Kustos kommentiert nicht mehr -
Der Blog schweigt wegen "antifaschistischer" Angriffe.

Samstag, 31. Dezember 2016

Parkrat und Parkratten

"Killerclowns"
Am diffusen Denken scheitert die Welt
Die dunkelste Woche des Jahres ist ein guter Moment, über die Sommerzeit zu reden. Im gräulichen Jahr 2016, wo weitere elementare Dinge unseres Zusammenlebens den Bach runtergingen, meldeten sich besonders viele Eiferer, die gegen die Sommerzeit wetterten. Sie sei umständlich und schaffe einen „Mini-Jetlag“ mit katastrophalen Auswirkungen für viele Menschen. Der Fall ist symptomatisch für den Umgang des modernen Menschen mit komplexen Zusammenhängen: Viele, vielleicht die meisten, denken linear und glauben mit einem einzigen Argument komplexe Zusammenhänge erfassen zu können. Besonders in der Politik führt das zu „lustigen“ Ideen.

Bleiben wir noch kurz bei der Sommerzeit, um das Phänomen am Beispiel klarer zu machen. Man könne doch die Sommerzeit einfach auf das ganze Jahr ausweiten, wenn die Leute im Sommer gerne die hellen Abende genießen wollen, schlagen die Sommerzeithasser gerne vor.  Schlimm genug, dass man sich wegen so einer Lappalie aufregt und die Vorteile der Zeitumstellung für die Lebensqualität ignoriert, aber selbst der Vorschlag zu Abhilfe ist nicht zu Ende gedacht.

Kybernetisch denkend, also mit möglichst vielen verfügbaren Argumenten und Fakten vernetzend, würde nämlich schnell klar, dass eine zwölfmonatige Sommerzeit innerhalb kürzester Zeit die Regularien des Lebens von Tagesschau über Kita- und Öffnungszeiten bis zum Arbeitsbeginn tageslichtabhängig entsprechend wieder auf die alten Zeitabläufe verschieben würde. Die Winter wären ja sonst morgens zu lange dunkel. Was hätte dann der Arbeiter noch von einer Sommerzeit im Sommer, wenn er künftig nicht um fünf Uhr, sondern schon um vier aufstehen müsste?

Vergleichbarer Kurzschlüsse bediente sich kürzlich die Fachtagung der Deutschen Aids-Stiftung, die eine Veranstaltung der „Sexualgesundheit Geflüchteter“ gewidmet hatte. Das Motto der Veranstaltung lautete „Aufklärung führt zu erfolgreicher Integration“. Wenn der gute alte Oswalt Kolle noch mitbekommen hätte, dass das so einfach ist. Abgesehen von der der Diktion in bester SED-Tradition („ Siegreich zum …“) und der sinnlosen Wortkosmetik, die aus Migranten nun nicht mehr „Flüchtlinge“, sondern „Geflüchtete“ macht, erschüttert allein die Dämlichkeit, mit der die versammelten Doktoren sich des Themas widmen sollten. Nicht etwa, dass Aufklärung bei der Integration helfe oder Teil eines großen Arsenals von Notwendigkeiten sei, wird zur Parole gemacht, sondern die Unterstellung, mit Sexualerziehung könnte die gesamte Integration gewuppt werden.

Natürlich werden die Teilnehmer durchaus geahnt haben, dass für eine Integration bloße Sexualaufklärung überfordert wäre, doch schafft eine solche Wortwahl vereinfachende Denkmuster, die beispielsweise durch Fachliteratur und Tageszeitung weitergereicht werden. Und das Ergebnis der Tagung stand mit der Parole ja auch schon vor Beginn fest. Natürlich hülfe die andere, die eigentliche Aufklärung tatsächlich ein ganzes Stück weiter, aber mit der Kultur des europäischen geistigen Aufbruchs möchten Gutmenschen vom Islam gebeutelte eingewanderte oder mehr oder weniger Geflüchtete ja möglichst nicht irritieren.

Nicht die hellsten Lichter sitzen auch in der neuen Berliner Koalition, die in den Koalitionsverhandlungen tatsächlich die Idee diskutierten, mit einer durchgehenden LED-Beleuchtung der Berliner Bürgersteige, die Sicherheit zu erhöhen. Es entzieht sich meiner Kenntnis, ob eine solche Maßnahme mit der Energiewende zu vereinbaren wäre, und ebenso, ob diese Peinlichkeit tatsächlich beschlossen wurde, doch die Illusion, mit immer mehr Licht und anderen verwirrenden Signalen auf der Straße für mehr Sicherheit im Gesamtzusammenhang sorgen zu können, ist ein wunderbares Beispiel für unser heutiges Kuriositätenkabinett intellektueller Verirrungen.

