Kustos kommentiert nicht mehr -
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Samstag, 21. Januar 2017

Schein gehabt

Kurz geklagt: Alte Menschen im Fokus des Nanny-Staates

Für alle, bei denen das Seniorendasein noch weit entfernt ist, mag es wie eine gute Idee klingen: Nach den Wünschen der Verkehrsversicherer sollen Senioren ab 75 Jahren zum Fahrtest. Noch in diesem Jahr wollen die Versicherungskonzerne „Standards für eine Testfahrt entwickeln“. Wer allerdings Statistiken lesen kann, der weiß, dass Prüfungen oft wahre Leistungsfähigkeiten verfälschen, wer gelernt hat, dass sich Gründe für Fahrunfähigkeit nicht nur bei Älteren finden lassen, und wer alte Menschen vor Demütigungen und weiteren Erschwernissen bewahren will, dem stellen sich dabei die Nackenhaare auf. Für den derart ganzheitlich Denkenden entpuppt sich diese Initiative nicht nur als Versuch, den Gewinn der involvierten Unternehmen zu maximieren, sondern als eine weitere Einübung in den bevormundenden Nanny-Staat, also den gewollten Verlust von Freiheit und Selbstverantwortung.

Zwar wiegelt das Bundesverkehrsministerium noch ab, man setze eher auf freiwillige Kontrolle, doch schon beim Verkehrsgerichtstag in Goslar in der kommenden Woche wird das Thema Zwangsprüfung auf der Tagesordnung stehen. Den Versicherern schwebt vorerst „nur“ eine Kontrollfahrt an der Seite eines geschulten Fahrlehrers vor, wobei man sicher sein kann, dass die Fahrschulen sich über die zusätzliche Einnahme freuen werden. Ein so umfänglicher wie teurer Vorbereitungskurs wird sicher gerne zusätzlich angeboten.

Vorerst soll sich nur eine „Empfehlung“ aus einer solchen Testfahrt ergeben, doch kennt man die Eigendynamik solcher Prozesse, die in diesem Fall stark an die (bisher ebenfalls noch freiwilligen) Fahrtenschreiber in Privatfahrzeugen erinnern. „Langfristig wird eine solche Kontrollfahrt zur Pflicht werden müssen“, setzte der Chef der Unfallforscher des Versicherungsverbandes, Siegfried Brockmann, schon mal eine Duftmarke. Man hat dabei sofort die begeisterten Medien- und Regierungsberichte vor Augen, die eine solche exklusive deutsche Sicherheits-Diktatur als Vorbild für den Rest der Welt feiern würden. Und am Ende stehen dann Fahrverbote ohne jede Prüfung bei stetig niedriger werdenden Grenzwerten.

Die Begründung der Versicherer jedenfalls ist hanebüchen. Man räumt ein, dass Senioren absolut gesehen weniger Unfälle als Fahranfänger verursachen, argumentiert dann aber mit dem Detailkriterium, dass 75% der Unfälle mit Personenschaden, an denen über 74-Jährige beteiligt waren, von diesen verursacht worden waren. Bei Fahranfängern beschränke sich der Anteil der Verursacher auf bloße 70%. Doch wäre es nicht eine viel einfachere und aussagekräftigere Sicht auf die Statistik, wahrzunehmen, dass neun Mio. über 74-Jährige nur für 11,5% der Unfälle verantwortlich sind, aber die restlichen theoretisch fahrfähigen 57 Mio. mehr als 88% der Unfälle zu verantworten haben? Auf jede Million der Oldies kommen also 1,28% der Gesamtunfälle, bei im Vergleich 1,54% des gesetzlich fahrfähigen Restes mithin deutlich weniger.

Solche Zahlen erfassen natürlich alle nicht die Komplexität der Lage, und kein Mensch wird bezweifeln, dass die Fähigkeit zum Führen eines Kraftfahrzeugs mit dem Alter nachlässt. Aber es gibt eben viele individuelle Unwägbarkeiten, die durch eine zurechtgebogene Statistik nicht erfasst werden können und sollten. Es geht eben auch um Demütigung und Ungleichbehandlung, es geht um zusätzliche Erschwernisse im Leben für ohnehin durch ihr Alter schon gebeutelte Menschen, es geht um Willkür in Form der Auslieferung an einen kommerziellen und/oder seelenlosen Apparat.

In einer solchen Testfahrt ginge es dann um mehr als nur wie suggeriert um objektive Fahrsicherheit. Mit im Spiel wären auch Fahrschullehrer, die den sekündlichen Schulterblick, exakt dreimaliges Blinken beim Spurwechsel oder das demonstrative Einstellen eines schon eingestellten Spiegels fordern, obwohl der Kandidat vielleicht dies durch seine Erfahrung, seinen Realitätssinn, defensives Fahren oder andere Blickwinkel ersetzt, wenn er den Hals nicht mehr so weit drehen kann und die Gedanken langsamer fließen.

