Kustos kommentiert nicht mehr -
Der Blog schweigt wegen "antifaschistischer" Angriffe.

Dienstag, 4. Juni 2013

Nach-Gedacht: Fukushima


Natürlich wollen und können wir offiziellen Verlautbarungen nicht unbesehen glauben. Gebrannte Kinder scheuen das Feuer. Aber zur Kenntnis nehmen müssen wir sie schon, denn sie enthalten immer direkte oder indirekte Informationen und müssen ja auch nicht zwangsläufig falsch sein. Oft erzählen sie auch im Zusammenhang mit dem Nichtgesagten sehr ausführliche Geschichten. Eine dieser Verlautbarungen ist der gerade veröffentlichte Bericht der Vereinten Nationen über die Folgen des Atomunfalls von Fukushima. Nach einer umfangreichen Untersuchung kommt die UN zu dem Schluss, dass als direkte Folge des Atomunfalls weder Menschen starben noch an Krebs erkrankten. Die Katastrophe habe überhaupt keine Gesundheitsfolgen für die Bevölkerung gehabt.

  In diesem Blog, der sich als eine der ganz wenigen Quellen zu diesem Thema kritisch mit der damaligen unglaublich überzogenen, geradezu hysterischen und schlicht unwahren Berichterstattung in den Medien auseinandergesetzt hatte, waren schon zeitnah einige Relativierungen erschienen. Während die Medien und andere Berufsbetroffene von Zehntausenden Toten nach dem Reaktorunfall sprachen, konnte Konrad Kustos bei seinen Recherchen nicht einen einzigen so verursachten Toten finden. Das störte die kritische Öffentlichkeit und unsere Kanzlerin, die deshalb unter anderem ihre komplette Energiepolitik über den Haufen warf, nicht, weiter die Toten des Tsunamis mit der Reaktorkatastrophe in einen Topf zu werfen.

Vielleicht muss man ja bei dieser UN-Meldung ebenfalls skeptisch sein. Vielleicht gab es doch den einen oder anderen Toten oder Kranken. Wir sind nicht vor Ort, und selbst dort wird man nicht so leicht Genaues herausfinden können. Strahlung ist unsichtbar und wirkt langfristig. Sicher dürfte aber sein, dass unsere damalige Skepsis in der Sache berechtigt war.

Was aus all dem aber unzweifelhaft hervorgeht, ist, wie unsere Medien im Zeichen des Niedergangs funktionieren: Nachdem damals jede erfundene Horrormeldung seitenweise breitgetreten wurde, findet sich jetzt die UN-Entwarnung in meiner Hauszeitung auf zwölf Zeilen am Rand der vierten Seite. Spiegel online hat immerhin eine Agenturmeldung dazu übernommen.

Ansonsten ruht der See still, und wir können uns schon darauf vorbereiten, im nächsten persönlichen Gespräch mit großen Augen als weltferner oder böswilliger Spinner angesehen zu werden. Die Lüge sitzt tief. Die selektive Wahrnehmung der Welt durch die neue Medienwirklichkeit könnte so nicht besser bewiesen werden. Manipulation war gestern, heute heißt es Gehirnwäsche.

Kommentare:

  1. Das Problem bei dieser Studie ist, dass die WHO sämtliche Berichte, die mit Kernenergie zusammenhängen, im Vorfeld der Internationalen Atomenergie-Organisation (IAEO) zum Absegnen vorlegen muss.

    Die zentrale Aufgabe der IAEO, die Förderung der friedlichen Nutzung der Kernenergie, geht also von der angelegten Struktur her vor die zentrale Aufgabe der WHO, nämlich die Gesundheit der Weltbevölkerung zu fördern.

    Das monieren die Atomkraft-Nein-Danke-Leute seit Jahrzehnten - und durchaus mit Recht.

    Mehr zum zugrundeliegenden Vertrag hier:
    http://www.guardian.co.uk/commentisfree/2009/may/28/who-nuclear-power-chernobyl

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Vielen Dank für den konstruktiven Hinweis.

      Löschen
  2. Über Fukushima hat die Obrigkeit die Omertà gebreitet. Nun ist es amtlich: Atomstrahlung ist nun offenbar nach der neuen Lesart der UN relativ und abhängig nicht nur nach der Quelle zu beurteilen, sondern auch von der Örtlichkeit. Alle bisherigen Strahlungsopfer waren nur zum verkehrten Zeitpunkt am verkehrten Ort.

    Der Artikel ist m. E. mit Verlaub etwas für die Tonne.

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Nun ist es amtlich: Manche Leute wissen alles besser, obwohl sie kein Argument vorbringen können.