Noch einen Schritt weiter ging der Vorsitzende der Hauptstadt-Linken, der versicherte, der neue Senat werde für mehr Freiheit sorgen, indem anstelle von zusätzlicher Videoüberwachung mehr Sicherheitspersonal eingesetzt werden würde. Mehr Freiheit durch mehr Sicherheitspersonal, das müsste er eigentlich exklusiv haben (und einen Aluhut auf dem Kopf), doch anscheinend steht nun tatsächlich eine komplette Landesregierung dahinter.

Der Wahnsinn bleibt aber nicht auf den geistig-politischen Mittelpunkt Deutschlands beschränkt. Anfang des Monats hatten britische Veganer festgestellt, dass die neue Fünf-Pfund-Note tierische Fette in Spuren enthält. Eine Online-Petition mit 85.000 Unterstützern forderte auch im Namen von Vegetariern (?) den sofortigen Verzicht auf das schöne Geld, wohl nach dem MottoDie Wissenschaft hat festgestellt, dass mancher Geldschein Fett enthält.“ Dabei können wir noch froh sein, dass die Wissenschaft nicht präzisiert hat, es könne sich um Schweinefett handeln - die Proteste der islamischen Weltgemeinschaft wären den Briten sicher. Würden die geflüchteten Einwanderer dann überhaupt noch ihre Sozialhilfe entgegennehmen wollen? Und überhaupt: Das liegt bestimmt alles nur am Brexit.

Mit einer vergleichbaren Wirklichkeitsverweigerung durch falsche Gewichtung oder, wie in diesem Fall, Verkehrung der Kausalität musste sich 2015 der Spielzeughersteller Playmobil auseinandersetzen. Er hatte ein Motiv-Set herausgebracht, das auf einem Piratenschiff des 17. Jahrhunderts spielte. Dummerweise, und nicht nur aus heutiger Sicht heftig zu verurteilen, trugen Sklaven damals häufig einen Sklavenkragen. Für eine afroamerikanische Mutter aus Kalifornien war das aber heute „definitiv Rassismus“, wie sie medienwirksam dem Fernsehsender CBS erklären durfte. Nicht genug damit, hängte sich auch die Bürgerrechtsorganisation NAACP an die Geschichte an und forderte Playmobil auf, das Piratenschiff aus dem Sortiment zu nehmen. Wir fassen zusammen: Weil damals Sklaven Sklavenkragen anlegen mussten, ist dessen historisch korrekte Darstellung heute Rassismus.

Eigentlich müssen wir in unseren heutigen Silvester-Überlegungen noch unterscheiden, dass manche Vergewaltigungen der Wirklichkeit im Grunde aus purer Dummheit geschehen und andere aus politischer Berechnung, doch sind die Grenzen dabei natürlich fließend. Ein gutes Beispiel dafür ist das Handeln der dafür demokratisch Berufenen im Berliner Bezirk Kreuzberg und dort im Kriminalitätsschwerpunkt Görlitzer Park. Der Park ist derzeit unter der Kontrolle vor allem schwarzafrikanischer Drogenhändler. Der Bezirk hat nun einen „Organisationspsychologen“ eingestellt, der mit dem Fahrrad durch den Park fährt und den Kriminellen ins Gewissen reden soll. Er wolle „die Menschen einladen, die als Problem gelten, und sie mit ins Boot holen“. Gemeinsam mit einem einzurichtenden „Parkrat“ werde man auch „Würdenträger mit afrikanischem Hintergrund“, sprich die Drogenbosse, bei der Konzeptfindung einbinden. Na bitte, da scheint die Integration ja zu funktionieren.

Da passt es doch prima, dass die grüne Bezirksregierung Haschisch freigeben und gleich noch einen Coffeeshop nach holländischem Vorbild installieren möchte. Früher nannte man das „den Bock zum Gärtner machen“, aber früher war ja angeblich nicht nur alles besser, sondern die Menschen hatten auch noch Respekt vor der Realität. Immerhin rutschte dem grünen Fraktionssprecher die sicher realitätsnahe Aussage heraus, dass „fast alle Drogenhändler einen Flüchtlingshintergrund“ hätten. Gar nicht einverstanden mit der Situation zeigte sich aber sowohl die Polizeigewerkschaft und der Bund der deutschen Kriminalbeamten, die bei der Vorstellung früher Pläne dieses Konzeptes unter anderem auf eine Kollegin verwiesen, der einer der Dealer mehrere Gesichtsfrakturen zugefügt hatte. Man sieht, dass auch ein bloßes Konzept ein Schlag ins Gesicht sein kann.

