Kustos kommentiert nicht mehr -
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Samstag, 5. April 2014

Denkste?!

Beim Besuch religiöser Webseiten besteht ein dreimal höheres Risiko, sich einen Computervirus einzufangen, als auf sogenannten erotischen Seiten. Die US-Computer-Sicherheitsfirma Symantec, die die Studie dazu erstellte, vermutet, dass die Pornobetreiber ein höheres Interesse haben, sichere Seiten anzubieten, um die User nicht zu verprellen. Das mag so sein, aber es erfasst nicht das ganze Phänomen. Beispielsweise könnte man mutmaßen, dass religiöse Seiten aus ideologischen Gründen stärkeren Angriffen ausgesetzt seien oder voller Gottvertrauen weniger technische Vorkehrungen träfen, um Hacker abzuwehren. In fast jeder Sache gibt es so einen „geheimen“ Content, doch in einer auf Erfolg und einfache Antworten ausgerichteten Gesellschaft muss meist die verkürzende „Wenn-Dann-Funktion“ ausreichen. Das ist im Einzelfall schon misslich, doch als System-Faktor eine Katastrophe. Abhilfe böte ein neues Denken, ein „kybernetisches“ Denken, wenn unsere Kultur es denn nur zuließe.
Stattdessen regiert weiter ein lineares Denken, das schnelle und einfache Ergebnisse verspricht und komplexe Zusammenhänge ausblendet. Beispielsweise stellen sich die Leute gerne Solarlampen in den Garten, in dem sie sich nachts gar nicht aufhalten, weil sie sich darüber freuen, dass der Strom nun umsonst ist. Jede auf diese Weise lichtverseuchte Naturparzelle mit dem Charme kleiner Flugzeuglandebahnen ärgert nicht nur den Nachbarn: Die Dinger sind nach einer Saison kaputt, kosten Geld und belasten durch ihre Produktion die Umwelt. Was bleibt, ist eine sinnlose Befriedigung von Konsumbedürfnissen verbunden mit dem irrigen Gefühl, etwas Gutes zu tun.

Das könnte man noch unter „allzumenschlich“ abbuchen, wenn nicht sogar offizielle Statistiken solchen Solarlampengebrauch inzwischen als Umweltschutz-Erfolg auswiesen. Das Phänomen des linearen Denkens ist eben längst ein Phänomen des Überbaus geworden. In Berlin und anderswo beispielsweise dürfen Radfahrer neuerdings bestimmte Einbahnstraßen in beide Richtungen befahren. Für die Radfahrer ist das eine feine Sache, jedenfalls solange sie vom Autofahrer nicht übersehen werden. Leider ist das aber sehr wahrscheinlich, da entgegenkommende Fahrräder durch ihr schmales Profil und in der Regel schlechte Beleuchtung schwer zu sehen sind und in schmalen Straßen das Risiko eines Frontalzusammenpralls erheblich höher ist.

Politiker, die auch glauben, dass ein saisonales Verkehrsmittel grundsätzliche Verkehrsprobleme lösen könnte, loben sich dennoch für ihren Schritt auf dem Weg zur radfahrergerechten Stadt. Wäre man kybernetisch an die Sache herangegangen, hätte man zu der Frage der Bequemlichkeit von Radfahrern auch die Risiken bedacht, also etwa neben der Kollisionsgefahr den Gewöhnungseffekt, nach dem die meisten Radfahrer künftig in jeder Einbahnstraße dieses Vorrecht zu haben glauben werden. Noch einen kybernetischen Schritt weitergedacht, und vom Autor selbst in signifikantem Maße erlebt, glauben dann auch Autofahrer, die die Radfahrer beobachten, Einbahnstraßen falschherum befahren zu können.

Linear gedacht scheint es auch logisch, dass die Unfallzahlen im Straßenverkehr bei einer Einschränkung der Geschwindigkeit sinken. Kybernetisch gesehen gilt das aber nur solange, wie die angeordnete Geschwindigkeit die Verkehrsteilnehmer nicht in falsche Sicherheit wiegt. Studien haben nämlich herausgefunden, dass Autofahrer, die sich unterfordert fühlen, weil sie langsamer fahren müssen, als die Verkehrsverhältnisse es eigentlich zulassen, innerlich abschalten, Unterhaltungen oder Handygespräche beginnen und damit die Unfallgefahr sogar steigt. Ähnliche Nachlässigkeit gilt natürlich auch für Fußgänger oder spielende Kinder in solchen scheinbar beruhigten Zonen. Auch hier gibt es natürlich noch kybernetische Weiterungen, etwa dass der Autofahrer das Gefühl bekommt, Verkehrsschilder gäben irrationale Anweisungen, und er dadurch das Vertrauen in die entsprechende Gesetzgebung verliert - mit allen Konsequenzen. Doch lassen wir es vorerst beim einfachen Prinzip. Wer es gründlicher liebt, der lese mein Buch „Chaos mit System“, das sich dem Thema ausführlichst widmet.

