Kustos kommentiert nicht mehr -
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Samstag, 3. August 2013

Neue Hysterische Heilsuche

Weil Schwachsinn ein grenzüberschreitendes Phänomen ist, tagten zu Beginn des Sommers in Berlin die „Homöopathen ohne Grenzen“, um herauszufinden, wie die Segnungen dieser Pseudowissenschaft auch anderen Völkern übergeholfen werden könnten. Über diese esoterische Lehre wurde hier schon geschrieben und wird noch mehr geschrieben werden. Zu schön lässt sich daran nachweisen, wie Lügen und der Wunsch, belogen zu werden, immer wieder eine ungesunde Einheit eingehen. Heute soll aber einmal nur kurz der monetäre Aspekt betrachtet werden: 70% der Krankenkassen finanzieren das verantwortungslose Tun von Abertausenden deutscher Ärzte, die wirkungslose Pillen verschreiben. Das bedeutet ein Geschäft, an dem alle verdienen außer die hilfesuchenden Patienten. Als Konrad Kustos seinen Orthopäden einmal zur Rechenschaft ziehen wollte, breitete der nur die Hände aus und sagte: „Sie und ich wissen, dass das Zeug nichts hilft, aber wenn ich es nicht verabreichen würde, könnte ich meinen Laden zumachen.“ Medizin ist ein Geschäft, da sage ich niemandem etwas Neues. Wie sehr aber, zeigte am 28. August 2011 ein Post zum Thema Seuchenbekämpfung:

Prognosen gehen gerne in die Hosen. Das wissen wir nicht erst, seit der britische Premierminister 1934 ausrief: "Glauben sie mir, Deutschland ist unfähig, einen Krieg zu führen" oder seit Albert Einstein ausführte: "Es gibt nicht den geringsten Hinweis, dass Atomenergie jemals nutzbar sein wird". Schon viel aktueller, nämlich im Juni 1989, glaubte dann der spätere Bundeskanzler Gerhard Schröder sagen zu müssen: "Nach vierzig Jahren Bundesrepublik sollte man eine neue Generation in Deutschland nicht über die Chancen einer Wiedervereinigung belügen. Es gibt sie nicht." Und weniger fahrlässig, aber genauso doof lautete das Urteil der Plattenfirma Decca über die Beatles von 1962. "Uns gefällt Ihr Sound nicht. Gitarrengruppen sind von gestern."

Die Zukunft vorherzusagen ist ja auch ein schwieriges Geschäft, erst recht, wenn man sich für schlauer hält, als man ist. Deshalb habe ich mich übrigens in meinem Buch „Chaos mit System“ tunlichst mit Visionen zurückgehalten, wann und wie der kontinuierliche Niedergang unserer Zivilisation in eine offene Katastrophe umschlagen wird. Andere sind nicht so zurückhaltend; im Gegenteil ist die dramatische Übertreibung in einer Welt der Überinformation ein probates Mittel, sich überhaupt noch Gehör zu verschaffen. Ob man die so ins Irrationale verfälschte Botschaft dann aber noch hören sollte, interessiert diese Auguren, weder die Kassandraten noch die Schönfärber, natürlich kein bisschen.

Viele der neuen Mythen des Alltags, von der menschgemachten Klimaerwärmung bis zum Nutzen des Euro für die Bürger dieses Landes, erklären sich durch die bewusste, medienwirksame Verwechslung von Spekulation, Wunschdenken und Realität. Und natürlich durch handfeste Interessen, die dahinterstehen. Aber auch, wenn es gar nicht um Zukunftsmodelle geht, sondern um unmittelbare Probleme, wird durch interessierte Kreise aus einem Problem schnell eine nationale Katastrophe. EHEC, SARS, Schweinegrippe, Vogelgrippe, BSE, Fischwürmer, Dioxin, Feinstaub: Erstmal Staubaufwirbeln und sich dann fein aus dem Staub machen. Das Muster ist immer dasselbe: Ein Problem wird erkannt, Institutionen und Medien stürzen sich darauf und versprechen das Armageddon, und schließlich entpuppt sich alles als mehr oder weniger heiße Luft.

Bei EHEC, dem jüngsten Spross aus der Familie der Kunstdramen, starben bundesweit 50 Menschen. Bedauerlich, aber jedes Jahr werden auch 50 Menschen vom Blitz erschlagen, und die vulgäre Grippe tötet im selben Zeitraum rund 9000 Menschen. Gar auf 20-50 000 Todesfälle schätzt man die Zahl bei Krankenhausinfektionen. Wo bleibt da der panische Aufschrei? Auch der Rinderwahn BSE erwies sich eher als Menschenwahn: Vom 1. Januar 2001 bis zum 31. Juli 2011 wurden in Deutschland zwar 21 140 555 Rinder auf BSE untersucht, doch wurden dabei ganze 406 Fälle festgestellt. Bei der Vogelgrippe haben die Fachleute der WHO zwischen 25. November 2003 und 24. November 2006 ganze 256 Infektionsfälle gefunden.

