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Samstag, 27. April 2013

Export ist Mord

Mit Euro Arm dran?
Zypern ist also gerettet. Zypern? Wäre es sonst im Meer versunken oder von der Landkarte gestrichen worden? Wäre es gar verschwunden, auf Knopfdruck wie die aus „Lost“ bekannte Insel? Nö, zwei Banken hätten pleite gemacht und damit verwüstete Staatsfinanzen noch ein bisschen mehr verwüstet. Moralisch, wie wir sind, haben wir Zypern (besser: seine Bankwirtschaft) trotzdem gerettet, d.h. der Bundestag hat das mit seinem demokratischen Votum getan, wir Normalos müssen es nur bezahlen. Allerdings ist das, wie man immer wieder von Herrn Gysi und anderen Experten hören muss, auch zu unserem Besten, denn Zyperns Einbindung in den Euro erhöht ja unseren Auto-Export. Unseren? Also Konrad Kustos hat noch kein einziges Auto nach Zypern geliefert.

  Nun aber werden die zypriotischen Bankkonten sowohl von armen Leuten als auch von Reederei-Milliardären mit Hilfe von deutschem Geld und deutschen Steuern und deutscher Inflation weiterbestehen, während die Geretteten über die bösen Deutschen klagen, die sich ihren Wohlstand irgendwie von den Zyprioten ergaunert haben müssen. Die Pläne von Handelsbeschränkungen zuungunsten Deutschlands liegen deshalb auch schon in den Brüsseler Schubladen, denn mit dieser aktuellen Form von Protektionismus glaubt man, den maroden Volkswirtschaften auf die Beine helfen zu können.

Wieso eine Abkehr von marktwirtschaftlichen Strukturen hin zur Planwirtschaft diesen Ländern langfristig helfen soll, lässt sich nicht mit Vernunft, sondern nur mit gelebter Virtualität erklären. Das dahinterstehende Konzept nennt man offiziell Humanismus und in Wirklichkeit ist es Surrealismus. Tatsächlich geht es um die Stabilisierung eines Systems der Umverteilung, das nicht wie behauptet von Nord nach Süd organisiert ist, sondern von oben nach unten.

Für unser aller Bundes-Schäuble ist das soeben verabschiedete 10-Milliarden-Zypern-Rettungspaket ein Beitrag zur dauerhaften Sicherung des Euro und der „Stabilität und Handlungsfähigkeit der gesamten Euro-Zone“. Immerhin werden diesmal auch Kontoinhaber mit zur Kasse gebeten, wofür die Verantwortlichen von Hardlinern der Umverteilung sogar ordentlich Dresche bezogen haben. Schäuble sieht aber unverdrossen in der Mitbeteiligung der Bankennutzer an einer Bankensanierung eine Blaupause für die Zukunft, weil die Banken sonst völlig hemmungslos wirtschaften würden, und bekommt dafür hier einen Pluspunkt gutgeschrieben (was ihm nicht viel hilft, denn sein Kustossches Punktekonto ist ziemlich in den Miesen).

Mit dem Geld soll sich Zypern jedenfalls „refinanzieren“, d.h. neue Schulden machen können. Wer glaubt, dass das hilft, befindet sich innerhalb der Wachstumslogik eines Pilotenspiels, d.h. mit anderen Worten innerhalb des Kompetenzrahmens geltender Wirtschaftsdoktrin. Ohne die Hilfe, so Schäuble, drohte Zyperns Staatsbankrott und drohten neue Ansteckungsgefahren für andere Euro-Krisenstaaten. Und da ist schließlich angeblich alles auf dem allerbesten Weg. Nur so sei für Deutschland „hoher Wohlstand, Beschäftigung und soziale Sicherheit“ zu erreichen, denn Deutschland profitiere von der gemeinsamen Währung am meisten.

Da die Behauptung eines Profitierens Deutschlands neben der des „Friedensinstruments“ die Grundlage des ganzen Lügengebäudes ist, muss nun der Fall Zypern herhalten, diese Doktrin der „Wirtschaftsweisen“ einmal grundsätzlich in diesem Blog zu hinterfragen. „Wirtschaftsweise“, ein gerne von interessierten Kreisen gebrauchter Euphemismus, ist deshalb quotiert, weil die Wirtschaftslehre in der Seriositätshierarchie der Wissenschaften kurz vor oder nach der Astrologie kommt und an Sinnhaftigkeit sogar noch von der Meteorologie und der Quantenmechanik überboten wird. Argumente funktionieren bei den studierten Experten nach dem Prinzip: „Einer hat das behauptet, und wir finden es auch gut.“ Dann folgen viel Statistik und dreisterweise auch ein komplexes Formelsystem, das so gut ist wie seine Prämissen, nämlich gar nicht.

Wie im Kommunismus klingt dies alles soweit logisch, solange man den falschen Prämissen folgt. In unserem konkreten Fall wird die Exportwirtschaft unzulässig mit der Gesamtwirtschaft gleichgesetzt. Was für Exporteure gut ist, muss aber für Inlandsproduzenten nicht ebenso gut sein, kann dem sogar zuwiderlaufen. Ein exportorientiertes Land muss nämlich auch importfreundlich sein, was wiederum die Konkurrenz für die heimischen Betriebe erhöht. Export transportiert nationale Werte und Substanz (Rohstoffe, Arbeitskraft, Know how) ins Ausland, was solange gut ist, wie der Gegenwert auch der Nation zugute kommt und nicht vorrangig den Konzernen (die inzwischen meist sowieso global agieren). Eine zu starke Exportorientierung erzeugt politische Abhängigkeiten, macht erpressbar, unbeliebt und krisenanfällig.

Ihr großer Vorteil in der herrschenden Logik ist aber, dass sie neue Märkte erschließen kann, also Wachstum trotz gesättigter nationaler Märkte ermöglicht. Der Kurzschluss ist eben die beliebteste aller Schlussfolgerungen des Niedergangs. Das kann eine Weile gutgehen, aber am Ende hat man auch hier eine Sättigung, die Unzufriedenheit der wirtschaftlich Unterlegenen wächst, und am Ende stehen Konflikte oder gar Verteilungskriege. So viel zum Friedensinstrument EU.

Zulässig verkürzt ausgedrückt, ist die EU ein Instrument zur Binnenkolonisierung, jedoch nicht im Interesse nationaler Politik, sondern der von exportierenden Konzernen. Letztere profitieren gleich dreifach: Einmal über die verbesserten Absatzmöglichkeiten, zum zweiten über die Subventionen und subventionierten Kredite, die sie zur Wachstumsankurbelung bekommen. In Tateinheit mit der herrschenden „Rettungspolitik“ der EU-Granden werden die Märkte aber auch mit Unmengen von Geld aus der Druckerpresse und anderen virtuellen Werten gestützt. Dies führt zwangsläufig zur Inflation, was wiederum ganz speziell den Unternehmen (hier allerdings nicht nur den exportierenden) nützt, denn die haben ihre Finanzierung weitgehend auf Krediten aufgebaut, die dadurch für sie billiger zu bedienen sind.

Einen weiteren Vorteil gibt es noch obendrauf: Wenn der Wert des Euro durch die beschriebene Politik sinkt, können problemlos die variablen Kostenfaktoren (Einkauf, Verkauf) angepasst werden und der Wert des Inventars steigt analog zum Fallen der Währung, nur ein unangenehmer Faktor entzieht sich der unmittelbaren Anpassung: die Löhne, die parallel zur Währung entwertet werden. Und wer würde es wagen, in Zeiten der dann offensichtlichen Krise, die Unternehmen auch noch mit Lohnforderungen zu belästigen….

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