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Samstag, 23. August 2014

Neuer Verkehr verkehrt

Weniger umweltbelastende Energie zu verbrauchen, ohne auf persönlichen Komfort zu verzichten, ist die moderne Version der Quadratur des Kreises. Dennoch wird es uns sowohl von politischer - besonders EU-politischer - als auch von Produzentenseite immer wieder als machbar versichert. Einer der neuesten Marketingtricks ist dabei das europaweit gesetzlich installierte Energielabel, das ökologische Korrektheit suggerieren soll, dafür aber massive Leistungseinbußen nicht nur in Kauf nimmt, sondern auch vor dem Verbraucher bewusst verschleiert. Um beispielsweise Kühlschränke energieeffizienter zu machen, wird deren Dämmung kurzerhand auf Kosten der Größe des Kühlraums erhöht. Noch dreister geht es bei Waschmaschinen zu, wie die Stiftung Warentest enthüllte: Wenn man dort das Sparprogramm wählt, bleibt die Temperatur weit unter den versprochenen 60 Grad. Dafür muss die Kiste dann auch noch mehr als drei Stunden vorsichhinrumpeln - bei durchaus fragwürdigen Ergebnissen. Unberücksichtigt bleibt dabei noch der dafür betriebene und sicherlich nicht umweltneutrale konstruktive Aufwand und der psychologische Effekt des durch ein gutes Energielabel ausgestellten Persilscheins: Hemmungsloses Draufloswaschen wird so scheinbar legitimiert. Ein besonders sinnliches Beispiel, dass guter energiepolitischer Wille ordentlich auf die Nerven gehen kann, fand sich bei Konrad Kustos schon am 27. November 2011:


Kürzlich ging es hier ziemlich allgemein um die Profiteure einer zu niederen Zielen instrumentalisierten Umwelthysterie. Dabei war die Rede vom großen ideellen und materiellen Schaden, der aus nur scheinbar gutem Willen erwächst. Die neueste, milliardenteure Chaostheorie der Konstrukteure des Niedergangs betrifft in diesem Zusammenhang das Elektro-Auto. Sparsam, umweltfreundlich, zukunftsweisend soll es sein. Da kann ja nichts mehr schiefgehen...

Die Autohersteller überschlagen sich unterstützt von den Medien willig beim Anpreisen ihrer Elektrokarossen. Das ist merkwürdig, denn die Dinger sind aufwändig herzustellen und haben dennoch völlig unzureichende Leistungsmerkmale, während das Geschäft mit den Benzinern doch eigentlich läuft und läuft und läuft. Für einen Mehrpreis von mindestens 10.000 Euro erkauft sich der umweltfixiert elektrisierte elektrifizierte Kunde heute Spitzenreichweiten pro Batterieladung von 150 Kilometer – aber nur, wenn keine Heizung gebraucht wird, denn dann reduziert sich die Fahrstrecke erheblich, und man friert trotzdem.

Angeblich geht es den Konzernen um den Umweltschutz, doch wer glaubt, dass ein Spitzenmanager bei Daimler oder VW ein solches Kriterium in seine Nachtgebete einschließt, glaubt auch an das Spaghetti-Monster. Natürlich geht es um Profit, oder in diesem Falle, um das Minimieren drohender Verluste. Ganz wertfrei und umweltfreundlich hat die EU nämlich Strafkataloge beschlossen, die den Autobauern Milliardenstrafen androhen, sollten sie nicht erhebliche Kontingente Elektroautos verkaufen. Wer da meint, dies sei auch ein von den deutschen Vertretern hingenommener Schlag gegen die Dominanz der deutschen Autoindustrie in Europa, ist natürlich ein Umweltschwein.

Die EU-Verordnung erlaubt von 2015 an für Neuwagen im Durchschnitt der Gesamtproduktion des Herstellers nur noch einen CO2-Grenzwert von 130 Gramm pro Kilometer je PKW, sonst werden die Strafzahlungen fällig. Ein böser, böser Daimler aber kommt derzeit auf unsägliche 160 Gramm. Um nicht ins Schleudern zu kommen, werden also derzeit noch nicht markttaugliche Elektroautos zu Schleuderpreisen (dies allerdings nur vor dem Hintergrund der Produktionskosten) auf den Markt geworfen, um die unionseuropäische Bürokratendoktrin zu erfüllen und weiter konventionelle Autos verkaufen zu können.

