Kustos kommentiert nicht mehr -
Der Blog schweigt wegen "antifaschistischer" Angriffe.

Samstag, 27. Dezember 2014

Der Kater vor dem Fest

Die Katzenräuber gehen um. Überall sind sie aktiv. Sie klauen die armen Tiere der Katzenmami sozusagen unter der Milchflasche weg, nur um den praktisch unstillbaren Bedarf von Tierversuchs-Chemiekonzernen oder der international operierenden Katzendecken-Mafia zu befriedigen. Die Medien und das Internet sind voll von Beweisen für diese Untaten. Unser solidarisches Entsetzen wäre groß und berechtigt - fiele da nicht ein Schatten des Zweifels auf die Glaubwürdigkeit aller Berichte: Noch nie ist ein solcher Katzenfänger auch gefangen worden. Wie ist das möglich, wo doch unsere Polizei vom bayerischen Steuersünder bis zum rumänischen Taschendieb durchaus den einen oder anderen Missetäter erwischt?

Samstag, 20. Dezember 2014

Wahnsinn trotz Weihnachten

Bildquelle: www.ruthe.de 
Liebe Freunde und Freundinnen (und alle, die sich zurückgesetzt fühlen könnten, weil sie noch nicht oder nicht mehr Freunde sind oder welche haben), bitte nehmen Sie ohne weitere geforderte oder unausgesprochene Verpflichtung meine besten Wünsche für eine umweltbewusste, sozial verantwortliche, stressarme, konsumterrorfreie, geschlechtsneutrale Feier der Wintersonnenwende entgegen. Selbstverständlich darf bei diesem Wunsch vorausgesetzt werden, dass er in Einklang steht mit Ihren Traditionen, religiösen Überzeugungen oder säkularen Praktiken unter Respektierung der Traditionen, religiösen Überzeugungen oder säkularen Praktiken anderer und natürlich deren freier Wahl, keinerlei religiöse oder säkulare Traditionen überhaupt zu praktizieren.

Samstag, 13. Dezember 2014

Arm macht reich

2708 Euro Kindergeld (netto)
Am kommenden Donnerstag gibt es endlich wieder mal etwas zu feiern: den Internationalen Tag der Migranten. Wenn es sogar Blutbuchen oder Rotbauchunken gewidmete Jahre und Tage für Väter, Mütter oder Valentin gibt, sollten wir unser Erstaunen darüber nicht zu hoch hängen. Doch Migration findet eben nicht nur an einem Tag im Jahr statt, und ihre Relevanz ist unabweisbar: 200 Millionen Menschen weltweit haben, wie man so schön sagt, eine Migration im Hintergrund. Auch in Deutschland gibt es so viele Migranten wie noch nie. 16,3 Millionen haben nach letzten Zählungen eine Zuwanderungsgeschichte. 10,9 Millionen davon sind selbst eingewandert, 5,4 Millionen hierzulande geboren. Insgesamt sind das so viele wie noch nie. Und die Kurve geht nach oben: Seit 2005 ist die Zahl der Migranten um 8,5% gestiegen. Vielen Einheimischen macht das Angst, viele finden es gut, oder glauben es zumindest. Was wieder einmal fehlt, ist eine differenzierte Nutzen-Schaden-Bilanz für das Gemeinwesen.

Samstag, 6. Dezember 2014

Nachdenken statt Nahdenken

Zeichnung: http://artsfwd.org
„Sieh, das Gute liegt so nah“, meinte einst der gute Goethe, wobei wir ihm halbherzig recht geben wollen. Halbherzig deshalb, weil ein guter Gedanke tatsächlich etwas Gutes ist, aber keineswegs naheliegt. Politiker und Experten wollen uns zwar gerne weismachen, dass ihr Denken in geistigen Abkürzungen schneller zum Ziel führt, doch ist das scheinbar Naheliegende eher die Abkürzung ins intellektuelle Nirwana. „Lieber einmal in der Woche freiwillig Spinat mit Ei als jahrelang unfreiwillige Überwachung durch die NSA“, folgerte beispielsweise einst die Spitzenkandidaten der Grünen in ihrem Wahlkampf und wollte damit irgendeinen verschwurbelten Zusammenhang zwischen Veggie-Day und Anti-Unterdrückungspolitik herstellen. „Frauen schonen die Umwelt“, ermittelte allen Ernstes die Universität Halle, weil diese weniger klimaschädliches Fleisch zu sich nähmen. Dass es zwischen Männern und Frauen Stoffwechselunterschiede und andere Besonderheiten (etwa Schwerstarbeit) geben könnte, fiel dabei nicht ins Kalkül. Die Crux unserer Zeit ist es, dass komplexe Zusammenhänge auf ein paar griffige Parolen reduziert werden, und das geschieht leider nicht nur bei den vorauseilenden Verlautbarungen, sondern auch in der täglichen Praxis.

Samstag, 29. November 2014

Natur aus der Spur

Schaurig schön
Wenn sich in Berlin 2000 Menschen in Tierkostümen treffen, ist nach dem SNAFU-Prinzip (Situation Normal, All Fucked Up) im Sinne R.A. Wilsons alles in den üblichen Bahnen. Furries nennen sich die lustigen Gesellen, die ihr Problem mit der eigenen Identität hinter einer Ganzkörper-Maske verstecken, mit der sie teilweise psychisch verschmelzen. Die ähnlich dekonstruktive Alternative zu dieser Flucht vor dem eigenen Körper, welchen die Natur doch in der Regel ganz ordentlich zur Verfügung stellt, ist dessen Veränderung - egal, wie viel Entstellung dafür notwendig ist. Deshalb ist, besonders in den USA, das Aufspritzen des Gesäßes auf Hottentotten-Niveau derzeit stilbildend. Kim Kardashian und Beyoncé werden als Vorbilder bzw. prominente Nachahmer gefeiert. Beide Phänomene sind nur eklatante Beispiele für die rasch wachsende Erscheinung des Niedergangs, sich nicht mehr nur nicht in dieser Welt, sondern auch nicht mehr im eigenen Körper wohlzufühlen. Das Ergebnis ist ein weltweiter Denaturierungsprozess.

Samstag, 22. November 2014

Im Stich gelassen

Früher ging Mann gerne am Freitagabend „eine Braut aufreißen“, heute könnte das leicht mit Körperverletzung enden, denn ein erheblicher Anteil dieser Bräute ist gepierct. Doch vielleicht sollte der Brautschauende und ebenso die Bräutigamschauende sich ohnehin von Piercern beiderlei Geschlechts fernhalten, denn wer sich Metallteile ungezwungen durch den Körper jagen lässt und nicht Jesus Christus heißt, muss nicht nur am Ort des Eingriffs eine Schraube locker haben. Die Toleranzgesellschaft des Niedergangs hat damit scheinbar weniger Probleme als die Masse der vom Piercingwahn Befallenen selbst. Sie tut, was sie am besten kann, nämlich tolerieren - wer aber etwas anders denkt, hat keine Toleranz zu erwarten. Deshalb erträgt man dann doch unfreiwillig die freiwillig entstellten Menschen, die im Supermarkt kassieren oder im Restaurant servieren. Doch Piercing ist nicht das Endstadium: Willkommen im Horrorkabinett von Body-Suspension, Subinzision, Skarifizierung, Cutting, Branding und Play-Piercing.

Donnerstag, 20. November 2014

Nach-Gedacht: Von allem zu viel

Karl Wilhelm Georg August Gottfried von Einem ist, wie gerade erst hier zu lesen war, seine Straßenwürdigung zu Gunsten eines Vorkämpfers der Schwulenbewegung losgeworden, weil er ein Militarist war - letzteres für einen preußischen Offizier und Kriegsminister vom Anfang des vergangenen Jahrhunderts allerdings keine große Überraschung. Für ihn persönlich spielt das sicher keine große Rolle mehr, wie auch nicht die jüngsten und dennoch tragischen Ent- und Verwicklungen für Günter Pfitzmann. Der vor elf Jahren verstorbene große Volksschauspieler (Praxis Bülowbogen) sollte nach Vorschlag der CDU-Fraktion im Berliner Bezirk Tiergarten geehrt werden, indem ein bei einer Parkneugestaltung entstandener Weg seinen Namen tragen sollte. Undenkbar war dies aber für die Vertreter der Grünen und ihrer Sekundanten von der SPD, denn erst sei - trotz der unbestrittenen Bedeutung Pfitzmanns - die 50-prozentige Frauenquote bei der Gesamtzahl der Straßennamen zu erfüllen.

Samstag, 15. November 2014

Von Einem zuviel

Wenn sich Absurditäten ballen, muss einem Text zur an sich völlig banalen Einemstraße sogar noch ein weiterer zur Seite gestellt werden. Am Ende des vergangenen Jahres hatte Gastkommentator Bernhard Kempen gnadenlos den politisch-korrekten Willkürakt bloßgestellt, der seine Wohnstraße mit einem neuen Namen bedachte. Aus der handlichen Einemstraße wurde nämlich damals das Vier-Wörter-Ungetüm „Karl-Heinrich-Ulrichs-Straße“, das nur dank konsequenter Schmalschreibung überhaupt auf die Straßenschilder passt. Politisch war der Wechsel vom preußischen Militaristen zum Vorkämpfer der Schwulenbewegung durchaus nachvollziehbar, doch Kempen fand selbst als Angehöriger der in dieser Gegend ansässigen Berliner Schwulenszene sowohl den Aufwand als auch das Ergebnis lächerlich. Lächerlich gewiss, aber selbst das blieb nur die halbe Lachnummer: Weil sich die Bezirkspolitikfürsten in ihren eigenen Regeln zur Neuerfindung der Welt verhedderten, gibt es jetzt tatsächlich beide Straßennamen gleichzeitig.

