Kustos kommentiert nicht mehr -
Der Blog schweigt wegen "antifaschistischer" Angriffe.

Samstag, 14. Juni 2014

Verbote verbieten

Freiheit ist ein dehnbarer Begriff. Eine Karte im Internet führt überhaupt nur sechs freie Länder auf, darunter die Schweiz, Kanada, Chile und die Mongolei. Bei näherem Hinsehen zeigt sich, dass hier eine „wirtschaftliche Freiheit“ zu Grunde gelegt wurde,  also das Kriterium, dass jeder machen kann, was er will, aber nur wenn er Geld investiert. Andere Karten haben nach so komplizierten wie undurchsichtigen Indizes andere freie Länder ausgemacht. Freiheit ist anscheinend auch schwer greifbar. Um herauszubekommen, was Freiheit für die Menschen in Deutschland bedeutet, haben Heidelberger Wissenschaftler einen repräsentativen Freiheitsindex für Deutschland errechnet. Danach wünschen sich die Deutschen vor allem mehr Verbote, egal ob aus Berlin oder aus Brüssel - und das gibt zu denken.


Eine überwältigende Mehrheit fordert beispielsweise, ungesunde Lebensmittel oder rechtsextreme Parteien per Gesetz zu verbieten. Jeder zweite spricht sich dafür aus, brutale Filme und Videos zu untersagen. Auch hohe Parteispenden oder Pornofilme sollen für illegal erklärt werden. Eine immer noch relevante Minderheit will linksradikale Parteien verbieten. Jeder vierte Deutsche will das Glücksspiel und jeder fünfte den Verkauf von hochprozentigem Alkohol unter Strafe stellen.

Und der Ruf nach staatlichen Verboten ist in fast allen Untersuchungspunkten gegenüber dem Vorjahr gestiegen. Konsequent wird der Wert der Freiheit, was auch immer das nun im einzelnen sein mag, als geringer werdend eingeschätzt. Zwar halten sie noch 47% für das höchste Gut, doch liegt die politisch korrekte Konstruktion „Gleichheit“ schon bei 36%. Und obwohl die Skepsis gegenüber der europäischen Bürokratie mit 90% überwältigend ist, wünscht man sich auch von dort Recht und Ordnung verordnet. Nicht wirklich überraschend ist die Erkenntnis der Studie, dass die Neigung, nach dem Staat zu rufen, bei Journalisten besonders groß ist.

Den Bürger interessiert dabei anscheinend nicht, dass er mit dem Feuer spielt. Er will auch nicht wissen, ob seine Forderungen überhaupt umsetzbar sind oder ob sie die gewünschten Ziele befördern könnten. Er sehnt sich einfach in einer immer chaotischer werdenden Welt nach mehr Stabilität. Dabei haben die USA doch schon schmerzhaft durchlebt, dass das Verbot von Alkohol zu Illegalität und Kriminalität führt. Ähnliches gilt für das Glücksspiel und die Prostitution und würde auch für ein Verbot der Pornographie gelten.

Wer würde definieren können, welche Lebensmittel und für wen gesund sind oder wer und mit welchem Recht bestreiten, dass offensichtlich ungesunde Lebensmittel in Maßen genossen lustvoll und völlig unschädlich sind? Warum wollen mehr Leute rechtsradikale als linksradikale Parteien verbieten; doch nicht etwa, weil hier die Propagandamaschine auf höheren Touren läuft? Propaganda ist jedenfalls offensichtlich ein Feind der Freiheit. Und was bitte soll den Wert einer ominösen Gleichheit ausmachen? Ist die Gleichheit von Mann und Frau, von Jung und Alt oder von gut und böse gemeint? Freiheit, das können wir schon mal festhalten, ist gerade die Unterschiedlichkeit im Denken, Handeln und Reden.