Hätte der Kandidat beim Millionärsquiz bei der Frage „Was ist eine Naturfaser? A: Trevira B: Dralon C: Lycra D: Asbest“ kybernetisch gedacht, wäre ihm entweder die Falle in der Frage aufgefallen oder er hätte bedacht, dass die Gleichsetzung von „natürlich“ mit gut und „künstlich“ mit böse eine dreiste Vereinfachung ist. Leider tat er das nicht, und das schöne Geld war flöten, denn die Antwort lautete natürlich Asbest.

Gleichsetzungen sind sowieso immer so eine Sache, sozusagen der faule Kern einer scheinbar logischen Beweisführung. Noch schlimmer sind Kausalitätsumkehrungen und besonders Schlussfolgerungen vom Allgemeinen aufs Spezielle, die ich mangels eines bisher existierenden Terminus als „Dyslogismus“ bezeichne. Dyslogismen begegnen uns täglich vom Bäcker bis zur Tagesschau. Ein Beispiel: Wenn Video-Killer-Spiele verboten werden sollen, damit die Jugend weniger gewalttätig ist, wird unterschlagen, dass die Jugend aus sehr vielen Gründen gewalttätig sein kann (fehlende berufliche Perspektive, fehlende Konsequenz bei der Erziehung, inkonsequente Strafverfolgung, verwirrende Lebensbedingungen etc.).

Es gibt aber auch ein paar erfreuliche Gegenbeispiele. Da riet ein Kommunikations- und Familienberater Eltern, Aufforderungen an ihre Kinder besser nicht mit einem „Bitte“ zu verknüpfen. Was auf den linearen Blick wie die Aufforderung zur Unhöflichkeit anmutet, ist durchaus sinnvoll, denn eine Aussage „Mach bitte deine Hausaufgaben“ gibt dem Kind nur scheinbar eine Wahl. Da es diesen Widerspruch aber registriert, reagiert es mit Verweigerung oder Weghören. Ein leichtfertig und im Grunde verlogen ausgesprochenes „Bitte“ wird im übrigen, das bliebe zu ergänzen, im Sprachverständnis der Kinder auch die Bedeutung der Höflichkeit entwerten.

Sehr oft gehen lineares und ideologisches Denken eine unheilige Liaison ein. Ideologie braucht die Verkürzung allein deshalb, weil sie selbst aus Verkürzungen besteht. Umgekehrt machen Ideologen schnell die Erfahrung, dass sie mit einfachen Antworten auf komplizierte Fragen viele Menschen hinter sich bringen können. Ein Opfer ideologischer Linearität wurde Bundestagspräsident Lammert, dem beim Versuch, medienwirksam mit jungen Muslimen zu reden, nach Meinung der Medien und seiner Gesprächspartner ein Fauxpas unterlief. Als nämlich ein Migrantenprojekt anfragte, ob man nicht für den Bundestag tätig werden könne, wiegelte Lammert durchaus realitätsnah ab, dass es da schon viele Begehrlichkeiten gäbe, zum Beispiel auch von Behinderten-Gruppen. Da war sofort der Ausländerfeind geboren, schließlich sei man doch nicht behindert.

Auch der berichtenden Zeitung war nicht aufgefallen, dass die Migranten hier - aus ihrer Sicht durchaus nachvollziehbar - herabwürdigend gegen Behinderte Stellung nahmen. Der Begriff „behindert“ wurde unwidersprochen als Beleidigung verstanden. Kybernetisch sei uns die Frage gestattet, was passiert wäre, wenn eine Behindertengruppe sich dagegen verwahrt hätte, mit Migranten in einem Atemzug genannt zu werden? Ein Entzug der Fördermittel wäre das mindeste gewesen.