Samstag, 8. November 2014

Rechts-Empfindung

Bei Demonstrationen umgekippte Polizeiautos haben in Deutschland eine lange Tradition. Zu diesen schamgebietenden Routinen gehören auch brennende Autos, verletzte Polizisten, Barrikaden, Sprengkörper und dergleichen. So etwas wurde aber bisher aus Gründen gewohnheitsmäßiger Übersättigung in den Nachrichten meist als Event irgendwo zwischen Vulkanausbruch und Lottozahlen gemeldet. Politisch ist diese Gewalt schon lange kein Thema mehr, denn sie ist fast immer links und deshalb in der Bundesrepublik seit der Studentenbewegung traditionell ein Kavaliersdelikt. Nun aber wurde in Köln ein weiteres Mal ein Bully umgekippt, und dieser eine Vorfall im Rahmen der sogenannten Hooligan-Demo musste in der medialen Endlosschleife immer und immer wieder dafür herhalten zu suggerieren, dass die rechte Machtergreifung kurz vor der Tür steht. Wäre in Köln wirklich relevant Schlimmes passiert, hätte man uns das sicher nicht vorenthalten, doch der Mainstream und sein willfähriger Journalismus nimmt, was er hat, um sein virtuelles Bild der Welt zu festigen. Er erkennt aber auch alarmiert, dass die Vorgänge in Köln, so harmlos sie auch gewesen sein mögen, für einen dramatischen Paradigmenwechsel in der Geschichte des Niedergangs stehen.

Samstag, 1. November 2014

Gute Grün(d)e?

Die Grünen haben es geschafft. In einem siebenseitigen Papier haben sie sich programmatisch vom Veggie-Day (Altmeister Trittin: „Es schärft das Bewusstsein und erweitert die Speisekarte, wenn wir in öffentlichen Kantinen einen Tag haben, an dem man sich fleischlos ernährt.“) losgesagt. Jedenfalls hat das die Führungsspitze getan, das Parteivolk darf demnächst abnicken. Sieben Seiten für ein absurdes Theaterspiel, das es überhaupt nur geben konnte, weil die Grünen zuletzt zu viele Absurditäten hatten Realität werden lassen wollen. Weil der Wähler der rechthaberischen Verbotspolitik die rote Karte gezeigt hatte, wird nun parteiamtlich zurückgerudert. Es wäre jedoch naiv, dies für einen Bewusstseinswandel statt einer neuen Wahlstrategie zu halten. Da opfert man lieber einen Veggie-Day als das stadtflächendeckende Tempo 30 oder die Nullpromillegrenze.

Samstag, 25. Oktober 2014

Qualmen für den Frieden

Als überzeugter Nichtraucher kann man sich darüber freuen, dass in Europa nur noch 28% der Menschen rauchen und dass man in Restaurants nicht mehr zugequalmt wird. Als überzeugter Freund der Freiheit gruselt es einem, mit welchen Methoden dieser Zustand erreicht wurde. Raucher werden inzwischen als Menschen zweiter Klasse stigmatisiert und auch dort an der Ausübung ihrer Laster gehindert, wo es nicht oder kaum andere tangiert. Ein Berliner CDU-Abgeordneter hat gerade erfolgreich das Sommerloch gefüllt, indem er ein Rauchverbot an Bushaltestellen forderte. Spätestens 2017 soll der bestehende Verbotekatalog EU-weit durch einen Katalog des Schreckens ergänzt werden. Für Schadenfreude langezeit getriezter Nichtraucher ist schon deshalb kein Platz, weil diese Verbotskultur an der freiheitlichen Denkweise rüttelt.

Samstag, 18. Oktober 2014

TISA-Taser

Trotz aller Geheimhaltungsversuche, trotz des Verschweigens durch die Medien, trotz aller ersatzweise entzündeten Nebelkerzen hat zumindest ein kleiner Teil der deutschen Bevölkerung mitbekommen, dass unter dem Namen TTIP ein nie dagewesener ökonomischer Angriff sowohl auf den Sozialstaat einerseits als auch auf unsere bisherige Form marktwirtschaftlichen Wirtschaftens andererseits bevorsteht. Dabei geht es keineswegs um das - wenn überhaupt einmal - zitierte Chlorhühnchen, sondern es geht um die Entmachtung des Staates zu Gunsten postkapitalistischer Konzerne. Doch im Windschatten von TTIP - und noch viel weniger bekannt und bekämpft - kommt schon die nächste apokalyptische Katastrophe dahergeritten: TISA.

Samstag, 11. Oktober 2014

Wuppertal ist überall

Zum Ausdrucken bei Bedarf
Früher gab es auf den Straßen den Schutzpolizisten, den Schupo. Die Zeiten ändern sich, der Schupo ist verschwunden, und dafür patrouilliert nun der Schapo von der Scharia-Polizei. Wir wissen nicht, ob es sich dabei um den einmaligen Auftritt einiger Irrer, die es ja auch unter Muslimen geben soll, handelt oder um einen Paradigmenwechsel der deutschen Kulturgeschichte. Sicher ist nur, dass es zu Letzterem kommen wird, wenn die Leitkultur sich nicht zur Wehr setzt. Die letzten Meldungen aus dem Themenkreis der neuen Kolonisation (offizielle Diktion: „Migration“) klangen nicht gerade ermunternd: Rekordeinwanderungszahlen vornehmlich aus weniger entwickelten Ländern, Tausende terrorbereite Islamisten in Deutschland, zunehmender Rückfluss deutscher Terroristen aus Syrien.

Samstag, 4. Oktober 2014

Gut gemeint und doch geleimt

Bildquelle: toonpool.com
Zwar steht der seriöse Beweis noch aus, aber nehmen wir einfach mal an, es würde auf der Erde durch menschlichen Einfluss wirklich kontinuierlich wärmer, was können wir tun? Dieselbe Wissenschaft, die uns erst ermöglichte, unseren Planeten zu missbrauchen, bietet uns dafür etliche patente Pläne: Ein Sonnenschirm im All könnte Sonnenenergie abfangen, Dünger im Meer könnte CO2 neutralisieren, Aerosole in der Atmosphäre sollte einen Treibhauseffekt minimieren, neue Kunststoffschäume müssten CO2 binden. Klingt alles gut, ist auch gut, aber nur, wenn es funktioniert. Bei den meisten der oben genannten Projekte haben andere Wissenschaftler aber so massiv vor schlimmen Folgen für das Gleichgewicht der Natur gewarnt, dass sie uns wohl erspart bleiben. Was bleibt, ist die Angst vor dennoch auf uns wartenden Erfahrungen, wie sie die Australier beispielsweise mit der Aga-Kröte gemacht haben, die als biologisches Ungezieferbekämpfungsmittel angesiedelt wurde, und nun zur furchtbaren Plage wird. Nicht nur hier wurde der Bock zum Gärtner gemacht. Tatsächlich tendiert der Mensch dazu, mit den besten Absichten den größten Schaden anzurichten.

Samstag, 27. September 2014

Flieh-Kräfte

Quelle: BerlinerKurier.de
In Berlin hält eine Handvoll sogenannter Flüchtlinge seit einigen Jahren die Stadt und die Politik in Atem und zum Narren. Parallel wurden dazu in Deutschland im September seit Jahresanfang mehr als 100.000 neue Asylbewerber begrüßt. Was ist nun an beiden Nachrichten das Gemeinsame? Ganz einfach: In Berlin hat es in illegalen Zeltquartieren angefangen, in Deutschland endet es in offiziellen Zelt-Notstandseinrichtungen. Was als Provokation des Sozialstaats begann, gerät nun zu einer Prüfung für das Gemeinwesen, die nur schwer zu stemmen ist.

Samstag, 20. September 2014

AL(le)S im Eimer

Wenn plötzlich Unmengen von Leuten Eis-Eimer ausschütten, liegt es nahe, einen weiteren heldenhaften und wie gewohnt zielführenden Beitrag gegen die Klimaerwärmung zu vermuten. Weit gefehlt: Die virtuelle Gesellschaft hat einen neuen Spielplatz gefunden und ergötzt sich medienwirksam in der „Ice Bucket Challenge“, an der eigenen Originalität und einer aufgesetzten Hilfsbereitschaft. Challenge heißt Herausforderung, aber was für eine Herausforderung ist das eigentlich, wenn man sich im Sommer/Herbst einen Eimer kaltes Wasser über den Kopf gießt? Früher haben wir das eine kalte Dusche genannt, und man hat dafür im Sommerbad sogar angestanden. Doch im Gegensatz zu seinem Vorläufer, der „Cold Water Challenge", bei der sich meistens Feuerwehrleute, wahrscheinlich während der Dienstzeit, eine kollektive Erfrischung verschafften oder sich Kegelbrüder im  Versuch, witzig zu sein, schweres landwirtschaftliches Gerät auf den Kopf fallen ließen, wird hier auch Geld zu einem guten Zweck gesammelt, nämlich für die Unterstützung des Kampfes gegen die Muskelkrankheit ALS. Ende gut, alles gut? Mitnichten, denn die Aktion zeigt in all ihren Spielformen ein Erstarken von Niedergangsprozessen, bei denen es einem eiskalt wird.

