Kustos kommentiert nicht mehr -
Der Blog schweigt wegen "antifaschistischer" Angriffe.

Samstag, 6. September 2014

Der Feind in meinem Kopf

Quelle: toonpool.com, Jan Thomaschoff
Wusste der geneigte Leser schon, dass die Hippiebewegung in den sechziger und siebziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts in Wirklichkeit eine CIA-Verschwörung war, um den politischen Widerstand gegen das System zu zerschlagen? Nein? Ich auch nicht. Was wir nun aber gemeinsam mit Sicherheit wissen, ist, dass keine Verschwörungstheorie dämlich genug ist, um nicht Zulauf zu finden. Natürlich ist die Welt oft feindselig und unverständlich, doch wenn wir sie feindselig und voller Unverstand in unserem Bewusstsein noch schlechter machen, als sie ist, kriegen wir den Niedergang erst recht nicht in den Griff. Deshalb ist es so erschreckend, dass sich derzeit im Internet, und nicht nur dort, ein neues Phänomen manifestiert, dass dem gerade aufkeimenden und sich vorsichtig organisierenden Widerstand gegen relevante Niedergangsprozesse eben mal locker den Boden unter den Füßen wegzuziehen droht.


Der Zusammenbruch unserer Welt, wie wir sie kennen, ist nämlich ein unerhört komplexes Phänomen, dem, wenn überhaupt, nur mit komplexen Erkenntnismethoden und ebenso komplexen Widerstandsversuchen beizukommen ist. Was jetzt passiert, ist davon das genaue Gegenteil: Einzelne Feindbilder werden aufgebauscht und aus dem Zusammenhang gerissen, Ursache und Wirkung werden verkehrt.

Das beste Beispiel dafür sind die sogenannten Montagsdemonstrationen mit ihrem Epizentrum in der Berliner Mitte und Filialen in weiteren 40 Städten. Analog zu den sich formierenden diffusen Stimmungen im Internet treffen sich hier Friedensfreunde, Eurogegner, Verteidiger des Sozialstaats und Antiglobalisierer auf einem geringstmöglichen intellektuellen Niveau. Eine ungesunde Mischung gegenläufiger Interessen ist das ohnehin.

In der Tat sympathisiert Konrad Kustos irgendwie mit jeder einzelnen dieser Strömungen, doch endet diese Sympathie bei billigen Parolen und verkürzenden Problembeschreibungen. Diese Bewegung hat für alle Fehlentwicklungen dieser Welt einen griffigen Schuldigen oder etwas Schuldhaftes parat. Der drohende Kollaps des Wirtschaftssystems liegt dann wahlweise am Zinssystem oder der Bankenherrschaft, die Globalisierung liegt an den Bilderbergern, einer ganz personalen Verschwörung ominöser Supermächtiger, und die Kriegsgefahr geht vornehmlich von einem aggressiven amerikanischen Imperialismus aus.

Das alles sind in der Tat mehr oder weniger Elemente des Problems, doch indem hier ein paar Parolen einen trüben Cocktail mixen, werden vorschnelle Antworten gegeben und auf das einzige verzichtet, das den Niedergang eine neue Qualität entgegensetzen könnte: die unentwegte Suche nach größerer Erkenntnis komplexer Zusammenhänge.

Das zugkräftigste Opfer der so betriebenen Desorientierung sind die USA, die einem nun schon beinahe wieder leid tun müssen. Natürlich ist die amerikanische Außenpolitik seit längerem selber desorientiert. Natürlich kann die Innenpolitik nur als bevölkerungsfeindlich beschrieben werden. Natürlich kommt von hier der moderne Puritanismus, die institutionalisierte Arroganz und auch die Political Correctness. Aber was wird daraus im Widerstand durch Internet und Montagsdemo? Als zusammenfassende Antwort auf diese rhetorische Frage mag hier das Zitat eines anonymen Kommentators dienen, der sich kürzlich bei Konrad Kustos meldete: „als nonkonformist und patriot liebe ich die freiheit und ich hasse dieses dreckssystem aller deutschenhasser und landeshochverräter der einheitsbreiparteien der bananenrepublik der besatzerrepublik der angloamerikanischen zionsisten der atlantikbrücke und der bildernerger !!!!!!!!!!!!!“ (unkorrigiert inklusive Ausrufezeichen).