In der Vielfalt der modernen Welt verlieren wir zunehmend den Boden unter den Füßen und suchen geradezu die Vereinfachungen, die uns die Rattenfänger anbieten - sei es in der Politik, beim Lebensstil oder sonstwo. Gerade deshalb wäre eine Einübung in ein differenzierendes, kritisches, skeptisches also kybernetisches Denken so wichtig. Früher bot die Lebenserfahrung noch ein Gegengewicht, aber auch die versagt zunehmend angesichts des Tempos der Veränderung und der Zunahme durch die Medien transportierter Klugscheißer.

Also lassen wir uns weiter einreden, so sinnlose Dinge wie ein „Kopfkissenspray in zwei Duftrichtungen“ zu kaufen, weil es „ohne Konservierungsstoffe“ daherkommt. Wer will da angesichts dieses Gütesiegels noch darüber nachdenken, das Düfte aus dem Laboratorium zwangsläufig voller körperfremder Reizstoffe sind? August von Kotzebue kannte schon vor mehr als 200 Jahren das Phänomen als er formulierte: „Der Mensch ist mit nichts auf der Welt zufrieden, ausgenommen mit seinem Verstand. Je weniger er hat, desto zufriedener.“

Unsere Zivilisation hat nur dann eine Überlebenschance, wenn wir lernen, die entscheidenden Fragen hinter den schnellen Antworten zu finden. Fragen sind die Bugwelle der Erkenntnis. Derzeit haben wir aber auf die drängendsten Probleme nicht nur keine angemessenen Antworten, sondern nicht einmal die richtigen Fragen. (Fortsetzung folgt)

Kommentare:

  1. Lieber Herr Kustos,

    ich danke Ihnen für diesen sehr spitzfindigen und vordergründig auch humorvollen Beitrag – denn über wenig lässt sich besser lachen als über die Dummheit der Menschen, wobei ich dumm hier mit ignorant und bequem gleichsetze.

    Und an diesem Punkt stellt sich für mich die Frage, warum intelligente Menschen ihre Intelligenz nicht nutzen?
    Ist das auch eine Form der „Behinderung“, und wenn – durch was?
    Könnte es die Angst davor sein, Zusammenhänge – zumindest nach der eigenen inneren Logik – zu erkennen? Und setzt ein Erkennen von zum Beispiel Missständen dann voraus, Verantwortung dafür zu übernehmen, dass sie zumindest verhandelt werden? Ist es nicht so, dass das Zeit kosten würde, in der man vermeintlich mehr Spaß haben kann?
    Und dieses "vermeintlich" setze ich sehr bewusst, denn was kann einem intelligenten Menschen eigentlich mehr Spaß machen, als seine Intelligenz auch gewinnbringend (für sich und möglichst für ein ganzes System) einzusetzen?

    Liegt es daran, dass Menschen keine „Wahrheiten“ mehr haben? Oder die Orientierung schlicht komplett verloren haben?
    Wer sagt mir denn, ob mein Handeln „falsch“ oder „richtig“ ist? Und was ist, wenn es „falsch“ ist? Dann habe ich auch dafür die Verantwortung ...
    Gehen Menschen im Umkehrschluss dem Denken vielleicht lieber aus dem Weg, um nicht handeln zu müssen, weil sie glauben, über ihr Handeln angreifbar zu sein?
    Ist das möglicherweise sogar der Grund bzw. einer der Gründe dafür, anderen das Denken für eine ganze Gesellschaft zu überlassen?
    Wer widerspricht denn noch ernsthaft und glaubhaft? Wer macht sich die Mühe, vorher zu DENKEN, bevor er oder sie etwas sagt? Und was passiert mit denjenigen, die widersprechen und nicht mitlaufen?

    Ich fürchte, dass wir in einer paradoxen Falle sitzen, in einem sogenannten Double Bind – egal, was wir tun, es ist falsch (und richtig) zugleich.
    Und je kybernetischer Menschen denken, desto schwieriger wird es möglicher-weise, Entscheidungen zu treffen, weil wir die Konsequenzen unseres Handelns gar nicht mehr einschätzen können, weil wir eben so viele Ebenen abwägen (müssen).

    Schwierig! Dennoch plädiere ich für die Kybernetik als aus meiner Sicht „einzig wahren“ Art zu denken.
    Nach dieser Denkweise können Menschen sich nicht mit eindimensionalen und linearen Betrachtungen zufrieden geben und müssen sich neuen Gegebenheiten immer wieder dynamisch anpassen und für Anschlusshandlungen sorgen.
    Ich plädiere für eine fehlertolerante Denkweise, die es ermöglicht, „Fehler“ als Chance des Neu- und Weiterdenkens zu betrachten.
    Wo diese Art zu denken nicht akzeptiert ist, wird ein System sich schlicht überleben und sich selbst die Handlungs- und Erneuerungsgrundlagen entziehen.

