Ein Klassiker dieser real existierenden Virtualität ist das Thema Energiesparlampen, die vorgeblich einer vorgeblich menschverursachten Klimaerwärmung entgegenwirken können sollen. Ich werde hier nicht noch einmal wie in meinem Buch „Chaos mit System“ detailliert auf die Fülle von Lügen und Nachteilen für Konsumenten eingehen, mit der die EU-Bürokratie für die Industrie auf Kosten ihrer Bürger zwangsweise einen neuen Markt erschlossen hat. Es gilt jedoch, den Wissensstand zu aktualisieren und den Sinn zu schärfen, wie „Manipulation für den guten Zweck“ funktioniert.
Schon im Dezember hatte das Umweltbundesamt gemeldet, dass aus einer zerbrochenen Energiesparlampe soviel Quecksilber austritt, dass der Grenzwert für Innenräume zwanzigfach überschritten wird. Dem trotz der oktroyierten Lampen noch einigermaßen gesunden Menschenverstand stellt sich die Frage, warum dieses Amt der Umweltexperten sich nicht vor Einführung des neuen Brennmittels dazu schlau gemacht hat. Vielleicht weil die sicher gutwilligen Mitarbeiter wussten, dass gegen die EU-Bürokratie sowieso kein Kraut gewachsen ist? Oder weil sie der „guten Sache“ nicht im Wege stehen wollten?
Mir stellt sich noch eine ganz andere Frage. Warum gingen die Experten gerade jetzt mit einer Weisheit an die Öffentlichkeit, die mittlerweile jedem bekannt ist, der sich mit dem Thema auch nur hobbyweise beschäftigt hat. Quecksilber war schon bei den seit Jahrzehnten gebräuchlichen Leuchtröhren ein ungelöstes Problem, denn sie gehören deshalb auf den Sondermüll, wo sie aber zu weniger als 20 Prozent landen – wie eben auch bei den ach so umweltfreundlichen Energiesparlampen.
Nicht gerade erleuchtend war dann die Art und Weise, wie die sonst recht sorgfältige Stiftung Warentest mit dem Thema umging. Wenn es um die virtuelle Rettung der Welt geht, dann nimmt auch sie es mit den Worten und der Wahrheit anscheinend nicht mehr so genau. Zwar bestätigte „Test“ im Januar die Quecksilbergehaltsmessung der staatsgetragenen Umweltretter, doch seien die „2 Milligramm mit bloßem Auge kaum sichtbar“.
Dann kam dort die Logik des Niedergangs aber erst richtig in Fahrt: Weil zwei Kilogramm Fisch soviel Quecksilber enthalten wie eine Energiesparlampe sei Umweltschutz wichtig. Wer Energiesparlampen benutzt, trägt zum Umweltschutz bei, und zwar, weil diese 80 Prozent weniger Strom verbrauchen (eine hinreichend widerlegte Behauptung). Deshalb komme eben weniger Quecksilber aus den Kraftwerkschornsteinen (auch bei Atomkraftwerken?). Also alles kein Problem. Und zuhause ist auch schnell alles wieder in Ordnung: Viel lüften, mit Gummihandschuhen die Reste des Kolbens zusammenkehren, den Teppich mit Klebeband abtupfen, erst dann staubsaugen und den Beutel sofort entsorgen. Und schon ist es wieder schön gemütlich daheim, besonders wahrscheinlich, wenn eine alte, stimmungsvolle Glühlampe eingeschraubt wurde.
Ja wenn, und wenn es nicht immer noch dicker käme. Kurz vor Ostern meldete der NDR in einer Verbrauchersendung, dass die Öko-Leuchtmittel offenbar auch während des Betriebs Dämpfe absondern, die im Verdacht stehen, Krebs zu erregen. Der Sachverständige sagte sogar, die meistabgegebenen Substanzen seien die mit dem höchsten Krebsrisiko. Wir werden sehen, wie schnell Stiftung Warentest und andere Verdunkler der Wirklichkeit mit Verbalberuhigung zur Stelle sein werden.
Aber es gibt auch gute Nachrichten: Immer mehr sind die alten, seit Urzeiten bewährten Glühlampen wieder zu erhalten – voll korrekt angeboten als Heizelemente.
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