Dieses anderswo sicher noch etwas eleganter formulierte Weltbild ist eine weitverbreitete Melange von Dyslogismen. Weil die Amerikaner die größte Armee haben, sollen sie die größten Kriegstreiber sein. Weil einige Juden viel Geld haben, betreiben sie angeblich eine zionistische Weltverschwörung. Weil uns die Amerikaner vom Hitlerfaschismus befreit haben, sind sie noch heute unsere Besatzer. Weil die CIA ein mächtiger Geheimdienst ist und anscheinend nichts anderes zu tun hatte, musste sie eben mal das World Trade Center sprengen.

Weil es in unserer Sozialisation einfach so schön klingt und wir meistens keine Ahnung von der viel komplexeren Realität haben, hetzen die US-Kritiker über freien Waffenbesitz, ominöse Gulags, die Todesstrafe, Burger King, Polizeiterror und Obama bin Laden. Ach, wenn die Welt nur so einfach wäre, dann müsste ich mir nicht solche Mühe mit diesem Blog machen. Ich werde mir jedenfalls, auch wenn es angesichts dieses Gepöbels manchmal schwerfällt, weiter die Freiheit nehmen, die USA zu kritisieren, wo es denn nottut, und sie zu lieben, wo sie es verdient.

Natürlich sind die Amerikaner in vielen Fällen die Vorreiter des Niedergangs, ganz einfach, weil sie in so vielem weiter sind als wir, weiter in Richtung Niedergang also. Daraus abzuleiten, wir würden alle unter einem amerikanischen Unterdrückungsapparat leiden, ist gefährlich, weil wir uns viel mehr um unseren eigenen Niedergang und unsere eigene Unterdrückung kümmern sollten. Außerdem kämpfen Amerikaner auch an vielen Stellen für das, was wir gemeinsam für Zivilisation halten - aus welchen Gründen und mit welchem Erfolg auch immer. Im neuen Antiamerikanismus in den Foren zeigt sich gleichermaßen blinder Nationalismus, der linke Radikalismus der Studentenbewegung und eine Flucht vor der Komplexität der Wirklichkeit

Deshalb findet bei den Montagsdemos auch zusammen, was nicht zusammen passt: linke Friedensduselei, rechter Nationalismus, destruktiver Ökologismus, bei Bedarf noch eine anbiedernde Migrationsfreundlichkeit sowie ein diffuser Antikapitalismus, obwohl der Kapitalismus doch längst den Monopolen zum Opfer gefallen ist.

Es geht mir keineswegs darum, die Demonstranten zu diskriminieren - auch und erst recht nicht, weil diese Menschen immerhin als absolute Minderheit erkennen, dass die Welt vor die Wand fährt, und bereit sind, sich dem zu widersetzen. Vielmehr will ich verhindern helfen, dass dieser Widerstand unter seinen eigenen Plattheiten zusammenbricht.

Die Montagsdemos sind eine vergebene Chance. Schlimmer noch, ein Hinweis darauf, dass sich der Widerstand gegen den Niedergang noch schwerer wird organisieren lassen, als es bisher schon zu befürchten war. Der gemeinsame Nenner der neuen Bewegung lautet: Komplexe Zusammenhänge werden auf eine dunkle Macht eingedampft oder besser virtuell zurechtgeschrumpelt, um dem diffus erahnten Bösen ein Gesicht geben zu können. Natürlich ist nichts dagegen zu sagen, negative Kräfte zu benennen, aber es bedarf der Begründung, der Wahrnehmung gegenläufiger Argumente und dann der Einordnung in ein komplexes Kräftegefüge. Stattdessen werden wahre ebenso wie erfundene Fakten völlig einseitig manisch aufeinandergehäuft, wechselseitig hochschaukelnd zitiert und dieser ganze Vorgang mit einem Erkenntnisprozess verwechselt. Der Widerstand deformiert so von einer zielgerichteten Aktion zu einem Akt der Selbstbefriedigung.

