Kustos kommentiert nicht mehr -
Der Blog schweigt wegen "antifaschistischer" Angriffe.

Donnerstag, 20. Oktober 2016

Kustos kopiert: Antifa mal wunderbar


In Zeiten der täglichen Rückschläge für Freiheit und Demokratie und des gegenläufigen Erstarkens von Realitätsflucht und Pseudohumanismus erscheint jede gegenläufige Nachricht wie ein Zusammenfallen von Weihnachten und Lottogewinn. Doch was die Antifa-Sektion von „Conne-Island, eines selbstorganisierten Jugendtreffs in Leipzig, kürzlich ins Netz stellte, ist mehr als das: Es ist die Wiedergeburt der Wirklichkeit im Herzen der Finsternis. Während das deutsche Milieu der Selbstdarstellungswohltäter sehnsüchtig auf neue Flüchtlinge wartet, die mit Teddybären beworfen werden können, haben die Genossen aus der Antifahochburg Leipzig-Connewitz am eigenen Leibe die Problematik eines ungesteuerten Kulturtransfers erfahren, schließlich gegengesteuert und die für sie sicherlich besonders schmerzlichen Erkenntnisse zur Diskussion gestellt. Wenn man weiß, wie lapidar in diesen Kreisen normalerweise ideologische Virtualität an die Stelle der Realität gesetzt wird und wie dort Abweichlern der moralisch-ideologische Prozess gemacht wird, ist hier höchster Respekt zu zollen.

Natürlich kann dies alles auch so verstanden werden, dass die Probleme eben nun so groß geworden sind, dass sie auch von den Zauberlehrlingen, die sie erst riefen, nicht mehr ignoriert werden können. Doch dies griffe zu kurz, wie man allein aus der zornigen Diktion der Connewitzer Stellungnahme erkennt. Hier haben, so erkennt der Leser, die bisher rundum von sozialer Verantwortung freigestellten Migranten überrissen und sich echte Feinde gemacht, die nun zum Widerstand gegen physische, emotionale und materielle Bereicherung bereit scheinen. Wir werden beobachten, wie und ob sich die Sache weiterentwickelt. Und nun der Originaltext, lesefreundlich geringfügig gekürzt, ohne dabei den Charakter der Schrift zu verändern:

„Während im Sommer 2015 am Münchner Hauptbahnhof Bürger_innen Kuchen und Kuscheltiere an ankommende Geflüchtete verteilten, besann sich der sächsische Mob der neunziger Jahre und machte verbale und körperliche Übergriffe auf Migrant_innen und deren Unterkünfte wieder zur Normalität. Als Konsequenz dieser Entwicklungen beschloss das Conne Island-Plenum, sich der ‚Welle der Willkommenskultur‘ anzuschließen und den Laden aktiv für Geflüchtete zu öffnen, … Das fühlte sich gut an – schließlich wollten wir nicht hinter der sich vor Hilfsbereitschaft überschlagenden Zivilgesellschaft zurückstehen. … Daher blendeten wir übergangsweise aus, dass insbesondere der quasi kostenlose Eintritt zu allen Veranstaltungen auch diverse Fallstricke barg.

Gemeinsam zu feiern und im Zuge dessen wie von selbst eine Integration junger Geflüchteter im Conne Island zu erreichen, stellte sich als recht naiver Plan heraus. …  Da diese Einsicht reichlich spät kam, hatten wir seither einige Auseinandersetzungen und brenzlige Situationen auszustehen.

Gruppen umherziehender Männer gehören wohl zu den meistgehassten und unter Umständen -gefürchteten Menschengruppen vieler Frauen, Lesben, Schwulen und Transgender auf der ganzen Welt. Egal ob die Betreffenden Syrer, Connewitzer, Ghanaer, Eilenburger, Leutzscher oder Russen sind (Diese Schrumpfung  des Konfliktpotenzials auf ein Problem mit Männern an sich ist ein halbherziger Versuch, Distanz zu bürgerlichen Kritikern von Migrantenverhalten zu schaffen, wie sich im weiteren Text schnell herausstellen wird. KK) … Es kommt zu sexistischen Kommentaren – egal ob abfällig oder vermeintlich bewundernd – und nicht selten auch zu Handgreiflichkeiten gegenüber Frauen, die ihren Weg kreuzen. Gesellen sich zu Selbstüberschätzung und mangelhaftem Sozialverhalten dann noch Alkohol und/oder andere Drogen, laute Musik und die unübersichtliche Situation im Club, wird für Frauen der ausgelassene Tanzabend schnell zum Spießrutenlauf. Wer bereits die Erfahrung einer ungewollten Berührung im Schritt oder eines umzingelnden, penetranten Antanzversuchs gemacht hat, überlegt sich plötzlich zweimal, ob ein Samstagabend mit Netflix nicht sinnvoller ist, als sich mit aufdringlichen Blicken, Sprüchen und Gegrapsche auseinanderzusetzen. …

Die stark autoritär und patriarchal geprägte Sozialisation in einigen Herkunftsländern Geflüchteter und die Freizügigkeit der westlichen (Feier-)Kultur bilden auch bei uns mitunter eine explosive Mischung. Sexistische Anmachen und körperliche Übergriffe sind in diesem Zusammenhang im Conne Island und in anderen Clubs vermehrt aufgetreten – auch mit der Konsequenz, dass weibliche Gäste auf Besuche verzichten, um Übergriffen und Auseinandersetzungen aus dem Weg zu gehen. Hierbei müssen wir uns ganz klar die Frage stellen, ob wir uns als Plenum ausreichend solidarisch mit den Betroffenen gezeigt … haben.