Dabei hilft auch der eine oder andere Trick, den die europäische Umweltorder eingebaut hat. Die tut nämlich einfach so, als wären E-Autos emissionsfrei. Tatsächlich haben die keinen Auspuff, und der Strom kommt aus einer meist sauberen Steckdose. Doch den Quatsch kennen wir schon von der angeblich so umweltfreundlichen Straßenbahn, denn woher kommt wohl der Strom für die und das Elektrische denn her? Zumeist (60%) aus höchst schmutzigen Kohlekraftwerken, die noch mehr produzieren müssen, seit der Umweltschutz saubere Atomkraftwerke vom Netz gezwungen hat, und die eine schlechtere Leistungsbilanz haben als ein Automotor.

Selbst ein Elektro-Kleinwagen kommt so locker auf reale 120 Gramm CO2, die aber von den Eurokraten eben mal par Ordre de Multi auf Null gesetzt werden. Und zur Sicherheit wird dieser gefälschte Nichtverbrauch gleich anderthalbfach in die Klimabilanz eines Herstellers eingerechnet. Wenn das kein gelungener Rettungsschirm auf Kosten nutzlos produzierter E-Autos ist….

Wenn nutzlos produziert wird, kostet das aber dennoch Geld. Deshalb stützt die Bundesregierung den Schwindel mit Förderungen in Höhe eines schon jetzt dreistelligen Millionenbetrags. In den Jahren 2012/13 wird eine weitere Milliarde Euro an die deutsche Autoindustrie fließen. Vorerst 1,5 Milliarden stehen für die E-Mobilität bereit, um im Jahr 2020 eine Million Elektroautos auf Deutschlands Straßen rollen zu lassen.

Erfahrungsgemäß wird dieses Geld dann entweder frisch gedruckt oder es zahlt der Verbraucher/Steuerzahler – egal ob Autofahrer oder nicht. Letztlich also wieder eine klassische Euro-Umverteilung: Unionsinteressen hier, deutsche Steuerzahlerpflichten dort. Aber das ist ein anderes Thema.

Das ARD-Magazin Kontraste hat jedenfalls ausgerechnet, dass ein einziges E-Auto, egal ob verkauft, subventioniert oder verschenkt, Daimler-Benz ab 2015 Strafen in Höhe von 20 000 Euro ersparen wird. Alles klar, warum die deutsche Autoindustrie plötzlich so „umweltfreundlich“ agiert?

In der wirklichen Welt, die vom Ideologieschutt ein bisschen freizuschaufeln sich dieses Blog vorgenommen hat, bedeuten realitätsferne Entscheidungen und jede Form von Subvention eine Aussetzung oder gar Behinderung sozialevolutionärer Entwicklungen. So auch hier: Das Ziel dieser Politik ist nicht, den an sich umweltschädlichen Individualverkehr, dessen Schädlichkeit nur in den Hirnen klimagestörter Ökowandelideologen in CO2-Mengen zu messen ist, zu reduzieren. Stattdessen geht es um die Förderung einer Technologie, die vielleicht gar keine Überlebenschancen hat, weil sie eben wenige Vorteile und erheblichen Aufwand verbindet.

Klar ist jedenfalls, dass Autos mit einer Reichweite von 150 Kilometern nur von Betuchten als Zweitwagen gehalten werden werden. Damit aber wird die Zahl umweltschädlich und ressourcenverbrauchend produzierter und umweltschädlich und ressourcenverbrauchend bewegter sowie die Städte verstopfender Fahrzeuge sogar zunehmen.

Das Hauptproblem ist aber neben großspurigen Autos egal welcher Antriebsart einfach ein Zuviel an Verkehr. Eines Verkehrs, der oft gar nicht nötig ist, und eines solchen, den man mit intelligenten Alternativen wie nutzerfreundlichem öffentlichen Nah- und Fernverkehr oder Carsharing „evolutionär“ verringern könnte. Die Idee, mit „besseren“ Autos die Umwelt retten zu können, zielt so weit am Ziel vorbei wie die Idee, Wilhelm Tell auf seinen Sohn schießen zu lassen. 

Kommentare:

  1. Atomstrom als sauber verkaufen zu wollen, ist der besonders (r)evolutionäre Versuch, den Kreis zu quadrieren.
    Eine echt gute Alternative, die Sie uns da anbieten, lieber Herr Kustos.

    Offensichtlich sind zu viele Menschen zu dumm, um die Vorzüge dieser Technik zu verstehen. Ich als bekennende Gutmenschin gehöre offensichtlich dazu ...

    Ich wünsche ein schönes Wochenende und grüße herzlich aus dem 7gebirge

    Annette S. aus K.