Die ernstgemeinte Frage lautet also: Muss das wirklich sein? Ist es dem Niedergang immanent, dass er jeden Widerstand korrumpiert? Verhindert die Unfähigkeit, die Komplexität der Abläufe zu erkennen, die Erkenntnis dieser Unfähigkeit? Sind wir immer wieder dazu gezwungen, positivistisch und ganz im Sinne der Aufklärung Antworten zu erfinden, selbst wenn diese Antworten nur ein neuer Aspekt einer großen, besänftigenden Lüge sind? Sind wir also tatsächlich nicht in der Lage, voller realistischer Demut vor das große Welttheater zu treten und unsere persönliche Unfähigkeit angesichts einer immer komplexer werdenden Welt einzugestehen und daraus innovative Strategien abzuleiten? Dann nämlich wären wir gezwungen, statt dem Übel an die Wurzel zu gehen, der Hydra (bestenfalls) immer neue Köpfe abzuschlagen und uns zu wundern, dass diese schneller nachwachsen, als wir köpfen können.

Kommentare:

  1. Die Montagsdemonstranten haben länst erkannt, daß wir es hier mit einem komplexen Machtsystem - einer Hydra gleich - zu tun haben. Nur weil du dir deinen naiven Glauben an das Amerika deiner Kindheit - mit TV serien in unsere Gehirne gewaschen ebenso wie die ganze Rockmusik scheiße nichts anderes war als Propaganda für das us imperium - sie sind viel schlimmer als du das dir in deinem naiven Spatzengehirn überhaupt vorstellen kannst - ich sage nur Gladio - P1 - die ganze mörderbande des CIA - sie sollen zur Hölle fahren - mit ihren ganzen Lügen beweisen sie ja daß sie Satan anbeten. Sogar die schlimmste Verschwörungstheorie kann nicht das ganze Ausmaß erfassen dessen wir noch gewärtig werden. und zwar bevor du mit deinen komplexn erkenntinsversuchen überhaupt erst begonnen hast um dann komplexe widerstandsversuch zu unternehmen mit Leuten die du dir erst mal backen must - viel Spass dabei

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    1. Eigentlich werden beleidigende Kommentare hier nicht veröffentlicht, aber dieser Text belegt in seiner extremen Ausuferung so drastisch die aufgestellten Thesen, dass wir mal eine Ausnahme machen mussten....

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  2. Lieber Herr Kustos,

    Beleidigungen dieser Art gehen natürlich überhaupt nicht!

    Allerdings finde ich nicht, dass die Kanonade des Verfassers Ihre Thesen bestätigt – ich finde nämlich eigentlich gar keine echte These in Ihrem Beitrag, denn die müsste stringent argumentiert werden und im Idealfall zu einem Standpunkt führen.

    Ich hatte beim Lesen Ihres letzten Blogbeitrags vielmehr die Assoziation zu einer Katze, die sich einmal im Kreis gedreht und sich dabei mal eben selbst in den Schwanz gebissen hat, um anschließend zu behaupten, dass sie die ganze Zeit auf ihrem Platz lag und ganz bestimmt keinen anderen Stand- bzw. Liegepunkt vertrat und sich eigentlich auch sowieso unabhängig von den Weltgeschehnissen drumrum nur dafür interessiert, wie sie an die nächste Maus kommt.

    Ich konnte mich zwar dennoch an Ihrem exzellent geschriebenen Text erfreuen, doch leider lässt er mich sehr ratlos zurück nach dem Motto:

    Was will der Herr Kustos mir sagen?
    Und vor allem: Was ist des hochkomplexen Rätsels Lösung?

    Kann natürlich auch sein, dass nur ich die Quintessenz nicht verstanden habe, was sehr bedauerlich wäre, sofern sie tatsächlich einen neuen Ansatz zum Denken und Handeln beinhalten sollte.

    Ich wünsche ein wunderschönes Wochenende und grüße sehr herzlich aus dem 7gebirge

    Annette S. aus K.