Aufgefallen ist außerdem der Missbrauch des „Refugees-Fuffzigers“ (ermäßigter Eintritt, KK) durch junge Männer mit Migrationshintergrund, die in größeren Gruppen insbesondere Tanzveranstaltungen am Wochenende besuchen und den geringen Eintritt gern bezahlen um dort für Stress zu sorgen. Eine Statuskontrolle der Personen am Einlass ist jedoch in den seltensten Fällen möglich und von unserer Seite auch nicht gewünscht.

Unsicherheit des Secu-Personals im Umgang mit Migranten aufgrund von Sprachbarrieren und Angst vor einem ungerechtfertigten Rassismusvorwurf erschwerten einige Male die Lösung von Konflikten bei Veranstaltungen. Dabei erlebten wir teilweise eine neue Qualität der Vorfälle - meist unabhängig von der Besucher_innenzahl und der Art der Veranstaltung. Entgegen unseres üblichen Vorgehens musste beispielsweise in mehr als einem Fall die Polizei eingeschaltet werden, da das Maß an körperlicher Gewalt gegenüber den Secu-Personen nicht mehr zu handhaben war. … Dabei war vonseiten des Plenums immer klar, dass keine doppelten Standards angelegt werden können. Sexistisches, homophobes, rassistisches oder antisemitisches Verhalten wird nicht akzeptiert und kann auch nicht durch Herkunft oder Sozialisation gerechtfertigt werden.

Immer wieder machen Betreiber_innen des Conne Islands und anderer Projekte aber auch die Erfahrung, dass unbeteiligtes Publikum zum Problem werden kann. In vorauseilendem Antirassismus wird Einlasspersonal zurechtgewiesen, wenn Personen mit Migrationshintergrund des Platzes verwiesen werden oder es werden kulturalistische Erklärungsmuster zur Verharmlosung sexistischer Übergriffe angebracht („Woher soll er wissen, dass man hier mit Frauen so nicht umgeht?“).

Uns zur Problemlage so explizit zu äußern, fällt uns schwer, da wir nicht in die rassistische Kerbe von AfD und CDU/CSU schlagen wollen. Die Situation ist jedoch derart angespannt und belastend für viele Betroffene und auch für die Betreiber_innen des Conne Islands, dass ein verbales Umschiffen des Sachverhalts nicht mehr zweckdienlich scheint. Wir halten eine Thematisierung der Problematik innerhalb der Linken für längst überfällig und wollen dem Rechtspopulismus nicht die Deutungshoheit in dieser Debatte überlassen. Mehrere Anläufe einer öffentlichen Auseinandersetzung zur Situation in Kooperation mit anderen Clubs wie dem Institut für Zukunft schlugen fehl, da es den meisten Veranstalter_innen ähnlich schwer fällt sich zu artikulieren, ohne dabei in den rassistischen Tenor einzustimmen. …

Fakt ist und bleibt, dass sexistische Übergriffe, mackerhaftes Auftreten, antisemitisches, rassistisches und anderweitig diskriminierendes Verhalten im Conne Island nicht geduldet werden und jede Person, die sich nicht an unsere Regeln hält, des Eiskellers verwiesen wird – ungeachtet seiner/ihrer Herkunft. Dieser Ort mit seinen Grundsätzen, wie wir ihn uns in den letzten 25 Jahren erkämpft haben, muss bestehen bleiben – trotz und gerade wegen der turbulenten gesellschaftlichen Situation, in der wir uns momentan befinden.“

Was für ein Großreinemachen im Kopf! Man erkennt das unkontrollierte eingewanderte Gewaltpotenzial, räumt kulturelle Unterschiede ein (bisher eindeutig ein Rassismus-Kriterium,) lässt sogar die Polizei (sonst: Schweinebullen) zur Hilfe rufen, kritisiert den Gebrauch der „Rassismus-Keule“ und anerkennt, „dass mit dem Tragen eines ‚Refugees-Welcome‘-Beutels eben nicht automatisch alle Probleme und Konflikte gelöst sind“. Man kritisiert damit (durchaus wertkonservativ), wenn auch ein bisschen verklausuliert, auch andere linke Gruppen, das Gebot der Stunde nicht verstanden zu haben, nämlich erreichte Standards nicht aufs Spiel zu setzen. Und man erklärt, sich nun in die Debatte einschalten zu wollen, was nur gehe, wenn man auch Probleme benenne. Kein Wunder, dass andere linksradikale Gruppen da schon aufgeheult haben.

Das Entscheidende ist aber nicht, dass nun sogar von der Antifa aus welchem Grund auch immer bisher integrationsunwillige oder –unfähige Migranten zur Ordnung gerufen werden, sondern dass in diesem Statement die Rückgewinnung von und die Bereitschaft zur Realitätserkenntnis steckt. Es könnte sich sogar ein Weg aus der fatalen Spaltung der Gesellschaft in rechts und links weisen. Es hieße dann vielleicht „Realisten gegen Illusionisten“ oder ganz simpel „Beherrschte gegen Beherrscher“.

Das Bekenntnis zur Realität wird so ausgerechnet von ganz Linksaußen wieder in den zuletzt fast ausschließlich ins Virtuelle abgeglittenen politischen Diskurs des linken Mainstreams eingeführt. Dies mag vielleicht für die Antifa als Ganzes (noch) kein Modellfall sein, er ist es aber für den Menschen an sich, der anscheinend auch im Niedergang und der damit einhergehenden Leugnung der Realität weiter in der Lage sein kann, sich einer schmerzhaften oder unerwünschten Tatsache zu stellen. Die Botschaft ist also, dass Ideologie endlich ist und die Realität letztlich unbesiegbar. Wer hätte je geglaubt, dass ich das noch einmal sagen würde: „Danke Antifa.“

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen