Kustos kommentiert nicht mehr -
Der Blog schweigt wegen "antifaschistischer" Angriffe.

Samstag, 18. Juli 2015

Neues Bottlewear

"Flaschenzug" Foto: dpa
Büchsen in der Öffentlichkeit können ganz schön gefährlich sein. Das musste die junge Frau erfahren, die sich vor kurzem in einem Tanzlokal Pfefferspray anstatt Deo unter den Arm sprühte und damit nicht nur die von der Gesellschaft normalerweise klaglos in Kauf genommenen durch Deos ausgelösten Atemwegsreizungen verursachte, sondern bei mehreren Personen den Einsatz des Rettungsdienstes erforderlich machte. Allerdings gibt es ja auch kaum noch Büchsen, dafür aber umso mehr Flaschen. Doch auch Flaschen können sich zum Ärgernis entwickeln, etwa in der Politik, in der Lieblingsfußballmannschaft oder am Arbeitsplatz. Bei solchen Flaschen hilft auch das Recyceln nicht, und der Kampf dagegen ist wie einer gegen Windmühlenflügel. Dass aber ein Kampf gegen Flaschen auch einen Angriff auf die Freiheitlichkeit unseres Zusammenlebens bedeuten kann, bewies am 20. Dezember 2011 eine kleine Glosse von Konrad Kustos:


Nachts sind Berlins öffentliche Verkehrsmittel voll von jungen Menschen aus allen vorstellbaren Ländern. Sie unterscheiden sich in Sprache, Outfit und vermutlich auch den Zielen, die sie ansteuern. Eigentlich gibt es bei Ihnen nur zwei Gemeinsamkeiten: Wenn sie alleine oder zu zweit reisen, schauen sie die ganze Zeit wie verzaubert auf kleine Geräte, die ihnen die Wirklichkeit ersetzen. In größeren Gruppen halten sie stattdessen Bierflaschen in den Händen und kommunizieren leise und entspannt. Das Interessante daran ist: Diese Bierflaschen sind fast immer voll, die jungen Leute hingegen nie.

Anscheinend sind die Bierflaschen nicht zum Trinken da, sondern ein Teil der Etikette. Man trägt sie wie Handschuhe oder kleine Geräte, die die Wirklichkeit ersetzen. Unter dem Strich wird in den Berliner Bussen und Bahnen sowas wie eine große stille Party gefeiert, wo alle gut drauf sind, aber keiner nervt. Eines der wenigen schönen Gegenmodelle zum Niedergang also.

Nun gibt es ja anscheinend auch einige wenige Leute, die sich irgendwo zulaufen lassen und dann die Verkehrsmittel aufsuchen, um dort einen Unschuldigen krankenhausreif zu schlagen. Deshalb sollen nun - und nicht nur in Berlin - alkoholische Getränke im öffentlichen Nahverkehr verboten werden. Und genau da sind wir wieder beim Niedergang angekommen: Unfähig, die komplexe Wirklichkeit verstehen zu wollen, wird Nichtkausales verbunden und werden falsche Entscheidungen getroffen. Die gestörten Gewalttäter werden sich dadurch nicht aufhalten lassen, und die friedliche Gegenkultur des „Bottlewear“ wird zerschlagen. Man möchte zu heulen anfangen - oder zu trinken….

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