Kustos kommentiert nicht mehr -
Der Blog schweigt wegen "antifaschistischer" Angriffe.

Dienstag, 23. Juni 2015

kurz-geklagt: Protest-Post

Die Verharmlosungspolitik der Post ist schon dreist. Da gibt es zum Poststreik im Internet eine Informationsseite, bei der wir nach Eingabe unserer Postleitzahl erfahren, dass es zu geringfügigen Ausfällen bei der Belieferung kommen kann. Aber man sei eifrig bemüht, in den folgenden Tagen solche Ausfälle zu korrigieren. Bei Konrad Kustos ist aber seit drei Wochen keine Postsendung eingetroffen, jedenfalls keine von der Deutschen Post. Deshalb ist es an der Zeit, hier einen Protest-Post zu verfassen. Noch dreister allerdings ist die Art und Weise, wie die Medien mit dem Thema umgehen: nämlich so gut wie gar nicht. Da wird aus jedem Edathy und jedem Wulff gleich eine wochenlange Kampagne gemacht, und diese Katastrophe für die Volkswirtschaft und auch viele betroffene Individuen ist höchstens die eine oder andere kleine Meldung oder eine Statementwiedergabe wert.

Was an so einem Poststreik für einzelne alles dranhängt, vermittelt ein ganz beliebig ausgewählter Thread bei Facebook, der in Rekordzeit größere Dimensionen annahm. Einige Auszüge: „Bei uns in Mittelfranken bleibt der Briefkasten seit zwei Wochen leer. Mein Sohn, der zur Zeit im Ausland ist, hat mir seine Studienbewerbung geschickt, damit ich sie mit den nötigen Kopien an die Uni weiterleite - sie kommt nicht an, und wie weiterleiten, wenn nichts befördert wird? Und eine Freundin, die Anfang Juli operiert werden soll, wartet auf die Unterlagen vom Krankenhaus.“ Oder: „Es gibt offensichtlich immer noch sehr viele Menschen, die ihr Geld per Verrechnungsscheck bekommen. Das sind eh schon die ohne Bankkonto, und bei denen geht es ganz schnell an die Substanz. Und das finde ich bedenklich.“ Oder: „Wenn ich etwa auf einen neuen Vertrag warten muss, der halt nur mit Originalunterschrift gilt, und sich wegen des Streiks dann eben die Vertragsunterzeichnung und damit die Vorschussüberweisung verschiebt, könnte es schon auch mal recht eng werden.“

Und auch kleinere Probleme werden in ihrer Masse zu einem großen: „Blöd ist, dass darunter auch Zeitschriften sind. Die sind, bis ich sie erhalte, ja veraltet.“ Manche nehmen es mit Galgenhumor: „Bei uns sind es auch schon mehr als zwei Wochen ohne Post. Super, dass meine EC-Karte und PIN dann vermutlich zusammen kommen. Irgendwann einmal.“ Oder: „Ich warte weiter, allerdings sind schon zwei Knöllchen angekommen.“ Oder: „Wenigstens Werbung bekomme ich noch.“

In der virtuellen Welt der Post ist dennoch alles im Prinzip in Ordnung; 80% der Sendungen werden angeblich ausgeliefert. In den Äußerungen aus dem zitierten Thread ist es eher genau umgekehrt. Die Eröffnerin des Threads kommentiert die Öffentlichkeitsarbeit der Post so: „Zu den 80% gehört unser Dorf definitiv nicht.“ Für die Medien, unsere vierte Gewalt, ist das kein Grund, nachzuhaken. Weder gibt es in relevanter Anzahl kritische Fragen an den Postvorstand oder die Politik noch die sonst so beliebten Betroffenheitsgeschichten. Für letztere muss weiter der ausgefallene Sommer herhalten.

Währenddessen fällt für 80 Millionen Deutsche weiter die Post aus. Trotzdem gibt es, zumindest bei Facebook, keinen Groll auf die Streikenden, sondern eher Sympathiebekundungen. „… angesichts der Tatsache, dass die Post Milliardengewinne erwirtschaftet, mit denen Aktionäre und Vorstände gepampert werden, und im Gegenzug bei den Zustellern das Gehalt gekürzt werden soll - denn darum geht der Streik - kann ich verstehen, dass die Zusteller auf die Straße gehen.“

Die Post-Potentaten scheinen die Sache aber dennoch auf dem Rücken der Betroffenen meditativ aussitzen zu wollen. Eine Schlichtung ist nicht in Sicht. Warum sollte man sich auch den Forderungen der Postzusteller beugen, wo es doch so viel gemeines Fußvolk gibt, das sich über einen Job freuen würde. Druck auf die Arbeitssituation und die soziale Lage der Beschäftigten ist doch geradezu das Gebot der Stunde für ein mühsam und mit ganz konkreten Absichten privatisiertes Unternehmen wie die Post.

