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Samstag, 21. Dezember 2013

Wahnsinn dank Weihnachten

Ja, ist denn schon wieder Weihnachten? Irgendwie scheint das immer häufiger hereinzuschneien. Das kann sich ja nur um eine Verschwörung der NWO handeln, denn die ist ja bekanntlich an allem schuld. Aber da wir das, wie so vieles andere, nicht ändern können, sollten wir es vielleicht einfach mal genießen, solange es die Grünen noch nicht verboten haben, um der Diskriminierung anderer Religionen vorzubeugen. Weihnachten als Genussmittel ist aber leichter gesagt als gefeiert, wenn zuvor das ganze Jahr lang unsere persönlichen Krisen sozusagen unter den Teppich gefegt wurden. Denn dann schlägt zu Weihnachten plötzlich die Stunde der Wahrheit. Und um den kybernetischen Bogen vollends rundherum zu schlagen: Weihnachten als Fest der Liebe ist doch beinahe schon wieder ein Oxymoron, denn ebenso ist es auch das Fest der Lüge.


Ambrose Bierce nannte Weihnachten schon vor mehr als 100 Jahren „einen „besonderen Tag der Völlerei, Trunksucht, Gefühlsduselei, Annahme von Geschenken, öffentlichem Stumpfsinn und häuslichem Protzen“. Nun, als Satiriker durfte er das, ohne befürchten zu müssen, dass Skeptiker ihn anschließend zuhause selig unter dem Weihnachtsbaum enttarnten. Tatsache ist aber, dass die freie, stille Zeit für viele zum Nährboden für die persönliche Krise wird. All die negativen Dinge, all die Frustrationen, all die Ängste, all die Konflikte, all die Trauer konnte man in den Zeiten von Stress und aufgeregter Lebensfreude verdrängen, nun, in der Stille holt uns unser eigenes Bewusstsein ein. Die psychosozialen Krisendienste könnten ein Lied davon singen, wenn sie dazu die Zeit hätten.

Besonders die wachsende Zahl der Einsamen, die das zunehmende Alter und der ebenso zunehmende Individualismus mit sich bringt, können sich nur bedingt mit den traditionell vom Fernsehen angebotenen Horrorfilmen über die Zeit retten. Aber auch für andere ist das Dogma, eine friedliche und glückliche Zeit zu verbringen, bisweilen eine Konfrontation mit dem eigenen Versagen.

Zum Glück gilt das nicht für alle. Wer in einigermaßen entspannten Umständen lebt, wird, falls die Energiewende ihm nicht überraschend die Lichter am Baum ausbläst, Weihnachten auch als Chance begreifen können, einmal aus dem Ritual des schneller, besser und mehr von allem für kurze Zeit auszusteigen. Es muss ja nicht der jährliche Gottesdienst oder der ebenso jährliche Begattungsakt sein, vielleicht reicht der besondere Geruch oder die Musik, um sich in eine Vergangenheit zu versetzen, in der es noch leichter war, einfach glücklich zu sein.

Schließlich ist Weihnachten traditionell das Fest der (Selbst-)Täuschung. Jeder kennt den berüchtigten „Brief über den Weihnachtsmann“, in dem ein amerikanischer Journalist der kleinen, aber glücklicherweise zweifelnden Virginia dreist versichert, dass es den Weihnachtsmann tatsächlich gibt. Gehen wir einmal davon aus, dass einiges dafür spricht, dass es ihn nicht gibt, obwohl Heerscharen von Eltern es für ihre Bürgerpflicht halten, ihrem Kind solange irgend möglich einen solchen Bären aufzubinden. Wie verwerflich ist es dann, ein Kind so offensichtlich zu belügen, das doch in der Hauptsache eines will und braucht: die Welt Stück für Stück zu verstehen?

Der Schreiberling holte in seinem Brief auch weit aus und bezeichnete Virginias skeptische Freunde als „angekränkelt vom Skeptizismus eines skeptischen Zeitalters“. Von sich auf andere schließend, unterstellte er ihnen „einen kleinen Geist“, denn ohne den Glauben an den Weihnachtsmann müsse der Glauben an alles Schöne und besonders das Licht der Kindheit erlöschen.

Wer bitte schön hat definiert, dass Kinder nur glücklich sein können, wenn sie an lachhafte Phantasiegestalten glauben, die mit dicken Bäuchen durch Schornsteine rutschen, die es nicht mehr gibt? Die Phantasie von Kindern ist viel schöner und größer, als dass sie mit Erwachsenenkitsch vollgekleistert werden müsste.

Der Lohnschreiber, der all dies auf Anweisung seines Chefredakteurs von sich gab, begründet seine Lügen mit der scheinheiligen Logik eines Adorno: „Es gibt einen Weihnachtsmann, sonst könntest Du auch den Märchen nicht glauben.“ Der darin steckende Hinweis ist allerdings erhellend, weil auch die Märchen seit alters her eine Einübung in das kritiklose Hinnehmen völlig unglaubwürdiger Behauptungen sind.

Im Gegensatz zum Weihnachtsmann setzen die Märchen sogar noch einen drauf. Hier wird fast durchgängig vermittelt, Ungerechtigkeiten und Unterdrückung klaglos hinzunehmen, weil man nur so zur wirklichen Erfüllung finden kann. Nur wer in der Asche sitzen bleibt und wartet, dem wird der Prinz zuteil. Bezeichnend, dass gerade die ach so revolutionären Linken immer wieder Märchen als Mittel der Volkserziehung propagiert haben. Irgendwie müssen sie wissen und gewusst haben, dass ihr Sozialismus duldsame Untertanen braucht.

