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Samstag, 23. März 2013

Euro-Eulen

In einer Studie über das „Dreiländereck“ Baden-Schweiz-Elsass haben interkulturelle Wissenschaftler Erstaunliches herausgefunden: Deutsche Kinder sind eher fettleibig, weil sie morgens früher in die Schule müssen. Ihre kulturellen Kontrahenten in der Schweiz und Frankreich hätten nämlich vor der Schule mehr Zeit und könnten gesünder frühstücken. Wir lernen: Essen macht schlank, französisches Frühstück ist gesund und Wissenschaftler wissen, was sie sagen. Dass auch beim Letzteren eher das Gegenteil der Fall ist, haben studierte Experten besonders am Beispiel EU massenhaft bewiesen, nun aber ist das Maß voll. Das Hamburger Weltwirtschaftsinstitut hat vorgerechnet, dass Europa nur zu retten ist, wenn Deutschland in den anderen EU-Ländern die Arbeitslosigkeit mitfinanziert und ein System der „Umverteilung“ nationalen Besitzes in jährlichen Milliardenbeträgen eingerichtet wird. Die ohnehin bereits indirekt stattfindende Enteignung Deutschlands soll so intensiviert und institutionalisiert werden.

Andere EU-Eulen hatten uns schon die Normung der Gurkenkrümmung (maximal 1 cm pro 10 cm Länge) und den Salzgehalt von Brot vorschreiben sowie die Brezel verbieten wollen. Sie hatten sich sogar Gedanken gemacht, dass Schlafanzüge ausschließlich weit zu schneidern seien, um deren Brandgefahr zu minimieren. All das ist zum Glück Geschichte, aber was die Hamburger Kollegen jetzt veröffentlicht haben, hat gute Chancen der Verwirklichung, einfach weil es absurd genug ist und die EU-Philosophie auf den Punkt bringt.

Für die Wissenschaftler und mit ihnen kooperierende Wirtschaftsprüfer sind die strukturellen Unterschiede zwischen den Euro-Ländern der eigentliche Grund dafür, warum wirtschaftliche Probleme nicht schneller überwunden werden. Anstelle von Ad-hoc-Maßnahmen wie dem sogenannten Rettungsschirm gelte es , „ein System der phasenweisen Umverteilung" aufzubauen. Milliardenbeträge sollen direkt aus dem deutschen Steueraufkommen in die notleidenden Staaten Europas fließen.

Jedes Euro-Land soll dem Konzept zufolge 10% seiner zu versteuernden Einkommen in diesen Mechanismus stecken. Das so erhobene Geld würde genau nach Bevölkerungszahl an die Mitgliedsstaaten rückverteilt. Die Frage, ob auch Unternehmensgewinne dazugehören wird in dem Bericht nicht gestellt, dürfte sich aber nach der Logik des Niedergangs leicht beantworten lassen. Relevant ist das sowieso nicht, denn entscheidend ist der perverse Grundgedanke: Wer mehr leistet, muss mehr bezahlen und umgekehrt.

Für deutsche Steuerzahler hieße das, rund 200 Milliarden Euro in das Transfersystem einzahlen und 170 Milliarden Euro zurückzubekommen. Unsere Leistungsfähigkeit würde uns zur Stabilisierung der Union also jährlich 30 Milliarden kosten, während Spanien 18 und Italien 17 Milliarden Euro erhielten. Für jeden Hungerleider, der in die kaputten Wirtschaften hineingeboren wird, entsprechend mehr.

Damit nicht genug der Ideen der Hamburger Eierköpfe. Um konjunkturelle Unterschiede zwischen den Ländern abzufedern, soll außerdem eine euroweite Arbeitslosenversicherung Jobsuchenden ein Jahr lang 30% des nationalen Durchschnittseinkommens bezahlen. D.h. deutsche Bürger zahlen auch noch die Arbeitslosenkosten, obwohl der dadurch angeregte Konsum den Mutterländern zugutekommt. Finanziert werden soll dies durch eine weitere Abgabe von 2% auf die zu versteuernden Einkommen. Hier warten auf uns Kosten von zehn Milliarden Euro netto pro Jahr.

Das erinnert an den alten Witz vom Kommunismus, in dem alles geteilt wird und, wenn alles verbraucht ist und einer sich wieder etwas erarbeitet hat, wird eben erneut geteilt. Das Schlimme ist, dass es diesmal kein Witz ist, sondern ernst gemeint. Eigentlich wird damit ja auch nur die bisherige Praxis euro-internationaler Umverteilung auf die Spitze getrieben. Es ist aber gleichzeitig nicht mehr und nicht weniger als der Versuch, unsere Lebensgrundlagen zu zerstören.

