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Samstag, 15. November 2014

Von Einem zuviel

Wenn sich Absurditäten ballen, muss einem Text zur an sich völlig banalen Einemstraße sogar noch ein weiterer zur Seite gestellt werden. Am Ende des vergangenen Jahres hatte Gastkommentator Bernhard Kempen gnadenlos den politisch-korrekten Willkürakt bloßgestellt, der seine Wohnstraße mit einem neuen Namen bedachte. Aus der handlichen Einemstraße wurde nämlich damals das Vier-Wörter-Ungetüm „Karl-Heinrich-Ulrichs-Straße“, das nur dank konsequenter Schmalschreibung überhaupt auf die Straßenschilder passt. Politisch war der Wechsel vom preußischen Militaristen zum Vorkämpfer der Schwulenbewegung durchaus nachvollziehbar, doch Kempen fand selbst als Angehöriger der in dieser Gegend ansässigen Berliner Schwulenszene sowohl den Aufwand als auch das Ergebnis lächerlich. Lächerlich gewiss, aber selbst das blieb nur die halbe Lachnummer: Weil sich die Bezirkspolitikfürsten in ihren eigenen Regeln zur Neuerfindung der Welt verhedderten, gibt es jetzt tatsächlich beide Straßennamen gleichzeitig.


Die keineswegs ansehnliche Einemstraße/Karl-Heinrich-Ulrichs-Straße ist so kurz wie der Streit um sie lang. Früher war sie noch ein bisschen länger, aber damals, also von 1870 bis 1934, aber da hieß sie auch noch Maaßenstraße. Damit die Nazis Herrn von Einem würdigen konnten, entstanden kurzerhand zwei Halbstraßen. Nun aber machten Berliner Schildbürger aus dem restlichen e(E)inem dieser Reststummel erneut zwei, und das kam so:

Während am 17. Dezember unter dem lauten Jubel von 70 anwesenden Funktionären und Aktivisten die Umbenennung von 300 Metern wie geplant gefeiert wurde, blieb es jenseits der Kreuzung der Kurfürstenstraße auf weiteren 200 Metern totenstill. Dort endet nämlich Schöneberg und beginnt der Bezirk Mitte. Der hatte sich zwar mit dem Nachbarbezirk abgesprochen, doch ebenso vor geraumer Zeit im Bemühen um ultimate Gerechtigkeit die Straßenfrauenquote (bitte keinen Strich vor dem „q“) eingeführt. Deshalb könne man, auch wenn Karl-Heinrich-Ulrichs als Schwuler vielleicht nicht so eindeutig zu positionieren ist, die Straßen nicht nach einem Mann benennen, argumentierten 14 aufrechte Bürger und zogen umbenennungsaufschiebend vor das Verwaltungsgericht. Dessen Urteil ist nun nicht nur offen, sondern kann sich auch noch lange hinziehen.

Muss nun Schöneberg zur Wiederherstellung der Einheit die schöne Karl-Heinrich-Ulrichs- Straße gar rückumbenennen? Und will man in Mitte tatsächlich die dafür erforderlichen nächsten Jahrtausende darauf pochen, selbst einen möglicherweise dereinst einmal existierenden außerordentlich verdienten Mann von jedweder Straßenehrung auszuschließen? Vielleicht wäre es aber auch eine Lösung, alle Berliner Straßen in 200-Meter-Abschnitte einzuteilen, um ausreichend Möglichkeiten zu finden, die Quotengerechtigkeit wiederherzustellen.

Eine Gleichbehandlung ganz anderer Art forderte allerdings eine Versicherung, die ihre Adresse an der Einemstraße hat, in einem Schreiben an das Bezirksamt Mitte. Wenn von Einem aus dem Berliner Straßenverzeichnis gestrichen wird, so schrieb man sarkastisch, aber durchaus nachvollziehbar, dann müsste das auch mit Otto von Bismarck, Friedrich von Motz oder Friedrich Wilhelm geschehen, die stadtweit als Namensgeber dienten. Als Kinder ihrer Zeit seien sie alle Monarchisten gewesen und damit automatisch antidemokratisch und homophob. An eine Umbenennung der nach ihnen benannten Straßen denke aber bisher niemand.

Bis zur Klärung dieser schwerwiegenden Fragen muss die freudlose Gasse nun weiter als Mahnmal des Militarismus den Schwulenkiez mit der CDU-Parteizentrale vom anderen Ufer (des Landwehrkanals) verbinden. Das alles hätte man sich sparen können, wäre man dem Vorschlag von Herrn Kempen gefolgt, die Einemstraße nach der Schriftstellerin Charlotte von Einem umzubenennen. Vielleicht hätte sich sogar ein(e) HistorikerIn gefunden, die/der nachgewiesen hätte, dass die Dame dem eigenen Geschlecht zugeneigt gewesen sein könnte. Dann wäre man auch um eine weitere Schwulität des Umbenennungsaktes herumgekommen, denn der designierte Neu-Namensgeber Karl-Heinrich-Ulrichs soll sich, so ein weiterer im Bezirk Mitte aktenkundiger Einwand in seiner 1914 erschienenen Novelle "Manor" allzu sehr der Pädophilie zugeneigt gezeigt haben.