Auch andere Verkehrsteilnehmer-Kategorien neigen zu problematischen Protagonisten in ihrer jeweiligen Gruppe: unbeherrschte Jugendliche, einen zuhause anderen Fahrstil gewohnte Migranten, testosterongesteuerte Überflieger aus den Chefetagen oder die nicht unerhebliche Zahl überforderter Frauen, die zwar mit vorsichtiger Fahrweise die Statistik ihrer Gruppe schönen, aber den Verkehr immer wieder mal  ins Chaos stürzen.

Die meisten Alten jedenfalls können ihre Fähigkeiten auch ohne Prüfung sehr wohl einschätzen, nutzen deshalb ihr Auto sowieso möglichst selten oder schaffen es ganz ab. Die anderen werden sich auch durch eine „Empfehlung“ nicht abhalten lassen. Das ganze Unternehmen der Versicherer reiht sich deshalb ein in eine Fülle „gutgemeinter“ Maßnahmen der Autoritäten zur Abschaffung des mündigen Bürgers, es ist letztlich nur eine Einübung in den Souveränitätsverzicht. Hinter den scheinbar vernünftigen Maßnahmen gegen eine Minderheit steht das Bemühen um eine Sicherheitsdiktatur, um die Kontrolle von der Wiege bis zur Bahre.

Kommentare:

  1. Die armen Senioren ....
    Man kann über die Notwendigkeit einer "Probefahrt" für Senioren sicher unterschiedlicher Ansicht sein. Aber daß ein Mensch mit 18 Jahren den Führerschein ablegt und ihn sein Leben lang behält ohne jede weitere Überprüfung seiner Fahrfähigkeiten halte ich für falsch. Ein LKW-Führerschein muß alle 5 Jahre verlängert werden, wozu man ein ärztliches und ein augenärztliches Attest benötigt - vollkommen richtig. Beim Autoführerschein wird nur ein Sehtest benötigt und dieser hält dann bis zur Abgabe des Führerscheins - falsch. Das Auge ändert sich mit zunehmendem Alter und deswegen wäre es das mindeste, wenigstens die Sehfähigkeit in regelmäßigen Abständen überprüfen zu lassen.
    Und eine Fahrprobe abzulehnen, weil die Fahrlehrer bzw. die Fahrschulen daran verdienen könnten, ist doch etwas abwegig argumentiert.

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  2. Die Menschen, die beurteilen dürfen welcher älterer Mensch fähig ist zu fahren oder nicht, also die Staatsbediensteten, können diese Beurteilungen jahrein, jahraus ausüben, ohne geprüft zu werden, ob sie dazu überhaupt oder noch in der Lage sind. Die müssen keinen "TÜV" durchlaufen. Oder die Politiker, die dies fordern. Müüssen die einen jährlichen Tüv durchlaufen, ob sie weiter Politiker sein dürfen? Nein? Dann klingt dieses "Zwangssystem" ziemlich einseitig für mich :D

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  3. @dw-seneca

    Das eben ist das Problem in unserer Gesellschaft: daß Leute wie Sie etwas für richtig oder falsch halten und anderen ihre gefühlten Standpunkte als Regel überziehen wollen.
    Sie haben nichts von der Grundstruktur unseres Staates verstanden, auch wenn Sie sich damit in bester Gesellschaft befinden:
    der Mensch ist frei, und nur dort, wo dies seinen Nachbarn ungebührlich belastet darf eine Einschränkung erfolgen. Der Rest ist Handwerkzeug für behördliche Willkür.

    Kustos hat völlig Recht: soweit der altersbedingte Leistungsabfall überhaupt so weit sinkt daß er Fahrtechnisch Relevanz entwickelt wird er durch Erfahrung mit entsprechenden Verhalten in der Regel überkompensiert.

    Ach, übrigens, da hätten Sie dann doch was vergessen:
    da es um Leistungseinschränkung gehen soll müßte dann auch jeder nach einem Krankenhausaufenthalt zum Test, oder der Psyche nach falls er nicht nüchtern zu Fuß angetroffen wird (hat er Probleme? Kann man ihm trauen?) oder besser gleich nach jedem Arztbesuch, es könnte sich ja um eine unerkannte Leistungseinschränkung handeln ...

    Wer Fakten will schaut sich die Statistik mit Grausen an und versieht dann Fahranfänger vielleicht mit Psychologen und Tretautos ...