Samstag, 13. September 2014

Verbotsmarathon

Bildquelle: www.silbenton.de
Am kommenden Donnerstag ab sechs Uhr wird zurückgeblitzt. Dann wird Bundesdeutschland unter einer vierundzwanzigstündigen Polizeioffensive erzittern, die auch schon vor einem Jahr Hunderttausende von unmündigen und vorsätzlichen Rasern erfolgreich kriminalisiert hat. Allein in Berlin wurden beim ersten „Blitzmarathon“ 90.000 Fahrzeuge an 254 Kontrollstellen kontrolliert. Wenn das kein Erfolg eines sich konstituierenden Polizeistaats ist… Im Berlin hatten die „Berlinerinnen und Berliner“, wie es im treudoofen politisch korrekten Zweiklassendeutsch beim Abdruck der Polizeimeldung in den Zeitungen heißt, diesmal auch noch die vorzügliche Möglichkeit, institutionelle Blockwartfunktion zu übernehmen und die Mitbürger vorauseilend pauschal zu denunzieren: Jeder Interessierte konnte der Polizei über ein Online-Formular Straßen nennen, in denen es zur Geschwindigkeitsüberwachung kommen soll. Wie beim ESC oder vielleicht auch nach Lust, Laune oder gar Sachverstand wurden dann die „Sieger“ ermittelt, und es kann nun auch auf Ihrer Strecke zur Arbeit mitgeblitzt werden.

Samstag, 6. September 2014

Der Feind in meinem Kopf

Quelle: toonpool.com, Jan Thomaschoff
Wusste der geneigte Leser schon, dass die Hippiebewegung in den sechziger und siebziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts in Wirklichkeit eine CIA-Verschwörung war, um den politischen Widerstand gegen das System zu zerschlagen? Nein? Ich auch nicht. Was wir nun aber gemeinsam mit Sicherheit wissen, ist, dass keine Verschwörungstheorie dämlich genug ist, um nicht Zulauf zu finden. Natürlich ist die Welt oft feindselig und unverständlich, doch wenn wir sie feindselig und voller Unverstand in unserem Bewusstsein noch schlechter machen, als sie ist, kriegen wir den Niedergang erst recht nicht in den Griff. Deshalb ist es so erschreckend, dass sich derzeit im Internet, und nicht nur dort, ein neues Phänomen manifestiert, dass dem gerade aufkeimenden und sich vorsichtig organisierenden Widerstand gegen relevante Niedergangsprozesse eben mal locker den Boden unter den Füßen wegzuziehen droht.

Samstag, 30. August 2014

Neue Laut-Maut

Die Welt verändert sich schneller, als wir denken können. Kein Wunder, dass so viele Dinge so wenig durchdacht sind. Vieles, was wir im Zeitalter des Niedergangs zu tun vermögen, bliebe deshalb besser ungetan. Beispielsweise forschen Daimler-Ingenieure an einem „intelligenten“ Gaspedal, das von Sensoren, Funkvernetzungen und dem Bordrechner mit Informationen zum Verkehrsaufkommen, zur Geländebeschaffenheit und natürlich der erlaubten Höchstgeschwindigkeit versorgt wird. Der Computer legt dann fest, ob die Piste zu buckelig oder die Fahrweise zu rasant ist, und leistet unserem Fußdruck zunehmend Widerstand. Als wenn der Blechkopf wissen könnte, ob ich mich auf einem Feldweg oder auf einer normalen Berliner Schlaglochstraße bewege. Es wird ihn auch nicht interessieren, dass ich mich nachts um drei vor der Schule nicht an die Geschwindigkeitsbeschränkungen zum Schutz von Schulkindern halten will. Nein, dieses haptische Fahrpedal wird mich sogar durch Pulsieren zur Gaswegnahme nötigen. Reicht es nicht, wie häufig uns unser Navi in die Irre führt? Zu einer ganz anderen Bedrohung durch die neue Autowelt gab es hier schon am 2. Oktober 2011 Erstaunliches zu lesen:

Samstag, 23. August 2014

Neuer Verkehr verkehrt

Weniger umweltbelastende Energie zu verbrauchen, ohne auf persönlichen Komfort zu verzichten, ist die moderne Version der Quadratur des Kreises. Dennoch wird es uns sowohl von politischer - besonders EU-politischer - als auch von Produzentenseite immer wieder als machbar versichert. Einer der neuesten Marketingtricks ist dabei das europaweit gesetzlich installierte Energielabel, das ökologische Korrektheit suggerieren soll, dafür aber massive Leistungseinbußen nicht nur in Kauf nimmt, sondern auch vor dem Verbraucher bewusst verschleiert. Um beispielsweise Kühlschränke energieeffizienter zu machen, wird deren Dämmung kurzerhand auf Kosten der Größe des Kühlraums erhöht. Noch dreister geht es bei Waschmaschinen zu, wie die Stiftung Warentest enthüllte: Wenn man dort das Sparprogramm wählt, bleibt die Temperatur weit unter den versprochenen 60 Grad. Dafür muss die Kiste dann auch noch mehr als drei Stunden vorsichhinrumpeln - bei durchaus fragwürdigen Ergebnissen. Unberücksichtigt bleibt dabei noch der dafür betriebene und sicherlich nicht umweltneutrale konstruktive Aufwand und der psychologische Effekt des durch ein gutes Energielabel ausgestellten Persilscheins: Hemmungsloses Draufloswaschen wird so scheinbar legitimiert. Ein besonders sinnliches Beispiel, dass guter energiepolitischer Wille ordentlich auf die Nerven gehen kann, fand sich bei Konrad Kustos schon am 27. November 2011:

Samstag, 16. August 2014

Neue erträgliche Umwelt

Damit wir ihnen glauben, müssen Wissenschaftler nicht logisch sein, sondern nur so klingen. Die wissenschaftliche Seriosität bei einem hier interessierenden Programm zur Erforschung eines eben mal vorausgesetzten Klimawandels auf die Gebirgsvegetation erschließt sich schon daraus, dass die Studie ganze sieben Jahre währte, während es ein Grundsatz der Klimaforschung ist, Entwicklungen unterhalb eines 30-Jahre-Beobachtungszeitraumes dem Wetter oder der Witterung, niemals aber dem Klima zuzurechnen. Weil sich nun auch noch herausstellte, dass in den meisten Regionen die Artenvielfalt sogar zunahm, musste zur Erreichung des Klassenziels diese Beobachtung kurzerhand als „Übergangsstadium“ deklariert werden. Auf solcher Grundlage kann der Biologe und Klimafolgenforscher Harald Pauli dann seine so teure wie wertlose Erkenntnis gewinnen, nach der manche Pflanzenarten klimabedingt sehr schnell ausstürben, dem aber gleich folgen lassen, die beobachteten Pflanzen hätten einen langen Lebenszyklus und reagierten nicht leicht auf kurzfristige Einflüsse. Ein Statement mit Hohlspiegel-Qualitäten. Erst recht, wenn man weiß, dass für diese Erkenntnis ein Beobachtungsprogramm in mehr als 100 Untersuchungsgebieten auf sechs Kontinenten nötig war. So geht es in der Gefälligkeitswissenschaft landaus, landein, wie hier schon am 20. November 2011 bekundet wurde:

Dienstag, 12. August 2014

Nach-Gedacht: Kunst verhunzt


Vor wenigen Tagen ging es hier um die Geschäfte, die Künstler mit ihrer nihilistischen Aufgeregtheit machen können. 800.000 Euro sollte die Versicherung für eine verkalkte Plastikwanne zahlen, deren Kunstwerkhaftigkeit die Raumpfleger einer Ausstellung nicht erkennen konnten oder wollten. Die Mutter aller verkalkten Plastikwannen ist zweifellos die berüchtigte Fettecke, der 1986 Joseph Beuys 40.000 Mark Schadenersatz einbrachte, als ein Hausmeister sich nicht einmal fragte, „Ist das Kunst oder kann das weg“, sondern die ranzige Butter seinem der Ordnung verpflichteten Berufsbild entsprechend der Entsorgung zuführte. Doch leider oder zum Glück hatte der Gute damals geschlampt, vier Pfund der Fettreste zurückgelassen und damit ermöglicht, dass die Posse nun ganz aktuell in ungeahnte Höhen der Absurdität geführt werden konnte.

