkräftemangel geben. Auf breiter Front ist dies noch nicht der Fall.“

Noch interessanter ist die Erkenntnis, dass ein solcher relevanter Mangel, demographisch begründet, erst ab 2025 eintreten könnte. Das ist lang hin für Statistiker, die sonst nichtmal vier Wochen vor der nächsten Landtagswahl den Sieger verlässlich raten können. Der Knüller aber sind die Branchen, die vom Arbeitskräftemangel betroffen oder eben nicht betroffen sein sollen. Alle relevanten technischen, kaufmännischen und produzierenden Berufe bleiben nämlich danach vollversorgt, außer a) Lagerarbeiter und Wachdienste, b) Gastronomie- und Reinigungsberufe und c) Gesundheits- und Sozialberufe. Außerdem werden noch Manager, Wirtschaftswissenschaftler, Künstler, Soziologen und ähnliche Paradiesvögel aufgeführt, aber das will uns doch keiner erzählen, dass man da nicht auch mit der halben Besetzung auskäme.

Was bleibt, sind also klassische Billiglohnbranchen. Hinter dem Begriff „Fachkräftemangel“ wird so versteckt, dass man befürchtet, uns würden die billigen Dienstleistungskräfte knapp werden. Nein, das ist unpräzise, vielmehr befürchtet man, dass bei einer Verknappung die Lohnkosten erheblich steigen könnten.

Hier also zeigt sich, warum die Wirklichkeit hier so vehement umgebogen wird. Es geht schlicht um Lohndumping, das von Postkapitalisten gefordert und dann wissenschaftlich ‚untermauert’ wird - ideologisch abgesichert mit Verweisen auf den globalisierten Wettbewerb usw. Den Billiglohnsektor für schlecht Ausgebildete hat man so schon famos unter den nicht existierenden Mindestlohn gedrückt, nun soll es auch den Fachkräften mit Angstmache und Ausländerimport ans Portemonnaie gehen. Was dabei nach kurzfristigen Vorteilen langfristig herauskommen kann, haben allerdings schon die Gastarbeiteranwerbungen der 60er-Jahre gezeigt.

Das Schlusswort will ich heute ganz dem Bundesinstitut für Berufsbildung überlassen. Wie groß könnte überhaupt der wirtschaftliche Schaden werden, fragt die Studie, der Deutschland durch einen Fachkräftemangel drohte? Die Antwort stellt die ganze Propaganda und Zielsetzung interessierter Kreise endgültig auf den Kopf: „Gelingt es …, Vollbeschäftigung zu erreichen, sollte nicht von einem wirtschaftlichen Schaden gesprochen werden. Ein wirtschaftlicher Schaden würde … dann entstehen, wenn es neben einem Fachkräftemangel noch zu gleichzeitiger Massenarbeitslosigkeit käme.“

1 Kommentar:

  1. Wirtschaft ist Krieg im Frieden,erst wird der Konkurrent und der mögliche Konkurrent(Arbeitnehmer) bekämpft und falls das Ziel erreicht und es nichts mehr zu Gewinnen gibt,folgt der Satz: “Krieg ist die Fortsetzung der Politik mit anderen Mitteln”

    M.f.G

    Habnix

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