    Im Übrigen gehören für mich zu diesem System auch die MigrantInnen. Hier ist für mich die Frage nicht ob, sondern wie wir sie möglichst erfolgreich integrieren können.
    Und an dieser Stelle sei gesagt, dass es nicht gesagt ist, dass der Begriff „behindert“ von den MigrantInnen als herabwürdigende Beleidigung verstanden wurde, wie in diesem Beitrag recht eindimensional dargestellt.
    Kybernetisch gesagt: Hier kommen viele verschiedene Möglichkeiten in Betracht.
    Eine Möglichkeit mag sein, dass die MigrantInnen zu Recht nicht akzeptieren wollten, dass unterschiedliche Gesellschaftsgruppen und Begrifflichkeiten in einen Topf geworfen werden. Es könnte also um eine Definition gegangen sein, damit die Unterschiedlichkeiten schlicht klar sind. Nicht mehr und nicht weniger. In diesem Falle ist der getroffene Umkehrschluss an dieser Stelle m. E. also überflüssig.

    Ich freue mich natürlich dennoch auf eine Fortsetzung, lieber Herr Kustos, und grüße herzlich

    Annette S. aus K.

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  2. Liebe Annette S, vielen Dank für dieses Feuerwerk kybernetischer Fragen. Ja, so war es gedacht, und auch mit der Problematik, am Ende vielleicht ohne Lösungen dazustehen, haben Sie natürlich recht. Aber besser keine Lösung als die Illusion, falsche Antworten wären richtig. Außerdem kommen da in der Fortsetzungsgeschichte noch ein paar Vorschläge.
    Hinsichtlich der Passage mit den Migrantinnen: Natürlich wurde der Vergleich mit den Behinderten als Beleidigung verstanden. Das ist ja gerade das Problem. Und auch die behindertenfeindliche anschließende Empörung hat, wenn der Zeitungsbericht die Wahrheit schreibt, hat in dieser Eindimensionalität stattgefunden. Natürlich sind solche Reaktionen auch durch das von ganz anderer Seite (Gutmenschen, ich muss das G-Wort leider erwähnen) angeheizte gesellschaftliche Klima befördert.
    Und noch etwas zu der von Ihnen angesprochenen Integration: Diese ist nur möglich, wenn eine übersichtliche Menge zu Integrierender auf eine festgefügte "Integranten";-)-Kultur stößt. Diesen Punkt haben wir bei weitem verpasst. Wir haben stattdessen auch hier das Chaos mit System. Wie ich gerade wieder in den USA, die da schon etwas "weiter" sind, studieren kann, kommt es zur erschreckenden Auflösung gewachsener Qualitäten. Das Land, das die Welt regiert, ist in der Breite längst schon "3.Welt" geworden, trotz erheblicher Integrationsbemühungen auf Kosten des Mittelstandes (mit entsprechender Resignation und Wut). Es gibt innerhalb doch relativ kurzer Zeit einen Kulturverlust unglaublichen Ausmaßes. Der ist bei uns natürlich auch schon evident und findet sich ebenso in dem Beispiel mit den Migrantinnen. Ich sehe schon, an der Gutmenschen-Thematik werden wir uns noch reiben müssen. Ich freue mich darauf. Herzliche Grüße KK

