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Samstag, 9. April 2016

Neue Ortungspolitik

"Auf der Suche nach neuen Inhalten"
Bildquelle: pixabay.com
Politische Koordinaten verschieben sich
Früher war vielleicht nicht alles besser, aber einfacher. Linke waren links und Rechte rechts, man wusste, wo man stand, und wo der Gegner, den es zu bekämpfen galt. Die Einwanderungspolitik einer Blockparteienregierung zeigt nun endgültig, dass ein schleichender Paradigmenwechsel die alten Kriterien der politischen Einordnung außer Kraft gesetzt hat. Leider hat ein Großteil der politischen Akteure dies noch nicht begriffen und lebt daher im ständigen Widerstreit der eigenen ideologischen Grundprogrammierung mit den neu herangewachsenen Erfordernissen des Überlebens in den Apparaten der Niedergangsgesellschaft. Auch in etlichen Texten von Konrad Kustos ging es mit den politischen Himmelsrichtungen bisweilen durcheinander, weil angesichts mangelnder Begrifflichkeiten nicht immer der ganze Erklärungsapparat für die neuen politischen Himmelsrichtungen mitgeliefert werden konnte. Deshalb werden die nächsten beiden Posts sich der aufregenden Aufgabe zuwenden zu beschreiben, was aus dem alten politischen Ver-Ortungssystem neues, wie sollte es anders sein: Ungutes, geworden ist.


Der Problematik hatte sich schon 1966 Ernst Jandl genähert, als er schrieb: „manche meinen lechts und rinks kann man nicht velwechsern. werch ein illtum!“ Wir wissen nicht, was der Poet genau meinte, nur, dass er damals recht hatte und heute erst recht recht hat. Aber recht haben hat mit rechts sein nicht zwangsläufig zu tun. Die Volksweisheit „Rechts ist da, wo der Daumen links ist“ hilft uns ebenfalls nicht weiter, auch wenn wir davon ausgehen können, dass diese Aussage auch im verirrten oder irren neuen Deutschland noch immer zutrifft.

Man würde es sich auch zu einfach machen, die Sitzordnung im Parlament zu bemühen. Diese Einordnung scheiterte schon daran, dass manche rechten oder linken oder sonst welche Parteien und Individuen zurecht oder zu Unrecht gar nicht im Parlament sitzen oder sitzen können werden. Versuchen wir also, die konventionellen Einordnungsmöglichkeiten von rechts und links zusammenzufassen und diese dann mit der heutigen Realität zu vergleichen.

Das linke Weltbild alter Prägung ist nach eigener Wahrnehmung antikapitalistisch, agiert im Interesse der Werktätigen oder anderweitig Benachteiligten, folgt mehr oder weniger der Leitidee des Sozialismus, hält sich für den Sachwalter des Fortschritts, ist internationalistisch oder auch antinational orientiert. Zugrunde liegt in jedem Fall der Interessengegensatz von Kapital und den davon Abhängigen. Als selbstbescheinigter Erfolgsbeweis der Aufklärung glaubt der Linke an das Gute im Menschen („Urgesellschaft“), das durch ein böses oder dysfunktionales System unterdrückt wird und nur freigesetzt werden muss. Nennt man das Idealismus oder Positivismus ist das nicht einmal despektierlich, denn diese Begriffe sind in unserer Kultur tatsächlich positiv besetzt. Der klassische Linke (solange er nicht an der Macht ist) betrachtet sich als eine Vorhut des Volkes.

Das überkommene rechte Weltbild orientiert sich dagegen am Vorhandenen und versucht dieses zu übersteigern und zu verabsolutieren. Es ist demzufolge national orientiert, eher konservativ oder sogar traditionalistisch und sieht internationale Zusammenarbeit eher oder nur als Mittel zum Zweck, der eigenen Lebensgemeinschaft Vorteile zu verschaffen. Fortschritt wird eher skeptisch betrachtet. Zwar bedarf es auch der Unterstützung durch die Massen, doch spielen diese in der rechten Lehre keine große Rolle. Dies liegt natürlich an der Orientierung an einer „richtigen“, den rechten Weg weisenden Obrigkeit. Deshalb wird hier auch ein zur Finalisierung jeder Ideologie zu errichtendes totalitäres Regime offener vertreten. Der klassische Rechte sieht sich als Sachwalter des Volkes.

Rechte und linke Überzeugungen sind, wenn sie sich in der Nähe der weltanschaulichen Mitte aufhalten, kaum auffällig und dienen letztlich dem konstruktiven Austausch von Ideen in einer offenen Gesellschaft. Problematisch wird es, wenn die zugrundeliegenden Ideen zu Ideologien werden und in den Vordergrund treten, wenn sie Alleinvertretungsansprüche reklamieren. Jenseits der Mitte, also von Freiheit und Vernunft, nimmt früher wie heute auf beiden Seiten der Hang zum Totalitären gesetzmäßig zu. Immer geht es darum, andere zum vermeintlich Guten zu zwingen. Die Absichten sind dabei so gut, wie der Horizont beschränkt und das Tun verwerflich ist.

