Kustos kommentiert nicht mehr -
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Samstag, 31. August 2013

Neues Verschworen verloren

Explosionen im Weißen Haus, schon wieder? Ein verletzter Präsident? Nein, diese Fehlmeldung, die im Frühjahr über die Presseagentur AP verbreitet wurde, war nur ein übler Streich von Hackern, die den AP-Twitter-Account geknackt hatten. Ganz real war allerdings, dass die Börsenkurse daraufhin absackten. In unserer Informationsgesellschaft, in der kaum einer mehr weiß, was jenseits der abstrakten Meldungen wirklich vorgeht, ist alles möglich zu vermelden, und wer es liest, wird es meistens glauben. So funktioniert eben das menschliche Bewusstsein, das auf medialen Lug und Trug von der Natur nicht vorbereitet wurde. Die Lüge regiert, und viele Lügner profitieren - beispielsweise auch mittels Verschwörungstheorien. Schon am 18. September 2011, also vor zwei Jahren und zehn Jahre nach den Anschlägen auf das World Trade Center wurde das bei Konrad Kustos' "Verschworen verloren" thematisiert und dabei wurden auch einige grundsätzliche Überlegungen zum "Chaos mit System" abgeleitet.

Vor einer Woche wurde weltweit des Anschlags auf das World Trade Center gedacht. Entgegen der zur Schau gestellten Betroffenheit in dem Land, das vor zehn Jahren zum Opfer menschlicher Willkür und fanatischen Handelns wurde, war das für viele Amerikaner anscheinend eine zweischneidige Sache. Wenn man den Umfragen trauen will, glauben nämlich 53% von ihnen, dass die eigene Regierung die Finger im Spiel hatte, und immerhin 28% sind sicher, dass sie offiziell belogen werden. Nur 15% sind überzeugt, dass sich der Anschlag wie berichtet zugetragen habe. Der aus diesen Zahlen sprechende paranoide Zweifel ist nun allerdings viel dümmer als alles, was man den Bürgern von God’s own country sonst ohnehin zuzutrauen bereit war. Das erfordert ein Entsetzen, das sich mit dem Anschlag selber durchaus vergleichen lässt. Das ist ein mentales 9/11

Der eine oder andere Leser in Deutschland, wo ebenfalls 90% der Bevölkerung Zweifel an den Wahrheiten des Anschlags haben, mag sich nun wundern, dass in einem Blog, der gegen die herrschende Lügenmentalität des geistigen Überbaus und für eine überlebensnotwendige Skepsis der Beherrschten eintritt, solche elementare Skepsis so elementar gescholten wird. Doch was sollte es nutzen, konventionellen Dummheiten und Verdummungen abzuschwören, wenn wir uns dann erlauben, wild und gegen jeden gesunden Menschenverstand unkonventionell drauflos zu spekulieren? Noch dazu, wenn sich dahinter eine fatale menschliche Eigenschaft zeigt, die die Krise der Zivilisation unentwegt verschärft. Doch dazu später mehr.

Skepsis bedeutet nämlich nicht ungesundes Misstrauen, sondern Durchdenken von Verdachtsmomenten. Wenn aber Verschwörungstheoretiker behaupten, der amerikanische Geheimdienst CIA habe die Twin Towers selbst gesprengt oder der böse kapitalistische und obendrein jüdische Besitzer der Gebäude habe nur die Versicherungssumme kassieren wollen, wird das Denken durch fahrlässiges Behaupten ersetzt.

Natürlich haben die Verschwörungstheoretiker auch Argumente. Beispielsweise sagen sie zu Recht, Stahl schmelze erst bei 1200 Grad und Flugzeugbenzin brenne nur mit 650 Grad. Also, so folgern sie völlig zu Unrecht, es müsse mit Sprengladungen gearbeitet worden sein. Oder sie versichern, man sähe doch auf Filmaufnahmen Explosionen in den unteren Etagen. Nun zeigen diese Filmaufnahmen zwar auch, dass tatsächlich Passagierflugzeuge in die Häuser flogen, doch dies dient nicht der griffigen Legende und interessiert die Berufsparanoiden schon nicht mehr.