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    1. Ihre Beobachtung ist wohl richtig, aber Ihre daraus resultierende Frage (für mich) nicht. Ich versuche mich nämlich aus den Fängen des abendländischen Positivismus zu befreien. D. h: Es muss nicht immer Antworten geben oder Lösungen oder Quintessenzen. Das wäre zwar schön, aber auch Konrad Kustos ist nicht Zwerg Allwissend, und im Gegensatz zu den üblichen Bluffern in unserer Gesellschaft, versucht er das auch nicht vorzuspielen. Wie so oft war also mein Ansatz mit diesem Post, auf etwas hinzuweisen, was offensichtlich falsch läuft, diesmal eben innerhalb der kritischen Bewegung und nicht im System. Es galt, bei meinen Lesern einen Keim zu setzen, kritisch und wachsam mit diesem speziellen Phänomen umzugehen. Hilfe zur Selbsthilfe sozusagen. Ein emanzipatorischer Ansatz statt des fatalen Positivismus unserer Gesellschaft. Und der erste Kommentator hat die Verblendung eben nochmal schön auf den Punkt gebracht.

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    2. Werter Herr Kustos,

      ich erinnere daran, dass Sie die „Thesen“ einbrachten. Ich habe mich nur darauf bezogen.
      Eine These definiert sich dadurch, dass ihr Wahrheitsgehalt bewiesen werden muss. Das geschieht in der Regel durch eine Argumentation, aber die haben Sie in diesem Beitrag schlicht an keiner Stelle geliefert.

      Es ist sehr einfach, einfach etwas in den Raum zu stellen und es nicht zu begründen.
      Und in diesem Zusammenhang frage ich mich und Sie – abendlän-discher Positivismus hin oder her – zum Beispiel, warum die Montagsdemos eine vergebene Chance sind.
      Oder auch, warum Sie, obwohl Sie ja eben nicht der Zwerg Allwissend sind, sich anmaßen zu glauben, die komplexen Zusammenhänge besser durchschauen zu können als die Leute, die sich immerhin entschließen, auf die Straße zu gehen, um auf Missstände hinzuweisen (so wie Sie das ja auch mit Ihrem Blog – und zwar aus Ihrer Sicht – tun).
      Diese Menschen haben vermutlich nicht die perfekten Standpunkte, aber sie äußern sie zumindest konkret und machen sie sichtbar.
      Und das ist ein Angebot, Dinge neu zu überdenken und neue Prozesse in Gang zu bringen.
      Dass Sie die Meinungsäußerung dieser Menschen als Akt der Selbstbefriedigung diffamieren, finde ich zumindest höchst befremdlich.

      Und nun bitte Butter bei die Fische: Wie sieht denn Ihr Erkenntnis-prozess aus?
      Oder gibt es den gar nicht? Und streben Sie den womöglich auch gar nicht an?
      Oder muss ich erst Ihr Buch lesen, um Ihren Ansatz zu verstehen?

      Dann wäre ich in der Tat von der falschen Grundannahme ausge-gangen, dass dies ein öffentlicher Blog ist, an dem auch Nichteinge-weihte teilnehmen und mitdiskutieren dürfen.

      Ich wünsche Ihnen einen schönen Sonntag und grüße herzlich

      Annette S. aus K.