      Löschen
    2. Man kann belegte Fakten ignorieren. - Da hilft nur ein persönlicher Test. Ich empfehle dem Autor seinen Familienwohnsitz in die unmittelbare Nähe des gelobten Atommeilers in Japan zu verlegen.
      Man kann auch dort seine geistige und rhetorische Überlegenheit in Szene setzen. Manche Leute sind auf die entsprechenden Ergebnisse von dort aus sicher sehr gespannt.

      Löschen
    3. Momentmal, ich bin verwirrt. Die belegten Fakten, über die wir gerade reden, stehen doch in dem UN-Bericht. Die willst Du also ignorieren, nun gut, Deine Sache. Aber warum soll ich nach Japan ziehen? Du bist doch schon da und weist alles aus erster Hand. Und sollte ich tatsächlich irgendwo einen Atommeiler gelobt haben? Wir sollten beide nochmal nachlesen. Oder willst Du mir bloß eine geistige Überlegenheit vorwerfen, wie ich Deinem Kommentar entnehme? Aber für die kann ich doch nicht! Die Empfehlung, nach Japan umzusiedeln, erinnert mich jedenfalls fatal an das "Geh doch in den Osten, wenn's dir hier nicht passt" aus Mauerzeiten. An der Dummheit des Arguments hat sich höchstens die politische Polarität geändert, wobei Dummheit eigentlich nur eine einzige Polarität hat, egal, ob sie sich links oder rechts nennt.

      Löschen
    4. Der UN-Bericht meint, dass es keine Strahlungsgeschädigten in dem besagten Fuku-Refugium gegeben hat. --- Die UN nennt ja auch "Flugverbotszonen" so, weil darin nur die eigenen Bomber fliegen dürfen um dann ein ungeliebtes Staatswesen in Schutt und Asche bomben zu können. Frei nach dem Motto: "Willst du nicht meine Meinung sein, so schlage ich dir den Schädel ein" ---- westliche Idiologoie, wie es scheint

      Werter Hr. Kustus, wenn 3 Atomreaktoren sich mit einer Kernschmelze ins Jenseits verabschieden, dann bleiben nachhaltige (lebensbedrohliche) Wirkungen zurück. Das sollte man schon glauben. Dazu braucht man noch nicht einmal eine abgeschlossenen Schulabschluss.

      Oder gibt es in Ihrer Weltvorstellung GUTE und BÖSE Nuklearanlagen. - Dann schalte ich hier liebe beser ab.

      Löschen
    5. Da haben Sie es auf den Punkt getroffen: Ohne Schulbildung muss man mehr glauben. Ich richte mich stattdessen nach den verfügbaren Fakten. Die müssen nicht stimmen, aber wenigstens muss ich nicht blind drauflos glauben. Und dass jetzt nichtmal die Gutmenschen-UNO für manche Weltverbesserer mehr als glaubwürdige Quelle zählt...

      Löschen
    6. Ein Mensch - das trifft man gar nicht selten - der selbst nichts gilt, läßt auch nichts gelten. Und manchmal glaubt dieser ja auch glaubig wie ein Kind, dass alle obrigkeitshörigen Menschen gute Menschen sind; und später kommt es dann vom Haarespalten zum Schädelspalten.

      Ich jedenfalls habe aus dieser betrüblichen Unterhaltung gelernt, dass sie offenbar zu den Menschen gehören, die wissen, dass es nuklearresistente Menschen gibt. Geile Faktenlage.

      Löschen
  3. ist für mich keine Frage: Atomkraft ist schädlich, die Strahlen machen über kurz oder lang krank bis hin zum frühzeitigen Ableben. Dieser Artikel ist gefährlich...er kann als Zitat mißbraucht und für Pro-Atomkraft eingesetzt werden.

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Nicht nur Atomkraft. Auch Wasser ist schädlich. Sieht man gerade in den letzten Tagen oft im Fernsehen.
      Über kurz oder lang wird wohl nur ein Verbot helfen.
      Oder wie siehst Du das, Uli?

      Löschen
  4. Das ist keine Frage: Andere Meinungen sind immer gefährlich, sie könnten ja die eigene heile Welt infragestellen und zum Nachdenken eingesetzt werden.