Ihre Argumentationsketten klingen dennoch oft deshalb schlüssig, weil sie einen Raum sich selbst beweisender Behauptungen erzeugen, der Fakten, Logik und Vernunft einfach aussperrt. In unserem Beispiel wird unterschlagen, dass Stahl durchaus schon bei 650 Grad seine Stabilität verliert und dass der Luftdruck der zusammenbrechenden Türme natürlich auch in den unteren Geschossen gewaltige Kräfte entfesseln musste.

Wer sich da aber auf Argumentationen einlässt, hat schon verloren. Wie wenig man gegen in sich schlüssige Wahngebilde argumentieren kann, haben Religionen, Faschismus, Kommunismus und jene ausreichend bewiesen, die in Justin Bieber die Zukunft der populären Musik sehen. Um sich nicht in den Sog solcher Pseudorealitäten ziehen zu lassen, fragt man lieber nach dem Sinn der Konstruktion. Warum also sollte der CIA glauben, dass er mit solch einer Aktion angesichts ganzer Armeen erforderlicher Bombenleger unentdeckt davonkommt? Oder dass keiner der Beteiligten gegen ein stattliches Zeitungshonorar auspackt? Oder dass irgendein Nutzen für irgendwelche Institutionen den gewaltigen Schaden übersteigen könnte.

Unabhängig Denken heißt, alle verfügbaren Informationen inklusive Lebenserfahrung und Intuition gleichzeitig und möglichst vorurteilsfrei miteinander in Verbindung zu bringen. In meinem Buch „Chaos mit System“  nenne ich das „Kybernetisches Denken“, und es wird dort als eine der wenigen verfügbaren Qualitäten beschrieben, dem Zusammenbruch der Zivilisation noch entgegenwirken zu können. Was die Verschwörungstheoretiker tun, ist das genaue Gegenteil: Sie flüchten in ein Denkschema, in dem eine unzureichende Menge unzureichend gesicherter Behauptungen scheinbare Erkenntnis zimmert.

Wäre das ein Problem dieser verschwindend geringen Menge von ein paar Millionen Paranoiden auf der Welt, wäre der Post jetzt hier zu Ende. Ist er aber nicht, weil unsere gesamte Gesellschaft unter dem Phänomen beschränkter Denkgebäude leidet. Je komplexer die Wirklichkeit durch den Fortschritt wird, desto mehr wächst die Sehnsucht nach einfachen Zusammenhängen. Und wenn es diese nicht mehr gibt, werden sie eben von Rattenfängern erfunden. Deren Geschäft floriert um so besser, weil die Menschen spüren, dass sie überall belogen werden, und dann gern dem Dyslogismus folgen, dass sie auch dann belogen werden, wenn das gerade mal nicht geschieht.

Um ein paar aktuelle Beispiele zu geben: Jeder, der noch den Namen seiner Mutter schreiben kann und der die Gabel nicht zum Schneiden benutzt, weiß doch zumindest tief in seinem Inneren, dass alle Parolen über eine Rettung Griechenlands innerhalb der EU, die auch den wirtschaftlich gesünderen Ländern langfristig nutzen könne, ein Phantom beschreiben. Oder dass das Zusammensperren unterschiedlich alter Schüler in jahrgangsübergreifenden Klassenverbänden ohne erhebliche Mehrausstattung an Finanzen und Kompetenz ins Fiasko führen muss. Dennoch wird solch Absurdes allüberall gesagt und praktiziert, weil es wie die Mär vom CIA und den Twin Towers simpel genug gestrickt und in einem geschlossenen Gedankengebäude verankert ist. Das eigentliche Problem dabei ist, dass wir es dabei nicht mehr mit ein paar irren Internetautoren zu tun haben und auch nicht mit Millionen denkfauler Mitläufer, sondern mit dem geistigen und politischen Überbau unseres Zusammenlebens.

„Integration von Millionen gettoisierter und perspektivloser Ausländer und Migranten klappt schon, wenn man nur richtig will.“ „Mit Zertifizierungen und Quotenregelungen bringt man Qualität in betriebliche Abläufe.“ „Durch Verzicht auf Notengebung stärkt man schulische Leistungen.“ „Unternehmensförderung und Steuererleichterungen, also Umverteilung von arm nach reich, kurbelt die Wirtschaft an.“ U.S.W. Die Aufzählung hanebüchener Vergewaltigungen des gesunden Menschenverstandes durch Medien und eine sich selbst gleichschaltende Parteienlandschaft könnte hier bis zum Südpol fortgesetzt werden, und sie wird uns an anderer Stelle noch detaillierter beschäftigen.