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  3. Lieber Herr Kustos,

    wie Sie ja wissen, vertritt die Kybernetik die Auffassung, dass Handlungen aus Prozessen entstehen, die unbedingt Anschlusshandlungen produzieren müssen, weil das System sonst nicht mehr im Austausch mit seiner Umwelt steht und sich selbst vernichtet.
    Intelligente Prozesse sind NIE linear, sondern dynamisch, und sie basieren immer auf Grundannahmen, dass etwas so oder so ist oder konkret: vermutlich erfolgreich ist oder nicht und die Frage, wie viel Energie vernichtet wird, um ein Ziel zu erreichen, oder ob es andere Ziele oder Wege gibt, die energieeffizienter sind. Und ich ergänze: zu einem bestimmten Zeitpunkt unter bestimmten Bedingungen.
    Diese Grundannahmen basieren immer auf der inneren Logik eines Systems und den Ressourcen, die ihm zur Verfügung stehen.
    Es kann die Wirklichkeit nur so sehen, wie es sie sehen kann, weil ihm Erfahrungen, die außerhalb seines Selbst liegen, eben nicht zugänglich sind.
    Ob die Logik dieses Systems falsch oder richtig ist, zeigt sich erst mit dem Ergebnis, und zwar letztlich erst langfristig im Vergleich mit der Erfolgsquote anderer Systeme.
    Die Annahme, dass keine Lösung besser ist als die Illusion, falsche Antworten seien richtig, ist insofern nicht haltbar, als auch keine Lösung eine Lösung i.S. von Ergebnis ist. Diese Aussage ist ebenso wahr wie die Aussage, dass es weder falsche noch richtige Antworten gibt.
    Denn die Bewertung darüber, ob etwas falsch oder richtig ist, ist subjektiv und folgt auch hier lediglich der Logik und der Wirklichkeit eines Systems.

    Ohne den Zeitungsbericht, auf den Sie als Quelle verweisen, gesehen zu haben, kann ich nicht beurteilen, wie etwas vermutlich gemeint ist. Und selbst wenn ich die Quelle gelesen hätte, wüsste ich nicht, wie die MigrantInnen etwas gemeint haben – dazu müsste ich sie selbst befragen.

    Wenn Sie von der „Auflösung gewachsener Qualitäten“ schreiben, meinen Sie damit vermutlich unsere Kultur, die ja eigentlich sowieso schon nicht mehr ist, was sie mal war. In vielerlei Hinsicht kann ich aus meiner Sicht nur sagen: glücklicherweise!
    Vielleicht ist es an der Zeit, unsere Kultur und unser Kulturverständnis umzugestalten, um im Sinne eines WinWin für alle ein neues überlebensfähiges System zu erschaffen.
    Kybernetisch gedacht: Wir können nicht die Dritte Welt ausbeuten und dann so tun, als hätten wir mit den Folgen nichts zu tun. Denn die Dritte Welt gehört auch zu unserer Lebensumwelt und umgekehrt.
    Es gibt schließlich nur eine Welt, und ich glaube, dass inzwischen bei allen angekommen ist, dass diese Welt ein einziges System ist, in dem alles mit allem verbunden ist, sprich: Sobald ich an einer Stelle etwas tue, wirkt sich das auf das gesamte System aus.
    Im Sinne des Ausgleichs müssen wir für das, was wir genommen haben, etwas geben. So einfach ist das – und im Sinne der Kybernetik findet hier außerdem ein Austausch statt.
    Eine andere Möglichkeit wäre es, den Menschen in ihrem eigenen Land Zugang zu Bildung und anderen Ressourcen zu verschaffen und sie nicht daran zu hindern, sich selbst nach ihren Bedürfnissen in ihrer eigenen Kultur – die nicht weniger wichtig und gewachsen ist als unsere – zu entwickeln.
    Sie sehen: Es gibt auch hier schon mind. zwei von sicher noch vielen guten Möglichkeiten, die ein Umdenken möglich machen. Es geht also nicht um Falsch oder Richtig, sondern um die Frage, wie wir am intelligentesten mit Fragen umgehen.
    Ist das Gutmenschentum? Ich glaube nicht. Und wenn, dann bin ich gerne eine Gutmenschin.

    Übrigens: Dass Amerika den Bach runtergeht, ist ganz sicher nicht auf die MigrantInnen zurückzuführen ...

    Herzliche Grüße für heute

    Annette S. aus K.