Samstag, 9. August 2014

Neue Kunst verhunzt

Manchmal sind die Dinge bekanntlich ganz anders als sie scheinen. Da musste ein Möbelhändler in Bielefeld erfahren, dass er wohl nicht alle Tassen im Schrank hatte, als er 5000 solcher Trinkgefäße mit dem Konterfei von Adolf Hitler orderte. Das gab natürlich Ärger, den er hätte vermeiden können, indem er sich die Tassen einmal angesehen hätte, bevor er sie im billigen China bestellte. Der dortige Designer konnte schließlich nicht wissen, wen er da als Motiv wählte, schließlich haben die Leute dort ausreichend eigene Usurpatoren zu ertragen gehabt. Ein Geschäft wird die Sache jedenfalls nicht mehr, erst recht nicht, weil der um seinen Ruf besorgte Unternehmer jede schon verkaufte Tasse im Verkaufswert von 1,99 Euro nun für 20 Euro zurückkaufen will. Dumm wäre, wer sich darauf einlässt, denn im einschlägigen Devotionalienhandel wird die Tasse bald ein Mehrfaches wert sein. Vielleicht hätte der Möbelmann kreativer an das Missgeschick herangehen und das Ganze als eine Kunstaktion deklarieren sollen. Ein paar wohlwollende Kunstkritiker vorausgesetzt hätte die Sache noch ein lukratives Geschäft werden können. Viel cleverer nutzte ein Künstler die unscharfe Linie zwischen Kunst und Wirklichkeit, über dessen wundersame Geldvermehrung hier schon am 13. November 2011 berichtet wurde:

Samstag, 2. August 2014

Neue Beobachtung 7


 „Social Freezing“ ist ein Thema, bei dem es uns selbst im heißesten Sommer kalt den Rücken herunterläuft. Er bezeichnet das Einfrieren weiblicher Eizellen aus „sozialen“ also nichtmedizinischen Gründen. Wofür das arme Wort ‚sozial’ so alles missbraucht werden kann. Mit dem Euphemismus vom „sozialen Einfrieren“ wird nämlich Tür und Tor geöffnet für massenhafte Schwangerschaften nach dem vierzigsten Lebensjahr. Medizinische Komplikationen, Kinder, deren Eltern früh sterben, und zusätzliche Belastungen für die Gemeinschaft sind der Tribut, der für jene Frauen zu entrichten ist, die erst noch ordentlich Spaß am Leben haben wollen, bevor sie ihrem genetischen Imperativ nachgehen und Kinder zu einem Zeitpunkt in die Welt setzen, den die Evolution aus gutem Grund ausschließen wollte. Da erwärmt uns geradezu eine eiskalte Beobachtung an jungen Frauen, über die hier am 10. November 2011 geschrieben wurde:

Samstag, 26. Juli 2014

Neuer Anschluss-Ausschluss

Quelle: toonpool.com
Wenn es jemals berechtigte Schadenfreude gegeben hat, dann war's in dem Moment, als ein findiger Facebook-User die Seite des Konzernchefs Zuckerberg hackte. Doch das Lachen blieb uns im Halse stecken, denn die Details der Geschichte führen uns den Zustand der hochgelobten Servicegesellschaft schonungslos vor Augen. Der User hatte nämlich ein weitreichendes Sicherheitsleck gefunden und wollte das freundlicherweise dem Konzern kommunizieren, doch er kam mit seiner Leck-Info nicht gegen die Leck-mich-Mentalität der Facebook-Mitarbeiter an. Mehrere Kommunikationsversuche wurden ignoriert, und erst als der User seine Erkenntnisse direkt auf die persönliche Seite von Zuckerberg schrieb, gab es eine Reaktion: Innerhalb von wenigen Minuten wurden ihm sämtliche Zugänge zum Netzwerk gesperrt. Ein prominenter Fall, aber natürlich durchaus kein einzelner. Wir alle haben solche Erfahrungen mit Dienstleistern gemacht, die uns immer mehr zu deren bloßen Verdienst-Leistern machen. Schon am 16. Oktober 2011 berichtete Konrad Kustos von einem ganz persönlichen Service-Schicksal:

Samstag, 19. Juli 2014

Neues Radio Gaga

Unablässig bedudelt uns unsere Umwelt mit Botschaften: kaufe dies, vermeide jenes, beachte folgendes. Wir helfen uns, indem wir unsere Wahrnehmung weitgehend auf Durchlass schalten, aber der verbleibende Sortiervorgang ist dennoch unbefriedigend und zermürbend. Denken wir nur an die Botschaften der Autowerbung, die meist in lupenreinem Denglisch an uns vorbeiargumentieren, wie eine Kölner Agentur bei einer repräsentativen Umfrage herausgefunden hat. Nur vier von zwölf Slogans wurden von der Mehrheit wie gemeint verstanden. Sogar kein einziger der mehr als 1000 Befragten wusste Mitsubishis „Drive @ Earth“ zu interpretieren. Anstatt hier die Ökoparole zu erkennen, übersetzen die Probanden: „Fahre bodenständig“ oder besonders sinnig „Fahre auf der Erde“. Aus Renaults „Drive the change“ (Erfahre die Veränderung) wurde so „Wechsle den Fahrer“ oder „Fahre mit Wechselgeld“. Den umgekehrten Weg geht das Radio, das uns mit derart seichten Botschaften bedudelt, dass als einzig mögliches Unverständnis verbleibt, warum sich das irgendjemand überhaupt anhört. Eine Frage, die hier schon einmal am 9. Oktober 2011 gestellt wurde:

Samstag, 12. Juli 2014

Neues Schwarz auf Weiß

Quelle: jebac.wordpress.com
Der Profisport ist geradezu ein Labor für die Veränderung von Verhaltensweisen und Alltäglichkeiten im Zeichen des Niedergangs. Kaum vorstellbar beispielsweise, dass Freaks, die solche Frisuren tragen wie (nicht nur) die Franzosen bei der WM, je ein Spiel gewinnen könnten. Was sie dann aber doch bisweilen tun. Verwirrende neue Welt - auch auf der Tribüne: Zumindest die Kameras zeigen uns massenhaft Menschen, die sich im Zeichen der guten Laune bis zur Unkenntlichkeit maskieren und entstellen. Sie schwitzen unter dicken Wollmützen und Kostümen, und der Schweiß lässt ihre kunstvoll aufgemalten Selbstverfremdungen ihnen in den Kragen fließen. Wer (jedenfalls meistens) mit  schönerem Körper gesegnet ist, entblößt diesen auf der Suche nach Aufmerksamkeit, soweit es irgend geht. Wenn dann die Kamera die Feierbiester einfängt, ist es egal, welche Klatsche das eigene Team gerade bekommt, denn da wird gelacht und gefeiert, als wäre man beim Mainzer Karneval oder auf einer Schwulenparade. Abends dann donnern in Berlin betrunkene Türken mit ihren Sportwagen und 120 km/h  über den Kudamm, brüllen „Schland“ und schwenken deutsche Fahnen. Der Fußball wird bei all dem zur Nebensächlichkeit. Zu Eventfußball eben. Auf dem Rasen wird das ihnen ja auch vorgemacht. Etwa wenn Spieler nach brutalen Fouls für den am Boden liegenden Gegner noch die gelbe Karte fordern. Die Welt wird so zum Ort für Schauspieler und Entertainer. Alles Lüge also, und das galt auch schon am 4. Dezember 2011, wie Konrad Kustos damals berichtete.

Mittwoch, 9. Juli 2014

Nach-Gedacht: Grüne Gründerzeit

Soeben faszinierte uns der grüne Europa-Abgeordnete Michael Cramer mit seinem Vorschlag, die Belieferung der Millionenstadt Berlin weitestgehend Rikschafahrern zu überlassen. Als Belohnung für diese intellektuelle Großtat hat Europas Elite ihn nun zum Vorsitzenden des Verkehrsausschuss des Europäischen Parlaments gewählt. Wenn das nicht ein neuer Beleg für das Paul-Prinzip ist, nach dem jeder in der Hierarchie nur steigen kann, wenn er seine Inkompetenz hinreichend nachgewiesen hat. Cramer schreibt bei Facebook: „Ich freue mich auf die neuen Aufgaben und Herausforderungen, die mich in Zukunft erwarten.“ Diese Freude ist ganz seinerseits. Doch dass die Grünen nicht nur einen Kasper haben, sondern ein ganzes Kasperletheater sind, zeigt zeitnah ein youtube-Spot grüner Europa-Abgeordneter, der jeden, der ihn gesehen hat, fassungslos zurücklässt. Besonders Terry (rechts) ist die Inkarnation des Fremdschämens. Schon als normaler Bürger wäre Terry ein Schlag ins Gesicht der gesamten Menschheit, aber solche Leute dürfen nun über unser Schicksal mitbestimmen. Tun wir also, was uns noch bleibt: Lachen wir! Dabei hilft vielleicht auch eine Version des Auftritts aus kabarettistischer Sicht.