Kommentare:

  1. Herrlich. Keine Satire ist so absurd wie die Realität.

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  2. Wie ich schon früher schrieb, will ich an das alte Lied aus den 30ern vorigen Jahrhunerts erinnern, welches heute immer noch mehr Gültigkeit hat, und das geht so: "DU BIST VERRÚCKT, MEIN KIND, DU MUSST NACH BERLIN. DA WO DIE VERRÚCKTEN SIND, DA GEHÓRST DU HIN". Dem ist auch heute nichts hinzuzufügen. Ob dort ein bestimmter Genpool ist? Offensichtlich schon!

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  3. Karl von Einem ist nicht nur ein typischer Vertreter des deutschen Militarismus und preussischen Monarchismus, sondern hat sich speziell durch seine aggressiven Äußerungen zu Homosexualität, insbesondere bei Offizieren, hervorgetan. Da bietet es sich durchaus an, ihn durch Karl Heinrich Ulrichs zu ersetzen.

    Interessant ist, dass KK nicht vorschlägt, Karl von Einem durch den Komponisten Gottfried von Einem zu ersetzen, und zwar auf ganzer Länge der Straße. Seine Musik ist zwar nahezu vergessen, hat aber durchaus Qualität. Und dazu kommt, dass Gottfried von Einem 2002 posthum von Yad Vashem als "Gerechter unter den Völkern" geehrt wurde, weil er einen jüdischen Freund während der Nazizeit unterstützte und vor der Deportation rettete.

    Überhaupt wäre solch ein Ansatz für Berlin angebracht. Bei Moltke zum Beispiel durch Helmuth James Graf von Moltke, den Widerstandskämpfer gegen Hitler, oder bei der nach Friedrich Drake, einem mäßig bedeutenden Bildhauer (na gut, Siegessäule) benannten Drakestraße durch Sir Francis Drake, der 1588 Großbritannien vor der Invasion durch die Spanier rettete.

    Um wieder etwas ernsthafter zu werden - die Straßennamen-Konflikte sind eine schöne Meßlatte der Konflikte zwischen konservativ und liberal, und der sich verschiebenden Machtverhältnisse in der Gesellschaft. Die Rechten beklagen sich dabei immer lauthals, dabei haben sie ja mit diesen politischen Umbenennungen angefangen. Nicht nur die damals nach einem Herrn H. umbenannten Straßen sind dafür Beleg, auch der Stein des Anstoßes, die von-Einem-Straße.

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  4. Tja, warum hat KK nicht den Vorschlag gemacht, den alten Namen mit neuem Inhalt zu füllen? Vielleicht, weil es in dem Text gar nicht darum ging, sondern um die Dreiteilung einer ohnehin kurzen Straße? Oder weil die alberne (nun mal "linke") politische Demonstration der Bezirksgranden so anstrengend kindisch ist? Oder doch, weil genau dies im Ursprungstext von Bernhard Kempen explizit schon angeregt worden war? ("Man hätte sich ja vielleicht darauf einigen können, dass mit der Einemstraße von nun an die Schriftstellerin Charlotte von Einem geehrt wird? Das hätte allen Betroffenen viel Ärger erspart, und damit wäre dann auch der Frauenquote Genüge getan …")? Im übrigen müsstest Du mal Deine Rechts-Links-Kriterien näher erläutern: Links sind die eher harmlosen alternativen Fuzzis und rechts die knallharten Faschisten, oder wie war das gemeint?

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  5. Ich kann lesen, danke. Habe mich nur gewundert, warum der für mich offensichtlichste Kandidat von keiner der so gut recherchierenden Seiten erwähnt wurde.

    Meine Rechts-Links-Kriterien? Ich weiss zwar nicht, was die hier zur Sache tun, aber alternative Fuzzis und linke Bezirksgranden halte ich für nicht wirklich gefährlich. Im Gegensatz dazu sind Rechtskonservative vom Schlage eines Karl von Einem und seinen Erben für einiges verantwortlich zu machen. Zur Einordnung brauche ich keine Kriterien, das machen die Leute schon ganz gut selbst. Man braucht nur einen echten Rechtskonservativen zu fragen, ob er dem 3. Reich die Schuld am 2. Weltkrieg gibt, und schon erlebt man eine interessante weitschweifige Solidarisierung mit den braunen Herren.

    Dass sich in den verschiedenen politischen Kreismodellen links und rechts wieder treffen, in Bereichen hoher Unfreiheit, ist auch allgemein bekannt, ebenso die Verbrechen der verschiedenen linksradikalen Diktaturen. Aber bei den links-alternativen Gutmenschen erlebt man es jedenfalls nicht, dass sie sich hinter die Aktionen Stalins oder Maos stellen. Höchstens bei Teilen der "Linken" in der Form, dass sie eine gewisse Mauer-Nostalgie pflegen.

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