    AntwortenLöschen
  5. Also ein Reaktorunfall ist immer eine Katastrophe, weshalb sollte es in Fukushima anders zugehen als damals in Tchernobyl. Ich habe weder studiert noch sonstwas. Aber gesunder Menschenverstand hat absolut nichts mit Intelligenz zu tun. Auch Intelligente Menschen haben oft keinen gesunden Menschenverstand. Oder sie können oder wollen die zusammenhänge nicht erkennen. Man kann doch 1 und 1 zusammenzählen. Das ist nun wirklich nicht schwer. Ganz zu schweigen von den folgen für das Meer. Der ganze radioaktive Müll wurde ins Meer geleitet. Und wie wir Wissen, werden wir über unsere Medien nur ungenügend informiert. Das Japanische Zivilvolk wird wohl auch nie mehr erfahren als unbedingt notwendig ist. Das versteht man auch ohne große Bildung.

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Es ist deshalb in Fukushima anders zugegangen als damals in Tchernobyl, weil sowohl der Reaktortyp als auch das spaltbare Material unterschiedlich gewesen sind - du meine Güte, das wird doch nicht einmal von Atomkraftgegnern bestritten, das lässt sich ganz gemütlich bei Wikipedia nachlesen ...

      Löschen
    2. Für manche Leute ist wahrscheinlich auch Wikipedia längst von Knechten der Atomindustrie unter Kontrolle gebracht worden.

      Löschen
    3. "Das Japanische Zivilvolk wird wohl auch nie mehr erfahren als unbedingt notwendig ist."

      Zum Glück haben wir dafür Dich, lieber Anonymus. Vielen Dank für Dein Feuerwerk von Daten, Fakten und Analysen.

      Löschen
    4. Als einfachem Bürger, ob mit Studium oder ohne, bleibt einem wirklich nur, 1 und 1 zusammenzuzählen und daraus seine politischen Konsequenzen zu ziehen. Bei Themen wie Kernenergie geht es um so viel Geld, dass man naiv wäre, wenn man einfach den offiziellen Studien glaubt. Keine oder nur wenige Tote? Lachhaft bei den Mengen an Radioaktivität. Sich auf Seiten der Atomkraftbefürworter zu stellen und (ebenfalls ohne eigene Forschungsarbeit oder wenigstens Recherche von Quellen beider Seiten) zu behaupten, alles wäre Hysterie, ist ein wenig billig, gelinde gesagt.

      Man muss sich einfach ein paar Sachen bei der Diskussion logisch klarmachen: a) Tod durch Radioaktivität ist fast immer eine rein statistische Sache, die sich im Einzelfall praktisch nicht nachweisen lässt. Aber statistische Tote sind genauso tot wie direkt verursachte. b) Sozialisierte Kosten der Atomkraft, wie die x-tausendjährige sichere Aufbewahrung der Abfälle, aber auch die erleichterte Proliferation (zu deutsch, die Möglichkeit, eine atomwaffenfähige Nuklearwirtschaft legal aufzubauen, siehe Iran) werden nicht an die Betreiber weitergereicht.

      Aber rein logische Argumente dieser Art (eben 1+1) werden gerne in der Diskussion unter rhetorischen Scheinargumenten und Ironie begraben.

      Löschen
    5. Hallo Dingodog, Dir ist schon aufgefallen, dass es in dem Text nicht um DIE Atomkraft ging, sondern um die Folgen oder Nichtfolgen von Fukushima? Und wenn wir irgendwelchen und offensichtlichen Parolen nur widersprechen dürften, wenn wir eigene Forschung dazu betrieben hätten, sähe es um unsere Gesprächskultur mau aus. Bleiben wir also beim 1+1-Zusammenzählen, und genau das habe ich gemacht. Die statistischen Toten im Zusammenhang mit Atomkraft stelle ich überhaupt nicht in Abrede, sondern einen Zusammenhang her zwischen Medienhysterie, Fakten und anschließendem Verschweigen dieser Fakten. Selbst wenn man die UN-Studie in Zweifel zieht, was man durchaus tun kann, hätte darüber ausführlich berichtet werden müssen. Das solltest auch Du nicht mit ironischen oder anderen Scheinargumenten ins Endlager bringen.

      Löschen
    6. Hallo Konrad, das ist mir durchaus aufgefallen. Aber wenn man Fukushima, Tschernobyl und andere immer nur für sich stehen lässt und nicht für die Atomkraft als ganzes, ist die nächste Katastrophe sicher. Deswegen habe ich mir erlaubt, ein paar gar nicht ironisch gemeinte Argumente zum übergreifenden Thema zu bringen.

      Eine stärkere Beachtung der UN-Studie hätte ich mir auch gewünscht, aber sie ist mir durchaus bewusst, z.B. gerade im aktuellen New Scientist erwähnt. Aber was will man erwarten? Ich denke, auch eine gegenteilige Meldung ("50'000 Krebstote durch Fukushima erwartet") wäre nicht auf der Titelseite gelandet, wenn man so schöne Stories über das Hochwasser schreiben kann.