Samstag, 5. Juli 2014

Neues Lied-Leid

Dass Musik eine vernichtende Wirkung entfalten kann, versicherte uns schon das Alte Testament mit seiner Geschichte von den Posaunen von Jericho. Auch aus eigener Erfahrung kennen wir die schweren psychischen Störungen, die beispielsweise Heinos Interpretation von „Schwarzbraun ist die Haselnuss“ oder Rapmusik in der Nachbarwohnung auslösen kann. Neu ist die Information, dass die britische Handelsmarine Musik von Britney Spears nutzt, um damit vor der Küste Somalias Piraten zu vertreiben. Im Nachhinein stellt sich nur die Frage, warum man da nicht eher drauf gekommen ist. Immer wieder wird Musik aber auch politisch instrumentalisiert. Erst kürzlich wurde hier auf die famose Performance von Conchita Wurst beim ESC hingewiesen, die einerseits unser Gehirn für neue Denkweisen öffnen konnte und andererseits zur antirussischen Propaganda genutzt wurde. Wie Musik bisweilen auch in den Mühlen der Political Correctness zermahlen werden kann, zeigte der Skandal um den verhinderten Echo-Auftritt der Tiroler Heimatband „Freiwild“. Schon am 25. September 2011 hatte ein ähnlicher Vorfall die Aufmerksamkeit von Konrad Kustos gefunden:

Dienstag, 1. Juli 2014

Nach-Gedacht: Zurück in die Zukunft


Manchmal ist es faszinierend, wie schnell Kustos-Themen von der Wirklichkeit eingeholt werden. Gerade erst wurde hier unter dem Titel „Zurück in die Zukunft“ darüber geklagt, wie Obrigkeitsdenken und Gutmenschentum die selbstregulierenden Kräfte einer Gesellschaft aus den Angeln heben will. Es ging um Berliner Milieuschutzgebiete, in denen derzeit geltendes Recht mit Hilfe lokaler Doktrinen außer Kraft gesetzt wird, um die Mieten der Anwohner auf Kosten von Wohnungseigentümern und Stadtentwicklung zu deckeln. Nun setzt die Berliner SPD noch einen drauf, indem sie in diesen „sozialen Erhaltungsgebieten“ auch die Umwandlung von Miet- in Eigentumswohnungen untersagen will. Das ist nicht nur ein Angriff auf das Eigentumsrecht und damit auf die freiheitliche Marktwirtschaft, sondern ein Angriff auf die Grundlagen unserer freiheitlichen Ordnung.

Samstag, 28. Juni 2014

Toren an den Toren

"Hautkrebs hausgemacht"
Kann bei der Weltmeisterschaft eigentlich auch ein Foul an sich selbst mit einer gelben oder roten Karte bestraft werden? Was wäre, wenn ein Schütze sich vor dem Elfmeter genüsslich die Unterarme ritzte? Oder sich gar für einen missglückten Pass geißelte? So weit sind wir zwar noch nicht, aber wo wäre der qualitative Unterschied zur Ansicht der Verstümmelung der eigenen Haut, den uns eine große Zahl kickender Ornament-Tapeten Spiel um Spiel zumutet? Unabhängig von der Stellung, die man zur dauerhaften Beschriftung der eigenen Haut einnimmt, bleibt spätestens seit diesem Fußball-Event zu konstatieren: Das Tattoo ist nicht mehr bloß ein Erkennungsmerkmal gesellschaftlicher Außenseiter wie früher, sondern ist im Mainstream sowohl des Jetsets als auch der Allgemeinheit angekommen. Das aber hat Gründe, die zu kennen wichtiger sind, als eine Minderheit zu verurteilen, die auf dem Weg zur Mehrheit zu sein scheint.

Samstag, 21. Juni 2014

Zurück in die Zukunft

Zeichnung: H. Zille (1858-1929)
Berlin ist bekannt für „Zille sein Milljöh“. Der in der Stadt kultisch gepflegte volksnahe Maler Zille zeigte in seinen Zeichnungen, dass auch unter den elenden Lebensbedingungen des Proletariats der vorvorigen Jahrhundertwende Würde und Menschlichkeit möglich waren. Die Zeiten haben sich geändert, die Lebensbedingungen verbessert. Das ermöglichte ein evolutionärer wirtschaftlicher Prozess, der von manchen gern als Kapitalismus beschimpft wird. Während aber nun der mehr oder weniger funktionierende Kapitalismus mehr und mehr zum ausbeuterischen, globalisierten Postkapitalismus verkommt und es dadurch auch mit dem Milieu wieder bergabzugehen droht, glauben lokalpolitische Romantiker dem Milieu mit realitäts- und evolutionsfernen Versuchen obrigkeitsstaatlicher Steuerung nachhelfen zu müssen. Paradoxerweise wähnen sie sich dabei auf Seite der Guten, wenn sie Sanierung und Modernisierung behindern, also sozusagen Zilles Milljöh der Ärmlichkeit mit Milieuschutz-Verordnungen festschreiben.

Samstag, 14. Juni 2014

Verbote verbieten

Freiheit ist ein dehnbarer Begriff. Eine Karte im Internet führt überhaupt nur sechs freie Länder auf, darunter die Schweiz, Kanada, Chile und die Mongolei. Bei näherem Hinsehen zeigt sich, dass hier eine „wirtschaftliche Freiheit“ zu Grunde gelegt wurde,  also das Kriterium, dass jeder machen kann, was er will, aber nur wenn er Geld investiert. Andere Karten haben nach so komplizierten wie undurchsichtigen Indizes andere freie Länder ausgemacht. Freiheit ist anscheinend auch schwer greifbar. Um herauszubekommen, was Freiheit für die Menschen in Deutschland bedeutet, haben Heidelberger Wissenschaftler einen repräsentativen Freiheitsindex für Deutschland errechnet. Danach wünschen sich die Deutschen vor allem mehr Verbote, egal ob aus Berlin oder aus Brüssel - und das gibt zu denken.

Samstag, 7. Juni 2014

Grüne Gründerzeit

Wenn eine Eigenschaft das Christentum durch die Jahrhunderte seiner Existenz begleitet hat, dann ist es die Lustfeindlichkeit. Was Spaß macht, ist gottlos, es sei denn, es dient der Fortpflanzung. Aufbauend auf dieser kulturellen Prägung sind die Grünen nahtlos an die Stelle altmodisch gewordener Heilsversprechungen getreten. Autofahren, Süßigkeiten, Rauchen im Biergarten und Ponykarussells auf Jahrmärkten - es gibt kaum ein Verbot, das Grünenpolitikern nicht einfiele, um unser Leben im Interesse der von ihnen definierten „gerechten Sache“ zwar ärmer, aber dafür noch gerechter zu machen. Es soll allerdings nicht geleugnet werden, dass Konrad Kustos mit einigen dieser Verbotsbestrebungen durchaus sympathisiert, beispielsweise hinsichtlich verkaufsoffener Sonntage und der Umweltverschmutzung durch unentgeltlich ausgegebene Plastiktüten. Und manchmal versuchen sich die Grünen sogar an konstruktiven Vorschlägen - doch wie unsicher man auf dieser terra incognita agiert, zeigt das Beispiel des Europa-Grünen Michael Cramer, der die Güterversorgung von Großstädten jetzt auf Lasträder umstellen will. Oder ist alles genau so beabsichtigt...?

Samstag, 31. Mai 2014

Regulieren statt regieren

In Großbritannien soll kürzlich unter Verweis auf EU-Gesetze ein Drahtseilartist gezwungen worden sein, bei der Ausübung seines Berufs einen Helm zu tragen. Na klar, bei einem Hochseil hätte er sich ja auch im Fangnetz den Kopf stoßen und über ein Bodenseil hätte er stolpern können. Über diese und andere Geschichten, wie beispielsweise über ein Ökolabel für Matratzen oder ein Klo mit europäisch begrenzter Wasserspülung, wird gerne der Kopf geschüttelt, aber nun wird es ernst: Ab Juni (13.) gelten EU-weit einheitliche Regeln für den Widerruf eines Fernabsatzgeschäftes, also auch den Online-Kauf. Es entfällt die begründungslose und portofreie Rückgabe. Zudem müssen Kunden nun für jede Retoure ein Formular ausfüllen und den Widerruf begründen. Selbst die einheimische Versandbranche klagt, dass „das alte Recht ein Segen“ gewesen sei und unseriösen Händlern das Leben schwer gemacht habe. Sicher haben die Regulierer in Brüssel sich etwas dabei gedacht, aber nicht nur dieser Fall zeigt, dass Gedanken aus dem Wolkenkuckucksheim in der Realität nicht viel taugen - erst recht nicht für die Bürger des neuen Europa.

Samstag, 24. Mai 2014

Bau-Banausen

Europawahl - was ist das? Irgendwelche Hanseln versorgen sich mit neuen Pfründen, na und? Das ist uns hier natürlich keinen Post, keine zweite Zeile wert. Der morgen parallel in Berlin stattfindende Volksentscheid ist hingegen ein ganz anderes Kaliber. Eine Bürgerinitiative möchte auf der Freifläche des ehemaligen Tempelhofer Flughafens die von der Stadt geplante Mischung aus Grünanlage und Wohnbebauung verhindern. Auch wenn das Ansinnen noch scheitern könnte, ist es doch allein wegen der im Vorfeld gesammelten 220.000 Unterschriften ein beredtes Beispiel für eine neue Gutsherrenmanier mit der eine neue Generation von (die eigene) Weltverbesserern anderweitige Anstrengungen für ein funktionierendes Gemeinwesens torpediert. Anstrengungen, die tatsächlich selbst im Niedergang bisweilen noch vorhandenen sind.