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  4. In einem hat dw-seneca recht, die unbegrenzte Gültigkeit des "normalen" Führerscheins ist durchaus zu hinterfragen! (Aber das wird ja gerade geändert!) Das Problem sehe ich in der (Beschränkung auf die) Probefahrt!
    Für viel sinnvoller erachte ich eine z.B. alle 5 Jahre nachzuweisende Auffrischung der Kenntnisse der gültigen Verkehrsregeln, und zwar für alle "normalen" PKW-Führerscheininhaber! Mir fällt als normaler Autofahrer, der seinen "Schein" inzwischen auch schon 38 Jahre hat, auf wieviele Autofahrer einige Änderungen der Straßenverkehrsordnung anscheinend nicht mitbekommen, bzw. manches vergessen haben. Z.B. die automatische Aufhebung von Geboten, wenn diese nach Kreuzungen und Einmündungen NICHT wiederholt werden! Früher mussten solche, z.B. außerortliche Geschwindigkeitsbeschränkungen, extra aufgeboben werden. Bei jeder Fahrt merke ich, daß so mancher auf diese Aufhebung wartet und weiter z.B. die vorher gültigen 60/70 fährt und damit den folgenden Verkehr behindert, obwohl man schon mehrere Kreuzungen/Einmündungen überquert hat und das Gebot nicht wiederholt wurde. (Oder sie schlafen einfach!?) Ähnliches bei der Einfahrt in den Kreisel! Als ich den Führerschein machte, galt im Kreisel (wenn nicht anders beschildert) rechts vor links! Damals kein Problem, es gab kaum Kreisverkehre! Heute häufen sich die Kreisel so sehr, daß man manchmal schon "kreiselig" im Kopf wird, und so mancher hat noch immer nicht die (neue) Regelung begriffen!
    Wer hat wirklich die Halte-/Weiterfahrregel bei Bussen kapiert? Damit tue ich mich auch schwer! Und auch ich hatte die Blinkregel bei abknickender Vorfahrt verdrängt! (Bei Folgen der abknickenden vorfahrtsberechtigten Straße: BLINKEN!)
    Wo muß wann die Gasse für Rettungs-/Einsatzfahrzeuge gebildet werden?
    So alle 5 Jahre dieses Wissen wieder durch 1, 2 Stunden Fahrschule auffrischen (müssen), wäre nicht falsch! Dem noch 1 Fahrstunde (als Lehrstunde) hinzufügen, z.B. um so Manchen darauf hinzuweisen, daß z.B. der Beschleunigungsstreifen bei der Auffahrt auf die Autobahn aus gutem Grund BESCHLEUNIGUNGSstreifen heißt, daß die rechte (auch bei 3en) Spur NICHT für LKW reserviert ist, daß das Ende einer Ortschaft (wenn nicht anders beschildert) auch das Ende der innerörtliche Geschw.beschränkung von 50 heißt und beschleunigt werden sollte, etc., etc. Das wäre sinnvoll, finanziell tragbar und würde so manchen Unfall verhindern helfen! Eine "Prüfungsfahrt" nur für Ältere erfüllt Herrn Kustos ausgeführte Freiheitseinschränkung!

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  5. Nach der deutschen Einheit hat kein Mensch gefragt, ob irgendjemand die bundesdeutschen Verkehrsregen kennt. Alle sind drauflos gefahren und es ist ja inzwischen 25 Jahre gut gegangen. Auch im Ausland klappt es mit völlig unbekannten Regeln. Und dann soll der 75jährige Hans plötzlich akribisch lernen, was Hänschen nie gebraucht hat.

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  6. Da muß ich noch einen loswerden:
    letzten Sommer zuckelte einer wie besoffen von links nach rechts und vor uns her und traf an einer Biege dann geradeaus den Parkplatz einer Bank wo er stehen blieb. Auf meinen Blick ins Führerhaus sah ich einen Nicht-Weißen vor Pein erstarrt an die Wand blicken.
    Die Leute, die hier Willkommen geheißen werden sollen dürfen mit ihren Lappen am Verkehr "teilnehmen" - das juckt scheint es keinen, egal was sie für den Schein bezahlt haben oder auf was für einem Acker sie Furchen gepflügt haben.
    Toll.
    Ich habe Kinder, die jeden Morgen in die Schule müssen.
    Da fürchte ich keine Rentner, wirklich nicht.

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  7. Radfahrer dürfen Großstädte, wie Berlin, seit Jahren ohne jegliche Kenntnis von Verkehrsregeln,ohne Nummernschild und damit fehlender Identitätsfeststellung, auf allen öffentlichen Straßen unsicher machen. Radwege benutzen, Fehlanzeige. Man muss ja Autofahrer und Fußgänger, sich immer im Recht wähnend, da ja jetzt Rot-Grün regiert, gefährden und schikanieren. In No Go Areas gibt es eigene Verkehrsregeln ausländischer Clane. Sie führen ungehemmt Straßenrennen auf dem Kurfürstendamm aus und bringen dabei Menschen um. Alles kein Problem, aber die Alten. Denen wird ein Problem herbei geredet, hört sich ja auch besser an, als die anderen Tatsachen in diesem Land.
    Hier geht es um die Etablierung weiterer Geschäftsmodelle und Ausgrenzung der Alten, damit sie früher zum Abzocken in Heime gehen, die wieder ein Geschäftsmodell sind. Vorher noch eine Erhöhung der Versicherungsprämien, unbezahlbar von den Hungerrenten, damit die Versicherungslobbyisten auch noch was vom Kuchen abbekommen. Diese Politik, die bestimmte Gruppen in der Gesellschaft immer wieder attackiert, öffentlich zun Mobben frei gibt und diskriminiert wird zur Plage. Von Hundebesitzern bis Andersdenkenden, niemand ist mehr sicher, nicht zum Geldabzocken und zur Massenablenkung von den eigentlichen Problemen, mißbraucht zu werden. Wenn 2 sich streiten, freut sich der Dritte! Das ist gewollt.

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