Wenn also die Mächtigen einem gerne erzählen, dass im Himmel Jahrmarkt ist, um ungestört ihre wirklichen Interessen durchsetzen zu können, ist es aus dieser Sicht sicher sinnvoll, schon den Jüngsten zu erzählen, dass im Himmel der Weihnachtsmann Geschenke schnitzt, pardon: von irgendwelchen willenlosen Kobolden schnitzen lässt.

Die Lüge vom Weihnachtsmann ist also für Kinder eine erste Einübung in die Wirklichkeit. Es ist mit Rute und Geschenken die Gewöhnung an ein System von Lohn und Strafe, in dem hauptsächlich der belohnt wird, der alles so macht, wie die Weihnachtsmänner dieser Welt es wollen.

Wie kann man überhaupt glauben, Kinder mit Lügen glücklich machen zu können? Das erinnert an amerikanische Filme, wo unter kollektivem Weinen der Zuschauer der Vater dem Sohn schwört, dass die todkranke Mutter bestimmt wieder gesund wird. Die Lüge als eines der destruktivsten gesellschaftlichen Elemente wird so enttabuisiert, die Fähigkeit zu vertrauen zerstört. Am Ende hat man dann eben ein ganzes Land voller Leute, die fanatisch an Ufos und „intelligentes Design“ glauben, die die Probleme nicht ansprechen, bis alles in Schutt und Asche liegt, die sicher sind, demnächst vom Tellerwäscher zum Millionär aufsteigen zu können, nur um am Ende auch noch den Job als Tellerwäscher zu verlieren.

Wie und wann soll denn das Gehirn solch eine massive und kollektive Frühkonditionierung des Glaubens an die Lüge kompensieren können? Sicher, irgendwann lässt sich die Wahrheit nicht mehr verheimlichen, irgendwann musste auch der Papst einräumen, dass die Erde um die Sonne kreist, doch wie viel Schaden wurde vorher angerichtet? Den Glauben an den Weihnachtsmann verlieren die Kinder, weil die offensichtliche Lüge irgendwann an der Realität und an zunehmenden intellektuellen Fähigkeiten zerschellt. Was die meisten aber nicht mehr verlieren können, ist der Glaube an das Glauben. So erklärt sich unter anderem das weitgehende Fehlen eines gesunden Skeptizismus in unserem Geistesleben, was sich Politiker, Verkäufer und Experten entsprechend zu Nutze machen. Um nicht missverstanden zu werden: Der Weihnachtsmann alleine reicht für dieses kollektive Versagen nicht aus, in der Hauptsache ist es der menschenimmanente Wunsch, an funktionierende Systeme glauben zu dürfen, doch der rotberockte Weißbart ist dafür ein Symbol und eine frühe Institutionalisierung des Defizits.

Wollen wir diese Unmündigkeit verlassen, brauchen Kinder, solange ihr Gehirn noch saugfähig wie ein Schwamm und unformatiert ist, die behutsame Einführung in das Erkennen der Realität und in kybernetisches Denken. Ihr Geist muss sich mit einer Vielfalt durchaus konkurrierender Phantasiegestalten bevölkern können, die als mentale Spielfiguren begriffen werden, statt sie in eine absurde Realitätsbehauptung zu zwängen. Sie müssen lernen, dass nicht alles, was in der Phantasie möglich ist, auch Realität ist oder werden kann, und dass ihnen die Phantasie auch noch bleibt, wenn die Realität unerfreulich sein sollte. Dass es nicht nur das Grundgute und Ewigböse gibt, sondern ein ganzes Spektrum dazwischen.

Von selbstherrlichen Psychologen und Pädagogen vorformatierte Weltbilder blockieren die Entwicklung des Kindes, das seine Phantasie selbst entwickeln muss. Die Rattenfänger vom Nordpol, die sich ergötzen, wenn die Kinder solchen einfachen, konstruierten Weltbildern hinterherlaufen, und die predigen, das entspräche dem kindlichen Geist, haben für ihre Ideologien keine Beweise. Sie bieten nur „erfolgreich“ billigen Konsum für das Kind, das soviel mehr möchte und könnte.

1 Kommentar:

  1. Ich dachte schon, ich sei mit meinen krausen Gedanken :-) allein auf der Welt - und freue mich, dass es ganz offensichtlich noch mehr Menschen gibt, die den Weihnachtsmann, amerikanischen Kitsch und ähnliches Blendwerk nicht einfach kritiklos in ihre schöne heile Welt integrieren, sondern billige Klischees kritisch hinterfragen und Gegenentwürfe kreieren.
    Hoffentlich verstehen immer mehr Eltern, dass Kinder gute Vorbilder und Entfaltungsmöglichkeiten brauchen, die pädagogisch im besten Falle begleitet werden.
    Nur so wird meines Erachtens der Grundstein für Empathie, die Fähigkeit zum Glücklichsein, zum kritischen Denken und zum fantasievollen Umgang mit Problemen gelegt.
    Ihnen wünsche ich ein schönes Weihnachtsfest ohne Weihnachtsmann und Plastiktannenbaum und einen guten Start in ein glückliches neues Jahr

    Annette S.

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