Hier bleibt festzuhalten, dass die nicht mehr auf persönlichen, überschaubaren Erfahrungen basierende Überinformiertheit der Moderne zu Desorientierung führt , die durch die Flucht in scheinbar schlüssige, verfälschend einfache Konstruktionen psychologisch kompensiert wird. Sobald die Lügen nicht mehr erkennbar sind, scheint es doch egal, in welcher Lüge man es sich bequem macht. Solange diese Denkweise auf Individuen beschränkt bleibt, ist das bedauerlich, aber in gewissen Grenzen gesamtgesellschaftlich zu kompensieren. Wenn aber der Staat von solchem Dummdenk infiziert ist, wird damit eine Metaebene erreicht. Die Realität wird dann einfach mit der Kompetenz der geistigen und politischen Elite für ungültig erklärt. Das heißt: Die Demokratie schafft sich ab – und nicht nur die.

Kommentare:

  1. Auch nach einem Jahr noch schön zu lesen... der (Des)Informationswahnsinn ist nicht besser, nur noch schlimmer geworden. Allerdings hat sich eines seit den Snowden-Veröffentlichungen gewandelt - nachdem sich die bisher größte Verschwörungstheorie von allen ("Unsere gesamte elektronische und telefonische Kommunikation wird heimlich von den Amerikanern überwacht") sich bewahrheitet hat, sogar um "und von den Engländern" ergänzt werden musste, stellt sich nicht mehr die Frage, ob manche Verschwörungstheorien vielleicht doch wahr sind. Sehr viele sind wahr. Die Welt der Politik und Wirtschaft ist nicht das, was sie zu sein scheint.

    Eigentlich muss man fast statistisch an das Thema herangehen, sich bei jeder Theorie fragen, wieviele Mitverschwörer und Mitwisser sind notwendig, und welcher Art (Staat)? Und wie groß ist der Nutzen für die Kerngruppe? Wieweit würden sich die Phänomene auch durch andere Ursachen (z.B. Dummheit) erklären lassen?

    Beim Gesundheitssystem, bei großen öffentlichen Ausschreibungen oder beim weltweiten US-Dollar-basiertem Geldsystem würde der Verschwörungsindex mit Sicherheit hoch ausschlagen.

    Der Vorteil einer statistischen Verschwörungsanalyse wäre, dass man nicht mehr zwischen Ablehnen und Glauben wählen muss. Man brauch nur noch genaue Definitionen und Prozentsätze zu diskutieren. Wäre ein Ansatz für ein Buch, oder?

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    1. Ja, schreib mal so ein Buch! Allerdings kann man den Begriff "Verschwörungstheorie" auch so definieren, dass es sich hierbei nur um realitätsferne Konstruktionen handelt, weil es sich sonst ja nicht um Theorien, sondern um faktische "Verschwörungen" handelte. Hinzu kommt, dass eine Verschwörungstheorie für Wirrköpfe umso attraktiver wird, je mehr sie der Vernunft widerspricht. Deshalb kann man schon davon ausgehen, dass die meisten Verschwörungstheorien unvernünftig sind und dass es zu den echten Verschwörungen in den von Dir zurecht genannten Fällen keine Theorien gibt, weil sie zu glaubhaft, also nicht sexy genug, sind.

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  2. Schon mal was von "Architects & Engineers for 9/11 Truth" oder "Pilots for 9/11 Truth" gehört?


    Sind ja alles nur Spinner. Und haben ihre Titel, Diplome Masters und Pilotenscheine sicher alle nur gekauft und oder erlogen...OMG

    Ein echter Jornalist recherchiert in beiden Lagern und plappert nicht nur nach.

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  3. Hallo Anonym, wer hat Dir denn gesagt, dass ich ein Journalist sein will? Aber im Gegensatz zu Dir weiß ich wenigstens, wie man das schreibt.

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