Kustos kommentiert nicht mehr -
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Samstag, 12. Juli 2014

Neues Schwarz auf Weiß

Quelle: jebac.wordpress.com
Der Profisport ist geradezu ein Labor für die Veränderung von Verhaltensweisen und Alltäglichkeiten im Zeichen des Niedergangs. Kaum vorstellbar beispielsweise, dass Freaks, die solche Frisuren tragen wie (nicht nur) die Franzosen bei der WM, je ein Spiel gewinnen könnten. Was sie dann aber doch bisweilen tun. Verwirrende neue Welt - auch auf der Tribüne: Zumindest die Kameras zeigen uns massenhaft Menschen, die sich im Zeichen der guten Laune bis zur Unkenntlichkeit maskieren und entstellen. Sie schwitzen unter dicken Wollmützen und Kostümen, und der Schweiß lässt ihre kunstvoll aufgemalten Selbstverfremdungen ihnen in den Kragen fließen. Wer (jedenfalls meistens) mit  schönerem Körper gesegnet ist, entblößt diesen auf der Suche nach Aufmerksamkeit, soweit es irgend geht. Wenn dann die Kamera die Feierbiester einfängt, ist es egal, welche Klatsche das eigene Team gerade bekommt, denn da wird gelacht und gefeiert, als wäre man beim Mainzer Karneval oder auf einer Schwulenparade. Abends dann donnern in Berlin betrunkene Türken mit ihren Sportwagen und 120 km/h  über den Kudamm, brüllen „Schland“ und schwenken deutsche Fahnen. Der Fußball wird bei all dem zur Nebensächlichkeit. Zu Eventfußball eben. Auf dem Rasen wird das ihnen ja auch vorgemacht. Etwa wenn Spieler nach brutalen Fouls für den am Boden liegenden Gegner noch die gelbe Karte fordern. Die Welt wird so zum Ort für Schauspieler und Entertainer. Alles Lüge also, und das galt auch schon am 4. Dezember 2011, wie Konrad Kustos damals berichtete.

Die Gruppen der Fußball-Europameisterschaft wurden dann doch tatsächlich ausgelost, obwohl die Sportart wieder einmal gegen alle Regeln des politisch korrekten Fair Play verstoßen hat. Das meinten jedenfalls voller Zorn und Häme die üblichen Sichaufreger von Politik und Medien (wo ist eigentlich noch der Unterschied?). Verursacher war diesmal der 75-jährige offizielle Anführer der Fußballgemeinschaft Sepp Blatter, seines Zeichens Präsident des Weltverbandes FIFA, der es wagte, einmal in seinem Leben die Wahrheit zu sagen. Was war sein „Verbrechen“? Er hat bestätigt, dass es auf dem Fußballplatz häufig und naturnotwendig zu Beleidigungen kommt. Was war sein Fehler? Er hat nicht bedacht, dass manche Wahrheiten wahrer sind als andere.

„Während eines Spiels machst Du vielleicht eine Geste in die Richtung von jemandem, oder sagst etwas zu jemandem, der nicht genauso wie du aussieht - aber am Ende des Spiels ist es vergessen." Es ging also um Rassismus auf dem Fußballplatz, und da kann in der Gutmenschengesellschaft so ein Satz tödlich sein. Nein, nein, es ging nicht um den fast an jedem Spieltag zu beobachtenden Rassismus, bei dem aus meist migrationshintergründigen unterklassigen Mannschaften heraus der Schiedsrichter oder die gegnerische Mannschaft bedroht oder geschlagen wird. Nein, es geht um diesen besonderen Prominentenrassismus, wie ihn in Deutschland schon 2006, rund 70 Jahre nach Jesse Owens und 30 Jahre nach Roberto Blanco, ein gewisser Gerald Asamoah entdeckt hatte.