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    3. Liebe Annette S., nur weil Leute auf die Straße gehen, haben sie doch nicht automatisch Recht oder geben auch nur Sinnvolles von sich. Ich kann Ihren Gedanken heute auch sonst nur schwer folgen und deshalb auch schwer darauf eingehen. Sie wissen doch beispielsweise auch, dass sich viele Dinge/Thesen gar nicht beweisen lassen, weil "Beweise" immer von der Auswahl der vorgebrachten Argumente abhängen. Ich bekenne mich ganz im Sinne meines Verständnisses von kybernetischem Denken bekanntlich auch zu intuitiven Schlüssen, die erst recht nicht beweisbar sind. Das erfordert dann aber eine wohlmeinende Lesart, die die enthaltenen Informationen auch zur Kenntnis nimmt und nicht bewusst ausblendet. Meine Glaubwürdigkeit muss der Leser dann aus der Gesamtheit meines Auftretens im Abgleich mit seiner eigenen Lebenserfahrung und seinen erworbenen Positionen ableiten. Schön, wenn er durch meine Anregungen in diesem Prozess dann sein Weltbild erweitern/korrigieren kann. Ihre rhetorischen Fragen enthalten sich jedenfalls jeder Art von Argumentation oder wenigstens Positionierung, außer dass sie unterschwellige Botschaften versenden, die gar nicht beantwortet werden sollen. Das haben wir hier schon konstruktiver hinbekommen. Und die Fragen sind auch schlicht unbeantwortbar, teilweise, weil sie destruktiv sind ("nicht existenter Erkenntnisprozess"), teilweise weil sie die Möglichkeiten eines Blogs übersteigen. In der Tat kann ein Buch da sehr viel mehr leisten, was im übrigen rein gar nichts mit der Öffentlichkeit des hiesigen Diskussionsprozesses zu tun hat. Ich bitte das Gesagte nicht als Retourkutsche zu verstehen, sondern als Bitte um die Rückkehr zu einem ergebnisorientierten Diskurs. Beste Grüße KK

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  3. Lieber Herr Kustos,

    natürlich lassen sich Dinge nicht immer beweisen – wie gesagt, den Begriff „These“ haben Sie eingebracht, ich zitiere: „Eigentlich werden beleidigende Kommentare hier nicht veröffentlicht, aber dieser Text belegt in seiner extremen Ausuferung so drastisch die aufgestellten Thesen, dass wir mal eine Ausnahme machen mussten.“
    Sie nehmen hier also eine Beleidigung, um die angeblich von Ihnen aufgestellten Thesen zu belegen, die aber gar keine sind. Eine These ist nun mal definiert. Punkt.

    Selbst intuitive Schlüsse haben eine Entwicklung, die ich hier allerdings nicht sehe. Ich interpretiere also, dass Sie unter intuitivem Schluss Ihre persönlich gefärbte Meinung verstehen, die Sie den Leserinnen und Lesern in Ihrem Blog kundtun.

    Und diese Meinung, die für mich kreuz und quer und wieder zurück läuft, verstehe ich nicht. Und kann sie teilweise auch nicht akzeptieren – daher meine aus Ihrer Sicht destruktiven Fragen, die keineswegs rhetorisch gemeint waren.
    Ganz im Gegenteil: Ich möchte wissen, was genau Sie mir sagen möchten und wie Sie zu Ihren Äußerungen kommen.

    Es kann doch nicht sein, dass ausgerechnet Sie, lieber Konrad Kustos, dasselbe tun, was Sie den Medien vorwerfen, nämlich angebliche Sachverhalte aus dem Zusammenhang zu reißen, mit persönlichen Aussagen zu vermischen und dann auch noch ein Fazit zu ziehen, das auf keinerlei Argumentation fußt.

    Ich zitiere: „Die Montagsdemos sind eine vergebene Chance. Schlimmer noch, ein Hinweis darauf, dass sich der Widerstand gegen den Niedergang noch schwerer wird organisieren lassen, als es bisher schon zu befürchten war.“
    Wie kommen Sie darauf? Ich finde nichts, woraus ich diese Aussage ableiten könnte.

    Weiter: „Der gemeinsame Nenner der neuen Bewegung lautet: Komplexe Zusammenhänge werden auf eine dunkle Macht eingedampft oder besser virtuell zurechtgeschrumpelt, um dem diffus erahnten Bösen ein Gesicht geben zu können.“
    Das ist schon starker Tobak – und aus meiner Sicht von Ihnen an keiner Stelle bewiesen, sondern diesen Menschen mal eben so unterstellt und meines Erachtens daher mehr als polemisch und eigentlich schon diffamierend.

