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Samstag, 25. Juni 2016

Kustos kopiert: NoPegidas Weltsicht

Die deutsche Bevölkerung teilt sich mittlerweile ziemlich säuberlich in zwei Gruppen. Eine mit dem Primat der Humanität und die andere mit dem Primat der Vernunft, man könnte auch sagen, sie teile sich in die Orientierung auf Wollen und Können. Trotz des weiter bestehenden hilflosen Versuchs, die Gegensätze in der Gesellschaft weiter mit Begriffen wie links und rechts einzuordnen, ist dies längst der Hauptwiderspruch, der sich nicht nur in der Flüchtlingsfrage, sondern auch im Gegensatzpaar Globalisierung/Protektionismus zeigt oder darin, als Handlungsmaxime zu wählen zwischen dem Bekämpfen von Phantomproblemen (Klimawandel etc.) und einem sachorientierten Business as usual. Auffällig ist, dass die „Humanisten“ sowohl auf der institutionellen als auch auf der individuellen Ebene mit hoher Aggressivität, Selbstgerechtigkeit und Beugung der Wahrheit gegen die Realisten vorgehen. Die Studie „NoPegida“ einer Forschergruppe um den Göttinger Demokratieforscher  Franz Walter, die kürzlich im Cicero unter dem Motto „Hier wir Guten, dort die Nazisvorgestellt wurde, thematisiert das sowohl gewollt als auch ungewollt am Beispiel der Aktivisten gegen die islamkritischen Widerstandsbewegung. 
„Für die Pegida-Gegner ist die Frage der Einordnung von Pegida zentral. Handelt es sich vielleicht doch um ‚besorgte Bürger‘ oder hat man es mit ‚Neonazis‘ zu tun? Die Beurteilung der NoPegida-Aktivisten läuft über einen Framing-Prozess, in dem Pegida in den eigenen subjektiven Deutungsrahmen eingebettet wird. ... Die Wahrnehmung ‚der Anderen‘ lässt jedoch auch Rückschlüsse auf die Sprechenden zu, denn ‚wer über die anderen spricht, spricht vor allem über sich selbst‘. Dementsprechend führt dieser Prozess je nach Perspektive der Nopegidas zu unterschiedlichen, mehr oder weniger eindeutigen Resultaten.

Zwei dominante Deutungsmuster liegen der Sichtweise auf die Pegidas zugrunde, die zugleich stadtspezifisch sind und bei denen Dresden stets die Ausnahme bildet. Vor allem Pegida, partiell auch Legida, wird zuerkannt, dass diese Bewegungen ‚besorgte Bürger‘ aufnehmen würden, die berechtigt ‚einen gewissen Unmut zeigen wollen‘. Bald sei dann aber eine gewisse Dynamik entstanden, die diese Leute abgeschreckt habe.

Das bedeutet für die NoPegida-Anhänger, dass im Verlauf zunehmend Hooligans und Menschen aus dem rechtsextremen Spektrum bei den Pegida-Ablegern mitliefen, was aber weniger als Radikalisierung der Bewegung, sondern vielmehr als ein Zusammenschrumpfen auf den harten Kern gedeutet wird. Insgesamt ist die dominante Erzählung der Gegendemonstranten eindeutig die der Pegidas als Nazis. Je nach Sprecher werden in dieser Bewertung allerdings noch Abstufungen vorgenommen.

Die Pegida-Gegner mit einem geschlossenen linken Weltbild scheuen oft nicht davor zurück, in den Pegidas ‚die tiefsten Nazis‘, ‚die Bösen‘ zu sehen – diese Einsicht erleichtert ihnen die Deutung und den Umgang mit dem Phänomen und ist auch Motor für die empfundene Verpflichtung zum Engagement, möglicherweise auch Quell eines moralischen Überlegenheitsgefühls. Auch wird das Vokabular ‚Rechter‘, ‚Nazi‘, ‚Neonazi‘, ‚Pegida‘, ‚Faschist‘ und ‚Rassist‘ oft synonym verwendet.

Dabei wird auf die aktenkundigen Teilnehmer der Demos mit rechtsradikalem Hintergrund und auf HoGeSa verwiesen als Beleg dafür, dass die Pegidas nichts anderes als eine Naziveranstaltung seien.“ Hier offenbart sich erneut ein Problem des allgemeinen Diskurses: die dyslogistische Verwechslung von Teilmengen und Hauptmengen. Wenn alle Dackel Hunde sind, müssen auch alle Hunde Dackel seien. Was in dem Beispiel so offensichtlich scheint, wird häufig auch für demagogische Zwecke verwendet, weil viele Menschen intellektuell nicht in der Lage sind, Dyslogismen oder Haupt- und Nebenwidersprüche zu erkennen. Mehr zu diesem fatalen Phänomen in ‚Chaos mit System.  

„Eine beliebte Deutung der Befragten über Pegida ist der ‚getarnte Nazi‘, der sich unter dem Deckmantel des besorgten Bürgers verstecke, den man aber durchschaut habe. Nazikadern wird unterstellt, dass sie über die Pegidas versuchten, mittels rassistischer Einstellungen oder Politikunzufriedenheit jenseits ihres Stammklientels zu mobilisieren – das wird aus NoPegida-Perspektive als ‚schlaue und folgerichtige‘ Strategie gedeutet, sich bürgerlicher ‚zu inszenieren‘.