Lesen wir dazu noch einmal in den Facebook-Thread: „Ich war schon vor der Privatisierung des Fernsehens sehr skeptisch und wurde noch viel skeptischer bei der ‚Privatisierung’ von Bahn und Post. Seither hatten wir ja Zeit genug zu lernen, was man so allgemein unter ‚Privatisierung’ versteht. Nämlich, dass zwar die Gewinne privatisiert werden, die Verluste aber nach wie vor die Solidargemeinschaft zu tragen hat. Komischerweise aber glauben manche Leute noch immer an den Weihnachtsmann und würden die restlichen Beamten gerne auch noch abschaffen. Einfach nur, weil sie denen das angebliche Faulenzertum nicht gönnen.“

Auch für Konrad Kustos ist die Post - so wie die Strom- oder Wasserversorgung - eine hoheitliche Aufgabe. Hier Kosten senken zu wollen und dafür Leistung und Sozialstandards zu kappen ist eine Strategie des Niedergangs. Nur dank des leider sehr geschrumpften Bestands an Beamten dürfte jetzt noch die 20-prozentige Restleistung aufrechterhalten werden können. Vielleicht werden in Zukunft weniger Witze über faule Beamte gerissen - das wäre schon mal ein gutes Ergebnis des Streiks.

1 Kommentar:

  1. Da bin ich dabei - wem gehoert denn die Deutsche Post (der Deutschen Bank) und DHL?
    Den Anteils-Eignern, oder Aktien-Besitzern, somit vornehmlich den Wohlhabenden.

    Und wem gehoeren die Medien-Unternehmen - einigen sehr wenigen sehr sehr Wohlhabenden.

    Was wurde/wird als Milchkuh, aeh Wachstumsbranche, der kommenden Jahre/Jahrzehnte ausgelobt - die Logisitk - schon so schnell zum Thema zurueck...

    Wer wird denn dann wohl mit Sicherheit seine Knete in Logistik investiert haben, wenn's vorher mit den Medien schon so schoen mit Quasi-Fast-Monopol geklappt hat - rischtisch die selbe Bande...

    Wem nuetzt's - die moeglichst niedrig bleibenden Loehne den Aktionaeren.
    Die halten's auch mal ohne Post weiterhin sorgenfrei aus; ist ja nicht so dass deren Arbeitsvieh, Nachwuchs oder vielleicht gar sie selbst auch mal Zug fahren muessten und sich da einen ausgeschlafenen gut gelaunten Chauffeur aeh Lokfuehrer oder zumindest eine zeitnahe Beendigung der Unruhe/des Streiks wuenschen wuerden.
    Noe, die meisten Tageszeitungen werden Postfrei lokal verteilt, die wenigen ueberregionalen zu den Kiosken anscheinend weiterhin befoerdert - und so ein richtiger Abbonent kauft se sich halt am Kiosk nochmal - soll ich jetzt schon winwin schreiben?

    Im Gegensatz zu den paar Zugfuehren macht bei der Armada der Brief- & Paket-Zusteller so ein Vertrag mit 50 Cent oder 1 Euro mehr oder weniger in der Stunde mal eine komplett andere Summe bzw. Zahl aus.
    Wie wunderschoen muss es sich anfuehlen wenn alle "Niedrig-Lohn-ZAHLER" keine Angst mehr haben muessen dass ihre Knechte jederzeit bei einem fair agierenden Riesen-Unternehmen anheuern koennten, weil die Bedingungen dort inziwschen noch mieser sind . . . ?!

    Jetzt darf ich WinWinWin schreiben - weil der Verhandlungs-Ausgang wird meiner Ansicht nach einen derartig grossen Einfluss auf das Gesamt-Stundenlohn-Niveau haben, dass ich garnicht mutmassen mag, ob's jetzt ein Ergebniss der Mindestlohn-Nummer oder nur einen weiteren Keulenschlag auf's Arbeiter-Lager darstellt.

    Soweit scheint "das Volk" die Lage und die Naehe der Einschlaege bei diesem Streik schon zu ahnen. Natuerlich meckert und jammert jeder - wer bestellt schon aktuell besonders viel online. Aber wen jucken Privat-Sendungen, wen jucken kleine Online-Shops oder mittelstaendische Unternhehmer, wen juckt ein unabdinglicher volkswirtschaftlicher Schaden - Niemand,
    zumindest niemand aus der "Old Big Money"-Fraktion.

    Und die duerfte sich wohl weiterhin sorgen, dass irgendwann mal alle aufstehen, und deshalb verkneifen se sich diesmal wohl auch eine allzu parteigreifende Medien-Propaganda, bei der vorher nie so ganz genau klar ist, ob sich's Volk nicht doch mit den Postlern solidarisiert und ebenfalls mal einfach alles stehen und fallen laesst?
    Mal ehrlich - es ist schon lange ueberfaellig!
    (und dann jucken uns nicht zugestellte Briefe halt mal auch nicht mehr X )

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