    Zum guten Schluss legen Sie mir dann diese Worte in den Mund.
    Ich zitiere: „Natürlich ist nichts dagegen zu sagen, negative Kräfte zu benennen, aber es bedarf der Begründung, der Wahrnehmung gegenläufiger Argumente und dann der Einordnung in ein komplexes Kräftegefüge. Stattdessen werden wahre ebenso wie erfundene Fakten völlig einseitig manisch aufeinandergehäuft, wechselseitig hochschaukelnd zitiert und dieser ganze Vorgang mit einem Erkenntnisprozess verwechselt. Der Widerstand deformiert so von einer zielgerichteten Aktion zu einem Akt der Selbstbefriedigung.“

    Wer das fordert, muss doch zumindest die eigenen Forderungen erfüllen, will ich meinen.

    Ich freue mich auf Texte, die diesbezüglich die Mindestanforderungen erfüllen, und grüße sehr herzlich für heute

    Annette S. aus K.

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  4. Die Vertreibung aus dem Paradies

    "Die Entwicklung vom Herdenmenschen, vom Teilmenschen zum selbständigen Vollmenschen, zum Individuum und Akraten, also zum Menschen, der jede Beherrschung durch andere ablehnt, setzt mit den ersten Anfängen der Arbeitsteilung ein. Sie wäre längst vollendete Tatsache, wenn diese Entwicklung nicht durch Mängel in unserem Bodenrecht und Geldwesen unterbrochen worden wäre – Mängel, die den Kapitalismus schufen, der zu seiner eigenen Verteidigung wieder den Staat ausbaute, wie er heute ist und ein Zwitterding darstellt zwischen Kommunismus und Freiwirtschaft. In diesem Entwicklungsstadium können wir nicht stecken bleiben; die Widersprüche, die den Zwitter zeugten, würden mit der Zeit auch unseren Untergang herbeiführen, wie sie bereits den Untergang der Staaten des Altertums herbeigeführt haben."

    (Vorwort zur 4. Auflage der NWO, 1920)

    "Und Gott der HERR sprach: Siehe, der Mensch ist geworden wie unsereiner und weiß, was gut und böse ist."

    (Lutherbibel 1984 / Genesis_3,22)

    Seit er "aus dem Paradies vertrieben" wurde, d. h. aufgrund der Religion (Rückbindung auf den künstlichen Archetyp Jahwe = Investor) die Unterscheidungsfähigkeit zwischen Marktwirtschaft (Paradies) und Privatkapitalismus (Erbsünde) verloren hat, will also der Mensch den "großen Investor" spielen.

    Darum wurde die Natürliche Wirtschaftsordnung, in der allgemeiner Wohlstand auf höchstem technologischem Niveau, eine saubere Umwelt und der Weltfrieden selbstverständlich werden, bis heute nicht verwirklicht. Alle, die sich für "sozial" halten, sind Staatskapitalisten und alle, die sich "liberal" glauben, sind Privatkapitalisten. Darin erschöpft sich das ganze Denken (falls man es so nennen darf) der politischen Seifenoper des 21. Jahrhunderts.

    In einer "repräsentativen Demokratie" einer noch immer religiös verblendeten Gesellschaft hat die "hohe Politik" keinen eigenen Willen, sondern reagiert gänzlich unbewusst lediglich auf Symptome. Während in der (halbwegs) freien Wirtschaft Beschäftigte sich durchaus schon vor dem Jüngsten Tag aus der religiösen Verblendung befreien können, sind Politiker dazu nicht fähig, weil die "Mutter aller Zivilisationsprobleme" ihre Existenzgrundlage bildet. Politiker wären nicht in der "Position", in der sie sich befinden, könnten sie auch nur ansatzweise in die richtige Richtung denken!

    Noch dümmer als die Politiker sind nur noch die Priester, die schon lange nicht mehr wissen, was sie tun, nämlich nichts anderes als das Ausblenden der Erbsünde aus dem Begriffsvermögen des arbeitenden Volkes. Für die Zinsgeldbenutzung ist ein ausreichendes Maß an kollektivem Wahnsinn erforderlich, welches nach dem Untergang der Antike von der "heiligen katholischen Kirche" (stellvertretend für alles, was sich heute "christlich" nennt) zur Verfügung gestellt wurde:

    Eigennutz und Gemeinnutz

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