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Dienstag, 12. August 2014

Nach-Gedacht: Kunst verhunzt


Vor wenigen Tagen ging es hier um die Geschäfte, die Künstler mit ihrer nihilistischen Aufgeregtheit machen können. 800.000 Euro sollte die Versicherung für eine verkalkte Plastikwanne zahlen, deren Kunstwerkhaftigkeit die Raumpfleger einer Ausstellung nicht erkennen konnten oder wollten. Die Mutter aller verkalkten Plastikwannen ist zweifellos die berüchtigte Fettecke, der 1986 Joseph Beuys 40.000 Mark Schadenersatz einbrachte, als ein Hausmeister sich nicht einmal fragte, „Ist das Kunst oder kann das weg“, sondern die ranzige Butter seinem der Ordnung verpflichteten Berufsbild entsprechend der Entsorgung zuführte. Doch leider oder zum Glück hatte der Gute damals geschlampt, vier Pfund der Fettreste zurückgelassen und damit ermöglicht, dass die Posse nun ganz aktuell in ungeahnte Höhen der Absurdität geführt werden konnte.


Im Gedenken des Meisters bemühten nämlich drei Düsseldorfer Künstler die mittlerweile mehr als 30 Jahre alten Nahrungsmittelreste, um im Rahmen einer neuen, aufregenden Kunstaktion daraus Schnaps zu brennen. „Der Geschmack erinnert ein bisschen an Parmesan“, berichtete einer der Künstler, der in Bremen auch als Kunsthochschulprofessor auf der Lohnliste des Steuerzahlers steht. In der Tat hat auch der Verfasser dieser Zeilen schon Erfahrung mit verdorbenen hochprozentigen Lebensmitteln gemacht, als er am Boden einer Flasche Mezcal angekommen wie vom Hersteller vorgesehen die Raupe ebenfalls vertilgte. Er war drei Tage krank, aber Ihr hättet mal den anderen sehen sollen.

Für Beuys-Witwe Eva war der Schnaps mit Käsefußaroma aber weder eine peinliche noch eine eklige Aktion, sondern „eine gemeine Urheberpersönlichkeitsrechtsverletzung“ von „dummen, unfein empfindenden Menschen“. Und die Tochter des Fettkünstlers begründet ihre Empörung so: „Gerade dieses Kunstwerk war für meinen Vater in Form und Farbe ein Sinnbild der Reinheit.“

Die Künstler finden das ungerecht, denn sie hätten schließlich „im Geist des Ausnahmekünstlers“ Beuys gehandelt. Und sei nicht der Meister ein Verfechter der Freiheit der Kunst gewesen? Immerhin scheint Frau Beuys wirtschaftlich gut gestellt zu sein, denn sie verzichtete auf die sonst in solchen Fällen übliche Schadensersatzklage.
Profitieren werden diesmal also nur jene Besucher der gerade zu Ende gegangen Künstlerschnaps-Ausstellung, die sich ein Fläschchen flüssiger Kunst sichern konnten. Eine sensationelle Wertsteigerung ist durchaus möglich, denn nicht nur Kunst, sondern auch viele Sorten alkoholischer Getränke steigern ihren Wert bekanntlich weniger nach der Qualität als nach der Anzahl ihrer Lebensjahre. Sicher ist aber nur, dass wir mit der Aktion an dem Punkt angekommen sind, wo aus Kunst endgültig Käse wurde.

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