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Samstag, 24. August 2013

Neuer Wirklicher Wandel

Wenn man keine Erfolge hat, verkündet man sie eben. Wenn also von der Klimaerwärmung weder in Europa noch in den USA oder am Himalaja etwas davon, sondern meist das Gegenteil zu bemerken ist, werden einfach unerlässlich Messergebnisse publiziert, die die verwegenen Theorien beweisen sollen. Oder man macht es wie manche Klimaforscher, die die immer kühleren Temperaturen zwar einräumen, sie aber zu einer Zwangsläufigkeit deklarieren, die einer wirklichen Erwärmung in einigen Jahrzehnten vorausgeht. Früher haben nur die Wahrsager mit solchen Methoden gearbeitet, heute ist es die Wissenschaft. Die neueste Meldung des berüchtigten Potsdamer Instituts für Klimafolgenforschung ist nun, dass der Meeresspiegel um 60% schneller steigt als berechnet. Mit Satellitenmessungen (!) habe man ermittelt, dass das Wasser um sage und schreibe 3,2 mm pro Jahr steige. Das muss eine komplizierte, natürlich streng wissenschaftliche Formel sein, die bei solchen Millimeterkonstruktionen nicht nur Ebbe und Flut, Windeinflüsse und die Tatsache einrechnet, dass der Höhenunterschied von Atlantik und Pazifik allein schon etliche Meter beträgt. Doch die unermüdliche Propaganda hat unsere Gesellschaft schon lange bis in die feinsten Strukturen erfasst, wie hier schon am 31.Juli 2011 zu erfahren war:

„Berlin ist, wenn engagierte Menschen auf die Straße gehen, um die Welt zu verbessern", so lautete kürzlich eines der täglich erscheinenden Lesermottos in einer Berliner Tageszeitung. Der verlautende 21-jährige Student hätte besser noch hinzufügen dürfen, wie denn die Welt im Detail zu verbessern sei. Schließlich sind früher die Menschen auf die Straße gegangen, um Hexen zu verbrennen, Schwule zu lynchen und Nazis zuzujubeln. Und auch heute gibt es nicht nur in Hameln Rattenfänger, die nur darauf warten, positive Energien der Menschen für kontraproduktive Ziele zu missbrauchen.

Für viele der Weltverbesserer ist das aber ganz egal. Sie brauchen keine große Klarheit, warum sie etwas tun, weil sie ihre Freude mittels des bloßen Tuns gewinnen: Gutmenschen fühlen sich gut, nicht weil sie etwas ihrer Meinung nach Gutes tun, sondern weil sie sich mit ihrem Tun beweisen können, dass sie gut sind. Dagegen ist auch gar nichts zu sagen, denn dies ist eine famose Motivationshilfe, die die Evolution bei uns allen eingebaut hat, um die Gesellschaft kooperativer und damit leistungsfähiger zu machen. (Evolutionsexperten müssen mir jetzt nicht erklären, dass die Evolution über kein Bewusstsein verfügt. An der Aussage ändert das nämlich nichts, und über die Evolution an sich wird sicher mal in einem anderen Post nachgedacht werden.)

Letztlich jedenfalls sind unsere Ziele an das Gute vom guten Glauben abhängig. Deshalb glauben wohl die ausgewiesenen Experten in Glaubenssachen, die Christen, dass sie sich an möglichst viele Gutmenschen-Aktionen ranhängen müssten. Und auch wenn es gar keinen menschgemachten Klimawandel gibt, ist die durch die Medien erhitzte globale Erwärmung deshalb natürlich ein gefundenes Fressen für die himmlischen Heerscharen. Dank jahrhundertelanger Erfahrung mit Phänomenen, die es gar nicht gibt, versucht nun die Evangelische Kirche in Mitteldeutschland die Klimagläubigen auf deren ureigenstem Territorium zu überholen.

„Klimawandel-Lebenswandel" heißt die Initiative der frommen Ossis, bei der es, um den CO2-Ausstoß zu senken, unsere sündigen Lebensgewohnheiten zu korrigieren gilt. In Summe sogar eine Million Kilogramm, so die hoffnungsfrohe Botschaft. Dazu soll gefastet, auf Wegwerfpapier verzichtet, und der Stromanbieter gewechselt werden. Die 85 Teilnehmenden haben es derzeit schon auf 152.000 Kilogramm gebracht, wie auch immer da gemessen wird. Unklar bleibt jedenfalls, ob in dieser Bilanz auch enthalten ist, dass Gutscheinhefte und Gottesdiensthefte (2 Euro plus Porto) gedruckt, Tagungen veranstaltet und allerhand andere energiekostende Events organisiert wurden. Und wie nachhaltig weniger Essen auf den Tischen der Selbstgeißler aus Mitteldeutschland sich auf den gesamten deutschen Energieverbrauch auswirken wird, soll hier gar nicht mehr interessieren.