Der Radikale muss naiv sein, um in der vereinfachten Weltsicht eine Lösung der komplexen Probleme des menschlichen Zusammenlebens zu sehen. Es wird dabei spätestens dann gefährlich, wenn diese Naivität sich organisiert und an die Macht kommt. Die fehlende korrigierende Skepsis hinsichtlich der eigenen Ansichten (die ja jeden Machtapparat schnell befällt, aber hier eben schon in der ideologischen DNA verankert ist) verhindert Toleranz, Akzeptanz, sogar schon die Fähigkeit des Zuhörens gegenüber Andersdenkenden.

Bei solchen grundsätzlichen Ähnlichkeiten liegt der Unterschied im klassischen Rechts-Links-Schema im Detail. Ist bei den rechten Wahrheiten die nationale Orientierung im kleinen Maßstab durchaus im Interesse evolutionärer Gesetzmäßigkeiten, tendiert es in größeren Maßstäben dahin, ideologische Wert- und Weltmodelle zu konstruieren, die naturgegebene qualitative Unterschiede zwischen Völkern und Nationen, Lebensweisen und Kulturen unreflektiert voraussetzen. Äußerlichkeiten werden überbetont, intellektuelle Leistungen und Leistungsfähigkeit mit Skepsis betrachtet. Die Stärke wird im Kollektiv gesehen. Am Ende einer solchen Gedankenkette steht die Missachtung von und schließlich die offene Gewalt an Andersdenkenden, deren Unterdrückung und schlimmstenfalls der Krieg.

Auch bei den linken Wahrheiten steht das Kollektiv im Mittelpunkt. Hier ist die ungebremste Fortschrittlichkeitsvermutung der Motor, gegen Gegner rigoros vorzugehen - und je mehr das eigene Modell scheitert, desto rigoroser werden die Maßnahmen. Schließlich, da die Grundidee ja als richtig gesehen wird, hat man nur noch nicht genug dafür getan, sie umzusetzen. Wir merken uns das für später, weil es eine der Altlasten ist, die die neue Linke übernommen hat.

Durch die scheinbare Verfügungsgewalt über kosmische Wahrheiten sorgen Linke wie Rechte in der Nähe oder im Besitz der Macht für rigide Gesetzgebung sowie die Kontrolle über die Justiz und die Medien. Andersdenkende werden durch den Aufbau von Feindbildern, schamfreie Lügenpropaganda und schließlich Verfolgung ausgegrenzt.

Während für den Rechtsradikalen der Feind jenseits der Grenzen lauert, ist es bei den Linksradikalen die herrschende Klasse innerhalb des eigenen Volkes. Was nicht ganz stimmt, weil der klassische Rechte natürlich auch noch gegen die Liberalen und Intellektuellen im eigenen Lande vorgeht und der klassische Linke gegen das internationale Kapital. Es ist eben kompliziert.

Und mit dem hier besprochenen Paradigmenwechsel wird es noch komplizierter. Das zeigt sich, wenn eine konservative Hardcore-Linke wie Sahra Wagenknecht plötzlich in der Flüchtlingsfrage scheinbar rechte Themen besetzt. „Wer sein Gastrecht missbraucht, der hat sein Gastrecht eben auch verwirkt“, sagte sie nach den Vorfällen von Köln und wurde prompt von der eigenen Partei (und natürlich dem hämisch lachenden Rest des Establishments) angezählt. Nicht einmal die Faschismuskeule („… wie in den 30er-Jahren…“) blieb ihr erspart. Wagenknecht votiert im übrigen auch gegen den Euro und sagt über den Vater des Wirtschaftswunders „Ludwig Erhards Anspruch, Wohlstand für alle zu schaffen, das ist für mich linke Politik“, auch wenn der CDU-Kanzler nun wahrlich kein Linker gewesen sei.

Wagenknecht formuliert alte linke Positionen und steht damit in ihrer Partei plötzlich weitgehend allein. Was ist da passiert, warum ist das passiert, und was bedeutet das für uns? Es hat zu tun mit Machtpolitik, Dekadenz und dem allgemeinen Niedergang, doch dazu ist so viel zu sagen, dass ich meine Leser schweren Herzens aus Platzgründen mit einem FORTSETZUNG FOLGT auf den nächsten Sonnabend vertagen muss. Bitte schon mal die heute besprochenen Fakten dafür im Hinterkopf bereitlegen.