Asamoah ist inzwischen arbeitslos, und das liegt nicht daran, dass er eine schwarze Hautfarbe hat. Der wohl rassismusunverdächtige FC St. Pauli hat sich im Frühjahr von ihm getrennt, weil die Mitspieler und Mitarbeiter anstatt eines aus dem Fernsehen bekannten netten, lustigen Spaßfußballers einen respektlosen Dauernörgler vorfanden. Viele Fußballfans kannten ihn sowieso schon als einen Rammbock, der keinen Gegner schonte, für sich selber aber gern weinerliche Sonderrechte einklagte und auf dem Platz unfair schauspielerte, was das Zeug hielt.

Natürlich hat er es als Schwarzer in einem Land der zumeist Weißen schwerer als viele andere, aber er wusste auch immer medienwirksam und theatralisch aus jeder schwarzen Mücke einen weißen Elefanten zu machen und damit seine Popularität zu steigern. Einmal zeigte er so Betroffenheit, weil in Rostock die Zuschauer den in der Tat üblen Affenruf machten. Ein Ruf, der früher in jedem Stadion bei jedem Farbigen ertönte, bis solche in allen Mannschaften spielten und für die blöden Ultra-Fans damit das Feindbild nicht mehr funktionierte. Doch nur Asamoah tat das medienöffentlich so „unfassbar weh“, dass Rostock anschließend eine Platzsperre und 20.000 Euro Strafe erhielt. Später hatte der Kicker den FC Carl Zeiss Jena auf dem Kieker, und man kann sich nur fragen, warum er trotz dieser unfassbar schmerzhaften Ost-Erfahrungen kürzlich ausgerechnet bei Dynamo Dresden anheuern wollte.

Der direkte Zusammenhang zum „Prominentenrassismus“ ergibt sich aber aus einem ganz normalen Streit unter Fußballern, bei dem Asamoah hinterher behauptete, Dortmunds Torhüter Roman Weidenfeller habe ihn „schwarzes Schwein“ genannt. Dem Kontrahenten brachte das drei Spieltage Sperre und 10.000 Euro Strafe ein, obwohl dieser bis zuletzt die Aussage bestritt und Asamoah keine Zeugen hatte.

Nach meiner Vorstellung ist in diesem Fall die Beleidigung sowieso lediglich durch das Wort Schwein und nicht dessen Farbe gegeben. Schwarz ist Asamoah nun mal von Natur aus, und das ist auch gut so. Angeblich soll Weidenfeller übrigens in Wirklichkeit ein dem Stabreim ebenfalls Genüge tuendes „schwules Schwein“ vorgebracht haben, was dann im normalen Sprachgebrauch in der Tat eine doppelte Beleidigung gewesen, aber nicht unter die strengen Rassistengesetze des Fußballs gefallen wäre. Ebenso absurd, dass der wie auch immer Geschmähte im Anschluss eine „Ich-schneide-Dir-die-Gurgel-durch-Geste“ machte. Ungestraft natürlich.

Blättern wir gedanklich zurück zum Blatter-Sepp und danken dem Schicksal, dass der Mann Schweizer und nicht Deutscher ist. Was hätte da wohl in den britischen Medien gestanden, die sich aktuell besonders in der aktuellen Blatter-Schelte hervortun? Oder anders gefragt: Wie hätten die diesmal die Begriffe „Blitzkrieg“ und „Deutsche Panzer“ in der Schlagzeile untergebracht? Ein misstrauischer Mensch könnte ohnehin mutmaßen, es gehe eigentlich um eine Retourkutsche gegen einen Mann, der die Weltmeisterschaft 2018 an Russland statt an das Mutterland des Fußballs vergeben hat.

In der Tat, mit der Großspurigkeit des Mächtigen, der er ist, haben Blatter und seine FIFA-Altherrenliga sich schon häufig Feinde gemacht. Bestechungs- und Korruptionsvorwürfe schwelen unerledigt, besonders der Fall der Vergabe der WM 2022 an die Fußball-Weltmacht Katar, wo dann bei 50 Grad vor importiertem Publikum gespielt werden muss, lässt sich mit fehlendem Verstand alleine kaum erklären. Es war dann weder geschickt noch angemessen, gleich noch einen drauf zu setzen und an homosexuelle Fußballer zu appellieren, in Katar doch bitte auf ihren dort illegalen Sex zu verzichten. Auch für die Frauen hatte er ein Sprüchlein unter der Gürtellinie parat: Sie mögen doch, so sinngemäß der Fußballphilosoph, früher mit dem Fußball anfangen, damit sie rechtzeitig Kinder kriegen könnten.