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  2. "sauber" war wohl nur im hinblick auf die co2 bilanz gemeint- wenn man die förderung des urans nicht mitberechnet, die aber zum größten teil in entwicklungsländern stattfindet, da ist wohl ein kleiner denkfehler. man sollte natürlich auch die anderen negativen eigenschaften (müll) der produktion berücksichtig, aber um den atomstrom geht es hauptsächlich eh nicht, sondern um die e-autos und die kontraproduktiven regelungen der eu. anstatt den bürgern ihr geld zu lassen, verballert man geld und versucht etwas zwangsweise durchzusetzen. vllt würden sich wirklich umweltfreudlichere technologien schneller entwickeln, wenn die bürger ihr geld noch in den taschen hätten und frei wären zu wählen.

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    1. Vielleicht ja, vermutlich nein: Meine Einschätzung ist, dass die Menschheit noch nicht viel dazu gelernt hat und in erster Linie auf den eigenen - kurzfristigen - Vorteil zum Nachteil langfristig intelligenter Entscheidungen bedacht ist.
      Umweltfreundliche Technologien werden aus meiner Sicht durch Unternehmen verhindert, die ebenfalls auf kurzfristigen Profit aus sind.

      Das lässt die nicht wissenschaftlich fundierte Schlussfolgerung zu, dass Menschen das Zusammenspiel von Systemen nicht begreifen und Konsequenzen ihrer Handlungen nicht in ihre Überlegungen einbeziehen (können).
      Warum das so ist? Nun, darüber könnte man diskutieren ...

      Jetzt gehe ich aber lieber in die Sonne und grüße aus dem 7gebirge

      Annette S. aus K.

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  3. Mit der Verteuerung des Stroms durch das EEG sind Elektroautos noch teurer geworden, als sie vor allem durch die hohen Anschaffungskosten ohnehin schon waren. Vor zwei Jahren kostete eine kWh 21 Center, jetzt sind es etwa 30 Center. Und kein Ende ist abzusehen...

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    1. Kein Problem: Wird der Hokuspokus eben noch höher subventioniert...

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    2. Bleibt aber das Problem mit dem Wirkungsgrad. Ein Elektromotor, der durch einen Akku gespeist wird hat 30 %. Ein Dieselmotor wenn es gut geht 50 %.

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  4. Ich muss zugeben, dass sich meine einstmals positive Einstellung zu Elektroautos deutlich verändert hat. Einer der Gründe dafür ist der oben erwähnte, dass jedes Elektroauto quasi im Handgepäck einen SUV mitbringt, durch die Flotten-Regelungspolitik der EU. Es ist deprimierent, dass die EU-Spitzen einerseits davon ausgehen, dass ihre Bürger bereit sind, sich für den Schutz der Umwelt einzusetzen, indem sie keine Explosionsmotor-betriebenen Kutschen kaufen, sie diese Bürger aber gleichzeitig für so dumm halten, dass solche kontraproduktiven Regelungen nicht bemerkt werden.

    Dumm gelaufen, sozusagen.

    Abgesehen davon stört mich am Auto immer mehr die Zerstörung des öffentlichen Raums, sowohl in den Städten als auch auf dem Land. Der größte Teil der öffentlichen Flächen in den Städten wird für Fahrbahnen und Abstellplätze benötigt. Andere Transportsysteme bekommen nur schmale randständige Flächen, werden teilweise sogar gegeneinander gehetzt (Fahrradfahrer und Fußgänger). Und das alles, damit die Autoindustrie weiter ihre Umsätze macht. Mobilität sei das Ziel - schön, mobile Staus, wie praktisch. Und je mehr "Mobilität" vorhanden ist, desto weiter weg wandern die Arbeitsplätze, desto weiter muss man fahren, um Ruhe in der Natur zu finden.

    Das schlimme ist - je mehr Bürger auf das Auto verzichten, desto besser werden die Fahrbedingungen für die übrigen. Das macht die klassische Werbung für öffentlichen Verkehr & Fahrrad eigentlich sinnlos. Ich tendiere inzwischen zu einem radikalen Ansatz, um den Catch 22 der Automobilität zu knacken: Autofreie Zonen in Wohngebieten, zumindest zeitweise. Wenn die Zonen nicht zu groß sind, kommen die Autofahrer zu Fuß zu ihren Autos. Und Anlieger könnten für bestimmte Zeiten morgens und abends fahren dürfen. Ich will das nicht zu weit ausdehnen, aber das könnte solche Wohngebiete sehr attraktiv machen.

    Könnte. Wenn nicht die quasi-religiöse Verehrung der Mobilität und des Autos wäre. Auto akhbar!

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