      Löschen
  6. Ach, ja da wird so manches in dem Bericht verdreht. Die tausenden Toten waren nicht unmittelbar wegen dem Reaktorunfall sondern wegen dem schweren Erdbeben und den Überflutungen. Man sollte nicht zusammenhänge miteinander vermischen die keine sind.

    AntwortenLöschen
  7. Im Endeffekt merke ich immer wieder dass es nichts bringt zu diskutieren. Der eine macht sich für die eine Meinung stark der andere für die andere, und man kommt nie auf einen nenner. Zeitverschwendung

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Ja, manchmal, so zu diesem Post, hat man den Eindruck. Das liegt aber daran, dass die Ideologen und Paranoiden sich mehr äußern als die Vernünftigen. Der Text sollte ein bisschen Gegenöffentlichkeit bieten, und viele lesen das gerne, müssen es aber nicht kommentieren. Und oft gab es hier und anderswo ja auch viele konstruktive Debatten. In dem Punkt behalte ich meine optimistische Weltsicht.

      Löschen
  8. Es gibt irgendwo im Netz einen Bericht über Tschernobyl, wie es jetzt ist: Das ganze Gebiet war ja weiträumig abgeriegelt und komplett entvölkert, hat sich jetzt zu einem Naturparadies zurückentwickelt und wird von Forschern regelmäßig betreten und beobachtet.

    Ist schon eine Weile her, dass ich den Bericht gesehen habe, aber drei Dinge sind mir noch deutlich in Erinnerung geblieben: Eine alleinstehende Oma mit Gemüsegarten meinte damals, sie wäre zu alt für den Scheiß, und ist vor Ort geblieben. Zum Zeitpunkt des Drehs, also viele Jahre später, wurstelte sie noch munter in ihrem Garten rum. Neben den obligaten Wölfen und allem anderen, was die dortige Fauna so zu bieten hat, hat sich eine stetig wachsende Herde der (nahezu ausgestorbenen und praktisch nur noch in Zoo- und Privathaltung lebenden) Przewalski-Pferde dort angesiedeltt. Und: die lokale Mäusepopulation, die derzeit wohl an ihrer ca. milliardsten Folgegeneration seit dem GAU arbeitet, weist angeblich NULL Gendefekte oder sonstige Schäden auf. Der Typ, der eine Beispielmaus seziert hat, hat gesagt, sie würden sich immer wieder darüber wundern, weil gerade die Mäuse besonders zuverlässige Indikatoren für langfristige Genmutationen sind.

    Atomkraft nein danke, völlig klar, und auch klar, dass wir in medialen Propaganda-Fakes förmlich ersticken und deshalb besser nichts glauben und nichts ausschließen sollten, egal, wo es herkommt.

    Trotzdem hab ich mich über den Bericht unsäglich gefreut - weil er die Angst nimmt und Hoffnung gibt. Und ich denke, das können wir alle dringend gebrauchen.

    Das gilt auch für obigen Artikel.

    AntwortenLöschen
  9. Hallo, der "Bericht" ist eine Arte-Doku (heutzutage leider nicht mehr unbedingt ein Qualitätsmerkmal). Ich kann ihn sehr empfehlen:
    Tschernobyl - Die Natur kehrt zurück

    AntwortenLöschen
  10. Das Spiel heißt teile und herrsche ...

    und mein Blick hat sich sehr verändert, seit dem ich - bei den offiziellen Nachrichten die immer und immer wieder durch die Medien gepeitscht werden - zunächst immer erst mal genau das Gegenteil annehme von dem was uns vorgeweint, gepredigt, Angst eingeflößt, glauben gemacht ... wird.

    Aufwachen !

    AntwortenLöschen
  11. Eine atomkritische Ärztevereinigung hat übrigens ganz andere Fukushima-Folgen zusammengestellt:

    http://www.ippnw.de/commonFiles/pdfs/Atomenergie/Fukushima/Gesundheitliche_Folgen_Fukushima_dt.pdf

    Dabei stützt sie sich auf Angaben der Präfektur Fukushima:
    http://www.pref.fukushima.jp/imu/kenkoukanri/240125shiryou.pdf

    Da kann man dann als interessierter Laie nur davorstehen und sich am Kopf kratzen ...

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Sehr interessant, vielen Dank. Ich habe mir das angeguckt und werde demnächst, vielleicht am Montag, noch was dazu posten. Da werden Strukturen der Manipulation offensichtlich, die erklären, warum auch hier einige der Kommentare so fanatisch und gleichzeitig uninformiert waren.

      Löschen