Kustos kommentiert nicht mehr -
Der Blog schweigt wegen "antifaschistischer" Angriffe.

Samstag, 28. September 2013

Macht und Moral

Ausgerechnet in Göttingen, wo grüne Jugendliche federführend darin waren, den Wahlkampf der AfD gewalttätig zu behindern, zeichnete Jürgen Trittin 1981 für ein Kommunalwahlprogramm der Grünen verantwortlich, in dem gefordert wurde, Sex zwischen Erwachsenen und Kindern straffrei zu stellen. Ausgerechnet eine aufgewärmte Sexdebatte statt der aktuellen Gewalttätigkeit dürfte mitverantwortlich am katastrophalen Wahlergebnis der Partei sein. Ausgerechnet also ein mehr als 30 Jahre alter Fehltritt, wenn es denn überhaupt einer war, hat bewirkt, was zeitgenössische Gründe nicht vermochten, nämlich der grünen Politik der Denkverbote die rote Karte zu zeigen. Dies war wohl nur möglich, weil Politiker und besonders die Medien eine beispiellos polemische Kampagne geführt haben, ohne sich auch nur einmal mit dem Streitpunkt selbst auseinandergesetzt zu haben. Da muss nun ausgerechnet Konrad Kustos die Grünen einmal in Schutz nehmen.


Während die Politiker in der Pädo-Debatte durch die Vermeidung von Argumenten glänzten, bedienten sich die Medien zusätzlich eines ganzen Arsenals von Verfälschungen, Auslassungen, unsachlicher Emotionalität und unflätiger Schreibe. Besonders hervorgetan hat sich dabei die angeblich so seriöse FAZ und ihre Tochter FAS. Die Grünen seien die Wegbereiter einer „perversen alternativen Pseudopädagogik“, die „ungezählte Opfer“ hervorgebracht habe. Oder: „Die Grünen wollten mit der deutschen Geschichte brechen. Dazu gehörte der Umgang mit Sexualität. Sie schufen sich eine Ideologie, die Kindesmissbrauch Vorschub leistete.“ Geht es nicht ein bisschen kleiner? Oder wenigstens konkreter?

Wie die Diktion schon verrät, gibt es natürlich kaum Beweise die diese Jauchekübel füllen könnten. Und natürlich sind auch in einem Kommentar, der sich nur als normaler Artikel im Feuilleton tarnt, keine Gegenargumente zugelassen. Anderswo heißt es, „Die Grünen wollten in den achtziger Jahren legalisieren, was sie Sex mit Kindern nannten.“ Eben nicht die Grünen wollten dies, denn es war nur eine Minderheitenmeinung, die man nun mal diskutiert hat und die auch nur in einem Landesverband (Nordrhein-Westfalen, 1985) beschlossen, aber gleich danach mittels der Einführung einer Schutzaltersgrenze von 14 Jahren quasi wieder kassiert wurde.

Auch und gerade bei einem solchen Thema sollte in den nominell für die Volksaufklärung zuständigen Medien Sachlichkeit  des Ausdrucks und der Information herrschen. Doch der FAZ-Stil, und nicht nur der, zeigt, dass in einer moralisierten Gesellschaft bestimmte Themen ungestraft außerhalb des sachlichen Diskurses gestellt werden dürfen. Nicht anders wird ja auch gegen Euro-Gegner oder Leugner der menschgemachten Klimaerwärmung schwadroniert.

Kein Wunder jedenfalls, dass kaum jemand weiß, was in diesem Beschluss von 1985 überhaupt stand. Die Kernthese des Papiers lautete nämlich: Jede Form von „gewaltfreiem“ Sexualverkehr - auch jener zwischen Kinder und Erwachsenen - solle straffrei bleiben. Es geht also nicht um den hier immer wieder unterstellten klassischen Kindesmissbrauch, sondern um die These, dass Menschen, die sich lieben, auch körperliche Nähe zulassen dürfen. Konrad Kustos hat sich viel zu wenig mit diesem Thema beschäftigt, als dass er eine Meinung dazu haben könnte. Für ihn zeigt sich hier nur ein beispielhafter Fall, wie in unserer Gesellschaft immer mehr die Verurteilung vor dem Prozess (des Nachdenkens) stattfindet.