Samstag, 17. Mai 2014

Wundernde Wissenschaft

Bildquelle: fu-berlin.de
Kokain und Koffein, Testosteron und Viagra - diese Gesellschaft setzt auf Leistung und unter Leistungsdruck. Jederzeitige Verfügbarkeit und immerwährender Durchblick scheinen die Voraussetzung für Erfolg. Zu ganz anderen Ergebnissen kam jedoch eine amerikanische Studie, die einmal die Leistungsfähigkeit nach Maßgabe der Müdigkeit der Probanden ermittelte. Es zeigte sich, dass die analytischen Fähigkeiten vom jeweiligen Fitnesszustand im Prinzip unabhängig waren, hingegen steigerte sich das kreative Potenzial im Zustand der Müdigkeit um rund 30%. Anscheinend, so mutmaßten die Wissenschaftler, verstelle gerade der analytische Denkapparat das Finden weniger naheliegender, aber besserer Lösungen. Die Dämpfung durch die Müdigkeit setzt also Kräfte frei und plötzlich ist weniger mehr. Da sind wir also dank dieser Erkenntnis der Wissenschaft schon wieder mitten in kybernetischen Paradoxien und wünschen uns, dass auch andere hellwache Wissenschaftsdisziplinen ihre Ergebnisse besser im Schlaf gefunden hätten.

Montag, 12. Mai 2014

kurz-geklagt: Die zwei Seiten der Wurst


Heute geht es um die Wurst, ach nein, den Wurst. Da hat ein „Travestiekünstler“ diesen unsäglichen, aber dank seichtspülender Medien populären ESC (Eurovision Song Contest) gewonnen. Normalerweise wäre das für den meist wertkonservativen Konrad Kustos ein Anlass gewesen, gegen die Dekadenz des Niedergangs zu wettern. Doch siehe da, es kommt ganz anders. Er hörte bei allem Getöse den Geist der Innovation durchklingen. Die Dekadenz lag dann eher bei der Begleitmusik und betraf die Jubelchöre, die Propaganda beim schlichteren Teil des Volkes initiieren kann. Schlussakkorde in Moll müssen befürchtet werden.

Samstag, 10. Mai 2014

Grün-der-Wahn

"Grüne Prokrustes-Couch"
Nach den Plänen eines grünen Bezirksstadtrats sollte im kommenden Jahr in Berlin ein ganzer Innenstadtteil zugunsten eines „Eco-Mobility-Festivals“ für einen ganzen Monat von jeglichem fahrenden oder stehenden Kraftfahrzeugverkehr befreit werden. Wenige Tage danach hat sein Bürgermeister im Einvernehmen mit anderen Stadträten aller Couleur die grüne Allmachtfantasie vorerst gestoppt. Doch das Szenario war beeindruckend: 20.000 Anwohner hätten dann täglich einen Weg von teilweise mehr als einem Kilometer bis zur U-Bahn, 3500 Autos dürften nicht nur nicht fahren, sondern müssten anderswo abgestellt werden. Das hier zum Glück noch zahlreich ansässige Gewerbe könnte nicht mehr beliefert werden, und Kunden blieben fern. Aber es wäre natürlich ein vernichtender Schlag gegen den weltweit dräuenden Klimawandel. Wundert es uns, dass dieses Vorhaben vor seinem schmählichen Ende in der Planung schon weit gediehen war und Unsummen verschlungen hatte, aber weder im Bezirk noch im Senat oder gar bei den Bürgern bekannt war? Das Ganze ist auch nicht nur ein Ausrutscher eines durchgeknallten Politikers, sondern ein vorerst gescheiterter Zwischenschritt auf dem Weg zur grünen Umgestaltung der Demokratie in ein weltfernes Bevormundungssystem.

Samstag, 3. Mai 2014

Scham-Lippenbekenntnisse

Quelle: howstuffworks.com
„Wer lang hat, lässt lang hängen“, hieß es einst, und jeder dachte sich dann sein Teil. Weil man sich heute weniger denkt und dafür mehr zeigt, ist nun die Hodensack-Straffung im Trend. Und nicht nur die: Im Intimbereich ist es inzwischen durchaus gängig, Teile an- oder aboperieren zu lassen, von denen man bis vor kurzem noch gar nicht wusste, dass es sie überhaupt gibt. Schamlippenstraffen, Penis verlängern oder verdicken, Jungfernhäutchen zunähen, Fettabsaugen am Venushügel - alles ist drin und schon für wenige Tausend Euro zu haben. Letzteres pro OP versteht sich. Nachdem hier erst kürzlich über die fragwürdigen Motivationen bei „normalen“ Schönheitsoperationen, also denen im sichtbaren Bereich, nachgedacht wurde , stellt sich nun die Frage, was diese Schnippelei an der eigenen Existenz mit der damals vermuteten sozialen Konkurrenz und überzogenem Karrieredenken zu tun haben könnte. Eher gar nichts, denn da diese Konkurrenz in der Regel nicht beim monatlichen Saunabesuch, unter der Bettdecke oder beim Arzt stattfindet, steht ernsthaft zu vermuten, dass es sich bei diesen Trend um eine kollektive narzisstische Persönlichkeitsstörung handelt.

Samstag, 26. April 2014

Der Bürokraten tEUre Taten

Ein EU-Witz macht die Runde, und der geht so: „Anruf in der Notzentrale. ‚Wir sind in der Hand skrupelloser Verbrecher und brauchen dringend Hilfe’. ‚Wo sind Sie und wie viele?’ ‚In Deutschland und rund 80,5 Millionen.’“ Witze sind oft der Versuch, sich trotz Sprachlosigkeit zu artikulieren. Die Auslieferung an eine fremde Machtzentrale außerhalb der eigenen Landesgrenzen und die Erfahrung, deren Entscheidungen irgendwo zwischen fragwürdig und kontraproduktiv einordnen zu müssen, hinterlässt dieses Gefühl der Sprach-, genauer: Hilflosigkeit. Deshalb werden auch die Absurditäten der europäischen Politik so weitgehend widerstandslos hingenommen; sie werden geduldet, weil sich die Menschen machtlos fühlen. Kritik keimt manchmal, wenn die überbordende Bürokratie zum Thema wird. Wenn den Menschen bewusst wird, dass 55.000 hochqualifizierte und teuer bezahlte Beamte eine Arbeit für Europa verrichten, ohne die vermutlich alles mindestens genauso gut wenn nicht besser funktionieren würde.

Samstag, 19. April 2014

Kybern für Anfänger

Was ist daran falsch, wenn es der Tier- und Pflanzenwelt in der Berliner Müggelspree möglichst prächtig gehen soll? Warum protestiert ausgerechnet die linke Gesundheitsstadträtin des Bezirks Köpenick gegen diesen Zustand? Kann es hier überhaupt mehr als zwei Meinungen geben? Der Widerspruch ergibt sich ganz einfach aus der unterschiedlichen Interessenlage von Tieren, Pflanzen und Menschen und was die maßgeblichen Kräfte unserer Gesellschaft daraus zu machen gedenken. Einerseits haben seit Jahrhunderten an den traditionsreichen Badestellen Menschen gebadet, und von Tieren und Pflanzen ist da noch nichts zu sehen. Andererseits gibt es eine so umweltfreundliche wie menschenfeindliche „Wasserrahmenrichtlinie der EU“, die nach moralisch Höherem strebt und die sich die Politkommissare der Stadtentwicklungsverwaltung zu eigen gemacht haben. So können unterschiedliche Interessen, Fakten und Argumente aus einer wirklichen Wirklichkeit plötzlich viele Wirklichkeiten machen.

Samstag, 12. April 2014

Enorm konform

Wenn über Kanzlerin Merkel auf Seite eins einer angesehenen Zeitung berichtet wird, sie wolle einen Streit „versachlichen“, weil es in der eigenen Partei „immer schrillere Töne“ gebe, ist das keine politische Information, sondern ein Hinweis auf den Zustand unserer Medien. Ein Artikel, der in seiner Machart nicht als Einzelfall, sondern als Teil des Mainstreams schrill und unsachlich wertet, zeigt, dass der Wertekanon der Presse in eine Krise geraten ist. Unübersehbar dreist wird hier schon in der Wortwahl unverfroren parteigenommen - eigentlich eine Todsünde des Journalismus, jedenfalls dessen, der sich noch an Werte gebunden fühlte. Tatsächlich ging es hier um die Debatte zur Armutseinwanderung, bei der einige Mitglieder der ehemaligen Volkspartei CDU nicht mehr bedingungslos der Führung bei ihrer Einwanderungspolitik folgen wollten. Und deshalb sagt uns dieses Zitat auch noch ein zweites: Der Journalismus hat sich von einer korrigierenden Gegenkraft zur willfährigen Gefolgschaft der Mächtigen entwickelt.

Samstag, 5. April 2014

Denkste?!

Beim Besuch religiöser Webseiten besteht ein dreimal höheres Risiko, sich einen Computervirus einzufangen, als auf sogenannten erotischen Seiten. Die US-Computer-Sicherheitsfirma Symantec, die die Studie dazu erstellte, vermutet, dass die Pornobetreiber ein höheres Interesse haben, sichere Seiten anzubieten, um die User nicht zu verprellen. Das mag so sein, aber es erfasst nicht das ganze Phänomen. Beispielsweise könnte man mutmaßen, dass religiöse Seiten aus ideologischen Gründen stärkeren Angriffen ausgesetzt seien oder voller Gottvertrauen weniger technische Vorkehrungen träfen, um Hacker abzuwehren. In fast jeder Sache gibt es so einen „geheimen“ Content, doch in einer auf Erfolg und einfache Antworten ausgerichteten Gesellschaft muss meist die verkürzende „Wenn-Dann-Funktion“ ausreichen. Das ist im Einzelfall schon misslich, doch als System-Faktor eine Katastrophe. Abhilfe böte ein neues Denken, ein „kybernetisches“ Denken, wenn unsere Kultur es denn nur zuließe.