Wem nutzt also die Hysterie? Sicher den Medien, die damit ihre Seiten und Programme füllen. Da man dort längst das Gespür für die wirklichen Probleme verloren hat und Angriffe vom Mars ausbleiben, müssen lokale Phänomene hochgekocht werden. Sicher profitieren auch die Pharmakonzerne. Im Internet findet sich die wie immer mit der gebotenen Skepsis zu betrachtende Information, dass der ehemalige amerikanische Verteidigungsminister Donald Rumsfeld an der weltweiten Angst vor der Vogelgrippe mehr als fünf Millionen Dollar verdient hat, weil er als Chef des Pharmakonzerns Gilead, des Entwicklers des angeblichen Wundermittels Tamiflu, einen immensen Wertgewinn seiner Firma und deren Aktienkurs verbuchen und durch massenhafte Aktienverkäufe auch realisieren konnte. 200 Millionen Euro wollten allein die deutschen Behörden auf dem Höhepunkt der „Krise“ in Tamiflu investieren.

Als sicher gilt, dass das Mittel mehr geschadet als genutzt hat. Schwere Grippesymptome, Leberfunktionsstörungen, Hepatitis und starke Hautausschläge wurden beobachtet. Das Risiko bei Impfungen ist bekannt. Nicht von ungefähr starben in Nordrhein-Westfalen, dem Bundesland mit der höchsten Grippeimpfungsrate, die vergleichsweise meisten Grippepatienten. Hinzu kommen volkswirtschaftliche Folgen: Durch die panische Vernichtung von landwirtschaftlichen Produkten im Rahmen der EHEC-„Krise“ entstand den Bauern ein Schaden von 200 Millionen Euro.

Wie so oft im Niedergang gewinnen einige und viele haben den Schaden. „Schuld“ sind aber nicht nur die direkten materiellen und ideellen Profiteure, sondern auch wir, die wir uns von der Hysterie anstecken lassen. In Zeiten ohne echte Bedrohungen liebäugeln wir mit dem Nervenkitzel, der uns an atavistische Zeiten erinnert, als jeder Fehler und jede Krankheit den Tod bedeuten konnten.

Das erklärt aber nicht das Ausmaß der immer wieder neuen über uns hinwegschwappenden Hysteriewellen. Mir scheint das vielmehr ein weiterer Fehler im System zu sein. Eine komplex gewordene Welt wird von einem Apparat geleitet, der oft das Beste will, aber kaum noch kompetente Entscheidungsträger in seinen Reihen hat. Dies gilt nicht nur für die Politik, sondern ebenso für die Verwaltung und beteiligte Institutionen. Den überforderten Personen an den Schaltstellen, die jeden möglichen Versagensvorwurf von Anfang an ausräumen wollen, fällt dann nichts anderes ein, als mit Kanonen auf Spatzen zu schießen. Zugleich profitieren die Manager des Niedergangs noch auf einer anderen Ebene. Im Schatten dieser virtuellen Katastrophen lassen sich nämlich die wirklichen Probleme des Landes und der Welt wunderbar verstecken.

Hinzu kommen die immer wieder gerne Panik generierenden Gutmenschen. Als die Schweinegrippe 2009 das Land heimsuchte und zweifelhafte Impfstoffe für 50 Millionen Menschen herangeschafft wurden, beschloss die Bundesregierung, auch afrikanische Länder an dem Segen teilhaben zu lassen. Die Hilfe von 14 Millionen Euro sei „dringend geboten“ verlautbarte das „Ministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit“ (über solche verschleiernden Namensgebungen sollte man eigentlich auch mal einen Post schreiben). Da stand man nicht allein, schließlich hatte die Weltgesundheitsorganisation WHO ein Szenario entwickelt, nach dem binnen weniger Monate bis zu einem Drittel der Weltbevölkerung an der Schweinegrippe erkranken könnte. Nun ratet, wer die 14 Millionen Euro einkassiert hat…

Die Antikorruptionsorganisation „Transparency International“ bemängelte damals schon, die Krankheit werde „katastrophenmäßig aufgebauscht“. Es habe keine wissenschaftliche Debatte gegeben, und es bestehe der Verdacht, die Schweinegrippe habe im Wesentlichen den Impfstoffanbietern genutzt. Nun erreichte uns gerade das vorläufige Ende der Geschichte einer virtuellen Katastrophe. Händeringend suchen die Bundesländer nach einer Müllverbrennungsanlage, die ihnen 16 Millionen (!) Impfdosen abnimmt, die das kluge Volk sich während der Schweinegrippe nicht hat von der Angstindustrie andrehen lassen. Das Haltbarkeitsdatum laufe ab. Insgesamt seien von 34 Millionen erworbenen Impfdosen 28,7 Millionen übriggeblieben. Anscheinend wollte die auch in Afrika keiner haben, doch die 14 Millionen Euro dafür sind trotzdem weg. Das sind aber sowieso Peanuts gegenüber den Gesamtkosten von 239 Millionen Euro.

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