Vergewaltigung und Pädophilie werden wissend und willkürlich vermischt. Die Pädophilie aber ist, wie der griechische Wortstamm schon verrät, ursprünglich die Freundschaft mit Minderjährigen. Wikipedia schreibt dazu: „Auseinandersetzungen um die Anerkennung der Pädophilie als „sexuelle Identität“ sind auch im wissenschaftlichen Bereich nicht abgeschlossen. Eine Abgrenzung zwischen Päderastie, bei der sich das begehrte Objekt im präpubertären Stadium befindet, und der unter Ephebophilie beschriebenen Zuneigung zu Adoleszenten wird in der Öffentlichkeit oft nicht vorgenommen, ist aber sexualwissenschaftlich wie kriminologisch von großer Bedeutung.“

Im damaligen Parteitagsprotokoll der Grünen heißt es deshalb gar nicht so unnachvollziehbar: „Auf der einen Seite werden Menschen, die die sexuellen Wünsche von Kindern und Jugendlichen ernstnehmen und liebevolle Beziehungen zu ihnen unterhalten, mit Gefängnis bis zu zehn Jahren bestraft. Auf der anderen Seite wird sexuelle Gewalt gegenüber Mädchen nicht wahrgenommen, vertuscht oder sogar als Gewohnheitsrecht betrachtet. Kindesmisshandlung wird nur selten von den Gerichten angemessen bestraft.“ Die FAS fasst diese Aussage in ihrer schlichten Denke kurz und unsachlich als den „größten Triumph der Päderasten“ zusammen.

Wenn damals die grüne Arbeitsgemeinschaft „Schwule und Päderasten“ forderte, dass „Menschen jeden Geschlechts und jeden Alters und jedweder Zahl sich lieben“ sollten, ist das in der Realität natürlich undifferenzierter Quatsch, doch das kann die Grundüberlegung nicht automatisch diskreditieren. Andere Minder- oder Mehrheiten glauben an den Allgemeinbesitz der Produktionsmittel oder an die Chance, in den Himmel zu kommen. Da ist mir ein Bekenntnis zur Liebe schon lieber.

Man muss allerdings solche allgemeinen Wunschvorstellungen weiter differenzieren, bevor man sie bewerten kann. Etwa inwieweit Kindern eine Mitbestimmung zugestanden werden kann, wenn sie beim Sex mitmachen wollen. Wann ist Freiwilligkeit gegeben und wann setzt schon in den sicher vorhandenen Abhängigkeitsverhältnissen (psychische) Gewalt ein? Wie viel Freiheit kann Kindern zugestanden werden? Immerhin dürfen sich heute viele Kinder allerhand erlauben, etwa aufgebretzelt das Nachtleben durchstreifen, sich piercen oder in der Öffentlichkeit randalieren, ohne von den Erziehungsberechtigten in „ihrer Freiheit“ beschränkt zu werden. Selbst jugendliche Gewalttäter werden als „nicht schuldfähig“ wieder freigelassen. Wann können also Kinder, Jugendliche, Erwachsene oder ab wann kann ein von Hormonen getriebener Mensch überhaupt frei entscheiden, wann er körperliche Nähe oder Sex mit einem geliebten Menschen haben sollte?
Eine seriöse Auseinandersetzung mit den damaligen Vorfällen kann auch nicht ohne historische Einordnung stattfinden. Anfang der 80-er Jahre war der sexuelle Aufbruch gerademal 15 Jahre alt. Alle möglichen Grenzen wurden damals eingerissen, die Freie Liebe propagiert, Prostitution und Pornographie legalisiert. Es war eine Zeit, in der es keine Erfahrungswerte gab. Also blieb nur, solche Dinge zu diskutieren und unbeholfen und emotionalisiert nach dem besten Weg zu suchen. Solche suchenden Grünen sind Konrad Kustos jedenfalls sympathischer als die heutige Variante, die ihre Positionen aus ideologischer Selbstgerechtigkeit gewinnt.

Ein bisschen Häme ist aber doch erlaubt, denn die Grünen werden hier Opfer ihrer damals schon erkennbaren Minderheitenmanie. Schon damals folgte man dem Irrglauben, dass jede Minderheit zu verteidigen sei. In grünen Knastgruppen ging man so weit, dass ein wegen der Vergewaltigung eines zweijährigen Kindes beschuldigter grüner Mandatsträger vor der Vollzugsanstalt bewahrt werden sollte.

Die Grünen sollten sich nun also siebenmal für Randerscheinungen ihrer Findungsphase entschuldigen, aber nicht für ihre moderne tägliche ideologische Vergewaltigung des gesunden Menschenverstandes. Geradezu peinlich, wie ihr schwuler Parlamentarischer Geschäftsführer Volker Beck sich plötzlich von allem damals Gedachten (und wohl auch Gefühltem) distanzierte. Vergleichsweise locker ging einst die Medienkritik mit den von Grünen angezettelten Ausschreitungen in Brokdorf um. Und ein grüner deutscher Außenminister durfte sein Amt ausüben, obwohl er nach eigenem Eingeständnis Steine bei Demonstrationen geworfen hatte und auf Bildern zu erkennen war, wie er auf einen am Boden liegenden Polizisten einprügelte.