Um heute nicht zu politisch zu werden, kommen wir schnell noch einmal zurück zu den Vegetariern und Veganern, die kürzlich die Hamburger Verbraucherzentrale mit der Information schockierte, dass ein Großteil untersuchter vegetarischer Produkte schlichtweg ungesund sei. 20 Produkte wurden untersucht, wobei man gegenüber normalen Lebensmitteln nicht nur vergleichbar viele künstliche Aromen und Zusatzstoffe fand, insbesondere bei Käse-, Fleisch- und Wurstnachahmungen, sondern auch zu viel Fett, zu viel Salz oder zu viel gesättigte Fettsäuren. Ein Hersteller warb mit ganzen Wallnüssen auf der Verpackung seines Brotaufstrichs, obwohl nur 2% Walnussöl enthalten waren. Mir ist dabei schon bewusst, dass Vegetarier oft aus weltanschaulichen Gründen auf Fleischprodukte verzichten, das ist hier also nicht das Thema, sondern die allgemein umsichgreifende Illusion, vegetarisch Essen sei gesünder.

Das Stänkern der Verbraucherzentrale wird nicht ausgereicht haben, die vegetarische Wohlfühlblase zu erschüttern. Deshalb steht wohl auch Steffi Graf mit ihrer wunderbar kybernetischen Analyse auf verlorenem Posten, nach der die US-Ernährung in Europa nicht etwa deshalb einen so schlechten Ruf habe, weil sie schlechter sei als unsere, sondern weil die Qualität der Lebensmittel dort als erstes kritisch untersucht worden war. In das europäische Kollektivbewusstsein wurden also nicht die wirklichen Ergebnisse der Studien übernommen, sondern lediglich eine daraus folgende, nachgerade rassistische Verurteilung.

Und wenn wir schon bei den USA sind: In einer Fernsehsendung hieß es dort bartfeindlich, einige Bärte seien schmutzig wie Toiletten. Das war zwar durchaus richtig, aber es unterschlug schlicht die Tatsache, dass die dabei gemessenen Bakterien nicht nur im Bart, sondern immer und überall am Körper zu finden sind. Die menschliche Haut produziert eben Talg, und wo Talg ist, sind Keime. So einfach geht Manipulation. Ich hingegen könnte jetzt noch kybernetisch anmerken, dass eben dieser Talg auch in britischen Fünf-Pfund-Noten zu finden ist, aber ich will den Leser ja nicht zusätzlich verwirren…

Unstrittig bleibt, dass unsinniges Verhalten auch Vorteile mit sich bringen kann - jedenfalls für Einzelne. In einem Fall war sogar Konrad Kustos einmal der strahlende Profiteur, als nämlich an einem Sonnabend im November wegen einiger irgendwo in der Berliner Innenstadt stattfindenden Kleinstdemonstrationen radikaler Splittergruppen das komplette Olympiastadion von hysterischen Verantwortlichen gesperrt wurde. In der kybernetischen Folge zwang man Borussia Mönchengladbach wenige Tage nach einem Europacupspiel ohne ausreichende Erholungszeit schon am Freitag gegen unsere Hertha anzutreten und sich eine 0:3-Klatsche zu holen. Wer sagt‘s denn: Chaostheorie statt Kybernetik.

Keinesfalls erstreckt sich die in diesem Post beschriebene Verwirrung lediglich auf den gesellschaftlich den Ton angebenden Mainstream. Mit gewisser Schadenfreude schaue ich auf die Wahrnehmungskonflikte, die große Teile der Internetopposition nach dem Wahlsieg von Donald Trump befallen hat. Schien Amerika für sie nicht der Hort der Finsternis, von wo aus dubiose Geheimgesellschaften die Welt in den Abgrund zu ziehen trachteten? Mussten nicht die Amerikaner auch und gerade für oppositionelle Denker, jedenfalls für die die Verschwörungstheorien zuneigen, als Paradebeispiel für kulturelle Barbarei und (s.o.) falsche Essgewohnheiten herhalten? Und nun soll ausgerechnet dieser Trump, der typischste aller Amerikaner, den Widerstand gegen Globalisierung und Dekadenz anführen. Da hat man wohl bisher ein bisschen zu linear gedacht.