Samstag, 29. März 2014

Schönheit muss sch(n)eiden

Bildquelle: Jantoo.com
Die Zahl der medizinisch nicht notwendigen Schönheitsoperationen in Deutschland steigt so rasant, wie die der Menschen sinkt, die Politikerversprechungen noch glauben. 2011 begaben sich rund eine Million Deutsche der Schönheit zuliebe unters Messer. Manchmal hilft das, aber manchmal sehen die, die dem Schicksal nachhelfen wollten, hinterher nicht viel besser aus als Frankenstein persönlich. In jedem Falle handelt es sich dabei nicht bloß um ein gesellschaftliches Phänomen, sondern um ein gesellschaftliches Problem. Kein Thema sind jene Operationen, mit denen die Opfer von Brustkrebs oder Verbrennungen möglichst originalgetreu wiederhergestellt werden. Nicht einmal das Anlegen von Segelohren soll hier infrage gestellt werden. Doch beim näheren Betrachten des Geschäfts mit der künstlichen Schönheit offenbart sich, dass mit dem durch den Schönheits- und Jugendwahn induzierten Eingreifen in den Bauplan der Natur sowohl der Einzelne als auch die Gesamtgesellschaft verlieren müssen.

Donnerstag, 27. März 2014

Nach-Gedacht: Freiwilds Echo

Was für ein Echo. Nachdem die Südtiroler Band Frei.Wild vor fast genau einem Jahr wegen der Boykottdrohung einiger politisch besorgter „Kollegen“ vom Echo, dem wichtigsten Preis der deutschen Musikindustrie, ausgeschlossen wurde, gab es nun für die heutige Neuauflage gleich zwei bemerkenswerte Reaktionen: Erstens distanzierte sich die Musikindustrie von ihrem damaligen Verhalten, indem sie die Heimat-Rocker demonstrativ erneut nominierte, zweitens distanzierten sich Frei.Wild diesmal vom Echo. Beides sind beherzte Reaktionen.

Samstag, 22. März 2014

Wie die Medien sich erledigen

„In Kiew erschossen sich Menschen auf offener Straße“, schrieb kürzlich das bürgerliche Renommier-Magazin „Zeit“ (-online). Donnerwetter, das ist ja auch eine Meldung: Nicht nur dass die da Bürgerkrieg haben, sie scheinen auch massenhaft öffentlichen Selbstmord zu begehen. Doch keine Sorge, es handelt sich nur um die fehlende sprachliche Kompetenz des Autors Steffen Dobbert (von Beruf Sportreporter) und die Unfähigkeit einer medialen Instanz mit intellektuellem Führungsanspruch, selbst einfache Fehler vor der Drucklegung zu korrigieren. Da wundert es nicht, wenn eine andere Qualitätszeitung in der Überschrift schreibt: „Wir bleiben so lange hier, wie wir gebaucht werden“. So geht es täglich die Medien rauf und runter. Einfache Schreibfehler paaren sich mit inhaltlichen Mängeln und schlichter Schlamperei, was die Akzeptanz und das Vertrauen in unsere Informationsmedien grundlegend erschüttert. Die Fehltritte sind im Einzelnen zwar oft ziemlich komisch, aber in der Summe wirft es ein beängstigendes Bild auf das Können, die Sorgfalt und die Leistungsbereitschaft in unserer Gesellschaft.

Montag, 17. März 2014

Nach-Gedacht: Kein Krim-Sekt für EU


Eigentlich ist alles gesagt. Die Politiker, die Medien, die Diplomaten und auch das kritische Internet haben hier und anderswo alle Fakten zur Krim-Krise genannt und die Argumente ausgetauscht. Doch nun wurden auch noch die Bürger der Krim-Provinz gefragt - ein unerhörter Vorgang, der bei den Friedensstrategen der EU schon deshalb Stirnrunzeln ausüben muss, weil die ja ihre eigenen Bürger auch nie oder höchst ungern um deren Zustimmung bitten. Das Wahlergebnis ist dann auch weniger wegen der Zustimmung zur Angliederung an Russland durch die 60% dort lebenden Russen erstaunlich, sondern viel mehr, weil auch die Nichtrussen dem zustimmten, was sich zwingend aus dem überwältigenden Gesamtergebnis von 95,5% aller Wahlberechtigten ergibt. (Angesichts der bisher so einseitigen Berichterstattung wundert es nur, dass noch nicht die Wahlfälschungskarte ausgespielt wurde, aber vielleicht kommt das noch.) Doch nun zu glauben, der Anschluss der Krim an Russland sei demokratische Formsache, wäre naiv.

Samstag, 15. März 2014

Platz-Verweis

Jetzt kommt Bewegung in die traurige Posse am Berliner Oranienplatz. Der Senat garantiert rechtsbrechenden Platzbesetzern die Erfüllung ihrer Forderungen, wenn sie denn nur ihre Besetzung beendeten. Der Staat beugt sich der Gewalt, aber ob selbst das hilft, bleibt ungewiss. Schließlich ist es schon einmal passiert: Kaum war die erste Generation der Besetzer in einem Heim der Caritas im Bezirk Wedding untergebracht, da hatte die Unterstützerszene die freundlicherweise nicht abgebauten Zelte schon mit neuen Flüchtlingen gefüllt. Und schließlich ist das Ganze noch viel komfortabler geworden, haben doch die Besetzer inzwischen auf dem historischen Schmuckplatz ein ganzes Dorf aus 40 Bretterhütten mit Heizung und Internet errichtet. Berlin ist also wieder einmal nicht nur eine Reise wert, sondern auch an der Speerspitze des Niedergangs unterwegs.

Samstag, 8. März 2014

Friedens-FrEUden

Quelle: WZ-newsline
Es gab einmal eine Zeit, da hatte ein gewisser Adolf Hitler die Zukunft Deutschlands im Osten gesehen. Weil das für Deutschland und den Rest der Welt nicht so wirklich gut endete, entschlossen sich die Deutschen, und das nicht nur auf Druck der Siegermächte, von allen Formen militärischer Machtpolitik, die über eine Verteidigungsbereitschaft hinausgeht, künftig möglichst die Finger zu lassen. Das war die Zeit, in der sich Deutschland mühsam eine neue Ostpolitik erarbeitete und mit seiner Friedenspolitik Sympathien in der ganzen Welt gewann. Kürzlich hatte sich nun erneut ein deutscher Außenminister nach Osten gewendet und in der Ukraine für Frieden, nun, wenigstens einen Waffenstillstand, gesorgt. Und weil ein deutscher Außenminister heutzutage nichts mehr alleine entscheiden kann, hatte er auch noch ein paar EU-Kollegen mitgenommen. Aber was wie die Fortsetzung der freundlichen deutsch-europäischen Friedenspolitik aussehen sollte, war schlicht und einfach der Startschuss für eine neue Expansionspolitik einer neuen Möchtegern-Großmacht.

Samstag, 1. März 2014

Hollywoods Höllenfahrt

Den Golden Globe hat er schon, den Oscar will er am Sonntag noch: „12 years a slave“. Der Film verfügt über große Bilder, große Schauspielleistung, große Tragik und erst recht einen großen Anspruch - und umso größer ist sein Scheitern. In den Medien und der anderweitigen Öffentlichkeit wird das allerdings nicht wahrgenommen. Hier adelt ihn seine eindeutige moralische Position und seine Aufarbeitung eines schrecklichen Kapitels der amerikanischen Geschichte. Doch reicht das aus? Die erzählte Geschichte verlässt sich in dreistem Maße auf das gezeigte menschliche Elend und eine unglaubliche und unnötige Zurschaustellung von Brutalität, mit der davon abgelenkt wird, dass die Geschehnisse und die handelnden Personen undifferenziert geschildert werden und damit unglaubwürdig und blass bleiben. So  könnte man kalauern, es handele sich um eine echte Schwarz-Weiß-Story. Das aber wiederum ist Absicht und der Grund, warum dieser Film in der Herstellung wirklich ärgerlich ist und in der Rezeption ein verallgemeinerbares Schlaglicht auf das Kulturverständnis des Niedergangs wirft.

Samstag, 22. Februar 2014

Schonzeit für Schönheit

Glas(k)erker
Moderne Windmühlen liefern Energie, das ist eine Tatsache, über ihren ökonomischen Nutzen wird gestritten, und darin die Lösung aller Energieprobleme zu sehen, ist eine fahrlässige Illusion. Unabhängig von solchen Bewertungen geschieht alles heftige Planen und Bauen und Streiten über solche Themen immer auf einer ökonomischen oder ökologischen, also irgendwie sachlichen Ebene, bestenfalls wird noch über geschredderte Vögel geklagt. Menschliche Aspekte, also wie diese mächtigen, ruhelosen Maschinen den Menschen in seiner Lebensumgebung beeinträchtigen, zählen nichts in einer funktionalistischen Welt. Beeinträchtigt ist der Dorfbewohner, dessen Boden zuhause vibriert. Der Autofahrer, dem inmitten sich drehender Strukturen schwindlig wird. Der Naturfreund, der über der majestätischen Natur der Uckermark das monotone Kreisen riesiger gestreifter und meist auch noch blinkender Metalflügel ertragen muss. Der Mensch eben, den die Evolution nicht darauf vorbereitet hat, dass nicht nur seine Alltagswelt, sondern jetzt auch noch seine Rückzugsräume technoid überformt werden. Und es bleibt ja nicht bei den Windmühlen: Überall sind Experten dabei, die Welt noch funktionaler zu machen, sie dem menschlichen Geist zu unterwerfen, ja, der Natur bewusst ein selbstherrliches Bild der aufgeklärten Künstlichkeit gegenüberzustellen.