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    1. Liebe Annette S.
      Ich wünschte, sie läsen mein Buch, und zwar nicht, um daran zu verdienen, sondern weil ich dort zu so vielen Fragen schon Stellung genommen habe, die Sie ansprechen. Aber Sie haben so wichtige Dinge eingeworfen, dass ich stichpunktartig antworten muss.
      Sie haben völlig recht, dass es in jedem System Grundannahmen geben muss. In meinem System ist eine dieser Grundannahmen, dass Illusionen durch falsche Antworten in die falsche Richtung führen und dadurch, wie von Ihnen zurecht formuliert, Energien vernichtet werden. Nicht mehr wollte ich damit gesagt haben. Solche, intuitiv gefundenen, Grundannahmen helfen auch, sich nicht in Relativierungen zu verlieren.
      Zu den Migrantinnen: Der Artikel war schon recht eindeutig, aber jede Lebenserfahrung bestätigt mich in der relativen Gewissheit, dass es genau so hysterisch abgelaufen ist. Das ist ja eines unserer Probleme, dass generell nicht mehr sachorientiert, sondern emotional moralisch im Brustton politischer Korrektheit debattiert wird.
      Zur Kulturfrage: Ich bedaure - wie sicherlich trotz Ihrer Aussage auch Sie - sehr wohl den Verlust bestimmter Qualitäten, und darum gibt es ja überhaupt diesen Blog. Im Grundsatz geht es mir darum, dass die Kultur, bzw. besser: die Zivilisation, einer Evolution und keiner Devolution unterliegen sollte. Meine Weltsicht ist da durchaus parteiisch, denn ich gehe davon aus, dass der westliche Kulturkreis mit Abstand der evolutionär erfolgreichste war, bis irgendwann um 1970 herum der Höhepunkt überschritten wurde. Deshalb gibt es den Verlust an Zivilisiertheit hierzulande in der Tat auch ohne Massenmigration (die allerdings gut da hineinpasst). Fortsetzung folgt sofort…

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    2. 2. Teil…. Widersprechen muss ich Ihrer so einfach hingeworfenen Ansicht, dass die Dritte Welt automatisch ausgebeutet wird. Eine Bewertung hängt hier stark von subjektiven Faktoren ab. Der westliche Transfer kann zum Beispiel als Gewinn an Konsummöglichkeiten, Arbeitsplätzen oder Gesundheitsversorgung interpretiert werden aber auch umgekehrt als Zerstörung funktionierender kultureller Strukturen, Natur und Produktionsweisen. Kybernetisch gesehen, und hier schon des Öfteren ausgeführt, ist das Ergebnis dieser nicht vermeidbaren Globalisierung in allen Kulturkreisen letztlich ein Transfer der materiellen Werte von den Produzierenden hin zum global operierenden, destruktiven Kapital.
      In dieser Situation, wie auch in jeder anderen, lassen sich funktionierende Strukturen nach meiner Grundannahme nur aufrechterhalten, wenn man der Philosophie der konzentrischen Kreise der Kooperation folgt, d.h. gegebenenfalls Qualitäten des eigenen Lebensbereichs verteidigt (sowohl kognitive als auch materielle). Samaritertum ist im Einzelfall wertvoll, als globale Strategie der direkte Weg in den Abgrund. Nach Ihrer Logik müssten wir ja auch, vorausgesetzt wir hätten mehrheitlich nicht von den anderen genommen, auch nichts geben. Und genommen hat bestenfalls das Kapital, während wir Bürger mit dem Verlust an Lebensqualität, sozialer Stabilität und Volksvermögen bezahlen.
      Die Massenmigration ist zu den erwähnten konzentrischen Kreisen eine gelebte Gegenthese, die meiner Ansicht nach zu einer Nivellierung auf niedrigstem Niveau führt. Die Möglichkeit einer Integration ist dabei ebenso eine Illusion wie der Glaube, mit ein bisschen Kulturimperialismus wären feudalistische und Steinzeitkulturen in ein globalisiertes Himmelreich zu führen. Nichtsdestotrotz wird es genauso kommen, wie Sie es vorschlagen, das ist mir schon klar. Mein Ziel ist hingegen die Verteidigung westlicher kultureller Werte für den vielleicht möglichen Wiederaufbau nach dem großen Zusammenbruch.
      Und zu Ihrem Nachsatz: Natürlich ist auch das ein kybernetisches Geflecht, denn das amerikanische Kapital hat die Migranten (wie bei uns) als Druckmittel gegen soziale Strukturen, zur Senkung der Arbeitslöhne und als neue Konsumenten ins Land geholt. Bezahlen muss es jetzt der Mittelstand mit zunehmend unwürdigen Arbeits- und Lebensbedingungen. Erleiden müssen es auch die mehrheitlich Arbeitslosen oder ausgebeuteten vor allem aber kulturell entwurzelten Migranten. Unter dem Strich ist dennoch die Aussage richtig, dass die USA zum größten Teil genau deshalb den Bach runtergehen. Vielleicht muss man aber eine Zeit lang hier leben, um diese viel weiter als bei uns fortgeschrittenen Prozesse zu verstehen.
      Und noch einmal herzliche Grüße,
      Ihr Konrad Kustos

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