Daher sei es die Pflicht der Pegida-Gegner, die Pegidas als Naziorganisationen zu enttarnen, ihr Gewaltpotenzial zu verdeutlichen. Daneben wird betont, dass es sich in erster Linie um Zugereiste handele. Gerade die Hooligans würden aus der dörflichen Umgebung anreisen, die NPD-Kader aus dem gesamten Bundesland. Das sei aber kein Grund, die Pegidas zu marginalisieren. Sie deswegen nicht ernst zu nehmen, sei das völlig falsche Signal.

Wie sich Rechte von Nazis abgrenzen lassen, nach welchen Kriterien sie als solche identifiziert werden, bleibt schwammig und wenig trennscharf. Es ist auffällig, dass die NoPegida-Demonstranten die Unterschiedlichkeit zwischen links und rechts vor allem über Werte erklären. Ein rechtes Menschenbild sei ‚menschenverachtend und ausgrenzend‘, reduziere Menschen auf bestimmte Ethnien und schließe damit Menschengruppen, die ‚nicht in die Norm passen‘, aus. Rechte empfänden die eigene Nation als etwas Schützenswertes; ebenso wird die Angst etwas an andere abzugeben genannt, die auch als Charakteristikum von Pegida empfunden wird. …

Genauso groß sind jedoch auch die Bemühungen, eine differenzierte Sichtweise je nach Stadt und handelnden Personen zu präsentieren. In erster Linie ist einigen Protestorganisatoren die Beschreibung von Pegida als Nazis zu kurz gegriffen. Man erfasse so nicht das tiefer liegende Problem, vermeide die diskursive Auseinandersetzung und lasse vor allem in Sachsen die Spezifik des Landes außer Acht.

Zusammenfassend fällt auf, dass für die NoPegida-Anhänger die Erzählung ihres eigenen Kollektivs maßgeblich in Kontrast zu der Fremdkonzeption, welche möglicherweise auch eine gewisse Verharmlosung beinhaltet, funktioniert, insofern, als dass Nazis in ihrer Wahrnehmung außerhalb der demokratischen Grundordnung stehen und daher nicht in die Demokratie integriert werden müssen. Es würde ein genauerer Blick lohnen, was die unterschiedlichen Framings und Labelings für die jeweils Sprechenden leisten, ob sie als Verharmlosungsstrategie fungieren oder auch als festes Umreißen einer Gruppe, die eigentlich nicht dazu gehört.

So könnte sich hinter dem Hinweis, derart in den Karlsruher und Frankfurter Gruppengesprächen vorgetragen, die meisten Pegidabewegungsdemonstranten seien Zugereiste aus dem ländlichen Raum, auch ein Entschuldungsmechanismus verbergen, dass dieser Demonstrant eben keiner der aufgeklärten, modernen Stadtbürger ist, zu denen man sich selber zählt. Jedenfalls werfen die unterschiedlichen Zuschreibungen die Frage auf, inwiefern die Pegidas zur Demokratie gehören, deuten aber auch die Frage an, wie weit die Gültigkeit der Werte der NoPegida-Aktivisten wie Meinungsfreiheit und Gleichheit eigentlich reicht.“

Soweit die Studie, deren Problem es ist, dass die Forscher sich selber nicht ausreichend aus dem Kontext ihrer Untersuchungssubjekte lösen können. Sie verbleiben mainstreamgemäß im Rechtslinksschema und in der negativen Einordnung eines doch in der Hauptsache demokratischen Widerstands. Ihre Analysen der Denkweisen der Gegner der Pegidas sind allerdings durchaus erhellend: Aus dem Blickwinkel angeblich demokratischer Omnipotenz maßt sich demzufolge eine gesellschaftliche Gruppe an, über die andere zu urteilen und ihr sinistre Motive zu unterstellen.

Es fällt auf, dass es dort keiner Argumente mehr bedarf und auch keiner verlässlichen Fakten. „Entsetzen“ und „Erschütterung“ müssen als Begründungszusammenhang ausreichen. Das Ausleben solcher Emotionen gilt ihnen als ultimates Argument, ist es doch schließlich ihr tief empfundenes Gefühl. Sie sind psychisch destabilisiert und brauchen das feste Weltbild der Gewohnheiten und der Verkürzungen - und sie brauchen Feindbilder. Verantwortlich für ihre Schwäche ist der in diesem Blog schon oft beschriebene allgemeine Niedergang und die damit verbundene Entwicklung zur Dekadenz. Dieser fatale Trend ergibt sich unter anderem aus der Übersättigung, der Informationskatastrophe, dem Individualismus und dem Verlust von Erfahrungswissen.

Für die Andersdenkenden, denen aus einer solchen Mentalität heraus die demokratische Satisfaktionsfähigkeit abgesprochen wird, stellt sich deren Beschränktheit der Wahrnehmung allerdings als destruktive Arroganz dar. Das schafft Aggressionen, die wiederum der eigenen Wahrnehmungsfähigkeit abträglich sind. Vielleicht beruhigt es dann, die Scharfmacher bisweilen als Opfer zu betrachten. Man hat diesen verunsicherten Menschen solange von der rechten Gefahr erzählt, dass sie eine solche jetzt hinter jedem Busch wittern. Natürlich ist dann böse und deshalb auch automatisch rechts, was nicht der eigenen Weltwahrnehmung entspricht. Zusammen mit diffuser Emotionalität und dem Bedürfnis, sich als bessere Menschen wahrnehmen zu können, entsteht eine explosive Mischung. Die Betonung bei einer solchen Relativierung der politischen Brandstifter liegt allerdings auf „bisweilen“, denn auf Dauer hilft es nicht, sie als arme Irre schuldfrei zu stellen, schließlich richten sie erheblichen Schaden an der demokratischen Kultur an. 

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