Montag, 17. Februar 2014

Nach-Gedacht: Die Gender-Agenda


Wir wissen, dass das Gleichbehandlungsgesetz und seine Alltagsspielformen bedeutet, manche Menschen etwas gleicher zu behandeln als andere. Zuletzt wurde dazu hier und hier das Genderthema behandelt, also die These, dass es zwischen den zwei Geschlechtern weder geschlechtliche noch sonstige Unterschiede gibt/geben darf. Seit dem 13. Februar sind wir schon ein ganzes Stück weiter, denn Facebook, der Blinddarm unter den Organen der neuen Zeit, hat, wenn auch vorerst nur für englischsprachige Nutzer, aus bisher zwei ideologisch gleichen Geschlechtern gleich 58 gleiche Geschlechter gemacht. Jede derzeit denkbare sexuelle Versponnenheit oder Notlage erhält so ohne Not gesponnen eine eigene sexuelle Identität und sogar die entsprechende Grammatik zugewiesen. Das klingt zuerst wie ein Witz, ist aber ein paradigmatischer Vorgang, der einerseits weitreichende Folgen hat und andererseits tief blicken lässt, wie viel Absurdität in unserer neuen virtuellen Gesellschaft schon möglich ist.

Samstag, 15. Februar 2014

Versuch mit Irrtum

Die Zahl der Jugendlichen, die die Schule ohne Hauptschulabschluss verlassen, geht nach jüngsten Berechnungen des DGB zurück. Vor fünf Jahren waren es noch 8% aller Schulabgänger, nun sind es 5,9 die sich künftig zum Bodensatz unserer Gesellschaft zählen dürfen. Soll man sich nun freuen oder über die immer noch unerträglich hohe Zahl entsetzen? Eher Letzteres, vor allem deshalb, weil nach den vorangegangenen Überlegungen an dieser Stelle klar sein sollte, dass mehr bestandene Prüfungen keineswegs eine gestiegene Leistungsfähigkeit belegen. Schließlich bestand seit dem Bildungsgipfel von 2008 auch hier sozusagen eine Kanzleranordnung, dass die Abbrecherzahlen zu sinken haben. Im Fälschen von Fähigkeiten, Leistungen und Ergebnissen hat die Niedergangsgesellschaft bemerkenswerte Fähigkeiten entwickelt. Ebenso manisch trachtet sie danach, hektische Aktivitäten zu entfalten, um nichtvorhandene Kompetenzen zu simulieren. Schlimmer noch: Ohne Rücksicht auf Verluste wird dieses Handeln ideologisch korrekt ausgerichtet und damit Kompetenz und Effizienz vernichtet.

Samstag, 8. Februar 2014

Machtkartell für Kartenhäuser

Was für ein Theater
Als das Opernhaus von Sydney geplant wurde, sollte es 3,5 Millionen Pfund kosten, am Ende waren es 50 Millionen. Das war für manche weniger schlimm als die Tatsache, dass es statt 1965 erst 1973 fertig wurde. Dicht dran in der Bilanz gebauten Schreckens ist die Hamburger Elbphilharmonie, die es wohl bei einer Verzehnfachung der Kosten belässt, dafür aber in der Gesamtsumme bei 789 Millionen Euro liegt. 2003 war hier Baubeginn, die Fertigstellung rückt so rasant näher wie Achilles der Schildkröte. Da haben wir wohl nach heutigem Anschein mit dem Berliner Pannenflughafen noch Glück gehabt. Der Aufruhr in der Öffentlichkeit ist verständlich, doch die Frage bleibt, warum uns ein paar Millionen Euro stören, die andernfalls wer weiß wo verjubelt worden wären, wenn wir kritiklos hinnehmen, dass unsere Umwelt mit Scheußlichkeiten zugebaut wird. Ist das, was weltweit passiert, nun Dummheit oder Absicht?

Samstag, 1. Februar 2014

Der Lanz, der kann’s

Zufällig war ich in das Medienereignis des Jahres geraten, obwohl ich das da noch nicht wissen konnte. Markus Lanz machte in einer Talkshow die Linken-Ikone Sahra Wagenknecht fertig. Nach allen Regeln der schwarzen Schwatzkunst. Er zeigte, dass man den in diesem Blog viel beschriebenen Niedergang noch steigern kann: mit dem Begriff „Niedertracht“ nämlich. Nach sieben Minuten war mir vom Fremdschämen so übel, dass ich wegschalten musste, und dachte, damit wäre die Sache erledigt. Doch inzwischen hat sich gezeigt, dass es sich nicht um den einmaligen Fehltritt eines Wirrkopfes handelte, sondern um einen beispielhaften Exzess eines degenerierten Mediensystems. Nichtsdestotrotz: Es gibt Hoffnung.

Samstag, 25. Januar 2014

Freiheit, Gleichheit, Schwesterlichkeit

Bild: "Vertreibung aus dem Paradies"
© Lise Noergel, www.photocase.de
Gott sei Dank hat die Freie Universität Berlin mithilfe ihrer Computer den Beweis angetreten, dass Gott existiert. Allerdings nur in einem Denkgebäude, das sich so weit im Virtuellen bewegt, dass es sich um die Realität keine Gedanken mehr zu machen braucht. Für uns wird da eher der Beweis angetreten, dass seriöse Wissenschaft, oder was wir immer noch naiv für eine solche halten, nicht mehr existiert. Bei der Spezialdisziplin „Soziologie“ könnte man noch sagen, dass es sich gar nicht mehr um Wissenschaft handelt, wo sie herausfindet, dass Dänen besonders kinderfreundlich sind und Deutsche in diesem Ranking ganz hinten liegen. Jedenfalls dann, wenn sich erweist, dass die Forscher ausschließlich das Selbstbild der Befragten zugrundelegten. Geht es noch unwissenschaftlicher? Aber selbstverständlich: Anknüpfend an den Zuspruch für den Post der vergangenen Woche beweist dies die Art und Weise, wie herrlich dämlich sich eine Baseler Hochschul-Philosophin des Themas „Gender“ angenommen hat. So wird offenbar, dass sich große Teile der Wissenschaft längst in den Dienst des neuen Herrschaftswissens der „politisch korrekten“ Ideologie und Indoktrination gestellt haben.

Samstag, 18. Januar 2014

Gender Blender

In Amerika hat ein männliches Wesen ein weibliches geküsst. Das soll vorkommen, selbst bei Sechsjährigen. Was nicht vorkommen sollte, ist, dass der Junge für diesen Handkuss vom Unterricht suspendiert wird, was aber in Colorado/USA so geschehen ist. In seiner Schulakte bekam der kleine Hunter (nomen est omen) zudem einen Eintrag wegen „sexueller Belästigung“, obwohl das kleine Mädchen von der Geste sehr angetan gewesen sein soll. Hunter reagierte auf die Disziplinierung zeitgemäß:Ich habe etwas falsch gemacht, und es tut mir leid." Wenn institutionelle sexuelle Selbstgerechtigkeit tollwütig über die natürlichsten Sachen der Welt herfällt, bleibt eben nur der Kotau. Das betrifft nicht nur das Mutterland der Prüderie, sondern auch Deutschland, wo gerade das Gender Mainstreaming (fortan GM) zum Mainstream wird. In Hamburg beispielsweise wird ein Pixi-Buch, dass junge Staatsbürger heranziehen soll, als sexistisch und rassistisch angefeindet, weil darin mehr Jungen als Mädchen vorkommen; in Berlin sollen geschlechtsgerechte Kinderspielplätze eingerichtet werden. Das ist aber nur die Spitze des Müllbergs.

Samstag, 11. Januar 2014

Wieder Mist gebaut

"City-Cube: Quadratisch ja,
doch Praktisch? Gut?"
„Quadratisch - Praktisch - Gut.“ Der Werbespruch für die Ritter-Sport-Schokolade hat sich Generationen eingeprägt. Dieses QPG gilt aber auch als Credo jener Spezies von unsportlichen Raub-Rittern, die mit nichts weniger als der Aufgabe betraut sind, unser Lebensumfeld zu gestalten: Architekten. Deren stetig wachsendes Sündenregister wird merkwürdigerweise öffentlich weniger diskutiert, als der Geschmack und die Inhaltsstoffe von Schokolade, dabei ist die Umgebung, in der wir leben und arbeiten, ein ungleich wichtigeres Lebensmittel. Wenn ein Politiker sich räuspert, sind die Medien voll davon, wenn ein Architekt für Hunderte von Millionen Euro eine Innenstadt mittels grauer Beton- oder Granit- oder Glaswürfel vernichtet, ist das eine Randnotiz in der Lokalpresse. Die Tatsache, dass Berlin nun auch noch einen City Cube der Marke QPG erhält, ist wenigstens für Konrad Kustos Anlass, das Wirken einer besonderen Spezies von mehrheitlich gefährlichen Ideologen in Augenschein zu nehmen.