Winkeljohann und Straubhaar heißen die klugen Köpfe hinter diesem Anschlag auf den gesunden Menschenverstand, die uns mit ihren Winkelzügen das Haar sträuben lassen. Ein Prozess wegen Hochverrats wäre angemessen, aber sie werden mit der Idee stattdessen die Tournee zu hochbezahlten Kongressauftritten antreten.

Das Entlarvende ist jedoch die Argumentation, mit der sie die Notwendigkeit ihres Vorschlags belegen wollen. „Wenn wir an Europa festhalten wollen, müssen wir Geld in die Hand nehmen". Es sei notwendig, Mittel von reichen zu armen Staaten sowie im Falle einer Krise von weniger betroffenen Ländern zu besonders betroffenen umzuverteilen. Erstens ist das gar kein Argument, sondern nur eine Behauptung. Zweitens aber handelt es sich um eine völlig willkürliche und fragwürdige Wenn-Dann-Funktion.

Vielleicht haben sie sogar recht, dass wir all das über uns ergehen lassen müssen, wenn wir Euroland retten wollen, aber warum sollten wir das tun? Es wird nicht wissenschaftlich untersucht, ob uns der Euro nützt, sondern dies einfach vorausgesetzt. Das ist nicht Wissenschaft, sondern bestenfalls ein lächerlicher Sophismus. Es reicht aber, um vielen verunsicherten Leuten den Kopf zu verdrehen.

Das Problem, das sich hier zeigt, ist ein grundsätzliches. Experten, egal ob CERN-Phantasten oder Lügen-Ökonomen, dichten längst ihre Wirklichkeitsmodelle abgehoben von der Realität. Werte werden in so schicke wie nach Bedarf zurechtgefummelte Formeln eingesetzt, mit denen man auch beweisen kann, dass im Himmel Jahrmarkt ist. Die Rückkopplung mit Sachargumenten, praktischen Erfahrungen oder der Erkenntnis, dass so komplexe Phänomene so gut zu berechnen sind, wie die Frage, ob es 2022 Weiße Weihnachten gibt, findet nicht mehr statt. Und am schlimmsten: In der theoretischen, also wohlgemerkt nicht in der bodenständigeren praxisorientierten Forschung, glauben sie den erzählten Quatsch selber.

Die technischen und wissenschaftlichen Möglichkeiten dieser neuen Religionsführer verführen sie zu einer beispiellosen Arroganz. Das Volk hingegen zeigt sich von der scheinbaren Kompetenz beeindruckt und stellt eingeschüchtert das eigene Denken ein. Auch dies ist ein Phänomen der im Buch „Chaos mit System" beschriebenen „Informationskatastrophe“: Es ist eine Folge der Unbeherrschbarkeit der explosiven Wissensvermehrung. Der gerade beschriebene Umverteilungsansatz aus Hamburg, der vielleicht in nicht allzu langer Zeit in dieser oder ähnlicher Form Realität wird, beweist, dass die Folgen schlimmer sein werden, als wir uns derzeit träumen lassen.

Kommentare:

  1. Die Experten am CERN mit den heutigen Wirtschafts-"Wissenschaftlern" zu vergleichen halte ich für etwas gewagt. Bei Physikern gehören Theorie, Versuch und Irrtum zum Konzept des Erkenntnisgewinns, also kein Problem, wenn mal ein Neutrino zu schnell ist. Die Ökonomen versuchen die Wirtschaft nach ihren Ideen zu formen, das Ergebnis war sowohl bei Marx als auch bei den Chicago Boys eher problematisch und hat Auswirkungen auf jeden. Sozusagen Menschenversuche.

    Die Ideen des Hamburger Weltwirtschaftsinstitus, wenn sie denn wirklich so ausgesprochen wurden, sind gemeingefährlich. Ungezielte dauerhafte Ausgleichszahlungen in dieser Größenordnung führen in die Katastrophe, politisch und wirtschaftlich. Das funktioniert schon innerhalb von Staaten schlecht (siehe Deutschland, Italien oder Spanien) und darüber hinaus erst recht nicht. Existente korrupte Strukturen werden nur noch mehr gefüttert.

    Das einzig positive an dem Vorschlag ist, dass er meiner Einschätzung nach nicht mehr verwirklicht wird. Das jetzige EU-Konstrukt ist nicht in dieser Größenordnung veränderungsfähig. Selbst die staatsinternen Finanzausgleichsysteme kommen unter Druck ("Seit 9 Uhr wird geklagt" - Markus Söder heute). Am deutlichsten machen das derzeit die Katalanen, die sich gleich von Spanien abspalten wollen.

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  2. "Neutrino zu schnell" ist ok, aber "schneller als Lichtgeschwindigkeit" zu behaupten, verlangt einen Jobwechsel (z.B. die Milliardenröhre putzen statt nutzen).

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