In der Sozialwissenschaft wird Freiheit in der Regel als die Möglichkeit verstanden, ohne Zwang zwischen verschiedenen Möglichkeiten wählen und entscheiden zu können. Der Freiheitsbegriff umfasst gleichzeitig psychologische, soziale, kulturelle, religiöse, politische und rechtliche Dimensionen. So weit so gut, aber in solchen Definitionsversuchen kommt nicht zum Ausdruck, dass Freiheit auch als Gegensatz zu objektiven Zwängen verstanden werden kann, etwa als Freiheit von Hunger, Arbeit und Naturkatastrophen. Über weitere Gesichtspunkte wurde schon hier gesprochen.

Sei es, wie es sei, die freiheitsverwöhnten Deutschen scheinen das wichtigste Gut aufs Spiel setzen zu wollen. Na klar, weil das, was man hat, doch immer von weniger Wert zu sein scheint. Was dagegen leidvoll empfunden wird, ist der Verlust von Sicherheit und funktionierenden sozialen Verhältnisse. In dem Maße, in dem der Niedergang unsere gesellschaftlichen Strukturen zersetzt, sehnen sich die Menschen nach Ordnung. Ordnung entsteht aber wie das Chaos nicht aus der Erkenntnis von Politikern und deren Handlungen, sondern ebenfalls aus Strukturen.
Die Menschen trinken nicht Alkohol, weil dieser erlaubt oder verboten ist, sondern weil er für sie eine funktionale Alternative zu einer unbefriedigenden Realität ist. Wenn die radikalen Parteien verboten sind, werden sie im Untergrund auf die stillschweigende und weniger kontrollierbare Unterstützung labiler Unzufriedener zurückgreifen können. Usw. Die kybernetischen Folgen von Verboten, so einsichtig sie im ersten Moment auch scheinen, sind in der Regel unabsehbar. Ebenso unabsehbar ist die Umsetzbarkeit von Verboten.

Wie eine Sprache, die sich auch keiner ausgedacht und allen anderen in der Sonntagssschule beigebracht hat, sondern die aus täglicher Anwendung, aus Notwendigkeit und immerwährender Korrektur erwächst, muss auch Ordnung evolutionär aus gesellschaftlicher Praxis erwachsen. Man kann sie nicht anordnen, höchstens einzelne, gesellschaftlich anerkannte Prinzipien festschreiben und versuchen, diese durchzusetzen. Geht die Ordnungsmacht dabei zu weit, und da ist die Schmerzgrenze niedrig, entsteht ein Ordnungsstaat, in dem Kreativität, Effektivität und Lebensqualität eingeschränkt sind.

Die Prozesse in einer Gesellschaft sind so komplex, dass sie sich den meisten Ordnungsregeln entziehen. Wenn beispielsweise vor einer Schule ein Tempo-30-Schild aufgestellt wird, heißt das nicht, dass nachts dort mit verringerter Geschwindigkeit gefahren werden müsste. Selbst wenn man den Aufwand betriebe, das Verkehrszeichen mit stundenweiser Geltung zu versehen, wären damit die Schulferien nicht erfasst u.s.w.

Das in der Tat hochgesteckte Ziel einer Gesellschaft muss es also sein, den Bürger in eine kognitive und moralische Verfassung zu bringen, in der er in der Lage ist, seine Geschwindigkeit vernünftig und freiwillig den Gegebenheiten anzupassen. Verantwortungsbewusstsein ist das Schlüsselwort. Mit jedem Verbot entfernt man sich von diesem Ziel. Am Ende denkt der Autofahrer „kein Schild, keine Regel, keine Verantwortung“ und brettert ungehemmt durch die Straße, wenn gerade die Abendschüler in der Ferienzeit zu ihren Autos gehen.

Eine Gesellschaft tut daher gut daran, Liberalität zu pflegen und mündige Bürger heranzuziehen. Das ist ein Vertrauensprinzip, das es ebenso in der Erziehungswissenschaft gibt. Natürlich gibt es viele Unbelehrbare und sogar eine wachsende Zahl „Freibeuter“, die ihre individuellen Interessen über jene der anderen oder der ganzen Gemeinschaft stellen. Hier kann nur ein hohes Drohpotenzial konsequenter Bestrafung wirken, aber, um die Vorgänge zu objektivieren, möglichst nicht schon im Übermaße bei einfachen Regelübertretungen, sondern erst, wenn ein Schaden eingetreten ist.

In den USA gab es den Fall, dass eine Frau, die von ihrem in ihre Wohnung eingedrungenen Ex-Ehemann bedroht wurde, zwei Warnschüsse in die Zimmerdecke abgab, und dafür 20 Jahre ins Gefängnis ging - schließlich hätte sie einen Stock höher „ein Kind treffen können“. Hätte sie aber direkt auf den Mann geschossen, wäre es Notwehr gewesen und (ihr) nichts passiert. Ich denke, wir sind uns einig, dass wir eine solche Gerechtigkeit nicht wollen. Das Recht muss bei einem Regelbruch immer berücksichtigen, ob der Betreffende bei seinem Handeln soziale Vernunft für sich beanspruchen kann. Ein Verbot stellt die Frage von sozialer Vernunft nicht mehr, es ersetzt diese durch eine irgendwie entstandene Regel und den dazugehörigen Kontrollapparat.

Unsere Gesellschaft geht aber auch ohne das Votum der Betroffenen den Weg der kollektiven Kontrolle, während gleichzeitig alles, was nach Meinung der Meinungsführer nicht kontrolliert werden kann oder soll, umso mehr der individuellen Willkür ausgeliefert wird. Die schwierige Situation des allgemeinen Niedergangs und eine daraus folgende fehlerhafte Sozialpolitik schafft gerade einen neuen Menschenschlag. Einen, der seine individuelle Freiheit voll auslebt und Rücksichtnahme, also den moralischen Zwang zur kollektiven Freiheit, ignoriert. Mit Werbesprüchen wie „Die Freiheit nehme ich mir“ (Visa) oder „Frech kommt weiter“ (Jacobs) wurde der Weg dahin gepflastert.

Rücksichtslosigkeit lässt sich eben nicht verbieten, jedenfalls beginnt diese schon weit vor einem verbotsrelevantem Handeln. Sie kann nur über soziale Kontrolle zurückgedrängt werden. Wenn Vordrängler in der Schlange vom ganzen Wartekollektiv zurückgepfiffen würden, setzte das einen Lernprozess darüber in Gang, dass nicht jedes böse Tun toleriert wird. Die Ideologie des Niedergangs lautet aber nicht soziale Kontrolle, sondern „Toleranz“. So wird in der Regel in der Warteschlange im Glanze eigener Friedfertigkeit der Streit vermieden und das Arschloch vorgelassen. Wer sich aber dennoch wehrt, wird von den anderen Betroffenen noch als „aggro“ eingestuft.

„Die Freiheit besteht darin, dass man alles das tun kann, was einem andern nicht schadet" schrieb Matthias Claudius 1789 in seiner Erklärung der Menschen- und Bürgerrechte. Dem ist nichts hinzuzufügen, aber dieses einfache Prinzip muss permanent eingeklagt werden und darf nicht auf Gesetzbücher beschränkt werden. In einer Gesellschaft, die ohne Zusammenarbeit nicht leben kann, müssen die Freiheiten der Allgemeinheit mehr zählen, als die des Individuums.

Die notwendige Einschränkung der individuellen Freiheit endet aber da, wo sich das Individuum nicht gegen die Allgemeinheit richtet. Ob einer friedlich säuft oder im Internet Pornos schaut, muss dem Gesetzgeber egal bleiben. Und wenn ein Leser jetzt reklamiert, dass ein Säufer weniger arbeitet und die Krankenkasse belastet, so möge er das für jeden einzelnen Kandidaten bitteschön rechtsverbindlich nachweisen und gleich noch hinzufügen, ob der Herzinfarkt des strebsamen Managers für die Allgemeinheit billiger zu haben ist. Von solchen spekulativen Zonen darf der Freiheitsbegriff nicht unterminiert werden.