Wie der erfahrene Leser dieses Blogs schon ahnt, kommt die eigentliche Pointe ziemlich am Schluss. Für ihre Kampagne haben die ökomenisch-ökologischen Sparfüchse nämlich auch große Plastikbanner herstellen lassen, auf denen die Internetadresse der Initiative über den Portalen der Kirchen prangt. Ganz im Sinne der Enthaltsamkeit und nach dem Motto „Weniger ist mehr" hat man dabei beim Klimawandel das „L" weggelassen. Nun könnte man frohlocken, dass auf diese Weise weniger Leute auf eine absurde Homepage geleitet werden, doch kybernetisch gesehen, stürzt uns das vielmehr tief ins Jammertal.

Die Kampagne, die hier aufs Schild gehoben wurde, soll einen Lebenswandel einleiten, dabei ist der längst eingetreten - nur nicht an der Stelle wie erhofft. Es geht nicht mehr darum, dass ein Häuflein Unentwegter öfter Kohldampf schieben muss. Es geht darum, dass eine Kirche sich ein Thema sucht, eine „Kampaignerin" dazu einen Text formuliert, ein Hersteller ein teures Plakat fabriziert und dieses in ganz Mitteldeutschland an die Kirchentore gehängt wird, ohne dass einer der Beteiligten den Fehler bemerkt. Einen Fehler, der nicht irgendwo auftaucht, sondern an der Schlüsselstelle, der Internetadresse, an der jeder falsche Buchstabe ein komplettes Scheitern der Botschaft bedeutet.

Natürlich finden die potentiellen Nutzer den Fehler mittels ihres einigermaßen gesunden Menschenverstand heraus und können ihn korrigieren. Zum Glück ist unser kulturelles System dafür redundant genug ausgelegt. Aber die Fehler häufen sich. Dazu zwei Beispiele aus meinem Buch „Chaos mit System": „… es warb ein Geschäftsmann im Internet für seine famosen ‚Naturkotläden‘. An Tausenden von Werbeflächen warb ein Kinoverleih für den Film ‚Absolut komsich‘".

Wenn das einzelne Fehler wären, gäbe es diesen Post nicht. Aber in ihnen drückt sich ein Lebenswandel aus, der Fehler zum Bestandteil des Alltags und hoffähig werden lässt. Wer daran zweifelt, möge eine beliebige Internet-Chatseite zu beliebigen Themen von Haustierhaltung bis Computerkunde aufrufen. Dort sind die meisten Beiträge voller Fehler und eine relevante Anzahl davon kaum noch verstehbar. In der Summe lässt sich eben nicht alles durch Redundanz ausgleichen. Irgendwann übersteigen die Fehler die Kompensationsmöglichkeiten des Kommunikationsapparats, schaukeln sich auf und gebären Chaos. Ganz zu schweigen von der zugrundeliegenden gesellschaftlichen Grundeinstellung, die sich ja nicht auf den sprachlichen Bereich beschränkt. So wichtig die Akzeptanz von Irrtümern ist, um aus der Erkenntnis zu lernen, so teuflisch ist eine Grundeinstellung, die nicht mehr zwischen richtig und falsch unterscheiden will.

P.S. Übrigens gedenkt man bei den Christen, das falsche Poster hängenzulassen. „Das hat viel Geld gekostet, und man wird uns schon trotz dieser Peinlichkeit finden", sagte die Kampaignerin (…was sich, wenn überhaupt, vorne mit C schreibt) auf Nachfrage. Eine Entscheidung, die sicher einiges an CO2 spart. Rein damit in die Statistik.

1 Kommentar:

  1. Es ist schon etwas merkwürdig, wie sich die Welt entwickelt. !!!" FASTEN"!!!, die Produkte werden hergetellt, ob wir sie zu uns nehmen oder nicht, unsere industrie funktioniert so, wir leben im Kapitalismus, ich glaube an Gott und möchte nicht die gesammte Christliche Gemeinschaft kritisieren, doch wenn ich soetwas wie, fasten für weniger CO2 höre, da wirds mir schlecht. Sündhafter ist es eher die Nahrung weg zu schmeisen, meiner Meinung nach, als sie nicht zu essen. Vor ein paar Jahren habe ich eine Ausbildung im Einzelhandel angefangen, als Azubi im ersten Jahr musst du halt die drecksarbeit machen, das ist ganz normal. Was ich an Essen (frisches Obst, Gemüse) Wegwerfen musste das hat mir damals schon so weh getan und es war ein relativ kleiner Laden, muss man dazu sagen, es waren Container voll. Jeder Mensch weiss das, aber keiner tut was dagegen, dass ist das traurige daran. Der Industrie sollten die Daumenschrauben angelegt werden, nicht den Menschen.

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