All das passt anscheinend besser in unsere politische Landschaft als das Nachdenken über die Liebe. Dabei ist das eine die gelebte Praxis und das andere sind längst verjährte Gedankenspiele ihrer Minderheiten, für die die Grünen nun plötzlich hingerichtet werden sollen. Das einzige, was da den Beobachter milde stimmt, ist die Tatsache, dass es genau die trifft, die seit langem und eigentlich schon immer mit der Moralkeule auf Andersdenkende eingeschlagen haben  und sich damit ihr Gutmenschen-Image aufbauten, von dem sie heute noch bei schlichteren Gemütern zehren.

Der aktuelle Vorwurf trifft also nur deshalb, weil sich bei den Grünen in der Pädophilendebatte schon damals eine ideologisch bedingte Verwechslung von Realitätsdenken und Gutmenschenverirrung offenbarte. Heute tritt letzteres in den Vordergrund, etwa hinsichtlich Tempo 30 auf Hauptstraßen, Sprachaushöhlung und disfunktionalen Bildungsexperimenten (damit schlechte Schüler nicht sitzenbleiben), vom Volk ungewollten Eurohilfesteuern nebst Inflation, Propagierung von Angriffskriegen und natürlich dem Veggie Day.

Intuitiv haben die Grünen früh erkannt, dass man in der Niedergangsgesellschaft mit moralisierenden Phrasen besser vorankommt als mit Sachargumenten. Wie so vieles kann aber auch die Moral zwei Gesichter haben. Zum einen ist sie eine kollektive Erkenntnis des Volkes, wie unser Zusammenleben effektiver und spannungsfreier gestaltet werden kann, und damit vielleicht der wichtigste Grundpfeiler unserer Gesellschaft überhaupt. Sie ist auch ein wichtiger Teil dessen, was ich in meinem Buch „Chaos mit Systemdie für ein funktionierendes System unerlässliche „Kollektive Kybernetische Kompetenz“ genannt habe.

Zum anderen kann Moral als undifferenzierte Sammlung von Leitsätzen im Interesse bestimmter Ideologien missbraucht werden. Eine solche morsche Moral war schon immer ein famoses Mittel für die jeweils Herrschenden. Diesen Zusammenhang von Macht und Moral lebte die christliche Kultur über Jahrhunderte. Mit der Aufklärung verloren die alten Herren zwar diese Macht, doch die nun zu Einfluss gekommenen Aufgeklärten formten flugs die Aufklärung zur neuen Herrschaftsideologie um. Und weil bis heute die Aufklärung nicht als gefährliche Leitideologie der neuen Zeit erkannt wird, fällt so wenigen auf, welche Machtspiele die Grünen und andere damit zu treiben in der Lage sind.

So können sie hinter ihren wohlklingenden Phrasen von Minderheitenschutz und Multikulti das von ihnen mitgetragene Umverteilungs- und Debilisierungssystem des Niedergangs bestens verstecken. Deshalb fordern beispielsweise Menschenrechtler weiter vergeblich von den Grünen, dass sie eindeutig zu den Ursachen von Kopftuchzwang und Badeverbot, von Parallelgesellschaften und Unterwanderung der Sozialsysteme oder von Beschneidung und anderen Genitalverstümmelungen Stellung nehmen. Auch sonst ist deren

 neochristliche Botschaft das Die-andere-Wange-Hinhalten, das heute unter Toleranz firmiert und den Herrschenden, also den Abkassierern, und den Rücksichtslosen so gut tut.

In solchen Fragen spielt die Moral nämlich auch für die anderen Parteien plötzlich keine Rolle mehr, denn deren geistige oder reale Herren brauchen all die neuen Mythen, die die Grünen als ideologische Vorhut in unserem Denken verankern, um ihr wackliges Ausbeutungssystem noch etwas länger zu stabilisieren. Denn wie schön kann man mit dem Kampf gegen eine 30 Jahre alte Pädophiliedebatte seine moralische Festigkeit nachweisen.

Kommentare:

  1. Nach meinem Dafürhalten haben die Medien den Pädoskandal der Grünen eher kleingeschreiben denn angeprangert, zuminestens, wenn man die o.g. Berichterstattungen mit den Berichten über die Sexskandale der katholischen Kirche vergleicht.
    Im übrigen arbeiten die Grünen nach wie vor an einer Aufweichung des Sexverbots mit Kindern. Dazu muß man sich nur vergegenwärtigen, wie Kinder heute schon im Kindergarten sexualisiert werden, und zwar auf eine Art und Weise, die eher an Porngraphie erinnert als an achliche Aufklärung. Ein Schelm, wer hier Parallelen zu früheren Zielen erkennen mag.

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    1. Im Vergleich zu den Katholiken hast Du auf alle Fälle recht, aber ich zog ja den Vergleich auf ganz anderer Ebene, nämlich zu den anderen "Missetaten" der Grünen.

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