All dieses bornierte und senile Reden und Handeln, hat Blatter nicht wirklich geschadet, aber der Vorwurf, er verharmlose den Rassismus im Fußball, hat gesessen. Rassismus, so es sich dabei nicht eher um einen meistens damit gemeinten „Kulturismus“, also die Ablehnung einer fremden Kultur handelt, ist natürlich überall und entschieden zu verurteilen, doch gibt es eine Bewertungsbandbreite, die von Judenvernichtung bis genau zu einem Wortwechsel auf dem Fußballplatz reicht.

Fußball gewinnt derzeit psychologisch seine Popularität aus dem Umstand, dass es in einer genormten und verlogenen Gesellschaft Freiheit und Authentizität verspricht. Das Runde muss ins Eckige; objektiver kann eine Leistungsbewertung kaum sein. Und die Popularität kommt aus dem Umstand, dass wir dort atavistische Verhaltensmuster ausleben können, die in uns trotz aller zivilisatorischen Zwänge und Illusionen weiter fest verankert sind. Wissenschaftler nennen das eine „Funktionale Alternative“, mit der wir biologisch programmierten Bedürfnissen und Fähigkeiten nachgehen können. Fußball ist Kampf, Konkurrenz, Wettkampf, Schmerz, Erfüllung, Triumph, Kooperation und Feindschaft. Fußball ist auch ästhetisch, und er ist als Funktionale Alternative nicht mehr oder weniger als lebenswichtig. Er ist wirklicher als die schwindende Wirklichkeit um uns herum.

Wenn in der anderthalbstündigen Extremsituation nicht geflucht und beleidigt würde, wäre etwas falsch; dann hätte die Normierungsmaschine auch diesen noch verbliebenen Freiraum plattgebügelt. Und es ist nunmal so, dass man bei Beleidigungen immer versucht, die Achillesferse des Gegners zu erwischen, also ihm reale oder vermutete Schwächen vorzuhalten und gesellschaftlich tabuisierte Eigenschaften anzuhängen. Die Frage ist dabei nur, wie es weitergeht, wenn der Schlusspfiff ertönt, wenn also die große Pause endet und wieder andere Normen und Autoritäten als die des Schiedsrichters gelten. Spätestens dann nämlich muss der Handschlag und das Vertragen kommen.

Leute, die nicht verstehen wollen oder können, welche wichtige Funktion Sport und besonders Fußball in der postindustriellen Gesellschaft hat, machen sich stattdessen ihren eigenen pseudointellektuellen Sportersatz, indem sie Haupt- und Nebenseite solange vertauschen, bis sie sich moralisch groß und rein über den gesunden Menschenverstand (mit all seinen Fehlern) erheben können.

Sie verkürzen Zusammenhänge, nicht nur im Fall der Political Correctness, weil nur so ihre ideologischen Konstrukte scheinbar funktionieren. Sie versprechen Gerechtigkeit, aber sie zerstören Freiheit, Selbstbestimmung und Kreativität. Und sie schaffen Ungerechtigkeit, denn in dem goldenen Käfig, den sie aus der Realität herausbiegen, werden aus weitgehend Integrierten plötzlich wieder Exoten, denen Sonderrechte eingeräumt werden und deren in der Normalität erbrachte Leistungen einen schalen Beigeschmack bekommen.

Nicht mehr und nicht weniger hat Blatter intuitiv erkannt und gemeint. Als der Journalist ihn weiter in die Ecke drängen wollte und quasi-polizeiliche Maßnahmen seitens der Verbände forderte, antwortete er: "Natürlich muss eine Liga so etwas untersuchen und eine Lösung finden. Und wie sähe die aus? Man würde die beiden Spieler zusammenbringen und sagen: 'Gebt euch die Hände!'" Wenn er recht hat, hat er recht.

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