Kommentare:

  1. Wir sehen bei diesem Rechts-Links Denken wieder einmal wunderbar das Teile und Herrsche Prinzip. Und es funktioniert hervorragend, da man der anderen Seite ja noch nicht mal zuhören will. Und so lacht der Dritte im Hintergrund sich schlapp.
    Bei den ganzen Widersprüchen in ihrer Ideologie und bei den ganzen Ähnlichkeiten ist nur noch das eine wirklich gesichert (wobei links und rechts sich da auch wieder einige sind), die vermeintlich andere Seite hat definitiv unrecht und liegt völlig falsch. Und so werden alte linke "Weisheiten", welche zuerst in einer Diskussion von der rechten Seite angeführt werden, bis auf's Blut bekämpft, weil die andere Seite ja generell unrecht hat. Natürlich hat jede Seite den richtigen und einzig wahren Humanismus für sich gepachtet.
    Der Niedergang wäre sofort gestoppt, wenn man sich auf die Gemeinsamkeiten konzentrieren und an einem Strang ziehen würde. Es scheint irgendwie in der Natur der Menschen zu liegen, einen Gegner zu haben und ihn bekämpfen zu müssen. Wenn schon ein Gegner oder einen Feind, dann doch bitte die eigene Dummheit. Bevor man andere belehren kann, sollte man bitte schön vor der einen Tür kehren. Und somit sind wir beim Ursprung, warum man den Feind da draussen sucht und nicht seine eigenen Fehler versucht zu korrigieren. Wer beschäftigt sich schon gerne mit seinen eigenen Unzulänglichkeiten, wenn es doch so viel einfach ist, anderen die Schuld für ALLES zu geben.
    Und so schließt sich der Kreis. Die Bequemlichkeit der Menschen machen sich andere Menschen zu nutze und Teilen und Herrschen.

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  2. Ich weiß nicht ... der Problemkreis scheint mir nicht so seht links oder rechts zu liegen sondern in der Eigenart der Menschen die sich dann hier oder dort verorten. Wenn ich mir mal wieder einzelne Typen von Roth bis Schwarz ansehe - was unterscheidet die eigentlich in ihrem Wesen? Nicht mal sonderlich die Methode an die Macht zu kommen. Und so ist es dann wohl auch nicht die Politik, sondern die, die dem Geschehen auf die Beine helfen.
    Deren Kreise aber sind nicht Medienwirksam - von Possenreißern mal abgesehen.
    Heinss

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  3. Die meisten Menschen bedienen sich, bewußt oder unbewußt, derselben uralten und erfolgreichen Strategie: Sie bauen sich um ihre Fähigkeiten herum ein Weltbild auf, das ihnen die Anwendung ihrer spezifischen Talente erlaubt und die Waffen der Konkurrenten verbietet. Der Jurist packt Streitigkeiten justizförmig an, der Lehrer pädagogisch, der Kaufmann ökonomisch, und der Pfarrer empfiehlt gehöriges Beten. Sie alle suchen sich mit einem Wall von Tugenden und Normen zu umgeben, die, konsequent angewandt, alleinigen Gebrauch ihrer spezifischen Talente erlauben und die Anwendung aller anderen Waffen verbieten. Die Grundidee jeder Konfliktstrategie besteht immer darin, die eigenen Waffen zur Anwendung und die gegnerischen in Verruf zu bringen. Diesen Verruf leistet die Moral.

    Um Wertschätzungen herum baut der Mensch eine spezifische Tugend- und Untugendlehre, eine Religion oder Philosophie, die aber bei allem angewandten Scharfsinn immer nur auf das eine hinausläuft: Rechtfertigung der eigenen angewandten Stärken und Tabuisierung der gegnerischen. Die eigenen Fähigkeiten schätzt nämlich jeder hoch ein und fürchtet die seiner Feinde. So sind Ideen und Ideologien stets Symbole und Waffen im zwischenmenschlichen Ringen um Einfluß, Anerkennung und Wohlstand. Sie dürfen nicht zum Nominalwert ihres Selbstverständnisses genommen werden. Dagegen hält die idealistische Geisteshaltung ihre jeweiligen Ideen für wirklich seiende Gebilde, die an sich selbst zu messen sind und aus sich selbst eigenberechtigte Wirksamkeit entfalten. Es sind aber immer Menschen, die Gedanken denken und zu ihrem Nutzen Ideen erzeugen. Ohne die soziologische Frage, wem eine Philosophie, Religion oder Ideologie im realen Konkurrenzkampf wirklicher Menschen gegen wen nützt, kann sie nicht verstanden werden.
    (Klaus Kunze, Mut zur Freiheit - Ruf zur Ordnung)

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