Noch vor wenigen Jahren gab es in diesem Blog ähnliche Texte über derartige intellektuelle Offenbarungseide, die damals durchaus zum Schmunzeln anregen konnten und sollten. Heute aber packt uns zunehmend das Entsetzen, was sicher auch der rasant wachsenden Zahl solcher Fälle sowie der ohnehin entsetzlichen Weltlage an sich zuzurechnen ist. Es ist wie mit den Clowns, über die man früher noch mehr oder weniger lachen konnte, die heute aber durchaus jederzeit mit der Axt hinter einem stehen können. Was wir also beklagen müssen, ist letztlich die Killerclownisierung unserer Welt.

Kommentare:

  1. Was soll an dem legalen Erwerb von Cannabis so schlimm sein ?

    Ein coffeshop Betreiber fügt keiner Polizistin 👮‍♀️ Frakturen im Gesicht zu
    Solange ihm seine Lizenz lieb ist

    Nur die Arbeitslosen Straßen Dialer zum landschaftsfleger um zu schulen
    Könnte sich als zu schwer erweisen

    Da ist es sicher besser man Kriminalisiert weiter harmlose kiffer
    Als gewaltbereiten Gangstern (im Wortsinn) das Handwerk zu legen

    Ein Par zusätzlichen Polizisten wären wohl auch hilfreich
    Aber dann ferlirt der streetworker seinen Job

    Ich finde der Autor schießt an einigen Stellen über das Ziel hinaus

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  2. Nur Kleingärtner können noch in Zusammenhängen und in sinnvollen Kreisläufen denken, fühlen und glauben…. Wissen, was die Welt braucht..
    Schickt alle Indoktrienierten erstmal 5 Jahre ins kleinste Dorf oder nach Sibirien zur
    menschlichen Rückbesinnung und Entgiftung von Seele und Körper,
    Gruß Ihr Uwe E. Mertens
    https://www.youtube.com/watch?v=LVpSq66_Hk8

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    1. Das ist ein vernünftiger Vorschlag. Allerdings müßten auch die Kleigärtner unbedingt entgiftet werden. Sie sind z.T. große Giftschleudern .

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  3. Im Übrigen bin ich der Meinung , daß Angela Merkel sich als Sexualpartnerin für mindesten 10 "Flüchtlinge" zur Verfügung stellen sollte , wie übrigens alle Willkommensdamen in den Parteien . Sie sollten einen ehrlichen , liebevollen Beitrag zur Sexualgesundheit dieser armen Böcke leisten .

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  4. Vielen Dank, lieber Herr Kustos

    für die/ Ihre kurzweilige, virtuelle und aktuelle, Weiterführung Ihres Buches, hier im Netz. Ihre Sammlung an 'Wahrnehmungskonflikten' ist beeindruckend, es gleicht einer semantischen Klärung mit dem Dampfreiniger (epistemisches Kärchern nach Kustos).

    Ihre vielen, überaus anschaulichen, Zeitdiagnosen passen sehr gut zur Arbeit von Arthur Köstler und seinen Beobachtungen des kollektiven Irrsinns und dessen Formation zeitweisen Gruppenwahns, die das erreichte Intelligenzniveau des einzelnen Gruppenmitglieds, innerhalb gemeinsamer Interaktionen, auf jeweils gemeinsame, 'unterste' Nenner bringen, um zugleich eine emotional maximal gesteigerte Identifikation aller Interaktionisten, mit/ in dieser Gruppe, zu erreichen. Dazu siehe p. 113f (3596242827).

    Unterkomplexe Forendiskurse funktionieren entsprechend, das habe ich jetzt durch Selbstversuch in den letzten 18 Monaten herausgefunden, hatte davor nahezu kommentarabstinent gelebt/ gearbeitet (u.a. an meiner Dis. zu Friedrich Heinrich Jacobi).

    Vermutlich kontrahieren alle Forendiskurse mehr oder weniger regelmäßig auf den gemeinsamen tiefst-komplexen Identifikationsnenner, zumindest tendenziell, um dann zu kollabieren oder sich wieder neu zu formieren. Eine spannende Forschungsaufgabe für Logikhandwerker.

    Sie und Ihr Forum ganz herzlich grüßend

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