Die autoritätssuchende Denkweise der Befragten des Freiheitsindex zeigt aber vor allem eins: Um das Sozialverhalten steht es in Deutschland nicht zum besten. Deshalb ist es nur zwangsläufig, dass die ausufernde und missbrauchte individuelle Freiheit das Kollektiv nach Regeln rufen lässt. Somit ist eine individuelle Freiheit, die nicht als eingebettet in soziale Verantwortung verstanden wird, die größte Gefahr für die Freiheit schlechthin.

Kommentare:

  1. wie kann man nur so blöde sich von einem scheinstaat genannt BRVD bananerepublik durch lauter bevormundungen, gesetze , verordnungen verarschen und hinter die fichte führen lassen. wer die freiheit liebt bekommt sie nicht geschenkt sondern muß sie sich erkämpfen nicht wahr. wer ein selbstdenker ist und kein staatssklave sein will muß sich seines verstandes bedienen und nicht nach sozialisten , kommounisten , faschisten und staatsdeppen unterwerfen lassen. als nonkonformist und patriot liebe ich die freiheit und ich hasse dieses dreckssystem aller deutschenhasser und landeshochverräter der einheitsbreiparteien der bananenrepublik der besatzerrepublik der angloamerikanischen zionsisten der atlantikbrücke und der bildernerger !!!!!!!!!!!!!

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    1. Und - auch was Konstruktives anzubieten?

      fragt gespannt Annette S. aus K.

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    2. Freidenkern geht eben auch mal die Hutschnur hoch, bei den ganzen Schlafschafen.

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  2. Lieber Herr Kustos,

    vielen Dank wieder mal für diesen nachdenkenswerten Beitrag, dem ich weitgehend zustimme.

    Dennoch muss es natürlich Grenzen geben, die – so sollte man meinen – aus der Einsicht in Lebenszusammenhänge wie von selbst entstehen. Der kategorische Imperativ aus sich selbst heraus gewissermaßen.
    Genau den scheint ein großer Teil der Menschheit, aus welchen Gründen auch immer, allerdings nicht hinzubekommen.
    Was mich nicht wundert, denn dafür müssten Menschen von Kindheit an auf den Werten eines humanistisch geprägten System gedeihen dürfen nach dem Motto: Was Du hineintust, kommt auch heraus.

    Da unser System aber kein humanistisches ist, sondern ein konsumorientiertes, lernen Menschen von Kindheit an primär den Konsum, Statusdenken und Abhängigkeiten und danach IM IDEALFALL (Mit-)Menschlichkeit, Kreativität, Selbstverantwortung und Eigenständigkeit.

    Und so tut der Mensch, ein angeblich vernunftbegabtes soziales Tier, ganz offensichtlich sehr häufig Dinge, die außerdem nichts mit Vernunft zu tun haben.
    Sozial sind sie in der Regel auch nicht.
    Und Verantwortung wird natürlich erst recht nicht übernommen für Handlungen, die der eigenen Lustbefriedigung dienen, der Gesellschaft aber schaden.

    Aus meiner Sicht stellt das im Westen etablierte System die Befriedigung der individuellen Lust über Konsum in den Vordergrund, was meiner Überzeugung nach eine Gemeinschaft über kurz oder lang zerstört und das Leben pervertiert.

    Ich denke, dass die von Ihnen häufig mit negativem Beigeschmack zitierten Grünen und die Gutmenschen (zu denen ich mich auch zähle), genau das fordern: Verantwortung zu übernehmen für unsere Handlungen – und die Verantwortung für sich und die Gemeinschaft in den Vordergrund zu stellen.

    Das allerdings erfordert den denkenden, handelnden und (mit-)fühlenden Menschen.
    Den bekommen wir in der Tat weder mit Ge- noch mit Verboten, sondern nur durch Vorbilder und das Vorleben von grundlegenden Werten, die für eine Gesellschaft als relevant und verbindlich allerdings festgeschrieben werden müssten.
    Da aber auch die Werte immer weiter liberalisiert werden bzw. weitgehend liberalisiert worden sind, sehe ich leider schwarz für unsere Gesellschaft.

    Dennoch immer noch an ein Umdenken und an die Vernunft glaubend, grüße ich herzlich aus dem 7gebirge

    Annette S. aus K.

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  3. Tja, da kann man wirklich nur zu einem hohen Prozentsatz zustimmen. Ich würde nur gerne die Frage in den Raum werfen, ob die Propagierung von "Freiheit" nicht heutzutage meist kommerziellen Interessen dient. Der Mensch ist ein manipulierbares Wesen, wir lassen uns sogar dann manipulieren, wenn wir durchschauen, dass wir manipuliert werden. Die von manchen Wirtschaftskreisen so beschworene Freiheit ist dann die Freiheit, uns zu manipulieren. Für die entsprechenden Unternehmen (Zigaretten, Glücksspielautomaten, Zuckerwasser-Getränke, Alkohol und leider vieles mehr) fällt mir nur noch der Begriff "Legal Criminal Organisations" ein, da deren Management genau weiss, dass sie die Kunden hinters Licht führen. Die von Frau S. geforderte Verantwortung für die Folgen ihrer Taten ist bei diesen Managern aber eher nicht zu finden.

    Aber klar, das ist immer ein zweischneidiges Schwert. Nimmt man solchen Firmen und dann vielleicht auch noch radikalen Parteien die Freiheit, dann ist irgendwann auch die eigene Freiheit weg. Lässt man ihnen aber die Freiheit, dann nehmen diese einem erst die Gesundheit (von Seiten der Industrie) und dann auch die Freiheit (von Seiten der Radikalen).

    Vielleicht ist der notwendige Level an Freiheit keine Konstante, sondern immer dynamisch. Autoritäre Gesellschaften brauchen unter Umständen erstmal eine Freiheitswelle, um die Unterdrückung loszuwerden. Freiheitliche Gesellschaften brauchen an manchen Ecken vielleicht mehr Zwang, wenn die Freiheit zu sehr ausgenutzt wird. Eine statische Linie nur da zu ziehen, wo eine Einzelperson niemandem anderen schadet, ist da etwas zu einfach, siehe die obengenannten Legal Criminal Organisations.

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    1. Lieber Dingodog,

      da wir in einem konsumorientierten System leben, ist die logische Konsequenz, dass die Propagierung von "Freiheit" (nicht nur heute) meist kommerziellen Interessen dient.

      Manipulation ist ein Wechselspiel – die Manipulatoren haben die Freiheit, uns zum Konsum zu manipulieren, und wir, also die Manipulierten, haben die (theoretische) Freiheit, uns für das zu entscheiden, was uns eigentlich gut tut – insbesondere dann, wenn wir auch noch durchschauen, dass wir manipuliert werden.

      Damit die Theorie in die Praxis umgesetzt werden kann, ist es meiner Überzeugung nach grundlegend, dass Kinder als Persönlichkeit gefördert und zu eigenem Denken und Handeln ermutigt werden (s. o.), aber auch dazu, Freiheit zu hinterfragen und sinnvoll zu begrenzen.

      Freiheit ist aus meiner Sicht auch die Freiheit, Prozesse dynamisch, kreativ und win-win-orientiert zu gestalten, also Bedürfnisse so zu verhandeln, dass alle vom Ergebnis profitieren.

      Da der Mensch aber einerseits höchst egoistische Wesenszüge hat und andererseits ein Wesen ist, das von sozialen Sicherheiten abhängt – und damit meine ich nicht die Renten- und Krankenkasse, sondern das grundlegende Bedürfnis, einer sozialen Gemeinschaft anzugehören –, ist der Drang oder besser: der Zwang ungemein hoch, sich den Konventionen der Gemeinschaft weitgehend zu unterwerfen, also sie mitzumachen, und diejenigen auszugrenzen, die die Konventionen ändern möchten.
      Denn die, die Konventionen verändern möchten, sind die, die letztlich die soziale Gemeinschaft und damit die vermeintliche Sicherheit gefährden und der trägen Masse abverlangen, sich aktiv auseinanderzusetzen.

      Die individualistischen Außenseiter haben drei Möglichkeiten:

      1. sich anzupassen (Verlust an indiv. Persönlichkeit, häufig verbunden mit Frustration, die über Konsum vermeintlich kompensiert wird)
      2. die Konventionen und damit die Gemeinschaft zu verändern ( das mit hohem Energieaufwand verbundene Don-Quichote- oder auch Gutmenschen-Phänomen :-))
      3. oder das System zu verlassen, um sich
      entweder zu individualisieren
      oder sich ein anderes System zu suchen
      oder ein System nach eigenen Vorstellungen zu gründen.
      Grundsätzlich sind natürlich auch Mischformen denkbar.

      Nach meiner Überzeugung ist Freiheit die Freiheit, sich zunächst zur eigenen Würde zu bekennen.
      Komsum-Ersatzhandlungen, die in die Sucht führen oder in Kauf nehmen, dass andere Menschen für die eigene Lustbefriedigung entwürdigt werden, pervertieren den Begriff „Freiheit“ aus meiner Sicht.

      Verboten werden können sie allerdings kaum, denn wenn den Menschen ihre Suchtmittel entzogen würden, wäre das gesamte System gefährdet. Das dürfte vermutlich das Schreckensszenario aller Wirtschaftslobbyisten und Politiker sein.
      Und deshalb laufen die Dinge eben, wie sie laufen.

      Ich wünsche mir, dass viele Menschen die Kraft haben, Gegebenheiten in Frage zu stellen bzw. zu hinterfragen und eigene Antworten zu finden, die sie dann mit anderen verhandeln – hoffentlich!!!
      Sonst werden wir irgendwann die "Schöne neue Welt" (Inhaltsangabe siehe: http://de.wikipedia.org/wiki/Sch%C3%B6ne_neue_Welt) vorfinden, in der Manipulation, Konsum, Entfremdung und Konditionierung die Mittel sind, die die Menschen quasi "programmieren".

      Annette S. aus K.

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    2. ... um die Sache etwas zu erden, möchte ich in Eure hochinteressanten Überlegungen den ursprünglichen Bezug einbringen: In meinem Post ging es um die viel einfachere und dennoch schon sehr komplizierte Frage nach dem Zusammenhang von individueller Freiheit und gesellschaftlicher/staatlicher Gewalt. Also um die Suche nach Angemessenheit und Notwendigkeit bei der Einschränkung der Freiheit.

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  4. Ist die Einschränkung von Freiheit tatsächlich Gewalt?

    Ich glaube, wie gesagt, dass die Frage ist, auf welche Art und Weise und mit welchem Ziel die Freiheit eingeschränkt wird.

    Dass sie eingeschränkt werden muss, ist für mich keine Frage – insbesondere da, wo die eigene Lust- und Triebbefriedigung das Leben pervertiert und anderen Menschen die Würde nimmt.

    Das Vertreiben und Anschauen pornografischer Inhalte halte ich persönlich für bedenklich – insbesondere dann, wenn Frauen und Kinder zur Herstellung dieser Machwerke entwürdigt werden, was vermutlich zu einem hohen Prozentsatz der Fall sein wird.

    Verboten bzw. zensiert werden müssten aus meiner Sicht außerdem gewaltverherrlichende Filme. Es ist kein Geheimnis, dass die auch Kindern und Jugendlichen zugänglich sind. Kinder und Jugendliche und deren körperliche und mentale Unversehrtheit sind im besonderen Maße zu schützen, und hier, so finde ich, gehören staatliche Regularien her.

    Denn leider sind es ja nicht nur die Legal Criminal Organisations, die keine Verantwortung für ihre Handlungen übernehmen. Auch Privatpersonen wollen mit den Konsequenzen ihrer Handlungen häufig nichts zu tun haben

    fürchtet Annette S. aus K.


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